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Streit um Karikaturen von Franziska Becker: Diskriminierung geschieht oft unabsichtli
Jens Büttner/ DPA

Die "Emma"-Karikaturistin Franziska Becker wird am Samstag für ihr Lebenswerk geehrt. Dabei arbeiten ihre Cartoons mit islamfeindlichen Klischees, kritisiert unser Gastautorin Sibel Schick. Ausreden will sie nicht gelten lassen.

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syracusa 29.06.2019, 12:06
1. Kopftuch ist ein Bekenntnis dazu, nicht dazu gehören zu wollen

Zitat: "auch dann, wenn man das Kopftuch für ein Symbol der Unterdrückung hält"

Die allerwenigsten Kopftuchträgerinnen werden bei uns durch ihre Ehemänner oder Väter zum Kopftuchtragen gezwungen, und deshalb ist das kein Symbol weiblicher Unterdrückung. Sehr oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Mädchen tragen das Kopftuch gegen den Willen ihrer Eltern. Das hat einerseits was mit pubertärer Suche nach einer eigenen Identität zu tun, die immer auch ein erster individueller Akt des Widerstands gegen Bevormundung ist, das hat aber auch was mit einer Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft zu tun. Es ist ein Zeichen dafür, nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören zu wollen, anders zu sein, und anders behandelt werden zu wollen. Das Kopftuch ist für muslimische Mädchen oft das, was in meiner Jugend lange männliche Haare waren.

Ich bin deshalb zwiegespalten. Grundsätzlich sind staatliche Verbote völlig fehl am Platz und würden unseren eigenen Grundwerten entgegen stehen. Wir müssen den Wunsch der Kopftuchträgerinnen auch respektieren, sich von der Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen, aber wir müssen darüber nicht froh sein. Ich halte es für legitim, Kopftuchträgerinnen auch darauf hinzuweisen, dass sie sich damit selbst aus dem Mainstream ausschließen. Die Grenze zur Diskriminierung verläuft da sicher sehr fließend.

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altais 29.06.2019, 12:06
2. Das Kopftuch steht für Rückständigkeit

für Leben in einer sozialen Umgebung, die Werte aus früheren Jahrhunderten hoch hält. Ich hätte die gleichen Probleme, wenn eine christlich orientierte Lehrerin mit einem "christlichen" Kopftuch vor der Klasse auftaucht. Auch dort steht das Kopftuch für eine Frauenrolle, die sich von männlichen Weltbildern steuern lässt, "Frau an den Herd" und so. Das Kopftuch ist ein Unterdrückungssymbol, da könnt ihr "modernen" Moslems dagegen halten, so viel ihr wollt.

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penie 29.06.2019, 12:21
3. Blödsinn, unabsichtliche Diskriminierung gibt es nicht!

Ein Begriff oder auch eine Darstellung ist niemals per se diskriminierend. Es kommt immer auf die Absicht an. Wenn eine Darstellung herabwürdigend ist, weiß die Autorin das natürlich. Frau schaue sich nur mal die Diskussion um die Zulässigkeit von Benennungen, wie "Mohren-Apotheke" an. Hier liegt die Diskriminierung einzig im Auge der Betrachterin.

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Dion 29.06.2019, 12:22
4. Franziska Becker, eine Erfüllungsgehilfin?

Dahinter steht wahrscheinlich die Politik der Emma: Was Alice Schwarzer für verboten hält, u.a. Pornos und Kopftücher, müssen Schreiberinnen und Zeichnerinnen in der Emma umsetzen. Und weil Alice bei diesen Dingen nicht differenziert, dürfen in der Emma auch keine anderen Meinungen erscheinen. Das ist Schwarz-Weiß-Denken in Reinkultur.

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Rosenhag 29.06.2019, 12:28
5.

Sibel Schick sieht sich eben als Vertreterin des intersektionalen Feminismus. Es scheint ihr vordringliches Anliegen "Emma-Feminismus" zu bekämpfen.

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orca20095 29.06.2019, 12:30
6. Die Spirale der „Korrektheit“

dreht sich immer weiter. Ich bin kein „Emma“ Fan, aber diese Kolumne unterscheidet sich nicht von einer „Religionspolizei“. Das Ende wird sein, dass die große Mehrheit sich zu solchen Themen überhaupt nicht mehr äußert und sich dafür interessiert, weil die Meinungshoheit ja bei den „Fundamentalist*innen“ liegt. Und die haben ja immer recht.

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interessierter Laie 29.06.2019, 12:32
7. Schwierig...

Traditioneller Feminismus wendet sich gegen die Diskriminierung der Frau. Moderner Feminismus hat sein Betätigungsfeld auf jegliche Diskriminierung erweitert. Der traditionelle Feminismus kann problemlos
Frauen diskriminierende Strukturen in jedem beliebigen Kontext angereifen. Der moderne gerät ständig in Konflikte, wenn Anhänger diskriminierender Religionen und Weltanschauungen diskriminiert werden und verliert sich dann in künstlichen Differenzierungen.

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stefanmargraf 29.06.2019, 12:32
8. Nicht "Kritik" mit "Feindlich" verwechseln

Kritik ist in unserer westlichen Welt jederzeit selbstverständlich und erwünscht. Sie muss nicht geteilt werden. Man nennt das freie Meinungsäußerung. "Feindlich" ist ein Kriegsbegriff und verortete den "Feind" den es zu besiegen gilt durch Zuordnung "feindlichen" Verhaltens. Welches dann die Anwendung von Gewalt rechtfertigt (aber es ist immer nur eine Selbstrechtfertigung).

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nixproblem 29.06.2019, 12:40
9. kleinkariert - humorlos - verbiestert

Ich kenne sicherlich nicht alle Cartoons von Franziska Becker, trotzdem halte ich die Aussagen von Frau Schick für unhaltbar. Becker nimmt auf eine humorvolle, natürlich auch karikaturistisch zugespitzte Art Zustände und Missstände aufs Korn. Zu letzteren gehören selbstverständlich auch gewisse Erscheinungen im Islam bzw. bei dessen Gläubigen. Dies zu karikieren ist zulässig und notwendig. Man kann die Cartoons schlecht finden und kritisieren, schließlich haben wir Meinungsfreiheit. Diese Kritik aber mehr oder weniger nur mit Kampfbegriffen wie islamfeindlich, rassistisch usw. zu begründen, reicht nicht aus und disqualifiziert die Autorin.
Besonders ärgerlich ist dann auch noch die arrogante Pose in der Einleitung "Ausreden will sie nicht gelten lassen." Ende der Meinungs- und Kunstfreiheit, oder?

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