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Stummfilm-Spezialist über "The Artist": "Die Musik war viel zu leise!"

Mit "The Artist" hat ausgerechnet ein Stummfilm beste Oscar-Chancen. Doch wie authentisch ist der Kino-Hit überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat ihn sich*zusammen mit dem Stummfilm-Komponisten Stephan von Bothmer angeschaut - und angehört.

Gerdd 31.01.2012, 19:07
1. Typisch Filmkomponist ...

Zitat von sysop
Mit "The Artist" hat ausgerechnet ein Stummfilm beste Oscar-Chancen. Doch wie authentisch ist der Kino-Hit überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat ihn sich*zusammen mit dem Stummfilm-Komponisten Stephan von Bothmer angeschaut - und angehört.
... auf die Kamera kann er notfalls verzichten, aber auf die Filmmusik nicht. Auch seine weiteren Kommentare sind von seinem persönlichen Standpunkt aus gegeben.

Authentische Filmmusik für einen originalen Stummfilm müßte eben auf einem Klavier oder - Luxus, oh Luxus - auf einer Orgel gespielt werden. Mit größeren Orchestern hätte das Kino so seine Probleme gehabt. Es gab ja noch keine Tonspur auf dem Film, es gab also noch den Pianisten live im Kino. Und da war auch kein Verstärker, der etwaige Bässe dem Zuschauer in den Bauch trieb. Was unser Komponist hier tun will, ist also der totale Anachronismus. Fimmusik von heute auf einen Film aus der Stummfilmzeit.

Ich glaube, der Gedanke, daß hier kein O-Ton vorliegt, weckt bei ihm die Begehrlichkeit, nun das ganze akustische Spektrum mit seinem Werk zu beackern.

Für mich nicht der richtige Weg.

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ohminus 31.01.2012, 19:53
2.

Zitat von Gerdd
... auf die Kamera kann er notfalls verzichten, aber auf die Filmmusik nicht. Auch seine weiteren Kommentare sind von seinem persönlichen Standpunkt aus gegeben.
Ich glaube, Du verwechselst hier was... er selbst macht regelmäßig Live-Musik zu Stummfilmen, und zwar nur mit einem Flügel.

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ralf_gabriel 31.01.2012, 20:04
3.

Zitat von sysop
Mit "The Artist" hat ausgerechnet ein Stummfilm beste Oscar-Chancen. Doch wie authentisch ist der Kino-Hit überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat ihn sich*zusammen mit dem Stummfilm-Komponisten Stephan von Bothmer angeschaut - und angehört.
Die Musik zu leise...Bässe im Bauch. Man kann sich ja nen Vibrator an die Stereoanlage anschliessen wenn man das gerappel braucht. Mir sind moderne Filme zu extrem gemischt. Den einen Moment nuscheln sich die Darteller einen ab und im nächsten reißt einem eine 'actionsequenz' die Ohren vom Kopf (und erfreut noch die Nachbarn 2 Häuser weiter dazu)

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Peter Boots 31.01.2012, 20:27
4. Film Musik

Zitat von Gerdd
... auf die Kamera kann er notfalls verzichten, aber auf die Filmmusik nicht. Auch seine weiteren Kommentare sind von seinem persönlichen Standpunkt aus gegeben. Authentische Filmmusik für einen originalen Stummfilm müßte eben auf einem Klavier oder - Luxus, oh Luxus - auf einer Orgel gespielt werden. Mit größeren Orchestern hätte das Kino so seine Probleme gehabt. Es gab ja noch keine Tonspur auf dem Film, es gab also noch den Pianisten live im Kino. Und da war auch kein Verstärker, der etwaige Bässe dem Zuschauer in den Bauch trieb. Was unser Komponist hier tun will, ist also der totale Anachronismus. Fimmusik von heute auf einen Film aus der Stummfilmzeit. Ich glaube, der Gedanke, daß hier kein O-Ton vorliegt, weckt bei ihm die Begehrlichkeit, nun das ganze akustische Spektrum mit seinem Werk zu beackern. Für mich nicht der richtige Weg.
Orchester hat es schon gegeben, in den groessten und teuersten Kinos. In anderen kleinere, Fluegel, Violine, Bass, auch Schlagzeug, in den kleinsten dann nur noch das Klavier.

Die Wurlizer Orgel sollte in Theatern und Kinos das Orchester ersetzen.

Musik wurde zu normal langen Filmen uebliecherweise komponiert oder auf vorhandenes zurueckgegriffen, es wurden dann auch Versionen nur fuer das Klavier erstellt.

Leide sind sehr viele dieser Kompositionen heute verschollen.

Der Herr von Bothmer hat recht wenn er sagt dass Musik beim Film die Emotionen ausdruecklich macht.

Billy Wilder's 'Lost Weekend' (1945) sollte urspruenglich keie Musik haben um bewusst 'natuerlich' zu sein. Bei previews haben jedoch die Zuschauer die "uebertriebe Mimik" des hervorragenden Ray Milland ausgelacht.

Miklós Rózsa hat dann Musik fuer den Film komponiert und Ray Milland bekam den Oskar als bester Darsteller und Miklós Rózsa fuer die Musik.


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blitzunddonner 31.01.2012, 21:20
5. mann, mann, mann ...

Zitat von sysop
Mit "The Artist" hat ausgerechnet ein Stummfilm beste Oscar-Chancen. Doch wie authentisch ist der Kino-Hit überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat ihn sich*zusammen mit dem Stummfilm-Komponisten Stephan von Bothmer angeschaut - und angehört.
zu authentisch, zu wenig authentisch ... was ein quatsch. es ist ein film von heute. authentisch mit dem jetzt. auch wenn er sich mit der vergangenheit beschäftigt, thematisch und in der form.

der film kann gut sein oder schlecht. wird man erfahren, wenn er gesehen werden kann.

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satissa 01.02.2012, 04:32
6. Musik zu leise

Zitat von sysop
Mit "The Artist" hat ausgerechnet ein Stummfilm beste Oscar-Chancen. Doch wie authentisch ist der Kino-Hit überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat ihn sich*zusammen mit dem Stummfilm-Komponisten Stephan von Bothmer angeschaut - und angehört.
Kann dem sogenannten Stummfilm-Spezialisten nicht mit einem TV-Spezialisten geholfen werden? Man braucht ihm doch nur zu zeigen, wo der Lautestaerkeregeler seiner Fernbedienung ist.
Wie authentisch ist dieser Film überhaupt. Noch so eine Frage, die nur von einem bierernsten, sauertöpfischen Hamburger Redakteur kommen kann. Wer Jean Dujardin seit seinen Anfängen in den 90ern in der Vorabendkurzfilmserie "Un gras et un fils" kennt und seine Laufbahn weiterverfolgt hat, mit Höhepunkten wie "OSS117 - Le Caire, nid d'espions" (auch mit Berenice Bajo als Parnerin), der weiss erkennt das ungeheure Talent, das dieser Mann hat und weiss vor allem: der Mann ist authentisch und nimmt sich vor allem nicht ernst und wichtig, sondern ist immer locker und lässig.
Ein Genuss

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kroetilein 01.02.2012, 11:45
7. Läuft leider nirgends

Zitat von blitzunddonner
der film kann gut sein oder schlecht. wird man erfahren, wenn er gesehen werden kann.
Das Traurige ist: er KÖNNTE gesehen werden (läuft seit 26.12.), wenn die Kinobesitzer sich trauen würden, ihn ins Programm zu nehmen.
Tun sie aber beinah nicht, weil sie eben lieber mit so was wie Jack Sparrow und 3D-Sachen ein Geschäft machen.
Man muss ewig suchen, bis man ein Kino findet, das The Artist zeigt.
Bis zu einem gewissen Grad ist das auch eine Bevormundung des Zuschauers.
Vielleicht würde dieser Film ja Kasse machen - ?
Auf diese Art werden wir es nie erfahren.

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nebenjobber 01.02.2012, 14:23
8. Kasse machen?

Zitat von kroetilein
Das Traurige ist: er KÖNNTE gesehen werden (läuft seit 26.12.), wenn die Kinobesitzer sich trauen würden, ihn ins Programm zu nehmen. Tun sie aber beinah nicht, weil sie eben lieber mit so was wie Jack Sparrow und 3D-Sachen ein Geschäft machen. Man muss ewig suchen, bis man ein Kino findet, das The Artist zeigt. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch eine Bevormundung des Zuschauers. Vielleicht würde dieser Film ja Kasse machen - ? Auf diese Art werden wir es nie erfahren.
reines Wunschdenken.

Die Mehrfachnominierung für den Oscar dürfte auch nur dem Format selbst geschuldet sein und hat nichts mit etwa überragenden Leistungen d. jeweiligen Kategorien zu tun. Vorschußlorbeeren der Nostalgie halber.
Die interessierte Zielgruppe dürfte sehr klein sein, weshalb ich die Lichtspielhäuser ;) verstehen kann, die den Film nicht regulär ausstrahlen wollen. Mit Bevormundung der Zuschauer hat das nichts zu tun.
Bevor nun ein Freund des Stummfilms gegen die nicht Interessierten lospoltert und deren Intellekt ins Spiel bringt...jaja

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