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"Tannhäuser"-Skandal: Im Land der Täter und Sanitäter
DPA

Die Deutschen ermordeten sechs Millionen Juden, aber wenn man sie daran erinnert, rufen einige neuerdings den Arzt. Weil Zuschauern übel wurde, setzte die Düsseldorfer Oper eine umstrittene "Tannhäuser"-Inszenierung ab. Ob die wirklich ein Skandal ist? Mag sein. Ihre Absetzung ist sicher einer.

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pereju 10.05.2013, 19:59
1. Wie geht es weiter mit Herrn Meyer?

Vor der Premiere und direkt danach wusste der Intendant, dass die Inszenierung provozieren würde, drei Tage danach wusste er, wie sehr sie provoziert hat - und fiel prompt um.
Hat er sich dem politischen Druck gebeugt, der von der Rheinischen Post nach Kräften geschürt wurde? Oder ist der Intendant einfach jemand, der sich nach den lautesten Stimmen richtet? Kann so einer Intendant sein?
Herr Meyer, es wird ziemlich eng für Sie, denn der eigentliche Skandal sind Sie!

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LorenzSTR 10.05.2013, 20:01
2. Peinlich

Das besser gestellte Bürgertum scheint offenbar mehr und mehr in den luftleeren Raum abzugleiten: Bloß nichts hören, bloß nichts sehen, was irgendwie verstören könnte, auf keinen Fall mit unangenehmen Dingen konfrontiert werden, immer schön selbstgerecht die "think positive"-Attitüde im Kopf. Und so wie man seit Jahrzehnten an den Pöstchen klebt und für die Töchter und Söhne alles Unangenehme aus dem Weg geräumt hat, so engagiert muss man dann auch der Empörung freien Lauf lassen - natürlich nicht da, wo es wirklich angebracht wäre, sondern im Theater. Was für eine Farce.

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Minette 10.05.2013, 20:05
3. Tannhaeuser

ist eh nicht unser Ding, Gottlob waren wir nicht dort. Aber ganz allgemein halten uns diese besch..... modernen Inszenierungen, fuer die D'dorf bekannt ist, seit 30 Jahren davon ab, hier in die Oper oder ins Theater zu gehen. Wie oft haben wir in der Pause die auffuehrungen verlassen. Sollen sie doch neue Stuecke schreiben, die hier und jetzt oder im 20. Jahrh. passieren. Aber die alten Stuecke in die Nazizeit zu verlegen ( wie den Kaufmann von Venedig) und aehnliches mehr, ist zum weglaufen. Don Giovanni in DUS - ein Graus. Hier gehen wir weder ins Theater noch n die Oper!

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clausde 10.05.2013, 20:06
4. Zensur durch den Zuschauer

Am Jahrestag der Bücherverbrennung wirklich eine groteske Haltung des Düsseldorfer Opernhauses. Wagner-Fans mussten schon immer damit leben den Werken eines Antisemiten zu huldigen. Das gilt auch für die alljährlichen Besucher der Bayreuther Wagnerfestspiele. Warum da Figuren wie Gottschalk und Merkel sich auf dem roten Teppich zeigen, ist ein Rätsel. Aber die Diskussion darüber ist nicht neu.

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p. glauca 10.05.2013, 20:06
5. Das passt doch zu dem ...

...was heutzutage generell als Unterhaltung verstanden wird: Nicht denken, einfach stumpf konsumieren und vor allem bitte nicht den Spiegel vorhalten. Weil ein paar Besuchern schlecht wird, wird ein solches Stück abgesetzt, armes Deutschland. Aber das passt halt zu uns!

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victor_lazlo 10.05.2013, 20:07
6. Primitive Provokation

Zitat von sysop
Die Deutschen ermordeten sechs Millionen Juden, aber wenn man sie daran erinnert, rufen einige neuerdings den Arzt. Weil Zuschauern übel wurde, setzte die Düsseldorfer Oper eine umstrittene "Tannhäuser"-Inszenierung ab. Ob die wirklich ein Skandal ist? Mag sein. Ihre Absetzung ist sicher einer.
Das hat doch mit geschichtlicher Auseindersetzung Nichts zu tun. Hier geht es einfach um primitive Provokation, womit sich Einer herausheben will. Das ist genau das Gegenteil von Holocaust Verarbeitung. Nämlich Effekthascherei auf dem Rücken von 6Mio Toten.

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trafozsatsfm 10.05.2013, 20:07
7.

Es mag gut möglich sein, dass diese "Tannhäuser"-Inszenierung schlecht oder überflüssig war. Aber warum soll das Publikum das nicht selbst herausfinden?

Die Begründung ist ja wohl mehr als lächerlich: Schließlich sollte ja spätestens nach der Premiere jeder gewarnt sein und auf eigene "Gefahr" hingehen.

Irgendwie finde ich dieses ach so feine Theater- und Opernpublikum immer wieder faszinierend: Da wird während der Pause der Regisseur wild beschimpft, nur weil einem eine Inszenierung nicht gefiel. Da gehe ich doch lieber zu Rockkonzerten. Da kann sich das Publikum besser benehmen und stellt sich nicht wegen jeder Kleinigkeit so an... ;)

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thorsten_kampe 10.05.2013, 20:08
8.

Zitat von sysop
Die Deutschen haben in ihrer jüngeren Geschichte sechs Millionen Juden umgebracht, aber wenn sie im Jahr 2013 auf einer Opernbühne daran erinnert werden, rufen sie nach dem Onkel Doktor.
Herr Höbel scheint zu meinen, die '"die Deutschen", die "sechs Millionen Juden umgebracht haben" seien die gleichen, die sich "weigern, daran erinnert zu werden".

Die Zuschauer haben viel Geld für eine Tannhäuser-Aufführung bezalt und dürfen statt dessen eine Geschichtsstunde auf Pennäler-Niveau aushalten.

Auch sehr lustig: Burkhard C. Kosminski

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kannmanauchsosehen 10.05.2013, 20:08
9. Die Absetzung ist zu begrüßen.

Zitat von sysop
Die Deutschen ermordeten sechs Millionen Juden, aber wenn man sie daran erinnert, rufen einige neuerdings den Arzt. Weil Zuschauern übel wurde, setzte die Düsseldorfer Oper eine umstrittene "Tannhäuser"-Inszenierung ab. Ob die wirklich ein Skandal ist? Mag sein. Ihre Absetzung ist sicher einer.
Zitat von
"Die Belastung", werden die Zensoren wie der Düsseldorfer Opernchef Meyer sagen, "ist nicht zu verantworten."
Es geht dem Herrn Regisseur nicht um die Aufarbeitung deutscher Geschichte, sondern um den schlagzeilenträchtigen Skandal. Und dass gelingt in Deutschland neben einem kräftigen Griff unter die Gürtellinie noch am besten mit den Symbolen des dritten Reiches.

Um es kurz zu machen, die Verwurstung von Kunst zur Skandalhascherei ist der eigentliche Skandal, nicht die Reaktion des Publikums und die Absetzung.

Geschichtsaufarbeitung geschieht am besten in Schulen, Gedenkstätten, Museen und speziellen Gedenkveranstaltungen - eigens komponierte Opern wären hier auch zu begrüßen. Die Absetzung ist daher zu begrüßen.

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