Forum: Kultur
Thementag auf 3Sat: Reality-Check für Polenwitze

So nah und doch so fern: Über Polen gibt es in Deutschland mehr Vorurteile als echtes Wissen. Ein Missstand, den 3sat aufgreift - einen Tag lang bemüht sich der Sender mit Filmen, Comedy und Dokumentationen um Aufklärung. Doch ein Thema ist wird ausgeklammert.

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Moewi 24.04.2010, 23:05
1. lol

"Doch ein Thema ist wird ausgeklammert."

Grammatik?

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haltetdendieb 24.04.2010, 23:50
2. Tut mir Leid

Über Witze, Polenwitze, Frauenwitze etc. kann man keinen Reality-Check machen.

Auch nicht über Ostfriesen- oder Bayernwitze! Thema verfehlt, falls es darum gehen sollte.

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danduin 25.04.2010, 01:18
3. Kann man so oder so sehen

Zitat von sysop
So nah und doch so fern: Über Polen gibt es in Deutschland mehr Vorurteile als echtes Wissen.
Naja, dass änderte sich die letzten Jahre.
Die Aussage trifft aber auch gegenteilig zu "Über Deutschland gibt es in Polen mehr Vorurteile als echtes Wissen", und dass obwohl sehr viele im Westen Gastarbeiter waren.
Leider ist dass so, denn eigentlich gibt es doch auch viele Ähnlichkeiten.
Die eiserne Mauer steht nunmal immernoch in vielen Köpfen. Diese hat wahrscheinlich verhindert, dass die Polen die Entwicklung Deutschlands die in den letzten 65 Jahren stattfand, nicht realisiert haben.

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wowiku 25.04.2010, 08:46
4. Meinungsmache

Zitat von sysop
So nah und doch so fern: Über Polen gibt es in Deutschland mehr Vorurteile als echtes Wissen. Ein Missstand, den 3sat aufgreift - einen Tag lang bemüht sich der Sender mit Filmen, Comedy und Dokumentationen um Aufklärung. Doch ein Thema ist wird ausgeklammert.
Wer beurteilt was "echtes Wissen" und was Vorurteil ist ? Fast jeder hat seine Erfahrungen mit diesem Land und seinen Bewohnern und die bestimmen eben die Urteile und Meinungen.
Und wenn sich ein Sender des Themas annimmt, dann sicher um die "Meinung und Urteile" zu beeinflussen.

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Ylex 25.04.2010, 10:38
5. Polen fasziniert und irritiert

Weil ich vorher noch nie in Polen war, flog ich voriges Jahr nach Danzig, nahm mir einen kleinen Mietwagen und fuhr 14 Tage durch Norpolen, nicht orientierungslos, aber doch zu schlecht vorbereitet, wie ich bald erkennen musste. Es wurde ein zwiespältiger Trip – einerseits die Faszination eines wunderschönen, fast leer wirkenden Landes, andererseits die Öde der Trabantenstädte, die Tristesse der Ballungsräume zum Beispiel Gdansk, Gdynia oder Olsztyn.

Im Vergleich zu den kalten Deutschen sind die Polen warmherzige und sehr empfindsame Menschen, diesen Eindruck hatte ich zumindest – denn da war das Problem mit der Sprache, eine Sprache von einer derartigen Fremdheit, dass ich selbst am Ende der Fahrt noch nicht einmal jemanden anständig auf Polnisch begrüßen konnte. Also Verständigung mit Händen und Füßen, doch auch bei diesem täglichen Chaos bemerkte ich bei älteren Polen immer wieder den typischen kurzen Augenaufschlag, mit dem man als Deutscher identifiziert wird, ein Art Einrasten, weniger unfreundlich als nachhaltig irritierend.

Man muss entweder jung oder naiv sein, um als Deutscher unvoreingenommen nach Polen fahren zu können. Wohl über zwei Stunden saß ich wortlos draußen vor einem Café am riesigen Mahnmal-Komplex der Westerplatte. Es war früher Vormittag, im Sonnenschein beobachtete ich das allmähliche Anschwellen der Bus-Kolonnen voller Schulklassen und Rentnerscharen, die zur zentralen Kultstätte des polnischen Nationaltraumas pilgerten. Mit großen Augen standen die Kinder vor den Souvenirläden: patriotischer Nippes zum Gruseln, daneben Stahlhelme aus Plastik, Gasmasken, Gummi-MGs, knallbunte Woytila-Devotionalien, Bernstein-Ramsch – ein Sammelsurium, dem man am besten mit einer Spalt-Tablette begegnete. Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben, aber ich kam mir vor wie ein Agent im Feindesland, ich hatte das schlimme Gefühl, hier als Deutscher nichts zu suchen zu haben, ich stand auf und ging, vorbei an gebeugten alten Leuten, die ganze Blumenladungen vor den Denkmälern für die Gefallenen ablegten. Auf dem Rückweg zum Auto zwängte ich mich durch ein Loch im Zaun, um direkt an die Ostseeküste zu kommen: Es war keine Küste, kein Ufer, kein Strand – es war eine unendlich lange Abbruchkante mit übereinander geschobenen, geborstenen Betonplatten, aus denen die Eisenbewehrung herausragte, rostig, grotesk verbogen, wie von einer unerhörten Macht zerschmettert.

Wenn Sie sich eine Straßenkarte kaufen, dann besser keine, wo unter den polnischen auch noch die deutschen Ortsnamen angegeben sind. Ich habe keine Vorfahren aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, trotzdem wird es schnell zu einer beklemmenden Erfahrung solch eine Karte zu benutzen. Man fährt durch das herrliche Masuren, die russische Grenze ist nicht weit, und man hat es ausschließlich mit deutsch klingenden Orten zu tun – denn die polnischen Ortsnamen sind ja nicht zu entziffern.

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haltetdendieb 25.04.2010, 11:11
6. Unvoreingenommen nach Polen

Ylex

Ich habe ganz andere Erfahrungen. Ich habe mich in Ostpreußen, die heimat meiner Mutter, gleich zu Hause gefühlt.

Ich war 1997 zur Zeit des Oderhochwassers, mit meinen drei Söhnen zwei Wochen in Masuren.

Die waren damals 12, 10 und 8. Und von Danzig dermaßen begeistert!

Wir hatten nicht einmal das Gefühl, wegen unserer deutschen Herkunft schief angeguckt zu werden.

Ich kann jedem nur empfehlen, mit oder ohne Unvoreingenommenheit nach Polen zu fahren.

Die Polnische Sprache ist schwer, aber mit ein bisschen Übung freuen sich die Einheimischen, wenn man es versucht.

Do widzenia!

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Excelsior 25.04.2010, 16:43
7. @ Ylex/haltetdendieb

Zitat von haltetdendieb
Ylex Ich habe ganz andere Erfahrungen. Ich habe mich in Ostpreußen, die heimat meiner Mutter, gleich zu Hause gefühlt.
Ich finde es im Grunde nur erfreulich, wenn Ylex sich an manchen Orten in Polen etwas unwohl gefühlt hat, zeugt dies doch von einer Sensibilität, die offenbar vielen unserer Landsleute vollkommen fehlt.

Im Hinblick auf die Geschichte gibt es wohl auf der Welt kein zweites Land, bei dem das Verhältnis derart vorbelastet ist wie Polen. Eine Tatsache, die, wenn man sie stets im Hinterkopf behält, den Aufenthalt in diesem Land sehr erleichtern kann (damit meine ich, wohlgemerkt, kein permanentes schlechtes Gewissen). Wenn man dann noch ein paar einfache Brocken Polnisch spricht, dann hat man bei unseren Nachbarn nicht die geringsten Probleme.

Bei meinen Geschäftsreisen nach Polen (etwa drei Reisen/Jahr in die fünf größten Städte des Landes, oft mit dem eigenen PKW) habe ich Land und Leute als ausgesprochen sympathisch kennen gelernt. Deutschenfeindlichkeit ist mir weder im Umgang mit der Bevölkerung, noch mit polnischen Geschäftspartnern begegnet, im Gegenteil: Ein großes Interesse und ein deutlich höherer Wissenstand über den Nachbarn im Westen als umgekehrt in Deutschland, das fällt mir immer wieder auf. Unvergessen die Hochachtung bei meinen Kollegen in Krakau, als ich erzählte, das Wochenende für einen Besuch in Auschwitz genutzt zu haben.

Zum Schluss noch ein Tipp: Besuchen Sie Warschau, Europas meistunterschätzte Hauptstadt!

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wkawollek 25.04.2010, 16:52
8. Witz oder nicht Witz,das ist hier die Frage

Die schönste Form polnischen Humors ist immer noch 'Sein oder Nichtsein' von Ernst Lubistch.
Noch besser als Charlie Chaplin's 'Großer Diktator'.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sein_oder_Nichtsein_(1942)

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schorsch_schornalist 25.04.2010, 21:58
9. Denglisch, denk' ich.

Zitat von Moewi
"Doch ein Thema ist wird ausgeklammert." Grammatik?
Noch ärgerlicher als nach Verbesserungen übersehene Wörter sind die überflüssig verwendeten englischen.
Kaum ein deutscher Leser kann sich etwas unter "Trafficking" vorstellen. Selbst wer Englisch beherrscht, wird nicht wissen, was der Autor bloß meint. Den illegalen Handel im allgemeinen, Schmuggel, oder doch den Drogenhandel? Oder gar Menschenhandel?

Die meisten werden nur "ficking" gleich neben "Sexarbeit" lesen und sich ihren Teil denken. Den falschen.

Was soll das? Ist Ihnen kein deutsches Wort eingefallen? Oder gehören Sie zu jenen, die das kühl finden, ab und zu mal ein paar überflüssige englische Begriffe einzustreuen? Lächerlich!
Ebenso wie die Moderatoren, die Internetadressen mit "dot-com" ansagen statt "Punkt-com". Das sollte mit lebenslangem Berufsverbot bestraft werden. Ach ja, und wo wir dabei sind, das S-Wort sagt man auch nicht "on air". Aber das ist ein fight gegen Windmills.

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