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Toleranz in Deutschland: Homophob sind immer die anderen
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Was sind wir plötzlich tolerant! Aber ist die aktuelle Sympathie für Schwule tatsächlich ernst gemeint? Die Mehrheitsgesellschaft hat sich durch Thomas Hitzlspergers Coming Out wohl kaum sprunghaft modernisiert. Für junge Schwule hat sich dennoch etwas entscheidend verändert.

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Claudia_D 12.01.2014, 07:13
30.

Zitat von sysop
Was sind wir plötzlich tolerant! Aber ist die aktuelle Sympathie für Schwule tatsächlich ernst gemeint? Die Mehrheitsgesellschaft hat sich durch Thomas Hitzlspergers Coming Out wohl kaum sprunghaft modernisiert. Für junge Schwule hat sich dennoch etwas entscheidend verändert.
"Aktuelle Sympathie für Schwule" - Was ist den das eigentlich für ein dämlicher Satz?
Sorry, in einem Land, in dem der letzte Außenminister ein Schwuler war, der Regierende Bürgermeister von Berlin einer ist und der Erste Bürgermeister von Hamburg auch einer war, hier so ein Fass aufzumachen verstehe ich echt nicht. Wo bitteschön gibt es denn so etwas sonst noch in Europa? Alle wurden sie gewählt, also. Und um Wowereit zu zitieren: "das ist auch gut so".

Man kann es auch übertreiben. Die Causa Hitzlsperger betrifft speziell die "Männerdomäne" Fußball. Die interessiert mich persönlich und viele andere nicht die Bohne. Und von der aus jetzt hier Grundsatzdebatten zu führen über etwas, das bereits - oder endlich! - gesellschaftlich anerkannt ist, ist eigentlich einfach nur lachhaft.
Von mir aus kann jeder mit jedem wie er oder sie es will, sofern es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Diskutiert über Hitzlsperger im Fußballteil. Aber bitte nicht allgemein, denn homosexuell sein ist da schon lange kein Thema mehr.

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el`Ol 12.01.2014, 07:24
31. das Toleranz-Wort

Ich bin 39, stamme aus einer erzkatholischen Gegend, und Homophobie war zu meiner Zeit bereits kein Thema mehr. Ich denke, die Toleranz gegenüber Homosexualität trägt man hierzulande vor sich her, weil das Wort "Toleranz" einerseits so positiv besetzt ist, andererseits unsere Gesellschaft (und v.a. Arbeitsgesellschaft) ebenso stark nach einem genormten Einheitsmenschen verlangt wie die des Mittelalters.

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jogiräuber 12.01.2014, 07:51
32. Traurig

Es ist doch traurig, dass ein Schwuler sich outet und die ganze Welt dies als Heldentat feiert. Ich frage mich, was da so toll oder mutig sein soll.
Zum Beispiel Zivilcourage ist heldenhaft, hilfsbedürftige Menschen unterstützen ist heldenhaft, Schwulsein sein aber nicht.
Schwulsein ist nichts normales.
Das hat die Biologie, im Bezug auf Fortpflanzung, nicht als Norm vorgesehen. Deswegen kann man auch nicht verlangen, dass alle Menschen Homosexuelle akzeptieren. "Und das ist gut so."
Man muss vielleicht auch mal an die Kinder denken, man versucht bei der Erziehung immer Normen und Werte zu vermitteln. Man hofft, dass sie gesund bleiben, eine schöne Kindheit haben, einen guten Schulabschluss erreichen und dass Sie auch noch eine eigene Familie haben. Nun ist das mit der Hoffnung auf eine eigene Familie ja so eine Sache bei Homosexuellen. Das geht nicht auf natürlichem Weg. Und dann ist da noch das Problem, wenn ein Kind zwei schwule Papas hat. Ist das normal? Definitiv nicht. Und genau darauf muss man bei der Erziehung achten, nämlich, dass man Normen und Werte vermittelt.
Homosexualität entspricht jedenfalls nicht der Norm und muss NICHT von jedem akzeptiert werden.

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skorpianne 12.01.2014, 08:14
33. Grundsätzlich

Zitat von alexander.n.
Gäbe es für homosexuelle Menschen in Deutschland kaum noch Benachteiligungen, Anfeindungen und Diskriminierungen, wie es einige Zeitgenossen ja ernsthaft behaupten, dann wäre das Coming-Out von Thomas Hitzlsperger nicht zu so einem Mega-Thema avanciert, sondern es wäre eine Randnotiz geblieben. .
Grundsätzlich richtig. Das gilt aber für fast alle Themen. Die Hysterie verursachen doch hier nur die Leute, und damit meine ich auch Journalisten, die eilfertig herbei eilen um dieses private Bekenntnis zu einem Meilenstein der Toleranzwerdung in Deutschland hoch zu stilisieren. Ist hier irgend ein nennenswerter Protest zu sehen, wenn es darum geht, schwulen und lesbischen Paaren Rechte einzuräumen. Nein.
http://www.zeit.de/politik/deutschla...worter-umfrage

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Bengurion 12.01.2014, 08:19
34. Immer wieder lustig

und erheiternd, wenn sich Leute wie Sie hinstellen, sich beschweren, dass sie in die braune Ecke gestellt werden, als Neonazi bezeichnet werden und Sie gleichzeitig OHNE jedes Nachdenken, die Sprache der Unmenschen gebrauchen: es war Joseph Goebbels, der von gleichgeschalteter Presse (judenverseucht) gesprochen hat. Vorschlag, denken Sie darüber nach, welche Sprache sie verwenden und dann brauchen Sie sich auch nicht mehr als Hetzer hinstellen zu lassen.
Und zu ihrem letzten Satz: dem einen wahren totalitären System trauern SIE doch anscheinend nach...

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skorpianne 12.01.2014, 08:21
35. Claudia_D

Zitat von Claudia_D
"Aktuelle Sympathie für Schwule" - Was ist den das eigentlich für ein dämlicher Satz? Sorry, in einem Land, in dem der letzte Außenminister ein Schwuler war, der Regierende Bürgermeister von Berlin einer ist und der Erste Bürgermeister von Hamburg auch einer war, hier so ein Fass aufzumachen verstehe ich echt nicht. Wo bitteschön gibt es denn so etwas sonst noch in Europa? Alle wurden sie gewählt, also. Und um Wowereit zu zitieren: "das ist auch gut so". Man kann es auch übertreiben. Die Causa Hitzlsperger betrifft speziell die "Männerdomäne" Fußball. Die interessiert mich persönlich und viele andere nicht die Bohne. Und von der aus jetzt hier Grundsatzdebatten zu führen über etwas, das bereits - oder endlich! - gesellschaftlich anerkannt ist, ist eigentlich einfach nur lachhaft. Von mir aus kann jeder mit jedem wie er oder sie es will, sofern es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Diskutiert über Hitzlsperger im Fußballteil. Aber bitte nicht allgemein, denn homosexuell sein ist da schon lange kein Thema mehr.
Diesen Kommentar kann ich nur beipflichten. Was ist hier eigentlich los?
http://www.zeit.de/politik/deutschla...worter-umfrage

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h-i-2224 12.01.2014, 08:25
36. So richtig ist Ihr Statement nicht zu begreifen.

Schwul sein ist in erster Linie eine Privatsache und die Meisten überhaupt nicht interessiert, dass irgend ein Fußballer der Meinung ist dies allen auf die Nase pinseln zu müssen, so wie viele Menschen der Meinung sind, dass deren Privatleben für die Öffentlichkeit interessant wäre.

Die Diskussion um Hitzelsberger ist also kein Gradmesser für ein in diesem Bereich entspanntes Deutschland, genauso wenig wie dabei eine bestimmte ausgesprochene Homophobie der Deutschen auszumachen ist.

Nun ist die christliche Zauberwelt in der Deutschland lebt sicherlich ein schwerer Brocken in Bezug auf Humanismus und Toleranz sich nur auf Dinge bezieht, die nicht im Widerspruch zu deren Weltbild stehen, faktisch Nichts, aber Homophobie ist nicht unbedingt eine christliche Erfindung.
Menschen die homophob reagieren, suchen im Gegenüber das Andere um im Verein der Gleichgesinnten sich abheben zu können. Homosexualität ist dabei nur ein Feld welches durch derart gesinnte Menschen beackert wird. Nicht umsonst führt die Menschheit Kriege, welche selbst im absoluten Privatleben mit der Diffamierung des Anderen einhergeht, welches Anderssein als angebliche Schwächen des Gegenübers brandtmarkt und je nach Bedarf in wandelnder Form angewandt wird.
Wir leben in einer Welt, in der mittlerweile die falsche Jacke darüber entscheidet, ob man heute gemobbt wird oder nicht, vollkommen unineressant dabei ist, ob es sich hierbei um einen Schwulen handelt oder nicht. Und homophob zu sein heißt nicht automatisch intolerant zu sein und Intoleranz kein Privileg homophober Menschen ist.
Wie instabil Werte sind, also wie schnell sich "Normalität" innerhalb der Gesellschaft wandelt zeigt das Beispiel der Schwulenszene innerhalb der SA vor und im Dritten Reich, welche durch besondere Brutalität gegenüber Andersdenkenden aufgefallen waren, diese, nachdem diese ihren Zweck erfüllt hatten, als Schwule von heut auf morgen verfolgt worden sind und diese ab diesem Zeitpunkt mit schwersten Strafen belegt worden waren. Da war es nicht unbedingt Zufall, dass ein KZ-Häftling seinen Peiniger von einst beim Morgenappell plötzlich mit einem rosa Dreieck neben sich stehen sah und diesem nun selbiges Schicksal ereignete, wie zuvor er vielen anderen Menschen dieses zugemutet hatte. Und hierbei kamen noch nicht einmal Idiologien, Weltanschauungen und Religionen zum Tragen.

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kritiker82 12.01.2014, 08:29
37. Die Antwort lautet: Nein.

Nein, die aktuellen Sympathiebekundungen sind nicht allesamt ernst gemeint. Sie sind aber das Einzige, was in unserer Gesellschaft noch als politisch korrekter Umgang mit Homosexualität geduldet wird. Natürlich ist das heuchlerisch. Aber es ist nun mal so, dass erstens die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung heterosexuell ist, und es zweitens den meisten Angehörigen dieser Mehrheit, den Individuen, völlig egal ist, welche sexuellen Vorlieben ein anderer hat. Zu fordern, man möge "echte" Sympathie zeigen für etwas, das einem egal ist, geht an der Lebensrealität vorbei. Die Vertreter det political correctness haben sich aber selbst in diese Lage gebracht, da sie unfähig sind, eine andere als die eigene Haltung zu akzeptieren. Für sie gibt es nur schwarz und weiss, Schwulenfreunde und (heuchlerische) Homophobe. Eine durchaus legitime Gleichgültigkeit bei so persönlichen Dingen wie dem Sexualleben anderer lehnen sie ab. Allerdings sähen sie, was sie ernten. Sie laufen Gefahr, durch ihre Intoleranz und Verbortheit gerade diejenige Ablehnung gegen Homosexuelle, welche sie zu bekämpfen vorgeben, zu verfestigen und zu fördern.

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Nabob 12.01.2014, 08:46
38. Schwulenfeindlichkeit wird in Deutschland bleiben oder zunehmen

Zitat von sysop
Was sind wir plötzlich tolerant! Aber ist die aktuelle Sympathie für Schwule tatsächlich ernst gemeint? Die Mehrheitsgesellschaft hat sich durch Thomas Hitzlspergers Coming Out wohl kaum sprunghaft modernisiert. Für junge Schwule hat sich dennoch etwas entscheidend verändert.
Unser Staat gestaltet geraden eine Sozialstruktur, in der zunehmend Proletentum gebildet wird. Dies führt zu einer Bevölkerungsbewegung, in der junge Männer, zumeist graue Mäuse, durch body-building, piercing, Tattoos, Motorrad-Clubs und dergleichen versuchen, ihrem eigenen Schatten zu entkommen.
Dazu enteignet der Staat laufend die Rechte des Bürgers und konditioniert ihn zum schweigenden Konsumenten.

Leider führt das gehäufte Nichtvorkommen ganzer Bevölkerungsteile in den politischen Programmen gerade bei dem flacheren Bildungsstand zu einer Rückbesinnung auf rechtes Gedankengut, wofür die jüngere deutsche Geschichte hervorragende Anhaltspunkte bietet - und die Menschen, ihnen voran zB die Hells Angels, sind im Kommen - gewollt, um geltendes Strafrecht dann anzuziehen?

Wer sich politisch nicht um sein Volk kümmert, muss mit solchen Entwicklungen rechnen - letztlich ist das alles vorhersehbar.

Diese rechten Bazillen üben sich in hohler Kraftmeierei und dazu zählt auch die generelle Verurteilung von Homosexualität.

Hitzlspergers mutiger Vorstoß in Ehren, aber er wird nicht einmal einen einzigen Baustein auf dem Wege zur Normalisierung gelegt haben, weil die gegenläufige Bewegung des aufsteigenden Proletentums in Deutschland stärker und auch radikaler werden wird in den Ansichten und damit die Verurteilung von Homosexualität zunehmen wird.

Was die Zeitungen schreiben, ist nur ein schmaler Anteil des Ganzen.

Vielleicht sollte der Deutsche mal den Blick von seiner blankgewienerten Chromstoßstange nehmen und sich mehr für Politik interessieren, ehe der Kaufmann sich dort alles weggenommen hat.

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grubreg 12.01.2014, 08:48
39. Geteilte Sicht

Die Aufregung und das Schulterklopfen über "unsere" Toleranz weist auch wieder auf den Alleinvertretungsanspruch der alten BRD für ganz Deutschland hin (insofern auch auf die total verinnerlichte Siegermentalität mit der permanent wiederhoten Floskel von der "ehemaligen" DDR). In der DDR war die Strafbarkeit von homosexuellen Handlungen schon seit 1957 praktisch abgeschafft, in der BRD erst in den 90er Jahren und infolge der DDR-Übernahme. In der DDR spielte Homosexualität keinerlei Rolle als zu diskutierendes Problem und war insofern in der Gesellschaft im besten Sinne toleriert, verursachte vor allem keine Ängste, wie sie in der alten BRD wohl bis heute existieren.
Unsere hiesige evangel. Gemeinde beschloss als erste in Niedersachsen, Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare einzuführen. Hunderte, bis dahin an den kirchlichen Veranstaltungen ganz unbeteiligte Gemeindeglieder entfachten durch offensichtliche, ganz irrationale Angst bedingte Proteste, die man auch noch per Bibel begründen wollte. Was nun anhand der dort gegeben Texte auch bei schlechtestem Willen nicht möglich ist. Die Segnungen wurden dann von den ach so verachteten "alten Kirchentanten" ermöglicht, besonders, weil sie die Protestierenden fragten: "Was geht Sie eigentlich an, was andere im Schlafzimmer machen?" Die Frage ist offenbar noch immer aktuell. In der alten BRD.

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