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Tunis: Demonstration gegen TV-Film eskaliert in Gewalt

Ein angeblich blasphemischer Zeichentrickfilm hat in Tunis wütende Proteste ausgelöst. Tausende gingen nach der Ausstrahlung im TV auf die Straße, warfen dem Senderchef Gotteslästerung vor. Sein Haus wurde mit Brandbomben beworfen, die Polizei setzte Tränengas gegen die randalierende Menge ein.

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Zephira 15.10.2011, 04:31
20. Naja

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen. Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen:
Die Engländer mit ihren Scharia-Gerichten sind kein glücklicher Vergleich. Dann doch lieber die USA, in denen Meinungsfreiheit obersten kulturellen und rechtlichen Schutz genießt....

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BuenaBanana 15.10.2011, 04:33
21. Hier der Film

Der Artikel hat mich neugierig gemacht, sodass ich mir den Film erst einmal angeschaut habe. Er ist hier zu sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=j6Ua6AVcPVk

Wie kann man eigentlich so bescheuert sein, um sich über einen derartigen Film auf zu regen? Mein Verdacht ist, dass es sich nicht um echte Demonstranten sondern um gewöhnliche Hooligans handelt.

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fiakergulasch 15.10.2011, 04:47
22. fleischwurst

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen. Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen: In Deutschland geben die - vornehmlich - katholischen Priester immer noch Wahlemphehlungen von der Kanzel herab. Es ist der Aufklärung geschuldet, dass all dies bei uns nur noch von den religiös Verblendeten ernst genommen wird. Denen die auch die Bibel wörtlich interpretieren. Aber die gibt es auch bei uns: Daher dürfen wir erst über die "rückständigen" Tunesier und ihre Priester den Kopf schütteln, wenn wir bei uns in Deutschland keinen § 166 mehr haben. Und wenn Kinder bei uns in Deutschland nur noch im Religionsunterricht die biblischen Märchen erzählen. Wenn bei uns in D keiner mehr die Priester ernst nimmt. Dann dürfen wir anfangen zu lästern. Vorher nicht.
naja, wahlempfehlungen geben nicht nur die pfaffen ab....

und nur weil es in england besser ist als in deutschland ist es "hier" nicht gleicherbärmlich wie in tunis....ich finde den vergleich wirklich hinkend - lasse mich aber gerne vom gegenteil überzeugen, wozu ich aber beispiele für ausartende gewalt von deutschen katholen gegenüber blasphemikern bräuchte. denn um diese geht es doch hier!

der unterschied ist ja mE nicht nur der grad der verbortheit, sondern auch der dieser aufklärung, welche die säkularisierung immer mehr vorantreibt und doch wohl offensichtlich "hier" fortgeschrittener ist als in tunis.

um den status quo auch auf eigenem boden zu verändern, ist kritik doch durchaus angebracht - wieso auch nicht ? wieso denn dieses: machs erstmal besser bevor du kritisierst....?
also ich bin auch gegen das verbot von gotteslästerung, wohne aber in einem staatm, wo es noch vorherrst, rege mich aber trotzdem über solche irrationalen, menschenfeindlichen aktionen dieser militanten religiösen auf....!

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cs2001 15.10.2011, 05:37
23. Sehr eigenartige Kritik...

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen.
Falsch, Gewalt gehoert verdammt. Aber da sind Sie wohl toleranter.
Zitat von Antje Technau
Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen:
Ja, und? Wann wird er angewendet? Bei uns hat die Meinungsfreiheit imho fast immer Vorrang.
Und wir haben auch keine Strassenschlachten in Deutschland wegen Gotteslaesterung.
Zitat von Antje Technau
In Deutschland geben die - vornehmlich - katholischen Priester immer noch Wahlemphehlungen von der Kanzel herab.
Was ist das fuer eine eigenartige Kritik? Wollen Sie Menschen jetzt verbieten, was Sie sagen duerfen? Warum sollte ein Priester das nicht duerfen? Auch hier: Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut.
Zitat von Antje Technau
Es ist der Aufklärung geschuldet, dass all dies bei uns nur noch von den religiös Verblendeten ernst genommen wird. Denen die auch die Bibel wörtlich interpretieren. Aber die gibt es auch bei uns:
Der Staat legt die Bildungsziele fest. Steht ja auch im Artikel. Wenn diese Schulen was anderes Lehren gehoeren Sie geschlossen. Es gibt auch islamische Schulen, Waldorf-Schulen... Wollen Sie jetzt alle Nicht-Staatliche Schulen verbieten?
Zitat von Antje Technau
Daher dürfen wir erst über die "rückständigen" Tunesier und ihre Priester den Kopf schütteln, wenn wir bei uns in Deutschland keinen § 166 mehr haben. Und wenn Kinder bei uns in Deutschland nur noch im Religionsunterricht die biblischen Märchen erzählen. Wenn bei uns in D keiner mehr die Priester ernst nimmt. Dann dürfen wir anfangen zu lästern. Vorher nicht.
Wie gesagt: Gewalt ist akzeptabel und darf nicht kritisiert werden? Sie haben ein ganz, genz eigenartiges Weltverstaendnis

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unterländer 15.10.2011, 05:42
24. Prophylaxe?

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen. Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen: In Deutschland geben die - vornehmlich - katholischen Priester immer noch Wahlemphehlungen von der Kanzel herab. Es ist der Aufklärung geschuldet, dass all dies bei uns nur noch von den religiös Verblendeten ernst genommen wird. Denen die auch die Bibel wörtlich interpretieren. Aber die gibt es auch bei uns: Daher dürfen wir erst über die "rückständigen" Tunesier und ihre Priester den Kopf schütteln, wenn wir bei uns in Deutschland keinen § 166 mehr haben. Und wenn Kinder bei uns in Deutschland nur noch im Religionsunterricht die biblischen Märchen erzählen. Wenn bei uns in D keiner mehr die Priester ernst nimmt. Dann dürfen wir anfangen zu lästern. Vorher nicht.
Haben Sie diesen Beitrag schon mal prophylaktisch geschrieben, weil Sie annahmen, dass schon irgendwer über das im Artikel Berichtete "lästern" würde? Der Artikel selbst hat lediglich berichtet, was passiert war, keine Wertung getroffen und war schon gar nicht lästernd verfasst. Aber schön, dass Sie gleich wieder die Kurve zu Ihren Lieblingsfeinden, den katholischen, Wahlempfehlungen gebenden Priestern, gekriegt haben. Man hätte Ihren Beitrag ansonsten vielleicht ernst nehmen können. So jedoch weiß jeder, dass Sie einmal mehr köstliche Satire verfasst haben.

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Der Horizont 15.10.2011, 06:18
25. Na ja,

Na ja, was soll man sagen, diese Meldung überrascht nicht, es sind so zu sagen die selben Verdächtigen wie bei all den anderen Protesten.
Finde es aber witzig, ein Lnad dass sich um den Aufbau kümmern sollte, dass ein solches Land sich über Zeichentrickfilme aufregt, da hat man wohl die Prioritäten verwechselt...

Grüße

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Over the Fence 15.10.2011, 06:22
26. Da gibt es ja wohl noch einen Unterschied

Zitat von Antje Technau
... Daher dürfen wir erst über die "rückständigen" Tunesier und ihre Priester den Kopf schütteln, wenn wir bei uns in Deutschland keinen § 166 mehr haben. Und wenn Kinder bei uns in Deutschland nur noch im Religionsunterricht die biblischen Märchen erzählen. Wenn bei uns in D keiner mehr die Priester ernst nimmt. Dann dürfen wir anfangen zu lästern. Vorher nicht.
Ich behaupte mal, daß es einen deutlichen Unterschied zwischen einem leicht antiquierten Gesetz, welches bei uns kaum noch von praktischer Bedeutung ist, und einem wütenden Mob, der anderer Leute Häuser anzündet und auch mal bereit ist, den vermeintlichen Gotteslästerer totzuschlagen, gibt.

Wo haben Sie in der Bundesrepublik mal derartige Szenen erlebt?
Diese Mentalität empfinde ich als durchaus rückständig, zumindest aber als intolerant. Solche religiösen Extremisten gehören sehr hart angefasst, denn sie praktizieren nichts anderes als eine Spielart des Terrorismus: Terrorismus gegen Andersdenkende.

Die meisten Religionen sind bedauerlicherweise große Kriegstreiber in der Geschichte der Menschheit. Sie sähen nur zu oft Hass, Unfrieden und Intoleranz.

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Annika Hansen 15.10.2011, 06:51
27. Sehr geehrte Frau Technau

Die Gotteslästerung bestand darin, dass Gott in dem Film gezeigt wurde. Die bildliche Darstellung von Allah ist im Islam aber untersagt und diese Regel wird von einigen islamischen Richtungen sehr streng ausgelegt. Ob das nun ein Grund ist, zum Haus des Senderchefs zu ziehen, dessen Haus mit Brandbomben zu bewerfen und zu verwüsten mag dahin gestellt sein.

Jedenfalls kann ich keinerlei Vergleiche mit denen von Ihnen angesprochenen Gotteslästerungen und vor allen Dingen den Auswirkungen erkennen.

Mir ist z.B. kein Fall bekannt, dass katholische Priester nach Ausstrahlung des Films "Das Leben des Brians" von der Kanzel dazu aufgerufen haben, die Häuser von Monty Python mit Brandsätzen zu bewerfen.

Des weiterem kann ich in dem Spiegel-Artikel keine Lästerung gegen die Tunesier erkennen. Der Artikel ist nichts weiter als eine Nachricht und vollkommen wertungsfrei. Allerdings kann man dieser Nachricht entnehmen, dass in Tunesien jetzt offensichtlich streng islamische Gruppen versuchen, Einfluss auf das öffentliche Leben zu nehmen und auch nicht vor Gewalt zurückschrecken.

Was mich doch sehr verwundert, niemand hat Ihnen ein Stöckchen hingehalten, aber Sie springen schon.

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Juro vom Koselbruch 15.10.2011, 07:04
28. Nix mit an die Nase fassen

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen. Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen:
Nein, wir haben keinen Anlass, uns an die eigene Nase zu fassen. Bei uns rufen keine Geistlichen in und nach den Gottesdiensten zu eskalierenden Demonstrationen auf, stacheln zu Hass und Gewalt an oder setzen Belohnungen für die Ermordung unliebsamer Filmemacher. Es werden auch nicht die Häuser solcher Filmemacher in Brand gesteckt und die Familien bedroht, jedenfalls nicht von Christen.

Ja, formal und selten praktisch angewendet hat Deutschland den „Gotteslästerungsparagraphen“. Selten praktiziert, weil ihm verfassungsgeschützt die Rechte auf Religions-, Meinungs- und Redefreiheit entgegenstehen. Diese Rechte genießen Sonderschutz und haben Priorität, solange keine Rechte Dritter massiv verletzt sind.

Deshalb nach Wikipedia einige Beispiele aus der deutschen Praxis (Wikipedia):

Etwa 1994 wurde die Darstellung gekreuzigter Schweine und die Aufführung des Musicals „Das Maria-Syndrom“ von Michael Schmidt-Salomon verboten, in dem eine (neuzeitliche) „Marie“ durch eine verunreinigte Klobrille befruchtet wird, worauf eine „Jungfrauengeburt“ eintritt. Das anschließende Gerichtsverfahren ging über mehrere Instanzen: Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Rechtmäßigkeit des Verbots und folgte darin dem Oberverwaltungsgericht Koblenz. Das Bundesverfassungsgericht lehnte eine Behandlung des Falles ohne Angabe von Gründen ab.

Ferner wurde eine Frau aus Göttingen für die Aussage, die christlichen Kirchen gehören zu den „größten Verbrecherbanden“ der Welt auf einem Flugblatt sowie zwei Aufklebern mit den Texten „Lieber eine befleckte Verhütung als eine unbefleckte Empfängnis“ und „Masochismus ist heilbar“ in Verbindung mit einem durchgestrichenen Kruzifix, in zwei Instanzen verurteilt.

1993 zeigte die Kölner Stunksitzung ein Kruzifix mit der Inschrift „Tünnes“ anstatt „INRI“. Das Schild wurde nach Strafanzeige wegen Gotteslästerung polizeilich beschlagnahmt. Der Regisseur der Stunksitzung erhob gegen den anschließenden Strafbefehl über 6000 DM Einspruch. Ihm wurde wegen des Vorrangs der Kunstfreiheit stattgegeben.

2006 war ein Sketch der Stunksitzung, bei dem es um Papst Benedikt XVI. und den Kölner Kardinal Meisner ging, erneut Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen. Der WDR schnitt das entsprechende Stück aus der Übertragung der Sitzung. (Das finde ich bedenklich.)

2006 wurde ein Frührentner aus Lüdinghausen (interessant, was man über seine Heimatstadt lesen kann *g*) wegen Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses und Störung des öffentlichen Friedens zu 12 Monaten Haft auf Bewährung und 300 Stunden Sozialarbeit verurteilt. Er hatte Toilettenpapier mit einem Stempel „Koran, der heilige Qur’an“ bedruckt und es zusammen mit beleidigenden Schreiben an Moscheen und Fernsehsender verschickt. Außerdem bot er es zum Verkauf an.

Das alles sieht auf Grund unserer Verfassungswirklichkeit erheblich anders aus, als das, was in Tunesien oder bei den gewalttätigen Krawallen wegen der zulässigen, aber ausgerechnet von dänischen Imamen "angeschärften" und gefälschten und interessiert "herumgereichten" Mohammedkarikaturen geschah.

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Guillermo Emmark 15.10.2011, 07:11
29. Lästerliches

Zitat von Antje Technau
wir Europäer sollten uns an die eigene Nase fassen, bevor wir die Tunesier verdammen. Deutschland - im Gegensatz zu England - hat immer noch den "Gotteslästerungsparagraphen" §166 unter seinen Straftatsbeständen (...) Daher dürfen wir erst über die "rückständigen" Tunesier und ihre Priester den Kopf schütteln, wenn wir bei uns in Deutschland keinen § 166 mehr haben. Und wenn Kinder bei uns in Deutschland nur noch im Religionsunterricht die biblischen Märchen erzählen. Wenn bei uns in D keiner mehr die Priester ernst nimmt. Dann dürfen wir anfangen zu lästern. Vorher nicht.
Trotz 166 können wir nach Herzenslust lästern. Und dann ziehen auch keine Radikalkatholen durch die Stadt und verwüsten unser Haus. Ihr Vergleich ist naiv.

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