Forum: Kultur
Tuvia Tenenbom in der US-Provinz: Ein New Yorker reist durch Trump-Land
Max Zerrahn/ Suhrkamp

Er gibt sich arglos, dann reden die Leute freizügig mit ihm: Tuvia Tenenbom war unterwegs - "Allein unter Amerikanern". Und fand sie auf einem selbstzerstörerischen Kurs. Bald darauf wurde Donald Trump gewählt.

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querdenker1964 05.12.2016, 10:40
1. ach ja,

die Hillbillies und Red Necks, dann noch ein bißchen Antisemitismus, Bigotterie und Homophobie - und das Zerrbild taugt zum Feindbild - da fühlt man sich so richtig überlegen - als progressiver, noch nicht wirklich lebenserfahrener Autor. Vielleicht ist diesem die demographische Entwicklung der letzten Jahrzehnte in den westlichen Ländern irgendwie aus dem Blick geraten - die "Babyboomer" sind jetzt in der Mehrheit - sie entscheiden die Wahlen für die nächsten 10 bis 15 Jahre und damit haben die Entwicklungen in den USA und Europa zu tun - nicht mit zu kurz gekommenen Hinterwäldlern.

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an-i 05.12.2016, 10:53
2. Beschreibung aus sicht eines Bostoners

Paul Theroux: Tief im Süden

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quarax 05.12.2016, 11:19
3. Ich wünsche den Amis...

....nichts so sehr als, dass sie diesmal den Preis für ihre Dummheit selbst zahlen müssen.

Sie haben einen gemeingfährlichen, verrückten Egomanen zum Präsidenten gewählt.
Trumps Präsidentschaft wird in der einen oder anderen Weise Hunderttausenden Menschen Zukunft und Leben kosten.

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korrekturen 05.12.2016, 11:21
4.

Wie unterscheidedt der Autor zwischen "obsesiver" und gerechtfertigter Kritik an Israel? Ich denke es ist das Gegenteil. Es wird versucht obsessiv, das Land gegen Kritik abzuschirmen. Dafür werden Gesetzte erlasen, die eigentlich illegal sind, jeder der etwas kritisches sagt, muß mit Konsequenzen rechnen. Vielleicht sollte der Autor des Artikels Autoren wie Max Blumenthal, Ilan Pappe und viele andere lesen, oder den Blog Mondoweiss von Philip Weiss und Adam Horowitz, die beste Informationsquelle über die Region.

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Mathesar 05.12.2016, 11:27
5. Er gibt sich arglos...

...und provoziert irgendwelche Identitäten so lange, bis er aus seinen Gesprächspartnern etwas herauskitzelt, was nicht politisch korrekt ist...ja, das ist Literatur as its best. Außerhalb von New York fängt das reale Leben an. Das ist in Berlin nicht anders. Und als New Yorker kann man natürlich trefflich die Nase rümpfen, über das biedere Volk da draußen. Es ist aber da, es wird gerne übergangen, es hat deswegen Trump gewählt...gewöhnt euch dran...

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kritischergeist 05.12.2016, 11:31
6. Eine Reise um seine Vorurteile zu pflegen

Genau das war es. Die Lebenswelt eines Theatermachers war schon immer inkompatibel zur Realität der einfachen Leute und besonders der im mittleren Westen. Er zog im Glauben eines Bessermenschen aus um sich seine Vorurteile bestätigen zu lassen und er wurde fündig. Ein Buch das man im Laden lassen sollte.

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Leser161 05.12.2016, 11:34
7. Sie die Fremden

Man löst keine Probleme in dem man auf jemanden herabsieht. Genau wie Flüchtlinge Gründe haben zu uns zu kommen, haben auch "die" Rednecks subjektive menschliche Gründe für das was sie tun.

Die Anderen, das sind auch immer wir, das gilt für Jeden. Ausnahmslos.

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brooklyner 05.12.2016, 11:48
8.

Ich hatte den eskalierenden Streit mit Rowohlt damals ziemlich nahe mitbekommen, den hier verlinkten Spiegel Artikel aber noch nicht gekannt, vielen Dank dafür.
Tenenbom war damals wirklich zu plump in seiner Herangehensweise, ihn als "hysterischen Juden" zu bezeichnen war allerdings auch nicht gerade hilfreich.
Ich erinnere mich noch gut an das Entsetzen zweier Lektorinnen (die Tenenboms Manuskript dürftig und zu plakativ fanden) über den Oscar für Michael Moore. Ich konnte sie aber beschwichtigen, indem ich ihnen die Nutzlosigkeit von "preaching to the converted" darlegte. Meint, man muss mit den schlichteren Gemütern nicht mit erhobenem Zeigefinger diskutieren, sondern sich in ihrem Weltbild nähern, sonst hat man zwar am Ende ein Sensatiönchen, aber mehr auch nicht. Moore hat so wenigstens einige Hinterwäldler tatsächlich zum Nachdenken gebracht.
Diese Qualität hat aber Tenenbom nur bedingt.
Naja, ich werde das Buch lesen, aber wahrscheinlich fehlt ihm ausser der Empörung dann doch wieder etwas der Tiefgang.

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scoopx 05.12.2016, 12:55
9. Fürchterliche Realität?

Anscheinend gibt es die "fürchterliche Realität" für Spon und andere Medien erst, seit Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Da sucht man jetzt nach Zeugen aller Art.

Aber das Land, das Tenenbom bereist hat, war vor 10, vor 20 und vor 30 Jahren doch auch nicht anders. Nur, damals hat das keinen interessiert. Vor 20 Jahren z.B. waren die USA die Speerspitze des Fortschritts, erzielten sagenhafte Wachstumsraten und erfanden die "New Economy". Das Land bestand praktisch nur aus Startups und war hach so effizient, denn überall herrschte ja der Wettbewerb. Es wimmelte von "success stories", und das nicht nur in der Wirtschaftspresse. Dieselbe blinde Verehrung, die noch heute allem entgegengebracht wird, das aus dem "Silicon Valley" kommt, galt Mitte der 90er für die gesamten USA.

Es! War! Alles! Fake! - Und wieder muß ich sagen: es ist Trump, der es an den Tag bringt.

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