Forum: Kultur
TV-Film "Nackt unter Wölfen": Bevor der Ami Deutschland befreite
MDR/ UFA FICTION

Endspiel um das Überleben eines kleines Jungen: Ein drastischer ARD-Film erzählt vom kommunistischen Widerstand im Dritten Reich und den letzten Tagen im KZ Buchenwald.

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n.nixdorff 30.03.2015, 19:34
1. Werter @Furiosus,

ohne die Leistung und Opfer der Roten Armee herabwürdigen zu wollen, muss ich Ihnen auf das Entschiedenste widersprechen. Ohne die massive wirtschaftliche und logistische Hilfe der USA ist es mehr als zweifelhaft ob Russland in der Lage gewesen wäre, die Nazis zu vertreiben wie sie es getan haben. Seit 1941 haben die USA Russland enorm materiell unterstützt (Leih- und Pachtgesetz). Unter anderem wurden von den USA nach Sibirien 14.000 (ja, vierzehntausend, das ist kein Tippfehler) Flugzeuge geliefert. Lesen Sie einfach mal in Wikipedia nach. Ferner wären die Westalliierten ohne das Abkommen mit Stalin, wo Europa aufgeteilt wurde, tiefer nach Ostdeutschland eingedrungen als sie sind. Ich erinnere daran, dass die USA sich aus Teilen Thüringens wieder zurückgezogen hatten. Vielen Deutschen wären die USA als Befreier sicher willkommener gewesen als die Russen…

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ketzerei 30.03.2015, 20:00
2. Schade, dass die wirkliche Dramatik

des Kindes von Buchenwald wohl auch in dieser Verfilmung nicht angesprochen wird. Die Forschung geht davon aus , dass Haeftlingsfunktionaere um ein Kind zu retten, ein anderes opferten.
Kann man derartige Grenzen verfilmen? Kann man die Geschichte verfilmen, ohne diesen zentralen Punkt zu thematisieren? Wie hätte ich gehandelt?

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tubolix 30.03.2015, 20:19
3. nee nee

als leseratte kann ich nicht nachvollziehen, wieso 'NuW' das meistgelesene buch der DDR gewesen sein soll. als buch ist mir die geschichte nicht einmal bekannt.
und was pflichtliteratur in den schulen angeht war wohl "die abenteuer des werner holt" das am meisten (bei viele auch das einzige) gelesene.
wenn mir der "2.Aufguß" mal unter die augen kommt werd ich ihn mir ansehen und dann vergleiche ziehen. aber schon jetzt: wer mit Geschoneck (Krämer) und Delmare (Pippig) essen will muß einen langen löffel haben.

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candoom 30.03.2015, 20:23
4. Die Verfilmung von 1963

Ich weiß nicht, warum die ARD jetzt mal wieder das Geld aus den Rundfunkbeiträgen für eine Verfilmung eines Buches verschleudern muss, welche niemals an die DEFA-Verfilmung von 1963 heranreichen wird. Das Drehbuch stammte vom Autor des Buches, der die Zustände in Buchenwald selbst erlebte und diese die Grundlage für sein Buch darstellten, namhafte Schauspieler (Geschonneck, Müller-Stahl, Delmare) waren im internationalen Cast, ein begnadeter Regisseur führte Regie...will man hier etwa Geschichte verfälschen oder wirklich einfach nur das Geld aus den Rundfunkbeiträgen irgendwie verpulvern?

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Ch. Demian 30.03.2015, 21:26
5. Erklär mir einer die Wahrnehmung...

Zitat Filmkritik: "Wie in dem stellenweise heftig kritisierten Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" verkörpern die kaltblütigen, sadistischen, im Angesicht der Niederlage jämmerlichen SS-Schergen das deutsche Übel."

Ich würde gerne die Empfehlung aussprechen (insbesondere an den Autor der Kritik) die öffentliche Auseinandersetzung um "Unsere Väter..." nochmal nachzuvollziehen. Zwar war dieser Schinken in der Tat in der Kritik, allerdings wegen dem exakten Gegenteil dessen, was der Autor hier nennt. Die Kritik, die nebenbei gesagt aus dem Ausland nach Dt. schwappte (Gott sei Dank!) drehte sich um die - sagen wir - überaus wohlwollende Darstellung er deutschen Protagonisten und eine merkwürdig verzeichnete jener nicht-deutschen. Ein springender Punkt der Kritik lautete, der einzige Antisemit der dieses Machwerk bevölkre sei ausgerechnet ein Pole, wieweil die deutschen aus edeln Motiven in eine moralisch unschöne Lage gekommen seien. Es war just nicht diese Kritik, in der der Autor hier eine Parallele sieht, sondern ihr Gegenteil. Eine Frage bleibt indes: weshalb dreht man ein Remake des Beyer-schen Originals? Damit Schweighöfer einen schnicken SS-Mann geben kann? Das ist gewiss ungerecht von mir, aber Ruth Klügers Diktum, der Roman von Bruno Apitz sei Holocaust-Kitsch gilt nach wie vor. Der Film von Frank Beyer macht schon das beste draus. Das Remake hat daher eigentlich nur diese zwei Perspektiven, die Buchvorlage ent-kitschen und (splatter-mäßig) zuspitzen oder in "Unsere Väter..."-Manier eine Neudeutung vorschlagen. Angesichts der intellektuellen Tiefe des letztgenannten Produktes (sprich, die Kritik aus Polen war völlig richtig), würde es mich wundern, wenn das eine oder andere glücken würde.

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821943 30.03.2015, 23:14
6.

"Nackt unter Wölfen" war nicht nur in der DDR ein Bestseller, der auch zum Kanon der Schulliteratur zählte, sondern war auch in Westdeutschland ein viel gelesenes Buch, das unter die Haut ging und dazu beitrug , die Mauer des Schweigens über den NS-Terror bröckeln zu lassen. Ein Meisterwerk und sicher auch heute angesichts von neuem Naziterror (u.a. NSU, Pegida-Sumpf und Hooliganismus) eine geeignete Schullektuere, um der braunen Pest frühzeitig Paroli zu bieten.

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klugscheißer2011 30.03.2015, 23:15
7.

Achso, nach Spiegel-Recherchen hat also "der Ami" Deutschland befreit? Ganz allein, Briten, Franzosen, Kanadier und Russen waren daran offensichtlich nicht beteiligt.
Ich will keineswegs die Verdienste der Amerikaner in dieser Sache schmälern. Aber ohne die Rote Armee würde die Hakenkreuzfahne heute wohl immer noch über dem Reichstag wehen.
Aber natürlich passt der opferreiche Anteil der Russen an der Befreiuung Deutschlands vom Faschismus nicht mehr ins BILD, das die Menschen hierzulande jetzt von den Russen haben sollen.
Die Headline allein ist schon reine Geschichtsfälschung und das wurde nicht versehentlich, sondern sehr wahrscheinlich absichtlich gemacht. Ein paar dumme SP.ON.Leser der jüngeren Genration werden es schon glauben. Ihr solltet Euch schämen, so etwas dem Leser anzubieten!

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gandhiforever 30.03.2015, 23:49
8. Was soll das?

Zitat von n.nixdorff
ohne die Leistung und Opfer der Roten Armee herabwürdigen zu wollen, muss ich Ihnen auf das Entschiedenste widersprechen. Ohne die massive wirtschaftliche und logistische Hilfe der USA ist es mehr als zweifelhaft ob Russland in der Lage gewesen wäre, die Nazis zu vertreiben wie sie es getan haben. Seit 1941 haben die USA Russland enorm materiell unterstützt (Leih- und Pachtgesetz). Unter anderem wurden von den USA nach Sibirien 14.000 (ja, vierzehntausend, das ist kein Tippfehler) Flugzeuge geliefert. Lesen Sie einfach mal in Wikipedia nach. Ferner wären die Westalliierten ohne das Abkommen mit Stalin, wo Europa aufgeteilt wurde, tiefer nach Ostdeutschland eingedrungen als sie sind. Ich erinnere daran, dass die USA sich aus Teilen Thüringens wieder zurückgezogen hatten. Vielen Deutschen wären die USA als Befreier sicher willkommener gewesen als die Russen…
Die einen (Sowjets) mussten Millionen Menschen opfern, um die Nazis zu besiegen, die USA finanzierten .

Wollen Sie hier relativieren, wer mehr zum Untergand des Dritten Reiches beigetragen hat? Ich halte solch ein Bemuehen nicht nur fuer unmoralisch.

Tatsache ist ja wohl, dass der Verlust von rund 20 Millionen Menschen mehr wiegt als saemtliches geliefertes Kriegsgut.

Nicht ueberraschend, stellen Sie die Fratge nicht, ob die Invasion ohne Ostfront ueberhaupt erfolgreich haette sein koennen.

Ich gebe Ihnen aber in einem Punkt uneingeschraenkt Recht. Viele Nazi-Schergen haben sich lieber den Amerikanern ergeben als den russischen 'Untermenschen'.

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uchawi 30.03.2015, 23:59
9.

Buch wie Film haben mich in meiner Kindheit sehr bewegt und zum ersten mal wirklich an das Thema Konzentrationslager herangeführt. Ob die Neuverfilmung in "Blockbuster-Ästhetik" derart berühren wird, bleibt abzuwarten.
Im Übrigen wäre es für die Leser ohne DDR-Hintergrund vielleicht interessant gewesen zu erfahren, dass "Nackt unter Wölfen" auf realen Geschehnissen um das Buchenwaldkind Stefan jerzy Zweig beruht.

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