Forum: Kultur
TV-Serien - Comeback für Qualität?

Amerikanische TV-Serien führten im deutschen Fernsehen lange ein Schattendasein. Mit qualitativ hochwertigen, aber eigenwilligen Formaten wie "Six Feet Under" und "24" sollen nun US-Erfolgsserien wie "Desperate Housewives", "Lost" oder "CSI: Miami" auch hierzulande Quote machen und Kult werden. Was halten Sie von den neuen Serien, hat Ihnen der Start der "Housewives" gefallen? Ist die Qualität der amerikanischen Serien generell besser geworden - oder zeigt sich an den aufwändig produzierten US-Formaten nur die Unzulänglichkeit deutscher Produktionen?

Seite 1 von 91
jann 13.04.2005, 16:38
1.

Ich bin eigentlich kein Serienfreund bzw. ich gucke eigentlich fast nie Fernsehen. Die einzige Serie, die ich mir zur Zeit auf DVD reinziehe ist "24", so ziemlich das Beste was ich aus diesem Genre bisher gesehen habe. Klasse Konzept, superspannend und man kann einfach nicht aufhören zu gucken....Ich glaube, ich würde vergehen, wenn ich immer erst eine Woche warten müsste, bevor ich die nächste Folge sehen kann, von der Werbung dazwischen mal ganz abgesehen.. :-(

Beitrag melden
K.Schlüter 13.04.2005, 16:44
2.

Zitat von sysop
… Was halten Sie von den neuen Serien, hat Ihnen der Start der "Housewives" gefallen? Ist die Qualität der amerikanischen Serien generell besser geworden - oder zeigt sich an den aufwändig produzierten US-Formaten nur die Unzulänglichkeit deutscher Produktionen?
Die Verzweifelten Hausfrauen haben mir überhaupt nicht gefallen. Warum? Weil hier ein Verhalten dargestellt wird, das ich als infantil empfinde, Bsp: Ex-Bondgirl, Ex-Superman-Freundin Terri Hatcher, spielt eine erwachsene, hochattraktive Frau von Anfang 40 mit pubertierender Tochter, und alles, was ihr beim "Aufreissen" eines Klempners (wie hat der es in diese Nachbarschaft geschafft?) einfällt ist eine gestottertes "…*ich, äh, äh, …ich, äh…"

So benehmen sich 14jährige Collegegirls in US-Serien.-

Man könnte jetzt einen Diskurs über die Infantilisierung unserer Gesellschaft anfangen… aber vielleicht erschließt sich mir auch einfach nicht der Humor der Serie.-

Zum Bsp CSI fällt mir nur ein: Der sog. production value ist geradezu ungeheuer! Da wird mal eben zur Illustration des Wortes "Blutgerinnungsfaktor" eine 3D Animation abgefackelt, die sich Hr Bublath nur 1x im Jahr vom zdf wünschen darf.

Auch das Tempo der Dramaturgie muss positiv bemerkt werden - in der Zeit, in der ein deutscher Polizei Assi behäbig einen Wagen holt&aufschließt, zeigen US Serien gern schon mal den kompletten Tatablauf und reißen zwei vielversprechende Nebenstränge an.

Deutsche Serien haben sich m.E. zu Tode gespart; die Sender wollen eine 1stündige Episode am Vorabend mit 12min Werbung nach 1xmaliger Ausstrahlung refinanzieren + ihre 18% Gewinn machen…- das KANN nicht gehen.- Und billig=schlecht. (ausgenommen vielleicht Ausnahmeformate wie Dittsche, die in der Herstellung vermutl. kein Vermögen kosten).

Beitrag melden
thadeus 13.04.2005, 16:46
3.

Deutsche Fernsehserien werden für deutsches Fernsehpublikum produziert – und da ist es allemal ratsam seicht und belanglos zu bleiben, niemanden zu kränken, ein gefälliges Ambiente zu zeigen (immer gut: Münchner Nobelvororte, der Schwarz- oder Bayerische Wald, gerne auch mal ein Kreuzfahrtschiff oder eine tropische Urlaubsinsel) und keine Konflikte über Eifersüchteleien hinaus zu thematisieren. Alternativ kann die Handlung aber auch auf ein Mindestmaß reduziert und ausschließlich Action gezeigt werden. Es ist bezeichnend, dass Volksmusiksendungen prozentual wohl den größten Anteil an der Samstagabend-Fernsehunterhaltung haben. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.
Mut zur Qualität zeigten in den USA wohl zuerst Sender wie HBO (Pay-TV) mit Produktionen wie Sex and the City, Band of Brothers, Six Feet Under aber auch mit noch nicht in Deutschland gezeigten Serien wie Carnivale.
Und mittlerweile ziehen die werbefinanzierten Sender nach: Selbst „Durchschnittsproduktionen“ wie Joan of Arcadia (Teenie-Serie), Everwood (Familien-Drama), Battlestar Galactica (SF), um nur mal drei aus verschiedenen Genres zu nennen, zeichnen glaubhafte Charaktere mit Ecken und Kanten, besitzen eine tiefer gehende Storyline und bieten – nicht zuletzt – auch eine adäquate schauspielerische Leistung (wohlgemerkt: für eine TV-Serie). Und haben Erfolg (in den USA).
Das Risiko des Scheiterns mit Serien abseits der üblichen Pfade ist den hiesigen Privatsendern wohl zu groß und die öffentlich-rechtlichen wollen sich das Stammpublikum (60+) nicht vergraulen. Wurde eigentlich Six Feet Under von einem Sender der zweiten Garnitur zu später Stunde gezeigt, weil man sich nicht traute den wertvollen Sendeplatz mit Qualitäts-Unterhaltung zu füllen oder wollte man uns Themen wie Tod und (Homo)sexualität nicht in einer TV-Serie zur besten Sendezeit zumuten?
Alles in allem glaube ich nicht, dass deutsche und US-amerikanische TV-Produktionen (die besseren) in einer Liga spielen – es handelt sich schlichtweg um unterschiedliche Sportarten!

Beitrag melden
Kidyoh 13.04.2005, 18:21
4. Housewives sind bieder, aber ...

Zitat von sysop
... Was halten Sie von den neuen Serien, hat Ihnen der Start der "Housewives" gefallen? ...
Nein, die "Housewives" haben mir nicht gefallen. Das "subversive" an der Serie wurde in Vorberichten maßlos übertrieben. "Sex & the City" war die Clinton-Ära und die "Housewives" sind eben die Bush-Zeit. SATC war neu, anstößig und musste für's amerikanischen Free-TV komplett überarbeitet werden. DH kann Disney sonntags zur besten Sendezeit ausstrahlen und tut niemandem weh.

Viel interessanter ist da "Lost". Zum einen führt es den selbstmördischen Sparzwang der deutschen Sender vor (siehe "Verschollen" bei RTL & einem vorherigen Beitrag) und ist zum anderen die Rückkehr der Serie mit fortlaufender Handlung (mal von 24 abgesehen), die ja gerade an die schreibenden TV-Macher hohe Ansprüche stellt.

Leider versickern jährlich Millionen in Pfarrarsserien mit alternden Stars für alte Zuschauer (bei den öffentlich-rechtlichen). Gäbe es eine ausgeglichenere Verteilung des vorhanden Budget Mediabudget der Zuschauer, könnte es z. B. mehr und kreativere Pay-TV-Sender geben. Denn eigentlich gehört der werbefreien, gehobenen TV-Unterhaltung die Zukunft (siehe Sex & the City, Six Feet Under, Fat Actress). Danke:-)

Beitrag melden
Larry David 13.04.2005, 19:11
5.

Der Grund für das Scheitern vieler US-Serien ist doch häufig die Synchronisation. Insbesondere bei Comedy Serien, wie Friends, geht jeder Spaß an der Übersetzung und der Wahl dilettantischer Sprecher verloren. Einen guten Weg geht hier Premiere, die Serien kurz nach der US-Austrahlung im O-Ton senden.
Amsonsten bleibt nur festzustellen, dass der deutsche Fernsehzuschauer eben das bekommt, was er verlangt und verdient. Das ist offenbar "Hinter Gittern", "Cobra 11" und das Musikantenstadl.

Beitrag melden
Inorbit 13.04.2005, 22:35
6. Bitte bitte bald die zweite Staffel von Nip/Tuck!

Neben unerträglichem Trash wie "Sex in the City" gibt es derzeit wirklich gute Serien, ja. "Six Feet Under" und die hoffentlich bald gesendete zweite Staffel der großartigen "Nip/Tuck"-Serie.
Deutsche Serien? Gibt es eigentlich deutsche Serien? Ach ja, Lindenstraße, die sind doch bestimmt noch da...

Beitrag melden
Rumo 14.04.2005, 22:05
7.

Zitat von Kidyoh
die "Housewives" haben mir nicht gefallen. [...] Viel interessanter ist da "Lost". Zum einen führt es den selbstmördischen Sparzwang der deutschen Sender vor (siehe "Verschollen" bei RTL & einem vorherigen Beitrag) und ist zum anderen die Rückkehr der Serie mit fortlaufender Handlung (mal von 24 abgesehen), die ja gerade an die schreibenden TV-Macher hohe Ansprüche stellt.
Womit wir dann doch wieder bei den Housewives wären, die eine fortlaufende Handlung und mindestens so viele Handlungsstränge haben wie Lost, und deren Autoren nicht alles auf die Mysterien einer einsamen Insel abschieben können. Wobei ich Lost ebenso mag wie DH, und beide meiner Meinung nach den Erfolg verdient haben.

Warum amerikanische Serien den deutschen derzeit so viel voraus haben könnte u.a. damit erklärt werden, dass deutsche Produzenten und Sender ihre Zuschauer grundsätzlich nicht "überfordern" wollen, oder anders gesagt: Zunächst einmal für ziemlich blöd halten. Das fängt schon an, wenn amerikanische Filme oder Serien ihre deutschen Titel bekommen (aus "The Pacifier" wird plötzlich "Der Babynator", "CSI" muss unbedingt noch ein "Den Tätern auf der Spur" angehängt werden); bei deutschen Produktionen wird dann natürlich analog verfahren.

Und dann ist da dieser merkwürdige Drang, auch in den Serien selbst alles erklären zu müssen, bis es der Letzte verstanden hat, oder gleich so platte Charaktere und Situationen zu schaffen, dass sie keiner Erklärung mehr bedürfen. Amerikanische Serien bauen viel stärker auf Popkultur und Sehgewohnheiten auf und können sich daher in vielen Situationen auf blosse Andeutungen verlassen. Das ist unendlich ökonomischer und lässt mehr Zeit dafür, die Punkte, in denen die Charaktere aus dem Raster fallen, genauer zu erörtern. Ganz davon abgesehen, dass die Vielzahl an Subplots innerhalb einer Folge von 24/DH/Lost mit "deutschem" Erzähltempo überhaupt nicht möglich wäre.

Jetzt würde ich gerne noch was dazu schreiben, warum deutsche Verleihe und Fernsehsender zwar amerikanische Filme und Serien auf deutsche Zuschauer loslassen, bei eigenen Produktionen aber plötzlich meinen, vollkommen andere Zielgruppen vor sich zu haben, nur bin ich hinter dieses Geheimnis bisher auch noch nicht gekommen...

Zum Schluss noch ein interessanter Link zu Lost, der zeigt, dass die Amerikaner auch in Sachen Marketing viel intelligenter agieren: http://www.driveshaftband.com




Zitat von Kidyoh
Nein, die "Housewives" haben mir nicht gefallen. Das "subversive" an der Serie wurde in Vorberichten maßlos übertrieben.
Nein, wurde es nicht. Die gängige Liebesgeschichte endet mit dem Beginn der Beziehung, DH setzt Jahre später an und zeigt, dass der Weg bereits das Ziel war. Was darauf folgt sind Enttäuschung und Lügen, und heimliche Freude über das Scheitern Anderer, denen es genauso geht. Und die heilige Institution Familie derart zu sezieren und all ihre Makel offenzulegen, die Vorstadtidylle als Vorstadthölle zu zeigen, das ist mit "subversiv" dann nicht gänzlich falsch bezeichnet.

Beitrag melden
bignose 15.04.2005, 13:10
8.

Wobei bestimmte Perlen wie z.B.
Dead Like Me ( http://www.dead-like-me.de/ )
Numb3rs ( http://www.cbs.com/primetime/numb3rs/ )
Veronica Mars ( http://www.upn.com/shows/veronica_mars_tmpl/index.shtml )
es wohl eher nicht ins deutsche Fernsehen schaffen werden, leider

Mit DH/SATC kann ich persönlich nichts anfangen.

Zitat von
Zum Schluss noch ein interessanter Link zu Lost, der zeigt, dass die Amerikaner auch in Sachen Marketing viel intelligenter agieren:
Naja auch nicht immer, schätze mal wenn UPN ein wenig Marketing für Enterprise geleistet hätte, würde die Serie auch noch in einer fünften Staffel laufen

Aber wenn man sich den Spiegel vorhält, speziell für den Bereich SciFi/Fantasy/Mystery, gibt es da überhaupt deutsche Produktionen? (die abgekupferten Sendungen wie Verschollen von RTL mal ausgenommen)
Zitat von
Jetzt würde ich gerne noch was dazu schreiben, warum deutsche Verleihe und Fernsehsender zwar amerikanische Filme und Serien auf deutsche Zuschauer loslassen, bei eigenen Produktionen aber plötzlich meinen, vollkommen andere Zielgruppen vor sich zu haben, nur bin ich hinter dieses Geheimnis bisher auch noch nicht gekommen...
genau das meine ich auch, es gibt glaube ich, Raumpatr. Orion mal ausgenommen, keine guten Serien in oben genannten Genren

Beitrag melden
Hokey 15.04.2005, 14:31
9. Das perfekte Konzept

Die verzweifelten Hausweiber sind doch das Konzept schlechthin:

- halbnackte Weiber für Männer
- halbgarer Sex&The City-Humor für Frauen

Mehr Subversivität konnte ich allerdings nicht entdecken.

(Also das mit der Dekonstuktion von Familienbildern ist doch ein alter Hut und hat in unserer Gesellschaft wahrlich nichts mit Subversivität zu tun...)

Beitrag melden
Seite 1 von 91
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!