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Übertriebener Körperkult?

Schlanke Figur für enggeschnittenes Outfit: Mode und Styling verlangen derzeit gediegene Körperbehandlung vom trendbewussten Konsumenten. Zu viel Körperkult? Sind die aktuellen Schönheitsideale zu extrem?

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Rainer Helmbrecht 12.02.2009, 19:04
30.

Zitat von Gertrud Stamm-Holz
In der Jugend ist man nur selten selbstverliebt. Man lebt im ständigen Zweifel zu sich und seiner Umwelt. Jugend heisst, sich finden zu müssen. Was manchmal richtig weh tut. Später redet man dann von seinen Jugendsünden. Das Wort haben schon die Alten und Uralten in Gebrauch gehabt. An diesem ureigenen menschlichen Verhalten hat sich im Lauf der Zeit immer nur die Methode verändert. Der Zustand der Verselbständigung ist gleich geblieben.
Hallo Gertrud,

ich glaube, dass sich das Problem verstärkt hat, weil die Liebespärchen immer jünger werden. Wenn man das Verhalten der Jugend so sieht, sie wollen erwachsen sein, oder das was sie darunter verstehen. Das bedeutet, dass ihnen Geld fehlt um da beim Komasaufen mit zu machen. Weil man bei den Partnern auch dabei sein will, macht man sich Sorgen, die in unserer Generation erst zum Ende der Lehrzeit auftraten.

Während meiner Ausbildung waren wir zwischen 14 und 18 Jahre alt, nicht einer hatte eine feste Freundin. Das war ziemlich normal. Wenn ich dieselben Leute wieder treffe und die protzen, was sie in ihrer Jugend alles so erlebt hätten, kann ich mich einer gewissen Heiterkeit nicht erwehren. Man wurde erst mit 21 Volljährig und das Geld war knapp so, dass die Tube Brisk schon spürbar war;o).

MfG. Rainer

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Sheherazade 12.02.2009, 19:51
31.

Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, wie sehr viele Leute in unserer Gesellschaft anscheinend nur noch auf sich selbst fixiert sind.

Ich meine, früher hat man Sport gemacht, weil man mit Freunden Spaß haben wollte, eventuel auch noch für die Gesundheit, heute dreht sich alles mehr und mehr darum, wie man vor den anderen dasteht. Immer mehr Leute gehen ins Fitnesstudio um dort ihren Körper nach ihren Wünschen zu formen, obwohl man ja auch zu mehreren Fußball spielen könnte (oder auch irgendeinen anderen Mannschaftssport) und selbst für die Sportarten, die einen Partner voraussetzen, gibt es jetzt die Wii, mit der man nur noch die Bewegungen macht, die dem Körper angeblich gut tun sollen, aber wirklich Sinn hat das in meinen Augen nicht mehr.

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werst 12.02.2009, 21:05
32. Früher war alles besser...

Zitat von Rainer Helmbrecht
ich glaube, dass sich das Problem verstärkt hat, weil die Liebespärchen immer jünger werden. Wenn man das Verhalten der Jugend so sieht, sie wollen erwachsen sein, oder das was sie darunter verstehen. Das bedeutet, dass ihnen Geld fehlt um da beim Komasaufen mit zu machen. Weil man bei den Partnern auch dabei sein will, macht man sich Sorgen, die in unserer Generation erst zum Ende der Lehrzeit auftraten.
Wenn ich Sie da richtig verstehe, dann war die Jugend früher »besser«, da sie in ihrer Entwicklung durch monetäre und gesellschaftliche Einflüsse gebremst wurde.

Wobei das »Komasaufen« dass im Lauf der Zeit nur den Namen gewechselt hat, sicher nicht nur eine Domäne der Jugendlichen ist.

Die heutige Jugend ist schneller in ihrer Entwicklung u.A. deshalb, da diese mehr Möglichkeiten der Information über ihre ureigenen Probleme hat und diese deshalb in kürzerer Zeit bewältigen kann und i.A. vom jetzigen, gehobeneren Lebensstandard profitiert.

Soll man ihr dies zum Vorwurf machen?


Zitat von Rainer Helmbrecht
Während meiner Ausbildung waren wir zwischen 14 und 18 Jahre alt, nicht einer hatte eine feste Freundin. Das war ziemlich normal.[...] Man wurde erst mit 21 Volljährig und das Geld war knapp so, dass die Tube Brisk schon spürbar war;o).
Und, was war denn daran besser als heutzutage; für die Jugend ?

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Rainer Helmbrecht 12.02.2009, 21:22
33.

Zitat von werst
.…Soll man ihr dies zum Vorwurf machen? Und, was war denn daran besser als heutzutage; für die Jugend ?
Das habe ich doch nicht geschrieben, aber durch den insgesamt längeren Prozess des älter Werdens und und der Ausbildung, ging das mehr Hand in Hand. Man kann sich ja nicht aussuchen, in welche Zeit man geboren wird, aber ich fand meine Zeit besser.

Nicht, dass es materiell besser war, aber man bekam klein, klein Ausbildung, Beruf und Geld. Heute ist das mit der Ausbildung schon nicht gesichert, das mit dem Geld schon gar nicht, aber die jungen Leute sind noch während der Ausbildung Volljährig und haben das Gefühl, dass ihnen da etwas zustünde. Sowas schafft unerfüllbare Wünsche. Wir hatten den Gradmesser der Leistung. Die man heute nicht beweisen kann, weil es zu wenig Arbeit gibt.

MfG. Rainer

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Celestine 13.02.2009, 12:09
34.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Das habe ich doch nicht geschrieben, aber durch den insgesamt längeren Prozess des älter Werdens und und der Ausbildung, ging das mehr Hand in Hand. Man kann sich ja nicht aussuchen, in welche Zeit man geboren wird, aber ich fand meine Zeit besser.
Also ich fand meine Jugend nicht "besser". Die Jugendlichen haben sich mehr oder weniger gleich verhalten wie die heutige Jugend auch. Es gab längst die Pille, was zur Lockerung des sexuellen Verhaltens geführt hatte. "Komasaufen" gab es bei uns schon in den Studienzeiten. Die Studenten und Studentinnen meiner Fakultät haben sich z.B. in einem berühmt-berüchtigten Studentenwohnheim eingeschlossen, die Türen wurden verriegelt, damit niemand "flüchten" konnte, und dann ging es los - es gab eine Mischung aus Preiselbeersaft und 100% Alkohol, die aus Eimern serviert wurde. Das war sehr extrem, und dass auch weibliche Studenten mitgemacht haben, war eine Selbstverständlichkeit. Die älteren Studenten, die das Trinkverhalten „kontrollierten“, haben dafür gesorgt, dass niemand „unterversorgt“ war. Das war sehr krass, und ich sehe keinen Unterschied zum „Komasaufen“ der heutigen Jugend. Nun, das war nicht in D., sondern in Skandinavien, aber als ich mit 20 Jahren meinen Freund hier in HH besuchte, war die Jugend hier nicht gerade "brav" - im Gegenteil, die haben allerdings öfters und mehr gekifft - sonst habe ich keine Unterschiede beobachtet.

Meine beiden Töchter und deren Freunde und Freundinnen haben Erfahrungen mit mehr Drogen als die Jugend in meiner Zeit, als über Cannabis hinaus andere Drogen wenig konsumiert wurden. Sonst kann ich absolut keinen Unterschied erkennen. Sie studieren inzwischen und sind aus der wilden Zeit schon "herausgewachsen", sind also zielstrebige Studentinnen, die sehr hart arbeiten.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Nicht, dass es materiell besser war, aber man bekam klein, klein Ausbildung, Beruf und Geld. Heute ist das mit der Ausbildung schon nicht gesichert, das mit dem Geld schon gar nicht, aber die jungen Leute sind noch während der Ausbildung Volljährig und haben das Gefühl, dass ihnen da etwas zustünde. Sowas schafft unerfüllbare Wünsche. Wir hatten den Gradmesser der Leistung. Die man heute nicht beweisen kann, weil es zu wenig Arbeit gibt.
Die heutige Jugend steht unter einem unglaublichen Leistungsdruck - genau das Gegenteil davon, was Sie behaupten. Gehen sie doch in eine exbeliebige Unibibliothek und beobachten die Jugendlichen. Der Gradmesser der Leistung ist heute wesentlich höher gestellt als in Ihrer Jugend - das möchte ich mal wetten. Gerade, weil es wenig Arbeit gibt, gibt es diesen hohen Leistungsdruck plus einen ungeheuren Konkurrenzkampf.

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Celestine 13.02.2009, 12:23
35.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Nicht, dass es materiell besser war, aber man bekam klein, klein Ausbildung, Beruf und Geld. Heute ist das mit der Ausbildung schon nicht gesichert, das mit dem Geld schon gar nicht, aber die jungen Leute sind noch während der Ausbildung Volljährig und haben das Gefühl, dass ihnen da etwas zustünde. Sowas schafft unerfüllbare Wünsche. Wir hatten den Gradmesser der Leistung. Die man heute nicht beweisen kann, weil es zu wenig Arbeit gibt.
Zusatz:
Heute bekommen die Jugendlichen noch nicht einmal für ein Praktikum bezahlt. Das kenne ich aus meiner Jugend überhaupt nicht. Sogar die Uni HH beschäftigt ein Forscherteam auf 1€-Basis - eine Frechheit, wie ich finde. Also wird die heutige Jugend wesentlich „kleiner“ gehalten als in Ihren Zeiten. Mein Bruder z.B., der fast 20 Jahre älter ist als ich, hatte ein sehr sicheres Leben - etwas, wovon die Jugend von heute nur träumen kann. Seine Karriere war quasi vorgezeichnet und ohne jegliche Überraschungen und Unsicherheiten, mit denen z.B. meine Neffen und auch mein Mann in einer manchmal sehr dramatischen Art und Weise zu kämpfen hatten bzw. haben.

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Rainer Eichberg 13.02.2009, 12:50
36.

Zitat von Celestine
Mein Bruder z.B., der fast 20 Jahre älter ist als ich, hatte ein sehr sicheres Leben - etwas, wovon die Jugend von heute nur träumen kann. Seine Karriere war quasi vorgezeichnet und ohne jegliche Überraschungen und Unsicherheiten, mit denen z.B. meine Neffen und auch mein Mann in einer manchmal sehr dramatischen Art und Weise zu kämpfen hatten bzw. haben.
Seitdem Hinz & Kunz auf's Gymnasium und später auf die Uni gehen, sind diese Ausbildungsrichtungen entwertet. Dadurch sinken auch die Erfolgschancen im späteren Beruf.

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Celestine 13.02.2009, 12:57
37.

Zitat von Rainer Eichberg
Seitdem Hinz & Kunz auf's Gymnasium und später auf die Uni gehen, sind diese Ausbildungsrichtungen entwertet. Dadurch sinken auch die Erfolgschancen im späteren Beruf.

In gewissen Fächern gibt es einen hohen NC - dass Hinz und Kunz also alles studieren können - davon kann keine Rede sein.

Man kann einen Abschluss mit Bestnoten hinlegen - eine solche Sicherheit gibt es für niemanden mehr, noch nicht einmal mehr in den Universitäten, bei denen selbst die besten Dozente nur noch unter Zeitverträgen eingestellt werden.

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Nachtschwester Ingeborg 13.02.2009, 13:07
38.

Zitat von Rainer Eichberg
Seitdem Hinz & Kunz auf's Gymnasium und später auf die Uni gehen, sind diese Ausbildungsrichtungen entwertet. Dadurch sinken auch die Erfolgschancen im späteren Beruf.
Nun ja, wenn "Hinz und Kunz" nicht auf's Gymnasium gehen und später auf die Uni, sind die Erfolgschancen im späteren Beruf aber nich geringer.

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Nachtschwester Ingeborg 13.02.2009, 13:18
39. Korrektur

Zitat von Nachtschwester Ingeborg
Nun ja, wenn "Hinz und Kunz" nicht auf's Gymnasium gehen und später auf die Uni, sind die Erfolgschancen im späteren Beruf aber nich geringer.
Verzeihung, da hat der Druckfehlerteufel zugeschlagen; es muss natürlich heißen, die Erfolgschancen sind noch geringer.

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