Forum: Kultur
Umgang mit dummen Rechten: Die Trottel hören zu

Wir lachen über den verwirrten Pirinçci, die Idioten von Pegida und über die Rechtschreibfehler von Nazis. Das kann befreiend sein. Und gefährlich.

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tallinn1960 22.10.2015, 18:41
210.

Ich habe mal eine ehrliche Frage. Ich bin hin- und hergerissen: der PEGIDA-Demonstrant, der für mich in grosser Mehrheit kein Neonazi ist (die laufen da nur mit), was ist er dann? Jemand, der die Fremden fürchtet, wegen ihrer fremden Kultur, ihren anderen Sitten und Gebräuchen, von denen er Ärger befürchtet? Oder der Wutbürger, der schon lange nicht mehr mit der Politik im Grundsatz einverstanden ist, der überall nur Staatsversagen sieht, und der sich ärgert, dass schon wieder eine Anstrengung unternommen wird für etwas, was ihm gar nichts bringt, anstatt endlich die wirklichen Probleme anzugreifen?

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Marc Anton 22.10.2015, 18:43
211. bitte eine Unterrichtsstunde Politikwissenschaft für alle Journalisten

Was ist eigentlich so schwierig daran, endlich mal politikwissenschaftlich feststehende Begriffe richtig zu verwenden? Ich unterstelle einfach mal die völlige Unkenntnis - Taktik alles "Rechte" so zu diffamieren mag ich nicht unterstellen, es wäre rein zu billig, das würde ja kein ernsthafter Journalist unternehmen...oder?

Ich bin Demokrat, verteidige die FDGO, bin überzeugter Pluralist. Aber ich bin konservativ und damit rechts. Huihuihui...wie böse.

Dann gibt es die Rechtsradikalen. Die sind "rechts" UND radikal in ihren Ansichten (das sehe ich übrigens auch oft genug bei Sozialdemokraten, Grünen u.a.), bewegen sich aber voll und ganz in den Grenzen, die das Grundgesetz vorgibt.
Und dann sind da die Rechtsextremen, ebenso wie die Linksextremen, deren politische Ansichten, Äußerungen und Handlungen sich außerhalb der gesetzlichen Toleranz bewegen. Und um die muss es gehen. Die gehören bekämpft. Links, rechts, religiös, was weiß ich. Das Extreme darf nicht geduldet werden.

Wird - auch noch mit intellektueller Arroganz - auf alles was nicht extrem ist, eingedroschen, werden nur rechtsdenkende Menschen diskreditiert und denunziert, dann ist das zutiefst undemokratisch und moralisch höchst verwerflich.

Diese Zeiten verlangen von uns allen einen klaren Kopf, kalte Analytik und einen wackeren Mund, der auch mal die Wahrheit ausspricht. Es ist im Grunde skandalös und kein gutes Zeichen für unsere Demokratie, wenn der Wahrheitssager wirklich ein schnelles Pferd braucht.
Um diese Staatskrise (und nichts anderes ist es, wenn die öffentlichen Verwaltungen ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen können) zu bewältigen, benötigt es ein Hand-in-Hand-Wirken von uns allen, von links bis rechts. Da hilft es auch nicht, wenn linke Intellektuelle oder solche, die es unbedingt sein wollen um sich vom sog. "Pöbel" (eine schon fast faschistische Denkweise) abzugrenzen, auf jene Menschen eindreschen, deren Sichtweise ihnen nicht passt.
Lesen wir nicht ständig, dass hetzerische Worte zu Gewalttaten führen? Oder gilt das nur in eine Richtung?

Und alle Pegida-Demonstranten (Achtung, Menschen nehmen ein Grundrecht wahr!!) über einen Kamm zu scheren und nach wie vor deren Sorgen nicht nur zu ignorieren sondern sich auch noch über sie lächerlich zu machen, ist wie bei einem Wohnungsbrand das Fenster aufzumachen. Viel Erfolg beim Löschen!

"Rechts" als Beleidigung, Schimpfwort oder Anklage ist einer ehrlichen Diskussion unwürdig.

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agua 22.10.2015, 18:43
212.

Eine Kolumne,die gut gemeint ist,aber wie man in den Foren feststellen kann,ist eine Diskussion schwierig,eben von der Seite derer,die Pegida und diese Inhalte verteidigen.Sie sehen sich als Andersdenkende und als Opfer der Presse.Und ich befürchte,dass daraus eine Trotzhaltung entsteht.Die Gefahr,die ich sehe,dass die Anhänger von Pegida,sich nicht mehr als denkende Individuen verstehen,sondern in einer Gesinnung verschmelzen zu einer Gruppe.Diese Gruppe macht sie stark,wer nicht dazugehören will,oder wer die Inhalte von Pegida kritisiert,wird als blöder Linker,Gutmensch oder sonstiges beschimpft.Einfacher ausgedrückt,als Gegner betrachtet.Das macht die Diskussion so schwierig,weil die Bereitschaft zum Überdenken und der Auseinandersetzung fehlt.

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Vielfaltiger 22.10.2015, 18:44
213.

Zitat von patras
Wohnungsnot, Bildungsmisere, kaputte Straßen und Brücken, extreme Einschneidungen im Gesundheitssystem - all das kommt von den Flüchtlingen? Wo waren die ganzen Wutbürger in all den Jahren, als diese Politik stattfand? Nicht da? Im Ausland und jetzt sind alle zurückgekommen und bemerken die Missstände? Wo waren denn alle die Menschen, als Milliarden für die Bankenrettung ausgegeben wurden? Als Milliarden in Großprojekte in den Sand gesetzt wurden? Als eine stete Umverteilung zugunsten immer weniger Reicher durchgeführt wurden? Ja, wo waren da die Wutbürger, die Habgier des Kapitals zu stoppen? Oder gehört Habgier zu den europäischen Werten und Grundsätzen? Oder hat man sich nicht drumgekümmet und zu wenig gelesen?
Ich habe eine Erklärung dafür: Sie waren zu Hause, weil sie der Elite Glauben schenkten, dass kein (zu wenig) Geld da sei. Jetzt sehen sie aber, dass Geld da ist und NUR der Wille gefehlt hat bzw. er immer noch fehlt es für andere wichtige Dinge auszugeben (wenn z.B. Schulen nicht renoviert werden).

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Radha 22.10.2015, 18:44
214. in meinem Sinne - heute wie vor 80 Jahren -

Zitat von odypen
Erst einmal danke für diesen gut geschriebenen & in sich sehr schlüssigen Artikel: damit treffen Sie den Nagel auf den Kopf; ich gehöre selbst zum "Bildungsbürgertum", bin Akademikerin & habe mehrere akademische & auch berufliche Abschlüsse. Auch ich habe schon schallend über grammatikalische - & Rechtschreibfehler von Faschos gelacht... Wahrscheinlich erhöhen so überhebliche Reaktionen noch das aggressive Verhalten bei den Rechten. Angesichts der zunehmenden Brand- & sonstigen Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte bleibt mir das Lachen jedoch immer häufiger im Hals stecken. Sie haben vollkommen Recht: Um ein Messer zu zücken benötigt man keinen Hochschulabschluss & Tausende und Abertausende von Mitläufern waren schon vor 80 Jahren brandgefährlich!
Nun, auch ich gehöre zum "Bildungsbürgertum", habe noch nie über Schreibfehler anderer Leute gelacht.
Das mag seinen Grund haben, mitunter die Bildungsmisere. Ich meine mich erinnern zu können, dass in gewissen Bundesländern die "Reform" - schreib wie du sprichst - Grundsatz wurde.
Soweit mir bekannt finden viele sogenannte "Anschläge" auch in den Unterkünften statt, aus welchen Gründen auch immer.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich habe die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt (inkl. "Entwicklungsländer"), habe teils in der Entwicklungshilfe mitgeholfen, bin mit einem Ausländer verheiratet! Bin also ein Nazi!
Das was heute an Manipulation und Verblödung der Bevölkerung abläuft, das war vor 80 Jahren genau so brandgefährlich wie heute.

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camillaha 22.10.2015, 18:47
215. .

Zitat von sonnemond
, , , wird nur von ihrer Hässlichkeit übertroffen. Mein Gott, ich habe noch nie vorher solche Menschen gesehen. Bei denen ist wirklich ganz viel schief gelaufen. Frau Stokowski, damit haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Gut, dass das mal jemand ausspricht. Es ist tatsächlich die Frage, wie man mit ihnen umgeht. Humor können sie nicht verstehen, weil ihnen dazu die Intelligenz fehlt. Und Polizisten und Richter gibt es viel zu wenige in diesem Land. Sparmaßnahmen halt. Was macht man?
Danke für die Klarstellung. Mein Mann hat aus Ihren Zeilen erfahren, dass er eine hässliche und dazu noch dumme Frau geheiratet hat. Und humorlos sowieso. Nun bin ich mal gespannt, wie er damit umgeht.

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hummel1 22.10.2015, 18:48
216. Ein Nazi fällt nicht vom Himmel!

Meine Erfahrung, in einer der wichtigsten Lebensphasen eines Menschen, ist Folgende: im Alter von 12 - ca. 30 Jahre war man immer auf der Hut, spätestens ab 00.00 Uhr, wen man evtl. berührt oder auch nur schief anschaut. Das konnte einen vor mehrtätigen Krankenhausaufenthalten bewahren. Viele Gastronomien wurden in kürzester Zeit aufgrund dieses Phänomens geschlossen, so dass eine ganze Gesellschaft geprägt wurde weder Lehrer, Eltern noch sonst wer wollte sich wirklich damit auseinander setzen, schon gar nicht die Gerichte, so dass man sich der Situation ohnmächtig ergab und heute tut jeder so als wäre die aktuelle Entwiklung nicht abzusehen gewesen. Und manchmal frage ich mich, sind es nicht die gleichen Menschen die damals nie hinsehen wollten wenn es unangehm wurde? Ich habe genau diese Solidarität die gerade den Flüchtlingen entgegengebracht wird, Stichwort Zivilcourage, schon im eigenen Land schmerzlich vermisst und das prägt Menschen. Also bitte nicht überrascht sein und zum Lachen ist das schon mal ganz und gar nicht! Die Fronten sind ziemlich verhärtet würde ich mal sagen! Die Lösung des Problems wurde verpennt in meinen Augen!

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PerIngwar 22.10.2015, 18:50
217. Andersrum?

Zitat von agua
Eine Kolumne,die gut gemeint ist,aber wie man in den Foren feststellen kann,ist eine Diskussion schwierig,eben von der Seite derer,die Pegida und diese Inhalte verteidigen.Sie sehen sich als Andersdenkende und als Opfer der Presse.Und ich befürchte,dass daraus eine Trotzhaltung entsteht.Die Gefahr,die ich sehe,dass die Anhänger von Pegida,sich nicht mehr als denkende Individuen verstehen,sondern in einer Gesinnung verschmelzen zu einer Gruppe.Diese Gruppe macht sie stark,wer nicht dazugehören will,oder wer die Inhalte von Pegida kritisiert,wird als blöder Linker,Gutmensch oder sonstiges beschimpft.Einfacher ausgedrückt,als Gegner betrachtet.Das macht die Diskussion so schwierig,weil die Bereitschaft zum Überdenken und der Auseinandersetzung fehlt.
Meinen Sie das ernst oder fehlt nur der smiley?
Ist es nicht vielmehr - gerade in diesem Artikel - genau umgekehrt?

Oder haben Sie ihn von hinten gelesen?

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gustavsche 22.10.2015, 18:50
218. Die Frage ist, was überhaupt ein Nazi ist.

Man sollte aufhören, ständig das komplette rechte Spektrum in einen Hut zu werfen. Ich sehe Pegida auch kritisch, aber deswegen sind das noch lange keine Nazis. Rechtspopulistisch schon.

Und Idioten gibt es im linken Spektrum genauso. Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Der verwirrte Pirinçci ging mir als Achse-Leser auch auf den Keks, aber Nazi ist er nicht. Noch nicht einmal konservativ. Und er lieferte die Vorlage für den Beweis, dass die deutsche Gesellschaft es nicht schafft, vernünftig zu diskutieren. Seine Aussage mit den KZs war eine Unterstellung an Politiker. Dumm und töricht genug. Stattdessen wird daraus gezimmert, Pirinçci wolle die Flüchtlinge im KZ sehen. Und damit sind die hysterischen Faktenverdreher noch törichter und bieten den Mehlmützen, die "Lügenpresse" skandieren, eine wunderbare Vorlage.

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kommentator74 22.10.2015, 18:51
219. Pegida wird sich hoffentlich erledigen

Die Flüchtlingssituation ist unbequem. Für die Flüchtlinge und die Einheimischen. Aber der Strom wird abebben, die Integration greifen. Sobald die offiziellen Lösungen greifen, wird es irgendwann keinen Grund mehr für Pegida geben.
Wenn nicht aber bald mal Lösungen von den Verantwortlichen präsentiert werden, sieht's düster aus.

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