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Uni oder Keller?: So lernen Sie Jazz
Cubus Music

Festivals - wie die Jazzwoche Burghausen - liefern nicht nur tollen Jazz, hier können sich auch Nachwuchsmusiker in Kursen fortbilden. Das Konzept der "Jazz Education" ist heute weltweit etabliert.

paulroberts 15.03.2015, 12:32
1. aber ja

natürlich kann man Jazz studieren.Eines Tages wird man auch Liebe oder Sex studieren können, Schemata vermitteln, sich von den Kollegen aus der BWL ein paar selbst erfundene Formeln ausleihen und die Absolventen werden so Liebe machen, wie unsere studierten Jazzer spielen: perfekt, vollkommen identisch wie ihre Kollegen, kalt, gefühllos und langweilig.

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mipez 15.03.2015, 13:00
2. paulroberts

Dann haben Sie noch nie jemanden nach einem musikalischem Studium spielen hören. Sie würden sich wundern wieviele Künstler genau von dort kommen.
Falls Sie genau diesen Anschub brauchen um Ihr gezwungenes Denken abzuschalten: Martin Miller (Martin Wischmann).

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criticos 15.03.2015, 13:07
3. Zufall? Seit 1973 ist im Jazz auch nicht mehr viel passiert

Die Akademisierung hat zu endlosen Dudelein, zur Kammermusikalisierung und zur Inflation von "Standards" geführt. Technisch alles super, musikalisch oft trivial. Im Konzert gehts noch gerade so, obwohl einem klar ist, dass die Musiker davon nicht leben können. Den Livemitschnitt kann man sich dann kaum noch anhören. Die weltweit erste akademische Jazzausbildung hat es übrigens in Frankfurt am Main gegeben, lange bevor "Racemusic" in den USA kommerziell erfolgreich wurde.

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Sam_Dicamillo 15.03.2015, 14:50
4. Authenticjazzman

an criticos, sie haben gesagt : "Zur Inflation von Standards geführt", eine skurille aussage.
Was haben sie gegen Cole Porter, oder George Gershwin, oder Jerome Kern, oder Johnny Mercer, oder Harold Arlen. Es ist klar dass die Deutschen keine Beziehung zu dem "Great Amerikanischen Songbook" haben, aber Jazz, ob es den Deutschen passt oder nicht, besteht nun mal aus Improvisieren über "Standards", basta.

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Sam_Dicamillo 15.03.2015, 15:09
5. Authenticjazzman

reifes, "Melodisches" Improvisierung, kann man nicht "lehren". Auf den Unis kann man aber solide Harmonische Kenntisse bekommen, was auch seinen Wert hat.

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ahornblatt 16.03.2015, 12:31
6.

Zitat von paulroberts
natürlich kann man Jazz studieren.Eines Tages wird man auch Liebe oder Sex studieren können, Schemata vermitteln, sich von den Kollegen aus der BWL ein paar selbst erfundene Formeln ausleihen und die Absolventen werden so Liebe machen, wie unsere studierten Jazzer spielen: perfekt, vollkommen identisch wie ihre Kollegen, kalt, gefühllos und langweilig.
Absolut richtig! Die "Jazz Greats", z.B. Charlie Parker oder Sonny Rollins oder Charles Mingus haben Jazz auch nicht an der Uni gelernt, sondern auf der Strasse, informell, in den Clubs. Das Leben und wie sie es ganz persönlich erlebt haben, hat sie geschult und reifen lassen. Miles Davis ist ja von der Juilliard School weggegangen!

Eine andere Frage bleibt: wovon sollen die ganzen Jazzer, ob formell oder nicht formell ausgebildet leben? Die Nachfrage ist einfach nicht da. Auf den "Jazz Festivals" wie z.B. Montreux wird kein Jazz gespielt, da spielen ältere Popstars und Gruppen, wie Dire Straits, Sting oder Prince.

Schade. Denn Jazz ist die Musikform, die den grössten persönlichen Ausdruck erlaubt, anstatt die Musiker anderer nachzuspielen. Das mitzuerleben, ist für den Hörer auch eine immer neue aufregende Reise. Voraussetzung: man hört hin!

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bennoreinhard 16.03.2015, 19:58
7. ..kann man Jazz lernen?

Natürlich. Man kann alles lernen und JEDE Musikform erlaubt den größtmöglichen persönlichen Ausdruck. Es kommt darauf an, wie man spielt, nicht in welchem Genre man sich bewegt oder in welcher Schublada man steckt. Ich habe selbst Mitte der 80iger einige Kurse in Burghause besucht und das damals gelernte in mich aufgesogen und war begeistert. Es war eine sehr gute Vorbereitung für meine späteren Studien, erst der klassischen und dann der Jazz-und Popularmusik. Joe Viera ist SICHER einer der wichtigsten Jazzpädagogen in Europa! Was ist Jazz? Jazz is a music of love and joy! Jazz und der Blues sind die Basis, die Wurzel von Rock, Pop, Rap Hiphop, Techno usw...Was ist ein Standard? Ein Standard ist ein Stück, das (Jazz-) Musiker auf der ganzen Welt kennen und sofort zusammen spielen können, egal ob das Stück (falsch notiert) in irgendwelchen Realbooks steht oder nicht. Aber Jazz geht auch OHNE einen Standard. Es muß nur swingen, grooven. Und Improvisation beinhalten. Dann ist es Jazz. All das kann man sicher mehr im Keller als in der Uni lerne. Vor Publikum, auf der Bühne. Dann nach Hause, üben. Dann in die Uni, Wissen aufsaugen und danach wieder in den Jazzclub. Im Idealfall wird der Keller zur Uni. Wie im Mautnerschloß. Ich habe fertig.

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Sam_Dicamillo 17.03.2015, 14:39
8. Authenticjazzman

an bennoreinhard, sie haben gesagt " "Aber Jazz geht auch ohne einen Standard", ja klar, nur mit "Standards", geht Jazz eben besser, schon wegen der Qualität der melodien und Akkordabfolgen ("changes"). Offentsichtlich sind sie kein Jazz Musiker, sonst würden Sie dies auch wissen.

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