Forum: Kultur
Universität in der Krise: Monster, die nur auf Selbsterhalt aus sind

Kein Wille zur Veränderung, keine neuen Strukturen, keine zupackenden Gestalter: Was eine soeben erschienene Streitschrift den Universitäten attestiert, lässt sich problemlos auf andere Institutionen in diesem Land übertragen.

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Koana 06.12.2014, 10:58
20. Karussell des Grauens

.... es gibt nur Menschen, die dürfen in einer bequemen, sicheren Karussellfigur Platz nehmen, denen ist leider völlig egal, was auf den anderen Sitzen so passiert.

Das Glück des Einen ist das Unglück des Anderen, die Glücklichen wollen an diesem Prinzip nicht rütteln!

Das bleibt so, bis keiner mehr glücklich ist, doch was dann dem Menschen blüht, davon könnten die Unglücklichen seit langem erzählen - einzig die haben noch niemals eine Stimme erhalten.

Dietz ist ein Glücklicher, er analysiert sehr oft, sehr treffend, doch seinen Platz auf dem Karussell würde auch er niemals riskieren.
Wofür auch, denkt er wohl, es hätte ja ohnehin keinen Sinn.
Genauso denken all die Karrieristen, die im Wettkampf einen halbwegs sicheren Gewinn eingefahren haben - nur nicht die eigene Position aufs Spiel setzen.

Es bleibt beim grausamen Spiel, beim Karussell des Grauens!

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metaradsportler 06.12.2014, 11:03
21. 626

Ob Aranessian meint, was Dietz meint, dass er meint? Googelt man Aranessian, dann wird man zu einem Sonderforschungsbereich (SFB) 626 der Freien Universität Berlin geleitet, wo er beschäftigt ist. „Geforscht“ wird dort über die „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“. Dieses Hauptthema ist in vier Unterthemen gegliedert, die vier Abteilungen bewirtschaften. Jede Abteilung besteht aus vier bis acht, von Professoren gemanagten Arbeitsgruppen. Jede bearbeitet ein eigenes Unter-Unter-Thema. Das der Gruppe von Herrn Aranessian heißt: „Ästhetische ‚Lebendigkeit‘: Vergegenwärtigung – Präsens – Präsenz“. Aranessian verantwortet ein Unter-Thema davon: „Die Revision der Vergegenwärtigung in der Präsens-Narration“. Hauptabnehmer der tayloristisch produzierten Sondererzeugnisse des SFB 626 scheint der SFB 626 zu sein.
Dr. Aranessian verdankt das Kürzel vor seinem Namen offenbar einer Schrift mit dem Titel „Phänomenologie des ironischen Geistes“. Damit spielt er ironisch auf Hegel an, der sich auf den Standpunkt des Weltgeistes stellte, der alles begreift, was wesentlich ist. Dieser Weltgeist revanchierte sich nun für die ironische Spitze. Aranessian darf in 626 nicht die erträumte Vogel-, sondern muss die Ameisenperspektive einnehmen. Denn die Ironie der Geschichte, die der Weltgeist lenkt, verwandelte Universitäten in Ameisenhaufen. Und sie machte Aranessians Ironie zur Falle für ihn selber. Denn wer sich ironisch zu etwas verhält, hat noch nicht vollständig damit gebrochen – hier: mit dem Geist. Der ist in einem Ameisenhaufen allerdings nicht zu finden. Unglückliches Bewusstsein sagt dazu die Phänomenologie des Geistes, nicht ohne ironische Spitze.

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Mevlana69 06.12.2014, 11:17
22. Nichts Neues...

....man lese nach bei Hannah Arendt's "Vita Activa" 1972:
„Die neuzeitliche Intellektuellenklasse, deren unsere Gesellschaft immer weniger entraten kann und die daher in steigender Quantität produziert, hat so wenig wie ihre römischen Vorgänger etwas mit den Berufen des Hand-Werks gemein; sie arbeitet - und stellt nicht her -, zwar nicht mit dem „Geiste“, wohl aber mit dem Kopf, der nicht nur metaphorisch zum Körper gehört. Sie ist daher auch unfähig, das zu leisten, was noch den bescheidendsten Handwerker mit dem größten Künstler verbindet, nämlich der von Menschen errichteten Welt ein neues, möglichst beständiges Ding hinzuzufügen. Diese „arbeitenden“ Intellektuellen gleichen in der Tat am ehesten jenem „Hausgesinde“, mit dem Adam Smith sie auf dieselbe Stufe stellt, obwohl ihre Funktion nicht in der Erhaltung des Lebensprozesses und seiner Reproduktion besteht, sondern in der Aufrechterhaltung der zahllosen bürokratischen Riesenapparaturen, welche die moderne Gesellschaft bedienen und beherrschen. Denn ihre „Produkte“ und Dienstleistungen werden wahrlich nicht weniger schnell und erbarmungslos konsumiert als die anderen Konsumgüter, die dem reißenden Verzehr des biologischen Lebensprozesses unaufhörlich zugeführt werden müssen.“

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dr. robert dennhardt 06.12.2014, 11:49
23. Danke mit Gruß

Schon während meiner Dokorandenzeit am Helmholtz-Zentrum für Kulturtechik spürte ich mein mangelndes Talent am Netzwerkeln. Dafür aber hatte ich viele Forschungsideen und Freude an der Lehre. Meine Dissertation wurde ein Erfolg, während andere Kolleg_innen, beschäftigt mit Netzwerklen, einfach nicht oder nie fertig wurden. Die PostDoc-Zeit war schrecklich. Zwei Jahre lang Ablehnungen mit Hinweisen beispielsweise darauf, mein Habilprojekt sei so ambitioniert, dass ich damit einen eigenen SFB beantragen könne. Die letzte Absage war im symptomatisch. Ich erhielt eine Einladung von einer ehemaligen Kollegin, mich auf eine der PostDoc-Stelle zu bewerben, über deren Vergabe sie selbst mitentscheiden würde. Entschieden wurde letztlich nicht für originäre Forschung, sondern vergeben wurden die Forschungsstellen einzig, um neue Drittmittelanträge zu generieren! Nach einigen sklavischen Lehraufträgen und Voträgen erhielt das Angebot, Lehrer an einer neugegründeten Privatschule zu werden. Das bin ich nun im fünften Jahr und glücklich damit.

Robert Dennhardt

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lorenzcarla 06.12.2014, 11:51
24. Endlich, na endlich

mal eine kritische Analyse, was alles an den Universitäten ÜBERFLÜSSIG ist und NICHT GELEISTET wird. Stichpunkte wie Elfenbeinturm-Geisteswissenschaft, bürokratische Langweiler, Vetternwirtschaft, Professorenherrlichkeit, Aussitz-Qualität, Langweiler-Vorlesungen, Unflexibilität, Genderquark, Abfragen von nur auswenig Gelerntem, Beamtenmentalität beherrschen die Szene. Und weiterhin nahezu grenzenlos finanziert von Politiker-Entscheidungen, die unterwürfig auf die Knie gehen und fast jeden pseudorelevanten Quatsch abnicken, wenn jemand mit Professorentitel auftritt. Gruß aus dem Bergischen Land

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halsbeißer 06.12.2014, 14:24
25. Maschine stampft weiter,

wem's Grips was wert ist, flieht durch die hämmernden Zylinder.
Artikel kann sich nicht zwischen Rezension und eigener Meinung entscheiden, schafft auch keine deutlich erkennbare Verbindung dazwischen oder eigenständigen Diskurs und Duktus.
Paar interessante Kommentare gibt's hier zu lesen, danke. Besonders Nr. 7 kann ich 100% sekundieren.

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Celestine 06.12.2014, 17:51
26.

Das Problem ist, dass die meisten Projekte heute von Dritten finanziert werden. Der Geldgeber entscheidet also, was förderungswürdig ist. So gibt es kaum noch Forschung der Forschung willen. Außerdem haben die Professoren weniger Zeit für die Studierenden, weil sie dauernd damit beschäftigt sind, sich um die Finanzierung neuer Projekte zu kümmern.

Der akademische Mittelbau ist zudem weggebrochen. Ein junger Dozent sieht kaum noch Zukunftschancen an einer akademischen Laufbahn auf Grund jahrelang befristeter Verträge bzw. Unterbezahlung auf Aufstocker-Niveau. Dies halten nur die Angepassten oder die vom Haus aus Vermögenden auf die Dauer durch.

Es gibt immer mehr Promotionen, wobei das wissenschaftliche Niveau dabei offenbar zweitrangig geworden ist. Denn es gibt weniger Professuren, sodass die Doktoranden nicht mehr ordentlich bereut werden können. Das war schon zu beobachten, als meine Tochter im letzten Diplom-Jahrgang ihre Diplom-Arbeit schrieb: Ihr Betreuer hatte so gut wie nie Zeit für sie, und hätte sie dies nicht privat kompensieren können, wäre das eine unmögliche Situation gewesen.

Die Universitäten sind durch kommerzialisiert, das ist verhängnisvoll. So ist das halt, in einer marktkonformen Gesellschaft.

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