Forum: Kultur
"Urfaust" am Hans-Otto-Theater: Rock Ju Göthe
Hans Ludwig Böhme

Von wegen "Fack ju Göthe". In Potsdam hat Alexander Nerlich einen großartigen "Urfaust" inszeniert, bei dem Gelehrte in Techno-Schuppen abhotten. Und das Beste daran: Sogar Alt-Goetheaner kommen auf ihre Kosten.

herrdainersinne 27.01.2014, 11:50
1. Gretchenfrage......

Darf ichs wagen ?

Die Übertragung klassischer Stücke in die Moderne heißt sie ihrem ursprünglichen Kontext zu entreisssen.

Gott und Teufel haben heute nicht mehr die Wucht der damaligen Zeit, was eine Übertragung in die Moderne zu einem bunten Bilderspektakel werden lassen kann, aber unmöglich das Gefühl transportieren kann, diesen höheren Mächten ausgeliefert zu sein.

---------------- Ob nun Mephisto oder Hamlet, all diese großen phantastischen Stücke sind Erzählungen, sind ein Spiegel Ihrer Zeit. Sind Sie gut inszeniert, führen Sie uns weg von der Leichtigkeit des Jetzt, des Mainstream und des bunten Krakeels all dessen was "Kunst" heute ist. Sie führen uns zum Ursprung, zu den Sinnfragen, die gerade dann am eindringlichsten sind, wenn sie uanadaptiert bleiben.

Sie ins jetzt und heute zu ziehen, Parallelen zu unserer zeit aufzuzeigen, statt sie den Besucher selbst entdecken und ziehen zu lassen, zeugt nur vom Darstellungsbedürfnissen des Plagaitisten.

Es ist, wie Tschaikowsky neu abgemischt im Synthy-Pop Stil mit Schlagzeug zu hören.

Nette, eingängige Unterhaltung, ein Hamburger für zwischendurch. Was davon bleibt ....ist bestenfalls ein lächeln, während das echte Stück ein Mal ist, was nicht nur den Bacu füllt, Unterhaltung für einen Abend ist, sondern einem für lange zeit satt macht, weil man etwas davon mitnimmt, etwas davon bei einem bleibt.

Ich habe Faust das letzte mal vor 20 Jahren in Bonn gesehen.
Keine Lightshow.
Ein Tisch, ein Schrank, 2 Stühle, eine Tür.
Ich habe nicht nur nichts vermisst....das Schauspiel, die Zerissenheit, die Zweifel der Protagonisten, ich erinnere mich noch heute an dieses beeindruckende Erlebniss.

Während diese Inszenierung sich in der Erinnerung sicherlich leicht mit dem nächsten Kino- oder Club-besuch vermengen dürfte.

---- Und das vielleicht sehr zu recht. --------
( Um es mit den Worten des großen Reich-Ranicki zu sagen. )

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kritilligenz 27.01.2014, 12:35
2. Korrektur

Der erfolgreichste Kino-Film des Jahres 2013 (gemessen an den Zuschauerzahlen in Deutschland) heißt "Fack Ju Göhte" und nicht "Fack ju Göthe".

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kulturfex13 27.01.2014, 13:36
3. Eine krude Inszenierung ...

... die sehr geschmäcklerisch und rumpelig rüberkam. So sah ich das und auch etliche andere Premierenbesucher. Die Figuren unscharf und beliebig inszeniert, viele Mätzchen und zuviel Aktionismus. Damit aber das richtige für die erkennbare Zielgruppe: Deutschgrundkurs 11. Schuljahr, Provinzgymnasium

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