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Urheberrecht im Netz: Der direkte Draht zum Künstler ist ein Witz

Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.

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teutoniar 24.03.2012, 12:32
1. Es gibt keine sachliche Diskussion

Ich kann Herrn Regener nur beglückwünschen zum Mut, das auszusprechen. Jeder sollte sich das mal angehört haben. Und er hat auch recht, wenn er sagt, dass andere seiner Branche nicht den Mut dazu haben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Als Heuchelei finde ich auch die Empörung vieler User (ich möchte sie nicht Kunden nennen), die (angeblich) das Urheberrecht gar nicht abgeschafft sehen wollen, aber bei jeder Gelegenheit, wo es um lupenreine Urheberrechtsverstöße geht, der Notizblock mit den angeblichen "Vergehen" der "Industrie" rausgeholt wird und Stück für Stück die "Vergehensliste" abgearbeitet wird, während man Raubkopierer mit keiner Silbe erwähnt oder die Folgen ihrer Taten verharmlost.

Ich bin mir sicher: Wenn es eine sachliche Diskussion gibt, wird man erkennen, dass man letztendlich gar nicht so weit auseinander liegt. Aber es gibt keine sachliche Diskussion diesbezüglich.

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thana 24.03.2012, 12:42
2.

Zitat von sysop
Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.
Quark. Natürlich verkaufen sich mittelmäßige, massentaugliche Produkte besser. Völlig egal, ob sie direkt oder über die Vertriebsindustrie vermarktet werden. Der Direktvertrieb ist aber gerade für nicht massentaugliche Produkte eine Chance - weil die nämlich in die Verlage gar nicht mehr reinkommen, wenn nicht eine bestimmte Mindestverkaufsmenge absehbar ist. An der Verblödung ist nicht der Vertriebsweg schuld, sondern die allgemeine Kommerzialisierung und der Abbau jeden Niveaus GERADE bei den klassischen Verlagen und Produzenten. In letzter Zeit mal ARD und ZDF gesehen? Der einzige tatsächliche Inhalt kommt dort inzwischen von der BBC. Alles andere wird nach Quote produziert - auch wenn man da oft kläglich versagt. Man spürt halt den Druck der privaten Konkurrenz. Und die produziert nunmal für die nach der gaußschen Normalverteilung größte Kundengruppe - die mittelmäßige Masse. Hochkultur war nie ein Massenphänomen, nur das man von den tausenden Dorfmusikern eben nichts mehr weiß, während sich ein Beethoven in den Köpfen gehalten hat. Aber wieviele haben seinerzeit ein Beethoven-Stück zu hören bekommen?
Wir haben uns angeblich demokratisch für eine Marktwirtschaft entschieden. Der Markt wird immer von denen dominiert, die die meiste Kaufkraft haben - wenn ich also große Stückzahlen zu kleinem Preis verkaufen will, muß ich für die "tumbe Masse" produzieren. Will ich Nischenprodukte herstellen, muß ich mich an die wenigen zahlungskräftigen Kunden wenden und meinen Preis entsprechend erhöhen. Und Produkte anbieten, die eben nicht beliebig reproduzierbar sind. Konzert statt CD, Originalbild statt Ausdruck. War schon immer so, und wird in einer Marktwirtscaft auch immer so bleiben. Dummerweise jammert gerade die ach so marktorientierte Verwertungsindustrie am lautesten. Tja, Pech, wer am Markt vorbeiproduziert, ist selber Schuld.

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DerBlicker 24.03.2012, 12:44
3. Sachlich?

Zitat von teutoniar
Ich kann Herrn Regener nur beglückwünschen zum Mut, das auszusprechen. Jeder sollte sich das mal angehört haben. Und er hat auch recht, wenn er sagt, dass andere seiner Branche nicht den Mut dazu haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Als Heuchelei finde ich auch die Empörung vieler User (ich möchte sie nicht Kunden nennen), die (angeblich) das Urheberrecht gar nicht abgeschafft sehen wollen, aber bei jeder Gelegenheit, wo es um lupenreine Urheberrechtsverstöße geht, der Notizblock mit den angeblichen "Vergehen" der "Industrie" rausgeholt wird und Stück für Stück die "Vergehensliste" abgearbeitet wird, während man Raubkopierer mit keiner Silbe erwähnt oder die Folgen ihrer Taten verharmlost. Ich bin mir sicher: Wenn es eine sachliche Diskussion gibt, wird man erkennen, dass man letztendlich gar nicht so weit auseinander liegt. Aber es gibt keine sachliche Diskussion diesbezüglich.
Wer wie Sie unsachliche, juristisch falsche Begriffe wie "Raubkopierer" verwendet, der ist an einer sachlichen Diskussion mit Sicherheit nicht interessiert.

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unwesen 24.03.2012, 12:51
4.

Zitat von sysop
Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.
Das Problem an diesem Konflikt ist, das es eigentlich nicht um Urheberrecht geht, sondern um Geschaeftsmodelle in einem sich veraendernden Markt.

Im Kunstmarkt waren Konsumenten frueher gerne bereit, fuer ein Kunstprodukt Geld auszugeben. Heutzutage geben Konsumenten hingegen eher fuer einen Dienst Geld aus - bei Kunst heisst das dann Veranstaltungen jedweger Art.

Acta-Gegner sehen das leider nicht oft genug so, sondern wehren sich gegen Acta an und fuer sich; damit wenden sie sich - ob absichtlich oder nicht - indirekt dagegen, dass bestehende Kuenstler die auf das alte Geschaeftsmodell setzten jetzt noch Geld verdienen sollen. Das stoesst natuerlich auf massive Gegenwehr.

Die Acta-Befuerworter hingegen versuchen mit Acta kuenstlich den Markt, der vor einigen Jahrzehnten existierte, jetzt mit Gewalt wiederbeleben. Da die Acta-Befuerworter allerdings zum grossen Teil aus Kunstvertrieben zusammengestellt sind, deren Geschaeftsmodell mit dem der, sagen wir mal "traditionellen" Kuenstlern eng verzahnt ist, sind sie ebenso bedroht.

Das Problem ist nur, dass man Konsumenten nicht zu einem bestimmen Konsumverhalten zwingen kann. Ueberleben in der Marktwirtschaft tut, wer sich dem Konsumverhalten der Konsumenten anpasst.

Es waer schoen, wenn wir eine Diskussion ueber diese einfache Tatsache fuehren koennten. Dann kaem man beispielsweise auch recht schnell auf den Gedanken, dass eine Aenderung des Urheberrechts schlicht das Problem nicht loesen wird.

Die Frage, ob es bspw. ethisch einwandfrei ist, Musik zu kopieren oder nicht, oder was man dagegen tun koennte, kommt dabei gar nicht ins Spiel.

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teutoniar 24.03.2012, 12:52
5.

Zitat von DerBlicker
Wer wie Sie unsachliche, juristisch falsche Begriffe wie "Raubkopierer" verwendet, der ist an einer sachlichen Diskussion mit Sicherheit nicht interessiert.
Danke für das Beispiel. Das einer der Punkte auf der Liste, die ich gemeint habe.

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thonaroth 24.03.2012, 12:58
6.

Zitat von thana
Will ich Nischenprodukte herstellen, muß ich mich an die wenigen zahlungskräftigen Kunden wenden und meinen Preis entsprechend erhöhen. Und Produkte anbieten, die eben nicht beliebig reproduzierbar sind. Konzert statt CD, Originalbild statt Ausdruck. War schon immer so, und wird in einer Marktwirtscaft auch immer so bleiben. Dummerweise jammert gerade die ach so marktorientierte Verwertungsindustrie am lautesten. Tja, Pech, wer am Markt vorbeiproduziert, ist selber Schuld.
Wenn ich sowas lese, muss ich umso mehr Frau Sybille Recht geben...

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evergrim 24.03.2012, 13:16
7.

Glaubt eigentlich irgendwer, Künstler und Verwerter würden, wenn es keine unautorisierte Weitergabe von Musik und anderen Kunstinformationen geben würde, wieder soviel Geld wie in den 80gern und 90gern verdienen? Das Problem ist ja nicht das zu viel "geklaut" sondern das zu wenig gekauft wird.

Leider ist es aber so, das vor allem Junge Menschen, moderne Kulturleistungen konsumieren. Durch den demographischen Wandel, gibt es davon aber weniger und durch die wirtschaftliche Entwicklung verdienen die auch immer weniger, bei steigenden Lebenshaltungskosten. Dazu gab es noch nie so viele Künstler am Markt. Ich kann im Betracht dessen einfach nicht sehen, warum man in die grundlegende Technik des Internets eingreifen und Ressourcen des Rechtssystem binden sollte. Gewinnen würde niemand, nicht der Konsument, nicht der Künstler und schon gar nicht unserer Freiheit.

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jan.dark 24.03.2012, 13:20
8. Künstler sind genervt?

Komisch, ich bin vor 1975 geboren Meine erste elektronische Investition war ein Tonbandgerät, mit dem ich Musik aus dem Radio aufnahm. Radio und Fernsehen kommen so lange ich denken kann per Flatrate ins Haus. Damals leifen keine Radio- und Fernsehkünstler weinend über die Straussen.

Franz-Josef Strauss lehrte uns, dass wir Privatfernsehen brauchen. Das kommt kostenlos ins Haus. Ich habe bei Einführung von RTL und Sat1 keine Künstler gehört, dass diese Kostenlos-Kultur verwerflich sei. Auch nicht von denen, denen wir hälftig die Künstlersozialkasse staatlich subventionieren. Ohne Lektorat.

Wenn ich zu meinem Arzt gehe, zahle ich nichts. Weil ich ein Flatrate-Abo über meine Krankenkasse habe. Der Marbuger Bund hat sich bei mir noch nie über meinen Geiz beschwert.

Aber Internet, da soll jetz alles anders sein. Da ist ja rechtsfreier Raum, wie die Politik ständig ruft. Da sollen jetzt alle Künstler Geld bekommen, egal ob sie Qualität liefern. Da soll auch die Marktwirtschaft ausgehebelt werden und durch Abmahnanwälte und Vorratsdatenspeicherung Qualität und Markt durch Staat und Sozialismus ersetzt werden. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.

Urheberrecht ist immer technikabhängig. Als unsere Heldenseagen nur oral überliefert wurden, kam niemand auf die Idee, Geld für jedes Weitererzählen zu verlangen. Als fast nur Mönche Bücher in Klöstern kopierten haben wir das Kunst und nicht als Raubkopie angesehen. Zweihundert Jahre dann hat Urheberrecht funktioniert, als kopieren nur kapitalintensiv mit hohem wirtschaftlichem Risiko gemacht werden konnte. Das Kopieren heute dagegen ist weder kapitalintensiv noch riskant. Da passt das Urheberrecht, dass mit CDs und Papierbüchern noch funktionierte, hat nicht mehr.

Aber in einer Demokratie ist es legitim, ein Geschäftsmodell auf Unpassendes zu retten. Das haben die Heizer in England auch erfolgreich gemacht. Die fuhren dann ohne Arbeit auf E-Loks mit. Eine Zeitlang.

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angst+money 24.03.2012, 13:23
9. so?

Zitat von DerBlicker
Wer wie Sie unsachliche, juristisch falsche Begriffe wie "Raubkopierer" verwendet, der ist an einer sachlichen Diskussion mit Sicherheit nicht interessiert.
Wer einen wegen eines falschen Begriffes abmeiert aber anscheinend auch nicht.

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