Forum: Kultur
Urheberrecht im Netz: Der direkte Draht zum Künstler ist ein Witz

Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.

Seite 15 von 17
grafkoks2002 25.03.2012, 20:03
140. Supermarkt

Zitat von DerBlicker
Die Künstler sollen sich ihr Geld bitte bei der Elektronik- und Kommunikationsbranche holen, aber nicht bei uns Verbrauchern, wir zahlen dafür nichts.
Mmmh, wenn Sie zu Aldi gehen, dann heißt das, dass Sie bei Aldi für die Leberwurst auch nichts zahlen, soll sich Aldi doch das Geld - wo holen?

Wussten Sie eigentlich, dass Google inzwischen mehr Geld an die Demokratische Partei in den USA als Spenden zahlt als die gesamte US-Filmindustrie? Und warum? Weil Google den Content, an dem es verdient, auf jeden Fall für lau haben will. Wer gegen Acta demonstriert, wird von Google gesponstert. Oder von Apple. Denn Apple liebt Menschen wie Sie. Apple schafft nämlich die geschützten Räume, in denen auch Sie etwas bezahlen müssen, wenn Sie etwas haben wollen. Und wehe Ihnen, die tun es nicht. Apple ist böse, denn die geschützten Räume für Kunstschaffende, die lässt sich Apple richtig teuer bezahlen.
Der Kunstschaffende, der heute schon durch Buyout-Verträge und andere Tricks seines geistigen Eigentums beschnitten wird, wird unter Apple und Konsorten noch weniger verdienen. Aber was ist die Alternative? Von Menschen wie Ihnen bestohlen zu werden? Von Pappnasen, die glauben, der Künstler sei ein Boheme, der von der Luft und der Inspirtation lebt? Ob Sie es glauben oder nicht: Frau Berg schreibt die Wahrheit, wenn sie darauf hinweis, dass die meisten Künstler weniger als Büroangestellte verdienen (das steht versteckt in den Zeilen, in denen sie auf jene zeigt, die irgendwann für Versicherungen arbeiten...). Warum der Künstler es macht? Weil das Weniger ihm Unabhängigkeit bringt. Es gibt halt immer ein Für und Wider, etwas Gutes, etwas Schlechtes.

Übrigens: Der Krieg zwischen Alt und Jung findet nur so lange statt, wie ein "junger" plötzlich selbst seiner Arbeit beraubt wird. Und wenn man so einem jungen App-Designer seine Idee stiehlt, dann ist der aber sowas von schnell nicht mehr jung, hip, frei - dann steht der ganz schnell heulend vor seinem Anwalt und schreit "abmahnen, abmahnen, erschießen!".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kein Ideologe 25.03.2012, 20:23
141.

Zitat von DerBlicker
Die Künstler sollen sich ihr Geld bitte bei der Elektronik- und Kommunikationsbranche holen, aber nicht bei uns Verbrauchern, wir zahlen dafür nichts.
Sie nicht. Ich bezahle den Fernseher, wenn ich ihn bestelle. Und ich bezahle (na ja, nicht immer, hatte auch meine Spielphase) eine Dienstleistung genau dann, wenn sie entgeltlich angeboten wird und sie mir das Geld wert ist.

"Wir Verbraucher" ist verräterisch. Wenn da jemand meint, daß er für eine Gruppe sprechen kann, dann ist bei mir eh die Jalousie runter.

Und Leute, die Waren oder Dienstleistungen nachfragen und genau wissen, daß soll doch bitte ein anderer bezahlen, sind mir suspekt. Das machen meine kleinen Kinder, da ist es auch altersgerecht. Erwachen ist das nicht.

Jedenfalls hat die Diskussion ein Gutes, ich werde in diesem Punkt mein Verhalten genauer beobachten. Und ich habe mich erstmals mit Amazon Einzeltitelverkauf befasst. Tut nicht weh, ist fair und auch für ältere Leute handhabbar. Fühlt sich gut an, EoC ist natürlich das Versuchsobjekt, trifft meinen Humor und Mut muß belohnt werden. Und Coolness ist nicht mehr alles, gute Musik ist wichtiger. Manches am Älterwerden ist ganz angenehm.

Manchmal gehört zur Position auch, daß man genau weiß mit wem man nicht in einem Boot sitzen will. Danke an den Blicker. Ich rette natürlich die Welt nicht, bin einfach aus dem Alter raus, wo man für Massenkultur oder die Abspielgeräte viel Geld ausgibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
socrateased 25.03.2012, 21:09
142. Orchesteraufnahmen, Kosten - TEIL 1

Zitat von Forums-Geschwurbel
Koennen Sie sich ueberhaupt vorstellen, was sechs Stunden Aufnahmen mit einem Streich-Ensemble in einem grossen Studio kosten ?
1) Wenn, dann bitte "StreichER-Ensemble", nicht, daß hier am Ende noch irgendwer Ärger mit der Farb-Eimer-Und-Pinsel-Innung bekommt.

2)
Die Zeit der großen Mono-Block-Studios ist fast vorbei, die Entwicklung geht hin zur Verteilung von Prozesspaketen über moderne Studionetzwerke, nebst mobilen, in beide Richtungen (winzig vs. riesig) skalierbaren Geräteparks. Dazu kommt noch der umfassende techn. Entwicklungssprung der letzten 15 Jahre, der heute auch vielen Musikern durchweg sehr hochwertige Eigenproduktionen ermöglicht (hier besteht natürlich stetiger Selbstlernaufwand und nie enden wollender Druck im künstlerischen Selbstmanagement). Ein String-Quartett kann heutzutage, vorausgesetzt, es findet sich ein schön klingender und akustisch formbarer Raum, für ein fast lächerlich geringes recording-Budget wirklich professionell produzieren, auch für den Massenmarkt. Bei Sinfonieorchestern ist das jedoch - nach wie vor - völlig anders.

3)
Das Thema "Projektplanung für tontechnische Groß- und (ggf.) Außeneinsätze" ist zwar mit Sicherheit außerordentlich interessant, dürfte allerdings eher etwas für fachlich spezifisch Bewanderte darstellen, also Leute. die zumindest eine separate Projektplanung-Leitung beschäftigen müssen. Falls sie zu denjenigen gehören sollten, was ja immerhin möglich ist, sei nur soviel am Rande angemerkt:

Ein solches Aufnahme-Projekt (Sinfonieorchester) verschlingt heutzutage in bestimmten Teilbereichen nur noch ca. 25 - 30 % der Mittel, welche um ca. 1980 im Vorfeld einer größeren Tonproduktion aufzubringen waren - nicht gerechnet ständige, hohe Personalkosten (nebst ggf. temporär notwendiger "Besorgung" einer größeren Anzahl an Tontechnikassistenten, logistischen Hilfskräften usw., um den Orchester-Studioraum fachgerecht zu mikrofonieren und um den setup möglicherweise auch über Wochen hinweg konsistent halten zu können.

-> Fortsetzung in "Orchesteraufnahmen, Kosten - TEIL 2"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
socrateased 25.03.2012, 21:11
143. Orchesteraufnahmen, Kosten - TEIL 2

-> Fortsetzung von "Orchesteraufnahmen, Kosten TEIL - 1"

Ich zitiere ihre Frage der Diskussionsklarheit zuliebe erneut:

Zitat von Forums-Geschwurbel
Koennen Sie sich ueberhaupt vorstellen, was sechs Stunden Aufnahmen mit einem Streich-Ensemble in einem grossen Studio kosten ?
Kosteneinsparungen ggü. vor 30 Jahren hat man heute insbesondere durch die moderne PC-/Workstation- und Netzwerktechnik, sowie durch die mittlerweile doch relativ bequeme und redundante Speicherung/Editierung großer, digitaler Datenmengen. Bei kleineren Projekten (< 10 Musiker im Ensemble) hat man es heutzutage sehr viel einfacher, mit einem ggf. limitierten recording-Budget auszukommen.

Heutiger Vorteil: sobald ggf .mal bis zu 180 synchrone Einzelspuren (ich bleibe hier wieder im Beispiel "Orchesteraufnahme") beispielsweise zur Weiterbearbeitung gesplittet, paketiert und an mehrere Filialen eines internationalen Tonstudios oder zw. Sendeanstalten übertragen werden müssen, kann man heuzutage in vielen Regionen der Welt eine entsprechend moderne Intranetstruktur benutzen (>= 10 GBit Glasfaser), dasselbe gilt für die Übertragung riesiger Datenmengen, z.B. für DTS-Premasteringpakete (oder Nachfolgeformate), welche zwischen Mixingabteilung und Masteringabteilung manchmal wirklich maggellanische Entfernungen überbrücken müssen. Früher mußte ggf. ein Kurier mit einigen Koffern voller Tonbandspulen (später DAT-Kassetten, noch später per sündteurem satellite link) in einen Flieger steigen, mehrfach durch den Zoll, und beispielsweise ein paar Tausen Kilometer hinter sich bringen - sowas kostet natürlich auch enorm, da die Produktion wegen unvermeidlicher Logistikanforderungen ständig unterbrochen sein konnte. Nach wie vor wird nicht unbedingt jeder Prozessschritt (Komposition/Arrangement, booking, Proben, setup, recording, premastering/mixing, mastering, Vertrieb, Verkauf -> Endkunde) in einem großen, bestens bestückten Megastudio bearbeitet.

Mithin am kostspieligsten - neben ständigen Personalkosten für hoch qualifizierte Tontechniker, Tontechnikassistenten, ggf. Komponisten (auch Film- und Game-Musik!) - sind nach wie (1) vor ein möglicherweise dauerhaft vorzuhaltender Gerätepark (entsprechenden overhead-Bedarf kann man aber schon seit Jahrzehnten teilweise auch ganz passabel bei fachspezifischen Services mieten), sowie (2) die trotz Verwendung hoch skalierender MADI-gestützter Systeme (oder vielleicht sogar noch moderneren, massiven Bussystemen für fachgerechtes Multitracking, gilt übrigens auch für mobile, größere Multitracking-Anlagen mit - idealerweise - enthaltener Vollautomatisation) grundsätzlich immer noch sehr umständliche Gerätelogistik, bis hin zum Musiker-catering und ggf. Hotelkosten usw.

Die post production war immmer schon kostspielig, da sowas ab 96 Spuren aufwärts schlicht nicht mehr jeder fachgerecht erledigen kann (viele, viele Stützmikrofone!, mehr Kanäle, mehr Chaos!). Außerdem gilt: je mehr Sessions, und je länger diese dauern, um so kostspieliger insgesamt.

--

Und nun zur Scherzfrage des Abends:
Was, bitteschön, hat dieses wirklich atemberaubend interessante Thema mit der Wahrnehmung von Verwertungsrechten durch quasi-feudalistische Pyramidenstrukturen wie z.B. der GEMA (oder ASCAP usw.) zu tun?

Schönen Abend in die Runde, und natürlich auch an die Forenmoderation!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hirschmann12 25.03.2012, 21:49
144.

Zitat von DerBlicker
Die Künstler sollen sich ihr Geld bitte bei der Elektronik- und Kommunikationsbranche holen, aber nicht bei uns Verbrauchern, wir zahlen dafür nichts.
Dann hoffe ich, daß Sie demnächst umsonst arbeiten und hoffe, daß Ihnen der Stadt ein Brötchen nebst kleiner Hütte sponsort - denn warum sollte Ihre Arbeit dann mehr wert sein?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hirschmann12 25.03.2012, 21:58
145.

Zitat von DerBlicker
Die Künstler haben Anspruch auf Bezahlung ihrer Leistung aber nicht vom Verbraucher sondern von der Industrie.
Dummerweise liefern Sie selbst ihr ganz persöhnliches "Aus" gleich mit. Sie sind der Verbraucher und was gibt Ihnen den Namen???? Einfach mal die Worte nehmen wie sie sind....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hirschmann12 25.03.2012, 22:03
146.

Zitat von Forums-Geschwurbel
... Das wird die Industrie aber freuen - nachdem sie etliche zehntausend Tacken in die Aufnahmen und Produktion eines Ausnahmetalentes gesteckt hat. Koennen Sie sich ueberhaupt vorstellen, was sechs Stunden Aufnahmen mit einem Streich-Ensemble in einem grossen Studio kosten ?
An der Stelle muß mal eingehakt werden: Die Plattenindustrie bezahlt schon seit sicherlich 15 Jahren kaum noch etwas um ein Talent zu fördern. Das überläßt sie fein den Studios und den Musikern um dann gnädiger weise eine schon sehr erfolgversprechende Produktion zu übernehmen, ohne Risiko versteht sich. Das ist die vorherschende Vorgehensweise und keine andere! Die Zeiten wo ein großer Erfolg 10-15 Nachwuchsbands finanziert hat, das Geld von den Plattenfirmen investiert wurde, ist schon lange vorbei. Das galt zwar noch für Herrn Regner, aber nicht für viele Bands der End 90er oder gar 2000er....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DerBlicker 25.03.2012, 22:11
147. Ja und?

Zitat von Hirschmann12
Dummerweise liefern Sie selbst ihr ganz persöhnliches "Aus" gleich mit. Sie sind der Verbraucher und was gibt Ihnen den Namen???? Einfach mal die Worte nehmen wie sie sind....
Haben Sie einen PC? Ja! Haben Sie Windows gekauft? Nein! Verdient Microsoft Geld? Ja! Da staunen Sie? Die Elektronikindustrie will Geräte verkaufen, das geht ohne Inhalte nicht, denn sonst kauft und braucht keiner die Geräte. Also soll bitte auch die Elektronikindustrie für die Inhalte zahlen, so wie PC Hersteller Microsoft bezahlen. Von mir gibt es jedenfalls nicht einen Cent für digitale Inhalte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mr.ious 25.03.2012, 22:14
148.

Zitat von socrateased
-- Und nun zur Scherzfrage des Abends: Was, bitteschön, hat dieses wirklich atemberaubend interessante Thema mit der Wahrnehmung von Verwertungsrechten durch quasi-feudalistische Pyramidenstrukturen wie z.B. der GEMA (oder ASCAP usw.) zu tun? Schönen Abend in die Runde, und natürlich auch an die Forenmoderation!
Wenn das jemand wirklich wüßte, der vielleicht auch noch nicht volljährig ist, dann, dann wäre es sehr seltsam.

habe gerade Gestern festgestellt, daß ich bereits mein halbes leben mit dem Geschäft des tränequetschenden "Indie" Labels konfrontiert bin. Also das heißt, daß seit über 20 Jahren mir bekannte Stellen, mit dem traurigen Umstand mehr Geld für sich einnehmen können, weil sie unbekanntem Musikernachwuchs eine Möglichkeit zur etwas breitern Aufmerksamkeit bieten.
Das ist also ein Massenprodukt selbst, dieses "Indie".
Das komischer Weise nur einige wenige Jahre nach den privaten Radiostationen auf, die ja angeblich auch gegen die öffentlich rechtlichen Traditionen auch unbekannten Musikern an bereits vorhandenen Verkaufszahlen vorbei mehr Möglichkeit zu Popularität boten.
Komisch also.

Könnte doch was stimmen an den Aussagen dieser, für mich einzigen "Indies"......

The gitar man got famous, the buiseness man got rich...

Ist allerdings noch ein paar Jahre älter und der erste richtige Erfolg hatte auch nichts beschönigt
Its A Long Way To The Top If Ya Wanna Rock And Roll

Aber in gewisser Weise, stimmt das, was dazu zu lesen ist, ja auch mit dem Artikel überein. Irgendwie eine Generationenfrage, denn wie zu sehen ist, stimmt es ganz genau was so zu dieser Band zu lesen ist. Das Publikum ist mänlich und die Jüngsten schon über 50 !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DerBlicker 25.03.2012, 22:16
149. das braucht man nicht

Zitat von Forums-Geschwurbel
...und bei der 'Industrie' waechst das Bezahlungs-Geld selbstverstaendlich an den Baeumen, nicht wahr...da Sie und Ihre Gesinnungsgenossen der Industrie sicher auch nichts zahlen wollen. Stimmt's ? Das wird die Industrie aber freuen - nachdem sie etliche zehntausend Tacken in die Aufnahmen und Produktion eines Ausnahmetalentes gesteckt hat. Koennen Sie sich ueberhaupt vorstellen, was sechs Stunden Aufnahmen mit einem Streich-Ensemble in einem grossen Studio kosten ?
Ich habe selbst schon in meiner Jugend bei CD Aufnahmen mit gemacht, das hat damals keine 5000 DM gekostet, die Qualität war sehr ordentlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 15 von 17