Forum: Kultur
Urheberrecht im Netz: Der direkte Draht zum Künstler ist ein Witz

Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.

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blowup 24.03.2012, 13:24
10. Change

Zitat von thana
....An der Verblödung ist nicht der Vertriebsweg schuld, sondern die allgemeine Kommerzialisierung und der Abbau jeden Niveaus GERADE bei den klassischen Verlagen und Produzenten. In letzter Zeit mal ARD und ZDF gesehen? Der einzige tatsächliche Inhalt kommt dort inzwischen von der BBC. Alles andere wird nach Quote produziert - auch wenn man da oft kläglich versagt. Man spürt halt den Druck der privaten Konkurrenz.
Die Dinge ändern sich halt. Dass man bei dem Programm eine Zwangsabgabe für das ÖR zahlen muss, ist eigentlich ein Skandal. 2 oder 3 ÖR-Programme sind genug.

Vielleicht eine staatlich suventionierte Kulturflatrate doch der beste Weg. Nur müßte man dann mal Kultur neu definieren. Geld ist ja offenbar genug da.

Da treffe ich doch neulich eine alte Bekannte, die jetzt (Opern-?) Sängerin ist. Da mir das total fremd ist, frage ich: Wo kann man denn da arbeiten? Sie: In Deutschalnd fast überall. Hier hat fast jede mittlere Stadt ihre eigene Bühne. Das wäre einzigartig! In Dänemark könnte sie nur in Kopenhagen arbeiten.

Hat mich doch sehr verwundert, wieviel Geld ausgegeben wird für elitären Quark. Aber junge Bands fördern, Kulturzentren für junge Menschen bauen, dafür ist nichts da. Kein Wunder, dass die sich dann selbst bedienen.

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rh005 24.03.2012, 13:25
11. Missverständnisse

Zitat von teutoniar
Ich kann Herrn Regener nur beglückwünschen zum Mut, das auszusprechen. Jeder sollte sich das mal angehört haben. Und er hat auch recht, wenn er sagt, dass andere seiner Branche nicht den Mut dazu haben. Ausnahmen bestätigen die Regel.
1. Herr Regener hat bei dem Theater mit Youtube/Google gemerkt, dass ein großer Konzern seine Marktmacht ausnutzt und die Zulieferer versucht, im Preis runterzudrücken. Damit ist er in der gleichen Position wie jeder Lieferant, der mit einer großen Supermarktkette zu tun hat. Und er merkt, dass die Endkunden -ganz wie im Supermarkt-sich über hohe Preise beschweren. Vermutlich müssen Künstler mehr auf das Konzept umsteigen: Bekanntheit einkaufen (=Werbung) und an Konzerten Geld verdienen.

2. Als Youtube-Nutzer muss ich sagen: Es ist nicht schlimm wenn man mal was bei Youtube nicht findet, aber wenn die Meldung kommt "in ihrem Land haben Sie kein Recht XY anzusehen" empfindet man das als Bevormundung übelster Art. Ebenso bescheuert wie die Regionalcodes bei DVDs.

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blowup 24.03.2012, 13:33
12. schneller

Zitat von evergrim
Leider ist es aber so, das vor allem Junge Menschen, moderne Kulturleistungen konsumieren. Durch den demographischen Wandel, gibt es davon aber weniger und durch die wirtschaftliche Entwicklung verdienen die auch immer weniger, bei steigenden Lebenshaltungskosten.
Nicht nur das. Sondern die Kultur ändert sich auch. Sie wird schnell-lebiger, es kommt was Neues, das ist hip, man teilt und redet und schon kommt wieder was Neues. Diese Dinge haben einen anderen, geringeren Wert, als früher die Beatles-Alben. (das meine ich nicht wertend). Man weiß, dass das alles rasant vergänglich ist und will entsprechend wenig dafür zahlen. Und der Konsument weiß auch, dass der Künstler in gewisser Weise "sein Werk" ist, denn er hat ihn ja auf facebook, youtube etc. mit gehypet.

Aber die Industrie baut immer noch auf ein überholtes Kulturverständnis und Geschäftsmodell. Mal ehrlich: hätte es zu Zeiten der Beatles keine Musikindustrie gegeben, das wäre eine recht triste Zeit gewesen. Und heute? Die Menschen würden sich über die neuen Medien a la Youtube halt selber bestens unterhalten.

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dale_gribble 24.03.2012, 13:33
13.

Zitat von angst+money
Wer einen wegen eines falschen Begriffes abmeiert aber anscheinend auch nicht.
Es ist aber immer wieder schlimm zu lesen dass Leute, die eine Musik-CD oder Software "illegal" vervielfaeltigen, zumindest verbal mit Raeubern gleichgestellt werden. Das ist einfach unter aller Kanone.
Diebstahl ist nicht gleich Raub. Wenn ich ein Auto klaue, ist das Diebstahl, es wird erst zum Raub, wenn ich den Fahrer mit vorgehaltener Waffe aus dem Auto zerre.
Auch wenn ich 100 Autos stehle ist das immer noch kein Raub sondern "gewerbsmaessiger Diebstahl", wenn ich mich nicht irre.

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auri sacra fames 24.03.2012, 13:46
14.

Zitat von blowup
... Aber die Industrie baut immer noch auf ein überholtes Kulturverständnis und Geschäftsmodell. Mal ehrlich: hätte es zu Zeiten der Beatles keine Musikindustrie gegeben, das wäre eine recht triste Zeit gewesen. Und heute? Die Menschen würden sich über die neuen Medien a la Youtube halt selber bestens unterhalten.
Kennen Sie den Film "Demolition Man" (der ja lose auf "Brave new World" basiert)?

In einer Szene singen Sandra Bullock und ihr Kollege grauenhafte Werbejingles ("kaufe Würstchen - oder so ähnlich) :-)aus dem Autoradio mit und erklären Stallone, dass es in Hitparden nur das noch gibt.

Sehr prophetisch. Auch der Rest wird immer realer: Salzverbot wegen der Gesundheit, Fluchverbot,...I

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blowup 24.03.2012, 13:46
15. richtig

Zitat von rh005
2. Als Youtube-Nutzer muss ich sagen: Es ist nicht schlimm wenn man mal was bei Youtube nicht findet, aber wenn die Meldung kommt "in ihrem Land haben Sie kein Recht XY anzusehen" empfindet man das als Bevormundung übelster Art. Ebenso bescheuert wie die Regionalcodes bei DVDs.
Vollkommen richtig. Wie will man das jungen Menschen vermitteln? Beispiel Lana Del Rey: im Internet und auf Youtube entdeckt/grioß geworden durch die Klicks der User. Eine von Ihnen/ihr Werk. Mit Ihnen vernetzt auf Facebook etc.. Und dann postet Lana voller Stolz "hier mein neues Video" und als deutscher User guckt man auf den Blackscreen.

Ist doch kein Wunder, dass die Konsumenten dann komplett auf Konfrontationskurs gehen und ein Dialog nicht stattfindet.

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auri sacra fames 24.03.2012, 13:53
16.

Zitat von dale_gribble
Es ist aber immer wieder schlimm zu lesen dass Leute, die eine Musik-CD oder Software "illegal" vervielfaeltigen, zumindest verbal mit Raeubern gleichgestellt werden. Das ist einfach unter aller Kanone.
Vor allem ist die Diskussion um eine Begrifflichkeit eine Ablenkung.

"Es" wird in Massen gemacht:

1. Weil die Gefahr erwischt / bestraft zu werden gegen Null geht
2. Weil es keiner intellektuellen Voraussetzung bedarf
3. Weil "es" (vermeintlich) nichts kostet - nicht einmal eigene Zeit.

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auri sacra fames 24.03.2012, 13:58
17.

Zitat von blowup
Vollkommen richtig. Wie will man das jungen Menschen vermitteln? Beispiel Lana Del Rey: im Internet und auf Youtube entdeckt/grioß geworden durch die Klicks der User. Eine von Ihnen/ihr Werk. Mit Ihnen vernetzt auf Facebook etc.. Und dann postet Lana voller Stolz "hier mein neues Video" und als deutscher User guckt man auf den Blackscreen. Ist doch kein Wunder, dass die Konsumenten dann komplett auf Konfrontationskurs gehen und ein Dialog nicht stattfindet.
Aber jeder, der sich nur minimal vom Status des "Users" abhebt, braucht genau 1 Sekunde, um die singenden Plastiklippen auf US-/F-/-... Youtube zu sehen.

Das ist wirklich nur ein Problem für die "digital natives" ("einschalten kann ich ihn").

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Mevlana69 24.03.2012, 14:01
18. Property is Theft

Zitat von sysop
Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.
„Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den
Gedanken kam zu sagen ‚Dies gehört mir’ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Elend und Schrecken wären dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen gehören, aber die Erde niemandem" Jean-Jacques Rousseau "Abhandlung über Ursprünge und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen" (1755)

Frau Sibylle,
wieder mal ein Text von Ihnen, der mich überzeugt.
Man muss ja bei dem ganzen Schmonz nicht mitmachen. Diese Möglichkeit gibt es. Auch für Künstler. Bei Kunst geht es um mehr als Verwertung und Besitzstandsrechte. "Property is Theft" las ich vor kurzem auf einem CD-Cover.

Ich persönlich finde das Kämpfen durchaus bereichernd. Immer schön stören, verstören, irritieren. Wenn man müde ist, kann man den "Jungen" immer noch beibrigen, wie man dies macht. Es gibt genug "Junge", die sich eine Kultur des konstruktiven Kampfes wünschen, als Antwort auf eine Kultur der Verharmlosung.
Nietzsche: "Ich bin meiner Art nach kriegerisch. Angreifen gehört zu meinen Instinkten. Feind sein können, Feind sein, das setzt vielleicht eine starke Natur voraus. Jedenfalls ist sie bedingt in jeder starken Natur. Sie braucht Widerstand, folglich sucht sie Widerstände."

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auri sacra fames 24.03.2012, 14:08
19.

Zitat von auri sacra fames
Kennen Sie den Film "Demolition Man" (der ja lose auf "Brave new World" basiert)? In einer Szene singen Sandra Bullock und ihr Kollege grauenhafte Werbejingles ("kaufe Würstchen - oder so ähnlich) :-)aus dem Autoradio mit und erklären Stallone, dass es in Hitparden nur das noch gibt. Sehr prophetisch. Auch der Rest wird immer realer: Salzverbot wegen der Gesundheit, Fluchverbot,...I
Auf das naheliegende kommt man zuletzt. ;-)
People singing commercials ("Demolition man" society) - YouTube

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