Forum: Kultur
Urheberrecht im Netz: Der direkte Draht zum Künstler ist ein Witz

Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen? Der Streit um Acta jedenfalls ist auch ein Kampf Jung gegen Alt. Doch wer meint, die Generationen sollten einander jetzt sogar den Krieg erklären, muss wissen: Am Ende gewinnen nur die Idioten.

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teutoniar 24.03.2012, 19:28
60. Unwahrheiten

Zitat von alterknacker
... die zukünftig echten Armen dieser Gesellschaft ... sie haben ihre sogenannten Rechte-Verwerter wie die Gema oder wie auch immer diese Organisationen heißen und sie glauben, genau diese Organisationen werden ihnen zu ihren Tantiemen verhelfen, das ist ein absoluter Brüller. Allein die Verwaltungskosten fressen 80% der Einnahmen auf und der 'Rest' wird dann großzügig aufgeteilt.
Das ist völliger Unsinn, da gerade das Gegenteil der Fall ist. Voller Inbrust vorgetragene Unwahrheiten bringen die Diskussion leider auch nicht voran. Sie schaden Ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit und der gesamten Diskussion mehr, als Sie vielleicht denken mögen.

Die GEMA hat im Jahr 2011 ca. 85% der Einnahmen wieder an ihre Mitglieder ausgeschüttet. Sie können den Geschäftsbericht im Internet nachlesen.

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christasaalfeld 24.03.2012, 19:31
61. Altersdiskreminierung oder "Für Elise"

Zitat von Ujoteff
Ihr Gegeifer ist schwer erträglich. Wieso picken Sie die Urheber raus? Warum sollen nur Urheber nichts vererben dürfen, unseriöse Geschäftemacher aber schon? In der Praxis ist das übrigens überhaupt kein Grund zum Neid. Es gibt kaum Werke, die 70 Jahre nach dem Tod des Autors noch nennenswert nachgefragt werden. Natürlich kann man darüber reden, ob 70 Jahre nach dem Entstehen des Werks genug sind. Aber dann muss man wie gesagt grundsätzlich an das Thema Erbschaft ran. Und eine brutale Erbschaftsteuer brächte allemal dem Fiskus mehr als eine Abschaffung des Urheberrechts.
"Für Elise" ist erst 38 Jahre nach dem Tod von Beethoven veröffentlicht worden. Kein durchgängies Beispiel, aber ein treffendes. Denn das wurde schon damals zum Megaseller (über Noten eben noch).
Doch es ist grundsätzlich nicht zu legitimieren, warum ein Mensch nach z. B. einem Arbeitsleben mit 50 oder 60 nicht mit dem Komponieren beginnen und seiner Familie dann diese Früchte geistigen Schaffens vererben können sollte.

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Ujoteff 24.03.2012, 19:32
62. Stimmt nicht

Zitat von peterregen
Wenn ich das Urheberrecht und den Regionalcode achte, wie es sich die Contentindustrie vorstellt, dann bekomme ich einen amerikanischen Film später oder nie zu sehen. Und wenn, dann erst mal auf Deutsch.
Die englische Originalversion ist in der Regel bei den deutsch synchronisierten DVDs mit drauf. Eine DVD ist ein Wiedergabemedium, d.h. ein DVD-Player (der auch kein Recorder ist) kann darauf nichts speichern, also auch nicht, in welcher Sprache Sie den Film schon gesehen haben. Was Sie einstellen, ist der Player (oder die Wiedergabesoftware auf Ihrem PC.

DVD-Player gibt es ab 29 Euro. Dann legen Sie sich einfach einen zweiten zu, den Sie auf Englisch einstellen. Fertig.

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thana 24.03.2012, 20:03
63. ...

Zitat von borsig
Mir fällt noch eine Lösung für ihr Miete-Problem ein: Retten Sie uns vor den Kehlmanns, Krachts und Regeners dieser Welt. Schreiben Sie bessere Bücher! Mit schönem Gruß, auch an die entsetzlich schlechte spanische Bestseller-Autorin, die wegen "Raubkopien" weniger Bücher verkauft.
Sehr schön gesagt. Ich arbeite (wenn denn mal Arbeit da ist) selber in der Kreativ- und Medienbranche und kann bestätigen, wie eng der Markt da ist. Es gibt einfach viel zu viele - auch durch den Hype, "irgendwas mit Medien" sei ja so cool und man verdiene da praktisch von ganz alleine ne Menge Moos. In der Kultur- und Medienbranche ist rund jeder 4. arbeitslos oder krebst mit Kleinstaufträgen rum, aber die meisten denken, sie seien die großen Künstler und müssten doch gefälligst bezahlt werden. Und dann kommen die Vergleiche mit dem Bäcker, der auch nicht umsonst Brötchen bäckt. Nur das dieser Vergleich hinkt. Ja, Kultur ist wichtig, elementar sogar. Aber eben nicht lebenswichtig. Wer rumkünstlern will, macht, was er will und erwartet dann von anderen, daß sie ihn gefälligst bezahlen. Warum sollten sie? Außer wenn es ihnen denn wirklich gefällt. Kunst ist ein Haufen Arbeit, ja. Aber eben eine, die eher ein Luxus ist. Wenn der Bäcker zu teuer wird, bäckt man sein Brot eben zu Hause. Und im Moment begreifen die Bäcker nicht, daß sie zu teuer sind und zudem noch die falsche Sorte Brot anbieten.

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vulfolik 24.03.2012, 20:08
64. Digitale Allmende

Zitat von sysop
Ist das Urheberrecht ein Relikt aus vordigitalen Tagen?

Wie sinnvoll/human ist es Menschen mit wenig Geld (also fast allen normalen Menschen) durch künstliche Verknappung ein Gut vorzuenthalten, das kostenlos reproduziert werden kann?

Natürlich muss der Urheber für seine Arbeit fair entlohnt werden

Aber jetzt ist es doch noch so, dass wir alle monatlich einen bestimmten Geldbetrag X zahlen, um ein Hunderttausendstel der produzierten Inhalte für uns auswählen und nutzen zu dürfen.

Das ist m.E. in einer Welt, in der die Inhalte kostenlos reproduziert werden können, eine ziemliche Vergeudung. Niemand würde etwas verlieren, wenn jedem für das gleiche Geld statt nur einem Hundertausendstel der Inhalte, alle Inhalte offen stehen würde.

Es würde ja weiterhin die gleiche Menge Geld ins System gepumpt. (Im Grunde könnte es auch viel weniger sein, weil ja ggfs. eine Menge Mitverdiener wegfallen).

Es müssen nur Mechanismen zu einer fairen Verteilung des Geldes gefunden werden. Der CCC hat mit seiner Kulturwertmark ja in der Richtung etwas vorgeschlagen. Scheint mir allemal einfacher zu sein, als weiter an der Totalüberwachung des Internet zu arbeiten und eine ganze Generation zu kriminalisieren.

Ist vielleicht ein wenig so, wie mit der Rechtschreibreform: irgendwann kommen die Regelfestleger dahinter, dass gewisse Entwicklungen nicht mehr einzufangen sind, und dass man besser die Regel, statt die Menschen ändert.

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peterregen 24.03.2012, 20:09
65. ...

Zitat von Ujoteff
Die englische Originalversion ist in der Regel bei den deutsch synchronisierten DVDs mit drauf. Eine DVD ist ein Wiedergabemedium, d.h. ein DVD-Player (der auch kein Recorder ist) kann darauf nichts speichern, also auch nicht, in welcher Sprache Sie den Film schon gesehen haben. Was Sie einstellen, ist der Player (oder die Wiedergabesoftware auf Ihrem PC. DVD-Player gibt es ab 29 Euro. Dann legen Sie sich einfach einen zweiten zu, den Sie auf Englisch einstellen. Fertig.
Mit "Wenn ich das Urheberrecht und den Regionalcode achte" meinte ich, daß ich den Willen der Contentindustrie achte. Und die will nicht, daß ich einfach und ohne Kopfstände zum Veröffentlichungsdatum den amerikanischen Film im Original hier in Deutschland schaue.

Und daß sich die Situation langsam bessert liegt nicht daran, daß uns die Contentindustrie etwas Gutes tun möchte, sondern weil sie durch den Druck der "illegalen Verbreitung" dazu gezwungen wurde.

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thana 24.03.2012, 20:15
66. ...

Zitat von VPolitologeV
Die Hauptfrage ist doch: wie kann ein Künstler Geld bekommen, ohne massenkonform und mit einem breiten Netzwerk ausgestattet zu sein? Wie sieht ein Geschäftsmodell aus, daß es auch den komplexen Künstlern ein Dasein ermöglicht?
Das, was Künstler schon immer machen mussten: Andere davon überzeugen, ihre Arbeit zu bezahlen. Ob der Künstler nun einen hohen Preis für ein exclusives Werk verlangt und sich dementsprechend reiche Kundschaft suchen muss, oder ob er die Masse ansprechen will, um hohe Stückzahlen zu einem niedrigen Preis zu verkaufen, ist sein Bier. Vervielfältigung gibt es heute praktisch zum Nulltarif, die Herstellung kann man sich über crowdfunding und ähnliches von den "Fans" vorfinanzieren lassen. Aber man muß eben die Werbung selber übernehmen. Was man bisher den Verlagen überlassen hat. Aber in Zeiten, in denen man mit seinen "Stars" über Twitter und Facebook kommunizieren will, zieht ein Verlag nicht mehr. Die Zeiten sind nunmal vorbei. Künstler sind nicht mehr die unangreifbaren Idole irgendwo da oben. Gewöhnt euch dran, auch nur Menschen zu sein.

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salamicus 24.03.2012, 20:25
67. Ich verstehe Sie...

Zitat von thana
Ja, Kultur ist wichtig, elementar sogar. Aber eben nicht lebenswichtig. Wer rumkünstlern will, macht, was er will und erwartet dann von anderen, daß sie ihn gefälligst bezahlen. Warum sollten sie? Außer wenn es ihnen denn wirklich gefällt.
...aber das adelig/großbürgerliche Mäzenatentum war doch weggebrochen! Und dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Bildung und damit *Verständnis*. Und die Bildung ist auch weggebrochen. Also, Subvention oder das Diktat der Ochlokratie? Lore-Romane für jedermann. Welcher Differenzierte oder sogar Hochdifferenzierte wollte in dieser "schönen neuen Welt" noch leben wollen - trotz "Soma"

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ulit 24.03.2012, 20:42
68.

Zitat von thana
Die Zeiten sind nunmal vorbei. Künstler sind nicht mehr die unangreifbaren Idole irgendwo da oben. Gewöhnt euch dran, auch nur Menschen zu sein.
Liebe thana, ich war als Künstler immer nur ein ganz normaler Mensch. Und mit da oben und da unten hat Kunst nichts zu tun. Ihre Wut verstehe ich nicht. Dabei ist die Sache sehr einfach und leicht zu verstehen. Ich als Künstler/Schriftsteller erwarte von niemandem, meine Bücher zu kaufen, ich erwarte keine Subvention, keinen Bonus, keine Sonderbehandlung, nichts dergleichen. Aber ich erwarte, dass derjenige, der meine Bücher haben will, sie nicht raubkopiert, sondern kauft. Ich rede nicht von verleihen. Ich rede von weit über 50% illegale Downloads von eBooks zum Beispiel. Das ist einfach nur Diebstahl. Period. Es ist wie im Supermarkt: Nur weil alles dort so schön greifbar ist, kann ich nicht verlangen, dass es umsonst ist. Meine Bücher bemühen sich, Kunst zu sein, und sie sind zugleich Arbeit. Und Arbeit hat einen Wert. Wer den nicht bezahlen will, kann meine Bücher gerne links liegen lassen.

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thana 24.03.2012, 20:45
69. ...

Zitat von salamicus
...aber das adelig/großbürgerliche Mäzenatentum war doch weggebrochen! Und dazu gehörte nicht nur Geld, sondern auch Bildung und damit *Verständnis*. Und die Bildung ist auch weggebrochen. Also, Subvention oder das Diktat der Ochlokratie? Lore-Romane für jedermann. Welcher Differenzierte oder sogar Hochdifferenzierte wollte in dieser "schönen neuen Welt" noch leben wollen - trotz "Soma"
Das ist aber ein Problem der Gesellschaft. Die Gesellschaft will eine Marktwirtschaft. Der Kunde will keine Verlage und Verwertungsindustrie mehr. Der Kunde will Vertriebswege, die seinen technischen Möglichkeiten entsprechen - sprich download jetzt und gleich ohne Wartezeiten, Hürden und komplizierte Zahlverfahren. Zudem wird dem normalen Kunden von früh bis Abend per Reklame und "Lifestyle"-Werbung eingetrichtert, was er zu konsumieren hat. Er hat aber das Geld nicht. Das führt zu Frustration. Er wird sich das Gewünschte anderweitig besorgen - früher per Kasettenrekorder, heute per torrent. Es werden massiv Bedürfnisse in breiten Bevölkerungsschichten geweckt, die gerade auch bei Jugendlichen zu Gruppendruck und Anerkennungsproblemen führen, und dann wundert man sich über die Konsequenzen. Wenn man Markt haben will, dann bekommt man den Markt. Und wer an seinem Stand schlecht verkauft, der kann eben einpacken. Ich mag dieses System nicht, aber ich muß darin leben - und die, die dafür aktiv eintreten, sollen sich gefälligst auch selber dran halten und mit den Konsequenzen klar kommen, die sie selber zu verantworten haben. Wer Konsum predigt, muß sich nicht wundern, wenn die Leute konsumieren wollen - um jeden Preis. Und nochwas zum Urheberrecht. Das diente eigentlich nicht dazu, das Ansehen von Produkten zu verhindern, sondern echte Raubkopien zu verhindern - sprich das ein Fremder sich als Urheber eines Produktes ausgiebt und es als sein eigenes vermarktet. An einer digitalen Kopie, die umsonst verteilt wird verdient aber keiner was. Die Rechnung, jeden download mit einem gekauften Lied gleichzusetzen, ist Blödsinn. Auch ohne downloads würden sich die Verkaufszahlen nicht sonderlich ändern - weil die Leute auch jetzt kaufen, wenn sie wirklich überzeugt von etwas sind und das Geld haben.
Naja, egal, hier rumlabern bringt eh nichts und das Thema ist viel zu weitläufig für Forengelaber.

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