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Verlogene Migrationsdebatte: Das "Bleibt-bloß-weg-Paket" der Regierung
DPA

"Ausländer weg - alles gut!" So lässt sich die Intention des nun beschlossenen Migrationspakets umreißen. Damit knickt die Regierung vor dem rechten Lager ein - und am Fachkräftemangel ändert sich nichts.

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vera gehlkiel 15.06.2019, 21:22
110. @andre_36

Zitat von andre_36
Ich habe von bestimmten Branchen geredet und dazu stehe ich auch. Im Übrigen ist selbst der lächerliche Mindestlohn, der fast genau dem Hartz4 Satz entspricht, kein überzeugendes Argument für Jugendliche, sich für eine Ausbildung zum Arbeiter, Handwerker oder Angestellten zu entscheiden. Mag sein, dass das in 10 Jahren anders aussieht. Für welchen 16-Jährigen sollte das heute Motivation genug sein? Die entsprechenden Firmen müssten sich doch jetzt schon im Wettbewerb um Azubis überschlagen mit attraktiven Angeboten. Ich habe in meiner Jugend eine gratis Unterkunft und andere Vergünstigungen erhalten. Und damals wurde noch nicht über Fachkräftemangel gejammert. Die Investitionen und das Engagement für Azubis ersparen sich heute viele, indem sie einfach nach gut ausgebildeten Ausländern verlangen. Meine ausländische Frau kann ein Lied davon singen. Nach dreijähriger Suche, die sie mit Sprachbildung ausfüllte, fand sie endlich einen Job. Finanzmanagement bei einem namhaften Unternehmen: 2300 brutto, während ihre deutschen Kollegen, die nach und nach ersetzt werden, nahezu das Doppelte verdienen. Da muss ich nichts schlecht reden, das ist schlecht genug.
Ich glaube, Sie haben nicht mal im allerentferntesten eine Idee, für wieviele Menschen der Mindestlohn, damals von Gewerkschaften bekanntlich aus reinstem Machtgekluengel verhindert, aktuell die Grundlage für ein Sich-Emanzipieren-Koennen, zwar im Schweisse ihres Angesichtes und im Taumel von durchweg zuwenig Schlaf (aber das tut überhaupt nichts zur Sache, wenn man sich dafür frei fühlen kann) bedeutet. Ihre Geringschätzung darüber würde ich ganz unumwunden "Armutsrassismus" nennen. Insofern passt die Diagnose, insofern der Linksfundamentalismus neuerdings ja kongruent zum Rechtsfundamentalismus der "naturgegebenen" Verantwortungslosigkeit des (armen) Afrikaners an sich das Wort redet. Der sich zum Beispiel erkuehnt, einfach in Duesseldorf Medizin studieren zu wollen...Solchen muss mal im Habitus kolonialistischen Moralisierens der Herr Lafontaine beibiegen, dass er/sie/es sich gefälligst um die Kranken bei sich zuhause zu kümmern hat...

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capote 15.06.2019, 21:31
111. 3000,- € brutto

Zitat von cave68
................ Nur mal als Beispiel:Die 2700-3000 brutto die mittlerweile ganz normaler Durchschnitt in meinem Beruf (Bäckerhandwerk)sind dürften um Längen über Mindestlohn liegen. ..............
3000,- Brutto sind bei 174 Arbeitsstunden Pro Monat 17,24 € die Stunde. Das sind nicht Längen über Mindestlohn, das ist noch nicht einmal zwei mal Mindestlohn.

Er arbeitslos, Sie arbeitslos, zwei Kinder und es gibt mehr Geld vom Sozealamt, als was Sie nettoals Junggeselle verdienen. Sie haben also in Tat und Wahrheit die Wahl: Zu arbeiten ODER zu heiraten und zwei Kinder in die Welt zu setzen....

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cave68 15.06.2019, 21:41
112.

Zitat von capote
Wenn ein 55-Jähriger Elektroingenieur arbeitslos wird, weil die Firma pleite gemacht hat, bekommt keinen neuen Job. Nun erinnert der sich, ja mal eine Lehre als Elektriker gemacht zu haben, also verdingt der sich halt wieder als Elektriker. Geht nicht, weil zu alt, nicht mal bei einem Verleiher, man will den um keinen Preis mehr im Arbeitsleben haben, auch nicht bei McDonalds, Hamburgers über die Theke zu schieben oder bei ALDI an der Kasse zu sitzen, für absolut ALLES zu alt. Bei der Ausgangslage macht es keinen Sinn, sich mit einer Ausbildung auch noch in den überfüllten Arbeitsmarkt zu drängeln.
ich kenne in meinem Umfeld mindestens 3 Mittfünfziger,die in den letzten Jahren als ganz normaler Elektriker noch öfters ihren Job gewechselt haben ...und die hatten keine Schwierigkeiten wieder einen Job zu finden.
Selbst wenn Elektro und auch Kfz-Bereich noch zu den beliebteren Berufen gehören und somit der Mangel momentan noch nicht ganz so eklatant ist wird dies sich in den nächsten Jahren ändern.
Schauen sie sich doch mal selbst die Altersstruktur unter sämtlichen Handwerkern an.
und darum geht es hier doch wenn man JETZT eine Ausbildung macht :Um die Zukunft...und nicht um tragische Einzelfälle momentan...

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andre_36 15.06.2019, 21:47
113.

Zitat von vera gehlkiel
Ich glaube, Sie haben nicht mal im allerentferntesten eine Idee, für wieviele Menschen der Mindestlohn, damals von Gewerkschaften bekanntlich aus reinstem Machtgekluengel verhindert, aktuell die Grundlage für ein Sich-Emanzipieren-Koennen, zwar im Schweisse ihres Angesichtes und im Taumel von durchweg zuwenig Schlaf (aber das tut überhaupt nichts zur Sache, wenn man sich dafür frei fühlen kann) bedeutet. Ihre Geringschätzung darüber würde ich ganz unumwunden "Armutsrassismus" nennen. Insofern passt die Diagnose, insofern der Linksfundamentalismus neuerdings ja kongruent zum Rechtsfundamentalismus der "naturgegebenen" Verantwortungslosigkeit des (armen) Afrikaners an sich das Wort redet. Der sich zum Beispiel erkuehnt, einfach in Duesseldorf Medizin studieren zu wollen...Solchen muss mal im Habitus kolonialistischen Moralisierens der Herr Lafontaine beibiegen, dass er/sie/es sich gefälligst um die Kranken bei sich zuhause zu kümmern hat...
Der Knecht sollte dankbar dafür sein, dass er dem Herren dienen kann, da er sich dadurch emanzipiert? Meine Frau emanzipiert sich, wenn sie meine Unterhosen wäscht? Der Kriegsflüchtling darf sich glücklich schätzen, wenn er nach seiner überstandenen Flucht in Deutschland für ein Taschengeld Pakete austragen darf? Wissen Sie eigentlich, was der Begriff "Emanzipation" bedeutet, oder gehört das einfach zu Ihrem Phrasen-Repertoire? Ich beginne zu ahnen, wie solche schizoiden Wahrnehmungsverschiebungen wie bei Sarrazin entstehen können. Der gehört anscheinend zu ihrem Kulturkreis. "Linksfundamentalismus". Daneben. Weit daneben.

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cave68 15.06.2019, 21:47
114.

Zitat von capote
3000,- Brutto sind bei 174 Arbeitsstunden Pro Monat 17,24 € die Stunde. Das sind nicht Längen über Mindestlohn, das ist noch nicht einmal zwei mal Mindestlohn. Er arbeitslos, Sie arbeitslos, zwei Kinder und es gibt mehr Geld vom Sozealamt, als was Sie nettoals Junggeselle verdienen. Sie haben also in Tat und Wahrheit die Wahl: Zu arbeiten ODER zu heiraten und zwei Kinder in die Welt zu setzen....
wenn sie hier solche Vergleiche anstellen sollten sie auch um einen richtigen Vergleich zubekommen nicht Single-Arbeiter mit verheiratetem Arbeitslosen-Paar vergleichen .
Ändert natürlich nichts daran(und da gebe ich ihnen recht),dass dauerhaftes Nichtstun hierzulande viel zu hoch alimentiert wird.

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wauz 15.06.2019, 21:47
115. Artikel 13

Zitat von thom3
Für Bürger der meisten außereuropäischer Länder gibt es befristete Visa zum Besuch, Studium, Tourismus, Heiraten, die unbefristete Niederlassungsrechte nur nach langem, arbeitenden oder familiärem Aufenthalt. Auch Visa zur Asylantragsstellung gibt es hier so wenig wie irgendwo auf der Welt. Nur im Rahmen demokratisch gegebener Gesetze ist eine in jedem Fall stark begrenzte Arbeitskräftezuwanderung überhaupt erlaubt - und darüber entscheidet ausschließlich der Wähler, der Bürger, und niemand sonst. Die Menschenrechte herzustellen ist in allen Ländern die eigene Aufgabe der jeweiligen Bevölkerungen und Staaten, ein internationales Migrationsrecht in die entwickelten demokratischen Staaten hinein gibt es nicht. Falls globalistische Unternehmerverbände, Zuwanderer, Kirchen, Partein oder Journalisten dies negieren, erkennen sie unsere gesamte demokratische und die internationale Rechtsordnung nicht an.
Deklaration der Menschenrechte

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vera gehlkiel 15.06.2019, 21:47
116. @Margaretefan

Zitat von Margaretefan
...würde ich eh nichts Anderes erwarten. Was mich echt immer noch wütend und fassungslos macht, ist, dass die SPD das alles mitdurchwinkt. Ich kann die (gesinnungs)häßlichen Fratzen nicht mehr sehen. Erbärmlich, was aus der SPD geworden ist. Ich weine denen keine Träne nach. Wer sich als Humanist versteht und sozialdemokratische Überzeugungen hat, der kann die SPD nicht mehr wählen. Wer heute noch die SPD wählt, der kann gleich sein Kreuz bei der Union machen. Und den Mindestlohn, können die Genossen sich dahin schieben, wo die Sonne nicht hinscheint. Leider gehöre ich auch zu denen, die den Kanzler Schröder möglich machten. Hab mich da von Herrn Lafontaine blenden lassen, der wohl selbst verarscht wurde. Ich werde mir für den Tag, an dem die SPD unter 5% fällt, einen wirklich edlen Tropfen an die Seite legen. Diesen nun manifestierten Ausländerhass mit durchzuwinken, ist für mich der letzte Akt, der den Weg in die Bedeutungslosigkeit nicht mehr umkehrbar gemacht hat.
Sorry aber jede/r weiss, was da im Pakt von wem gekommen ist und dass ein Migrationspaket von Schwarzgelb viel Schlimmeres umfasst haben würde. Wer mehr von der SPD verlangen will als nur Verhütung, muss die abgezehrte Schöne halt mit kräftigem Stimmennachschub beglücken, respektive sich wahlaktiv und meinungsstark an einer real politischen Linksmitte -Alternative beteiligen. Statt mit "gekünstelter" Emphase Wolkenkuckucksheimen beim Zusammenfallen zuzusehen. Also ehrlich, bester Margaretefan, da waren sie schon mal wesentlich erdbebensicherer aufgestellt, wenn ich an andere Posts zurückdenke.

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remedias.cortes 15.06.2019, 21:50
117. Demographie

Die Diskrepanz zwischen gefühltem Arbeitnehmer-Überschuss und Fachkräftemangel ist leicht zu erklären: ES handelt sich um einen Mangel der Zukunft. In 10-20 Jahren fehlen die Fachkräfte und zwar dann, wenn sich die Baby Boomer in die Rente verabschieden. Was wir also brauchen, ist in Wirklichkeit eine Einwanderung von 5 -10 jährigen Kinder. Nur - die kommen nicht alleine. Da sind die Familien dabei, alles andere wäre inhuman. Es ist evtl. klar, dass die Endvierzigerin nicht mehr viel in die Sozialsysteme einzahlen wird, aber ihre Kinder sollen und werden es tun, wenn sie gefördert werden. Daher ist die Integration und Förderung der Flüchtlingskinder ökonomisch wichtig, da müsste viel mehr Geld reingesteckt werden. Ob der Opa dagegen Deutsch lernt oder die Oma ihren Schleier ablegt - zweitrangig.

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dagmar1308 15.06.2019, 22:04
118. Wir können nie genug

Fachkräfte aus anderen Ländern bekommen. Einmal tun wir diesen Beschäftigten gutes und ermöglichen Ihnen einen höheren Lebensstandard. Sie überweisen auch Geld an die Zurückgelassenen in ihren Heimatländern. Außerdem hält ein ausreichend großes Angebot am Produktionsfaktor Mensch unsere Wettbewerbsfähigkeit auf der Kostenseite aufrecht. In einigen Nach innen gerichteten Bereichen wie Medizin kann man nie überversorgt sein.
Und das Wichtigste: Die anderen Länder und Volkswirtschaften können diese Fachkräfte eh nicht gebrauchen. Bei denen funktioniert eh nichts. Was soll da ein Verfahrensingenieur, wenn da organisatorisch nichts zusammen passt und die Korruption regiert. Gut, der letzte Satz ist vielleicht übertrieben und passt nicht zum brain drain, wie er in der Finanzwissenschaft schon Jahrzehnte gelehrt wird. Wir sind einfach nur zu gütig.

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andre_36 15.06.2019, 22:10
119.

Zitat von cave68
Woher wissen sie,ob sich die Unternehmen nicht längst um die Azubis nicht genau so bemühen,wie es ihnen damals widerfahren ist... Der Fachkräftemangel betrifft mit Sicherheit nicht Jobs im Finanzmanagement oder irgendwelchen Verwaltungsjobs sondern eben in den vom Forist ökofred genannten (und von ihnen kommentierten) Handwerksjobs. Nur mal als Beispiel:Die 2700-3000 brutto die mittlerweile ganz normaler Durchschnitt in meinem Beruf (Bäckerhandwerk)sind dürften um Längen über Mindestlohn liegen. Nur wenn hier im Forum andauernd mangels Wissen solche Berufe in Misskredit gebracht werden dann kann man darüber nur schmunzeln. Der Grund ist nicht,dass die Arbeitsbedingungen nicht stimmen (vom frühen Aufstehen in meinem Beruf mal abgesehen) sondern dass Jugendliche körperliche Arbeit anscheinend mittlerweile meiden wie der Teufel das Weihwasser und die Eltern dazu noch Öl ins Feuer giessen in dem sie ihnen noch zusätzlich davon abraten.....ein Armutszeugnis.... ganz nebenbei:Jeder 4.HandwerksBetrieb sucht in den nächsten 10 Jahren einen Nachfolger.....es muss also nicht mal abhängige Beschäftigung sein.
Das weiß ich, in meinem lokalen Umfeld, aus Anschauung. Ich rede seit Jahren mit Schülern und versuche sie ihnen wenigstens die Option einer Handwerks-Ausbildung aufzuzeigen, die in weiten Teilen der Schüler von vorne herein abgelehnt wird. Auch wenn nicht das Interesse an einem Studienfach besteht. Körperliche Arbeit wird von immer mehr Eltern und anderen Vorbildern in schwärzesten Farben gemalt. Und z. T. auch zu Recht; Es geht nicht nur um die Höhe der Löhne, sondern vor allem um fehlende Sicherheit. Von einer befristeten Anstellung zur nächsten, ständig das Risiko entlassen zu werden und dann als fauler Hartzer verachtet zu werden. Eine Gesellschaft, die permanent die Gruppe der Arbeitenden herabwürdigt, hat sich dieses Problem selbst eingebrockt. Und da wir nun mal materialistisch geprägt sind, zählt eben auch der bescheidene Lohn als Abwertung.

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