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Vinyl-Boom in Deutschland: Back in Black
Nikolaus Brade

Die Schallplatte boomt. Erstmals erscheint jetzt wieder eine Top 20 der meistverkauften Vinylalben in Deutschland. SPIEGEL ONLINE präsentiert sie exklusiv.

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spon-453-7coi 16.04.2015, 16:03
1. Schallplatten sind sinnlicher und wertiger,

trotzdem würde ich heute nur noch eine CD/DVD-A, BRD-Sammlung aufbauen, da die Auswahl an Sondereditionen (zB die King Crimson Boxen, Klassik-Boxen, Miles Davis-Editionen und und und ...) wesentlich höher ist. Auch ist die Hardware einfach billiger, um das gleiche Klanglevel zu erreichen.Das sage ich als in den 70ern groß gewordener boring old fart mit einem fast fünfstelligem LP-Bestand und einem sehr, sehr guten, optimal eingestellten Plattenspieler. Aber natürlich: das Herausholen der schwarzen Scheibe aus der Hülle, das sorgsame Auflegen, die Knistergeräusche: all das ist pure Sinnlichkeit, die eine Silberscheibe nun mal nicht bieten kann. Klanglich haben die Silberscheiben seit den 2000er Jahren dramatisch aufgeholt. Also: weiter die alten Scheiben hören, die besser klingen, als man damals dachte und die neuen Editionen als Silberscheibe besorgen.

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Here Fido 16.04.2015, 16:20
2. Also ehrlich

Also ehrlich, ich kann diesen Vinyl Boom nicht verstehen.

Wer meint, dass Vinyl besser klingt als CD, hat was mit den Ohren wenn nicht gar mit dem Kopf.

Ich weiß noch genau wie ich die ersten CDs hörte - Klavier- und Orchestermusik und wie begeistert ich war von der Klarheit des Klangs, der Dynamik und überhaupt war eine Pause eine Pause und nicht das leise zu vernehmende Geräusch der Nadel in der Rille.

Mal ganz abgesehen vom höheren Bedienkomfort, viel, viel weniger Reklamationen.

Ich habe ein paar tausend LPs. Die werde ich auch behalten aber neu angeschafft wird Vinyl nicht.

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Andraax 16.04.2015, 16:21
3. Überleben der Platten-Labels

Im Prinzip geht es für die Platten-Labels ums Überleben in Zeiten ungebrenzter kopierbarkeit von digitalen Datenträgern - Vinyl hat halt den Kopierschutz automatisch eingebaut. Der "Boom" von Hardcopies in Vinyl und Special-Sonderitionen mit Metal/Holz/Leder Verpackung und Gimmick sind ein Ausdruck dieses Überlebenskampfes.
Bin zwar auch ein eifriger Sammler solcher "Sondereditionen", aber ich frage mich schon manchmal, was ich da eigentlich bezahle - die künstlerischen Ergüsse der Musiker oder die Marketingstrategie der Labels. Inzwischen achte ich darauf, ob die besondere Hardcopy-Edition die Handschrift der Künstler trägt, oder nur nach Vermarktung aussieht. Ich denke, es wird dahin gehen, dass die Künstler ihre Arbeit holistischer Betrachten, und nicht nur bei der Musik kreativ sind, sondern auch tangible Dinge wie Graphiken und generelle Aufmachung in ihr Konzept integrieren, damit sie und die Labels die Hardcopies mit Sinn erfüllen können, und sich damit einen Markt erschaffen.

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ir² 16.04.2015, 16:31
4.

Die richtigen freaks, so ab 25.000 € Anlagenpreis aufwärts, haben niemals auf die digitalen Tonträger gewechselt. Nur analoge Tonträger garantieren den optimalen Hörgenuss, so die Aussage.

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blurps11 16.04.2015, 16:59
5.

Zitat von spon-453-7coi
Auch ist die Hardware einfach billiger, um das gleiche Klanglevel zu erreichen.
Hm, wenn ich daran denke, was in den letzten 30 Jahren so an Generationen Digitaltechnik an mir vorübergezogen ist, bezweifle ich das ehrlich gesagt.

In einen Plattenspieler muss man nur einmal vernünftig investieren und hat dann ausgesorgt. Meine gut 20 Jahre alten Technics werden mich wahrscheinlich überleben.

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empörteuch! 16.04.2015, 17:01
6. Klasse!

.... ist doch toll, in einem Plattenladenmit anderen Menschen abzuhängen, anstatt alleine zuhause sein Ei tunen oder der Kuh bussen; von Spot Hifi's playlisten sich alles vorkauen zu lassen mal gar nicht zu sprechen.....

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redneck 16.04.2015, 17:02
7.

Zitat von ir²
Die richtigen freaks, so ab 25.000 € Anlagenpreis aufwärts, haben niemals auf die digitalen Tonträger gewechselt. Nur analoge Tonträger garantieren den optimalen Hörgenuss, so die Aussage.
Durchschnittliche audiophile Konsumenten sind Dogmatiker. Da ist in der konservativen Hirnschublade was nicht ganz in Ordnung. Die Produkte für diese Zielgruppe sind seeehr durchschnittlich. Testpunkte und Testeraussage ohne Messwerte sind Kaufentscheidend...Es enstand ein sehr uniformer Klang - der sich billig schreinern lässt und ein gutes Markup erlaubt. Gute Aufnahmen auf Platte tönen tatsächlich sehr angenehm. Gerippte CD kanns besser. Ohne aktive Equalizierung über PC ist jede teure Anlage tonal schon gescheitert. Ja, liebe Audio-Esoteriker - Physik gilt auch für euch. Zwangsläufig muss auch das Vinylsignal durch den PC geschleift werden. Dann tönt auch Platte gut.

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wernerwenzel 16.04.2015, 17:08
8. CDs hören sich nach Jahren oft

dumpf an, Platten auch nach 50 Jahren frisch an wie am ersten Tag, wenn man sie halbwegs anständig behandelt. Dazu kommt, dass Platten eine solide Geldanlage sind. Natürlich nicht, wenn man eine Sammlung von heute auf morgen verkaufen will. Aber das ist ja wohl mit allen hochwertigen Gütern so.
Wer den "richtigen" Musikgeschmack hatte oder hat und die Platten nicht ruiniert, kann praktisch die Platte umsonst hören und nach Jahren mit hohen Gewinn verkaufen, so er denn will. Die 1. JOY DIVISION z.B. kostete früher unter 20 DM (10 €) und geht 35 Jahren später für das 10fache weg. Sogar abgenudelste Beatles-Platten bringen heute noch den damaligen Kaufpreis ein. Und wer die kauft, kann seinen Kaufpreis in 20-30 Jahren leicht wieder reinholen plus Gewinn möglicherweise. Solange die westliche Zivilisation noch existiert, werden auch Beatles-Platten gefragt sein.

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wernerwenzel 16.04.2015, 17:29
9. Das eigentliche Drama ist,

dass es keine Plattenläden mehr gibt. Von den Plattenläden bis zu den Kaufhäusern mit Plattenabteilung: Musik sehen und hören und kaufen und Gleichgesinnte zu treffen usw. war für mich praktisch immer ein Grund überhaupt in die Stadt zu gehen oder in anderen Städten rumzulaufen. Das generierte ja meist "die Szene" einer Stadt. Und ohne Szene keine Jugendkultur.

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