Forum: Kultur
#vonhier-Debatte: Wohin, nicht woher
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Warum werden Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund ständig gefragt, woher sie kommen? Es könnte sein, dass die Fragenden vor allem auf der Suche nach der eigenen Identität sind.

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alohas 03.03.2019, 19:49
20.

Ein Wohin kann es sowieso nur geben, wenn es auch ein Woher gibt. Abgesehen davon, möchte ich auch nicht jedem Auskunft darüber geben, wohin ich gehe. Da ist das nächste Drama-Gejammer vorprogrammiert. Also, hört endlich auf mit diesen abgedroschen undurchdachten Floskeln, dann kann man euch vlt eines Tages auch mal ernst nehmen! Abgesehen davon, geht es wohl wieder mal allein darum, dass irgendwelche Leute es gerade irgendwie schick finden, unsinnige Sensibilitäten über Herkünfte zu pflegen. Wenn Herkunft tatsächlich so unwichtig wäre, wieso ist es dann eigentlich so ein Problem, darüber Auskunft zu geben? Schließlich fragt man ja auch unverholen, was jemand beruflich macht, das kann u. U. erst recht intim für den Befragten werden; möglicherweise hat man eine Prostituierte vor sich oder einfach einen Arbeitslosen. Was soll der antworten: "Nichts"? Dass so jemand dann abgestempelt ist, versteht sich von selbst. Da ist es doch deutlich unproblematischer auf die Frage nach der Herkunft zu antworten: "Ich komme aus Ouagadougou." So what.

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carolina_hohmann 03.03.2019, 19:49
21. Interessanter Text

Interessanter Beitrag für Leute, die über komplexe Themen wie Identität und Integration ernsthaft nachdenken wollen.
Und interessant, wie sehr die ersten Forumsbeiträge die Erfahrungen der Autorin bestätigen. Warum ist es eigentlich so schwierig, der Autorin einfach mal zuzuhören und sich auf ihre Gedanken einzulassen, statt sich reflexhaft und trotzig hinter dem vermeintlichen Recht auf die Herkunftsfrage zu verschanzen.

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ruhuviko 03.03.2019, 19:53
22. Ich lebe einen Großteil des Jahres in Ostafrika.

Ich werde fast täglich von irgendjemandem gefragt, woher ich komme. Und wenn ich "Deutschland" sage, dann kommt oft die Nachfrage woher denn: West oder Nord, vielleicht sogar Köln, Frankfurt, München? Ostdeutschland kennt hier fast niemand. Und dann erzählen viele, dass sie a) auch schon in Deutschland waren, b) dass sie einen Verwandten oder Freund haben, der in Deutschland war, c) dass Bayern München ein großartiger Fußballverein ist und ich doch von Müller ein Andenken mitbringen soll, d) dass ich manchmal den Spitznamen "Hey FC Cologne" bekomme, d) wie gerne sie mal nach Deutschland kommen würden.

Reduziert mich das auf irgendwas? Macht es mich so fertig, dass ich besser wieder nach Deutschland zurückflüchte? Ich habe im Gegenteil den Eindruck, dass sich meine Mitmenschen für mich interessieren, dass sie meine Herkunft spannend finden. Und da ich einem Afrikaner nicht ansehe, ob er aus meiner neuen Heimatstadt ist (unwahrscheinlich, da der Migrationshintergrund viele Menschen aus ganz anderen Gegenden hierherbringt), erzählen sie mir dann, wo ihr Ursprung oder der ihrer Familien liegt. Und dann haben wir die Möglichkeit, uns über die verschiedenen Charaktere zu unterhalten - die es hier ebenso gibt wie die Unterschiede von Rheinländern, Berlinern oder Sachsen.

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smsderfflinger 03.03.2019, 19:59
23.

Zitat von Florentinio
Einigen Diskutanten hier im Forum würde ich empfehlen, einen Beitrag zunächst zu verstehen und erst dann einen Kommentar zu schreiben. In mir verbleibt der Eindruck einige SPON-Leser sind mit dem Artikel intellektuell überfordert.
Dann erhellen Sie doch hurtig dieses Forum und seine intellektuell minderbegabten Teilnehmer, welcher diskrete Botschaft hier verborgen transportiert wurde.
Aber bitte in verständlichen Sätzen...
D

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moritz27 03.03.2019, 20:06
24. Das ganze Thema

scheint mir eine Frage des Selbstbewustseins zu sein. Die drei sehr blonden, dort geborenen Kinder meines nach Kolumbien ausgewanderten Freundes werden ständig gefragt, wo sie denn herkämen. Ihre Antwort: "Aus Cali, und unsere Eltern stammen aus Deutschland." Das war's. Man ist dann entweder in einem Gespräch, wenn man sich sympathisch findet oder geht seiner Wege. Ich vermute mal fast, nach all dem Lamentieren, dass man hierzulande lieber nicht angesprochen seiner Wege gehen will.

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Newspeak 03.03.2019, 20:09
25. ....

"aufgezwungenen Auskunftspflicht"

Oh man, sprechen wir über erwachsene Menschen, oder Kinder? Niemand wird gezwungen, zu antworten. Seid doch unhöflich, wenn es angemessen ist. Dieses ewige Beleidigtsein und die Befindlichkeitsprobleme nerven. Bleibt doch im Glaskasten zuhause, wenn ihr euch nicht der Kommunikation mit der Gesellschaft stellen wollt. Diesem Land geht es viel zu gut, überall nur noch Diskussionen über Pseudoprobleme.

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guineapig 03.03.2019, 20:11
26. Zustimmung nr.10 kioto

Auch mir kommen beim Lesen der Zeilen der Kolumnistin diese Gedanken auf. Wie sagte der letzte König der Sachsen bei seiner Abdankung „Dann macht doch euren Dreck alleene“. Da kommt auch keinerlei Lust auf sich mit solchen deutschen oder fremdländischen passiv aggressiven Leuten qua smalltalk abzugeben.

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Pixelpu 03.03.2019, 20:12
27. Anscheinend bin ich nicht der einzige

dem es langsam gewaltig auf die Nerven geht von Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen und sonstigen ..rinnen in diese oder jene Ecke gestellt zu werden.

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vera gehlkiel 03.03.2019, 20:12
28.

Zitat von carolina_hohmann
Interessanter Beitrag für Leute, die über komplexe Themen wie Identität und Integration ernsthaft nachdenken wollen. Und interessant, wie sehr die ersten Forumsbeiträge die Erfahrungen der Autorin bestätigen. Warum ist es eigentlich so schwierig, der Autorin einfach mal zuzuhören und sich auf ihre Gedanken einzulassen, statt sich reflexhaft und trotzig hinter dem vermeintlichen Recht auf die Herkunftsfrage zu verschanzen.
Genau die Frage, die ich mir soeben auch gestellt habe. Und vielleicht einfach bezeichnend, dass sie von einer anderen Frau kommt. Ich denke, Frauen haben einfach meist schon mal erlebt, wie das ist, unter der Aegide ausgesprochener Freundlichkeit dennoch dieses "von oben herab" des Taxiertwerdens zu verspüren. Wenn man weiss, und zwar ganz genau, dass die damit verbundene innere Unsicherheit des Sprechenden seine unerledigte Selbstbefragung der eigenen Geschlechtlichkeit ist. Wo man wie auf Glas geht, besonders darum bemüht, trotz Selbstruecknahme Distanz deutlich zu machen. Und letztendlich die Distanzlosigkeit des Gegenübers aus gutem Willen über sich ergehen lässt. Das leidige "Tanzkartenphaenomen" nach Professor Brüderle, in etwa.

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Knossos 03.03.2019, 20:14
29.

In Deutschland geboren, dabei nicht wie typischer Mittel- oder Nordeuropäer aussehend, werde ich nur äußerst selten zu Herkunft befragt. Viele bemerken nicht einmal, daß sie außereuropäisch sein könnte.

Kulturell Deutscher, macht es mir nichts aus, wenn doch einmal jemand fragt, wo ich herkäme. Und wenn jemand der Ansicht wäre, daß ich aufgrund meines Aussehens kein Deutscher sei, tangierte mich auch das nicht. Ich überlasse ihm als angestammten Deutschen sein Dafürhalten.

Vor meinen ausgedehnteren Auslandsaufenthalten wollte ich auch kein Deutscher sein, sonder international und schlicht Erdenbürger.
Das hat sich nach eingehender Erfahrung im Nahen Osten gewandelt, die mich erkennen ließ, daß ich im Herzen deutsch bin und auch sein möchte.

Der obenstehende Gastbeitrag schlägt skurrile Parolen darum, daß die Deutschen sich mit bald 20% Bevölkerungsanteil islamischer Kultur abfinden müssen, welcher sich dadurch abzeichnet, daß er sich nicht integriert.

Durch Auswanderer, welche jene Eigenheiten, vor deren Auswirkungen sie flüchten, mit sich bringen und sie -wo auch immer sie hingehen, also nicht nur in Deutschland- hegen und konservieren wie ein ansonsten vergängliches Kleinod.
Ein Kleinod, daß sie unzweideutig für erstrebenswerter erachten, als die Kultur jeweiligen Gastlandes. Sonst würde es nicht konserviert.

Ich denke, Auslassung dieser Autorin und anderer mit dem ewig gleichen Anstoß an selbst produzierter Fremdheit, bezieht sich auf fragende Umgebung, die letztlich eines wissen möchte. Nämlich: "Wenn du unsere Lebensweise, Bräuche und Sitten nicht soweit akzeptieren kannst, um sie zu deinen zu machen; warum bist du dann hier?"

Und sie haben Recht damit.
Wer sich aus profanen Gründen unter Beibehalt entgegenstehender Kultur nach Europa begibt, ist und bleibt Gast; sollte als solcher irgendwann wieder gehen.

Bleiben und die Staatsangehörigkeit annehmen sollte, wer nicht aus Bedarf sondern aus Überzeugung Deutscher werden will. Und das bedeutet, Sitten und Bräuche zu schätzen und sie bewußt anzunehmen.

Einstiger Helmut Kohl mag inzwischen nicht mehr Recht damit haben, daß Deutschland kein Einwanderungsland sei. Doch der Islam, sein Weltbild und seine Sitte gehören inhärenter Weise nicht zur westlichen Welt.

Das ist Jedem bewußt, der von den Inhalten dieses Glaubens und Weltbilds weiß. Und wer sich dieser Anschauung zugehörig fühlt, sollte sich deren Inhalte wohl bewußt sein.

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