Forum: Kultur
#vonhier-Debatte: Wohin, nicht woher
DPA

Warum werden Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund ständig gefragt, woher sie kommen? Es könnte sein, dass die Fragenden vor allem auf der Suche nach der eigenen Identität sind.

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Rickental 03.03.2019, 20:16
30. Warum so arrogant?

Zitat von Florentinio
Einigen Diskutanten hier im Forum würde ich empfehlen, einen Beitrag zunächst zu verstehen und erst dann einen Kommentar zu schreiben. In mir verbleibt der Eindruck einige SPON-Leser sind mit dem Artikel intellektuell überfordert.
Woher rührt Ihr Gefühl der intellektuellen Überlegenheit? Klären Sie uns doch bitte auf! Das ein oder andere Argument hätte Sie dringend nötig, kommt sonst ein wenig, nun ja, "dünn"....

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grussausberlin 03.03.2019, 20:33
31. exzellenter Beitrag

Sehr geehrte Frau El Ouassil,
danke für diese profunde Analyse. Rassismus beginnt meines Erachtens nach nicht mit offener Gewalt sondern mit dem fehlenden Bewusstsein für eine Art von Kommunikation, die sich aus einem selbstverständlich hingenommenen Suprematismus des (eigenen) Mehrheits-Phänotypus ableitet: wer fragt führt. Die vielen Kommentare hier zeigen ein erschütterndes Maß an mangelnder (Selbst)-reflexionsbereitschaft zu dieser Thematik.
Wer Ihren Hinweis auf "wohlwollende Indifferenz, unaufgeregte Eintracht, ein unvoreingenommenes öffentliches Leben" in der Praxis erleben will, sollte sich die Erfahrung eines Aufenthaltes z.B. in Toronto nebst ausgedehnter U-Bahnfahrt gönnen. Spätestens dann wird erfahrbar, wie es sich anfühlt, wenn Hautfarben, Augenformen und Herkünfte (der Vorfahren) irrelevant werden.

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Owlette 03.03.2019, 20:34
32. So what

„Wo ist also das Problem, wenn man als nicht archetypisch deutsch Aussehender nach seinen eigentlichen Wurzeln gefragt wird?“
Meine Antwort: Es gibt kein Problem.
Die Beschreibung oben trifft auf mich voll zu und den angeblichen „Tippel-Tango“ um die Herkunft kenne ich zur Genüge. Ein Migrationshintergrund ist mir zwar nicht bekannt, aber die jeweiligen Gesprächspartner sortierten mich entweder nach Asien (wegen der mandelförmigen Augen), nach Italien/Spanien (dunkle Haare, olivfarbene Haut) oder gleich Lateinamerika (Temperament beim Tanzen).
Ja, einige der Gespräche waren auch mal nervig, lästig, anstrengend. Allerdings lag das an den Gesprächspartnern und nicht am Inhalt. Der gleiche Typ hätte mich auch mit der Frage nach der nächsten Bushaltestelle genervt.
In der Regel wurde die Frage nach der Herkunft tatsächlich aus Interesse an mir als Einzelperson gestellt. Und ein bisschen hatte ich immer das Gefühl, die Personen hätten gerne später erzählt, dass sie jemanden besonderen kennengelernt haben. Ausgegrenzt oder nicht zugehörig habe ich mich deswegen aber nie gefühlt. Eher im Gegenteil.
Eine simple Frage mit dem Begrapschen einer Schwangeren gleichzusetzen, finde ich allerdings völlig daneben! Mit diesem Vergleich hat sich die Autorin meines Erachtens nach disqualifiziert.

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leberhart 03.03.2019, 21:04
33. Man muss ja nicht mit der Tür

ins Haus fallen, aber wenn man jemanden kennenlernt, warum nicht.
Bin hier innerhalb Norddeutschlands umgezogen. Habe die neuen Nachbarn gefragt, woher sie ursprünglich kommen. Haben halt ungewöhnlich gesprochen. Die einen sind Syrer, die anderen Schwaben

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peeka(neu) 03.03.2019, 21:07
34. In meinen Augen stellt sich die Frage anders

Und auch wenn ich mich ein wenig wiederhole:
Die Ausgangssituation für den Hashtag war die Fragerei eines alten, weißen Mannes gegenüber einer Elfjährigen.
Dieser Mann hat bisher in der Öffentlichkeit gezeigt, dass er keinerlei Manieren besitzt und Personen beschimpft. Wenn ich mich recht entsinne, dann hat er in der Vergangenheit seine Frau geschlagen.
So muss man fragen:
Ist eine solche gelebte Kultur denn eigentlich kompatibel mit dem Wertesystem dieser Gesellschaft?
Muss es nicht heißen: #DerBohlengehörtnichtzuDeutschland ?
Oder springt dann auf einmal doch die Frage nach der Herkunft wieder an, und Herr Bohlen gehört auf einmal selbstverständlich zu Deutschland, weil er ja keinen Migrationshintergrund besitzt?
Dann aber entlarven sich all diejenigen, die mit "Kultur" und "Werten" argumentieren:
Es bliebe nämlich entweder die Erkenntnis, dass Protagonisten unserer Gesellschaft nicht etwa die informelle weißblütige Ordnung vertreten, wie es regelmäßig suggeriert wird, oder dass es eben doch auf die Herkunft ankommt.

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maxffm 03.03.2019, 21:19
35. Geschlechtlichkeit, Suprematismus, Toronto - und Schwaben

„Wenn man weiss, und zwar ganz genau, dass die damit verbundene innere Unsicherheit des Sprechenden seine unerledigte Selbstbefragung der eigenen Geschlechtlichkeit ist.“
„Rassismus beginnt meines Erachtens nach nicht mit offener Gewalt sondern mit dem fehlenden Bewusstsein für eine Art von Kommunikation, die sich aus einem selbstverständlich hingenommenen Suprematismus des (eigenen) Mehrheits-Phänotypus ableitet: wer fragt führt. Die vielen Kommentare hier zeigen ein erschütterndes Maß an mangelnder (Selbst)-reflexionsbereitschaft zu dieser Thematik.“
Wow, solche Sätze muss man erst mal formulieren können. Ich kann das nicht. Und ich Dummerchen denke bei Suprematismus erst mal an Malewitsch und nicht an meinen Männlichkeitswahn.
Im Ernst: denken Sie beide mal darüber nach, was Vorurteile ausmacht. Und was im Gegensatz dazu Unvoreingenommenheit.
Auf der ganzen Welt, auch in Toronto, wurde ich schon oft danach gefragt, woher ich komme. Von Männern und Frauen. Und wenn es zu penetrant wird, werde ich auch etwas unfreundlicher. In der Regel allerdings empfinde ich dies allerdings als Versuch, Kommunikation in Gang zu bringen. Manchmal nervt es, z.B. Wenn hier in Berlin gleich nach meiner Antwort schenkelklopfend sämtliche Vorurteile (!) gegen Schwaben über mir ausgegossen werden. Nicht besonders originell und reflektiert, denke ich mir dann meistens. Aber es haben sich schon spannende Gespräche daraus entwickelt. So what?
Ich finde, frau und mann sollten ihre Empörung auf stimmige Anlässe konzentrieren. Inflationäre Nutzung schadet der Sache.

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ghp2 03.03.2019, 21:32
36.

Wenn man nicht fragt denkt man sich halt seinen Teil, ob das jetzt besser ist?
Welche ohne deutschen Pass freuen sich übrigen meistens über diese Frage, wäre ihnen gegenüber ja auch eher unhöflich nicht zu fragen. Und da ich deutschen Staatsbürgern eher mehr zumute frage ich halt oder denk' mir meinen Teil.

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alohas 03.03.2019, 21:37
37.

Zitat von grussausberlin
wer fragt führt. Die vielen Kommentare hier zeigen ein erschütterndes Maß an mangelnder (Selbst)-reflexionsbereitschaft zu dieser Thematik. Wer Ihren Hinweis auf "wohlwollende Indifferenz, unaufgeregte Eintracht, ein unvoreingenommenes öffentliches Leben" in der Praxis erleben will, sollte sich die Erfahrung eines Aufenthaltes z.B. in Toronto nebst ausgedehnter U-Bahnfahrt gönnen. Spätestens dann wird erfahrbar, wie es sich anfühlt, wenn Hautfarben, Augenformen und Herkünfte (der Vorfahren) irrelevant werden.
Richtig, wer fragt, führt, das ist aber in allen Bereichen so. Am besten wäre es m. E., deshalb das Fragen gleich ganz abzuschaffen oder zu verbieten. Oder noch besser, niemand darf je wieder mit irgendwem reden. Dann treten auch keine derartigen Kommunikationsprobleme auf.
Es wäre halt schon sinnvoll, wenn man Dinge auch zu Ende denken würde, dann würde sich einem eben auch die entsprechende Absurdität auftun. Ähnlich bzgl. Ihres Toronto-Beispiels: Die Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada hinsichtlich des Selbstverständnisses gegenüber Migration dürften auf der Hand liegen, zumal die Ureinwohner Kanadas sowieso niemand jemals gefragt hat. Ob dort allerdings die Herkunft der Zuwanderer tatsächlich so irrelevant ist bzw. wird, wage ich dann doch ein wenig zu bezweifeln.

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Knossos 03.03.2019, 22:06
38.

Zitat von alohas
Richtig, wer fragt, führt, das ist aber in allen Bereichen so. Am besten wäre es m. E., deshalb das Fragen gleich ganz abzuschaffen oder zu verbieten. Oder noch besser, niemand darf je wieder mit irgendwem reden. Dann treten auch keine derartigen Kommunikationsprobleme auf. Es wäre halt schon sinnvoll, wenn man Dinge auch zu Ende denken würde, dann würde sich einem eben auch die entsprechende Absurdität auftun. Ähnlich bzgl. Ihres Toronto-Beispiels: Die Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada hinsichtlich des Selbstverständnisses gegenüber Migration dürften auf der Hand liegen, zumal die Ureinwohner Kanadas sowieso niemand jemals gefragt hat. Ob dort allerdings die Herkunft der Zuwanderer tatsächlich so irrelevant ist bzw. wird, wage ich dann doch ein wenig zu bezweifeln.
Ich auch.

Das anheimelndere und natürliche Kanada liegt den auch im Osten um Quebec herum.
Dort sind die Menschen Stolz auf Native unter ihren Vorfahren, umgeben sich sehr gern mit Ureinwohnern, pflegen hilfsbereite Nachbarschaft, vertrauensvollen Umgang miteinander, offene Türen, reduziertes Besitztumsdenken, ethische Mentalität / stark verminderte Kriminalität insbesondere im Ländlichen, und ausgeprägteres Umweltbewußtsein.

Im Westen mit viel Einwanderung aus Asien gibt es statt solch Vertrauens sehr viel mehr Distanz untereinander, bedeckten / formalen Umgang und Eigenbrötlerei.

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duolin 03.03.2019, 22:12
39.

In den Firmen und Instituten, in denen ich gearbeitet habe, waren immer viele Ausländer. Daher habe ich auch viele Ausländer in meinem Bekanntenkreis. Man möchte am liebsten im Boden versinken, wenn man beobachtet, wie sich viele Deutsche gegenüber Ausländer verhalten. Offener Rassismus ist selten, aber die passiv-agressive Art, in der Menschen "anderer Herkunft" gezeigt bekommen, dass sie nicht hierher gehören... Das ist hier eine höchstentwickelte Kunstform (siehe auch einige Postings hier im Forum). Man sollte mal eine Umfrage machen, wieviele Ausländer schon folgenden Dialog erlebt haben:

"Und, wo kommen Sie her?"

Antwort: soundso

Pause

Pause (wenn man es einige Male miterlebt hat, ahnt man schon was gleich kommt)

"Und wann gehen Sie zurück????"

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