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Whistleblower-Miniserie im ZDF: Fast wie Julian Assange
Carolina Romare/ ZDF

Alte Techniken der Spionage, neue Möglichkeiten des Verrats: In der Whistleblower-Miniserie "West of Liberty" treten Lars Eidinger und Wotan Wilke Möhring gegeneinander an. Süffiger Oldschool-Thrill.

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Junimond 24.11.2019, 00:43
1. Enttäuschender „Thriller”

Der positiven Kritik kann ich leider nach dem Konsum der Fassung in der Mediathek nicht zustimmen. Diese Serie funktioniert weder als Thriller (Handlung schleppend und grösstenteils nicht spannend genug, Plot arg konstruiert und unglaubwürdig) noch als Drama (Figuren unkomplex und unüberzeugend) und schon gar nicht als Persiflage (nicht lustig). Die optische Gestaltung ist eine schwache Kopie der grossartigen Scandi Noir Serien. Die SchauspielerInnen versuchen ihr Bestes, aber scheinen merkwürdig eingeengt durch die Überzeichnung ihrer Figuren im Drehbuch. Man bleibt ratlos zurück - es wirkt, als ob mit grösster Mühe ein cooler Film über Berlin für nicht-deutsche Zuschauer produziert werden sollte. Als politikinteressierte Berlinerin gehöre ich vielleicht einfach nicht zur richtigen Zielgruppe.

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renft428 24.11.2019, 01:23
2. Schrott !

Irgendwie kann ich es verstehen. Nieder mit den Gebühren!
Hier ist nichts süffig!
Schön wärs.

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matt_bianco 24.11.2019, 10:05
3. Oh ja, Längen hat sie...

...die Geschichte, in der sechsteiligen Version jede Menge. Wahrscheinlich ist der Zweiteiler hier die glücklichere Wahl. Wotan, dem ich in den Falke-Tatorten sonst eigentlich gerne zusehe, steht neben sich und bleibt unter seinen Möglichkeiten. Die besser gemachte Jagd nach dem Whistleblower findet sich bei Berlin Station Staffel eins. Da stimmt alles, Kamera, Plot, Besetzung und Musik. Schade, auf dem Papier klang es nach deutlich mehr.

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Sonia 24.11.2019, 11:17
4. Solche Filme

können nur die Amis und die BBC, ggf. noch die Franzosen. Ich sah Teil 1 in der Mediathek ...tschüss nach 40 Minuten. Wieder verschwendete öffentliche Mittel. Den Lobgesang auf diese Serie kann zumindest ich nicht nachvollziehen. Mich packt immer das Mitgefühl mit den Schauspielern, die so einen Schmarren spielen.

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ttt 24.11.2019, 11:21
5. Auf dem richtigen Weg

West of Liberty mit Berlin Station zu vergleichen, ist nicht fair. Für eine deutsche Serie ist sie tatsächlich gar nicht mal schlecht. Endlich mal was anderes als das übliche deutsche Serieneinerlei. Tatsächlich sollte man sich die Serie in der Mediathek im Original ansehen, da stimmen auch die Dialoge

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Matahari2019 24.11.2019, 11:37
6. Hypnotisch ist nur die Langweile

Schöne, düstere, melancholische Stimmung, die jedoch aufgrund des flachen, in die Länge gezogenen Plots nicht zu fesseln vermag. Gute schauspielerische Leistungen, die aus dem gleichen Grund, leider leerlaufen.

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Avagin von Varanasi 24.11.2019, 11:50
7. Verkrampft

Seh ich Eidinger, seh ich den Fluch des Unattraktiven, der dazu rät, in einer Art von plebsaffiner Fakekunst zu verkrampfen. Da kann man leider nichts machen. Hauptsache, er kommt auf seine Drehtage.

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matt_bianco 24.11.2019, 11:55
8. Vergleichen darf man schon

Zitat von ttt
West of Liberty mit Berlin Station zu vergleichen, ist nicht fair. Für eine deutsche Serie ist sie tatsächlich gar nicht mal schlecht. Endlich mal was anderes als das übliche deutsche Serieneinerlei. Tatsächlich sollte man sich die Serie in der Mediathek im Original ansehen, da stimmen auch die Dialoge
Berlin, Thema, internationaler Cast, beide mit Anspruch auf weltweite Vermarktung. Ich gebe Ihnen Recht, endlich mal was anderes. Ich freue mich über Serien vor politischem Hintergrund, der Scandi-Noir-Psychokram nervt mich persönlich über die Maßen, aber die hat mich nicht gekriegt. Vielleicht war bei Berlin Station die Vorlage besser, Olen Steinhauer schreibt einfach gut, von Thomas Engström hatte ich zuvor noch nie gehört.

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Duzend 24.11.2019, 12:07
9. Wenn der Bürger fürs Vorgeführt-Werden auch noch bezahlen soll.

Mehr Voyeurismus und vor allem Zynismus wahr wohl noch selten! Es ist in letzter Zeit an jeder Ecke vom Wertewesten und dem Schutz des Staates, der, so wird unterstellt, ein Rechtsstaat ist, die Rede.

Angesichts dessen, was derzeit mit Julian Assange geschieht, kann ich künstlerische Originalität, die darauf anzuspielen und zu zeigen versucht, "...wie der so langsam dem Wahnsinn verfällt..." nur noch ertragen, wenn das gleiche gebührenfinanzierte Fernesehen in seinen politischen Sendungen nicht lockerläßt, die Situation, in der Assange steckt, als untragbar anzuprangern.

Es muß einem niederträchtigen Plan entsprungen sein, den Bürger bei seiner Eigenschaft und Schwäche als Fernsehzuschauer zu packen und dann solange durch den Kakao zu ziehen, bis er, halb im Delirium, am Ende wirklich glaubt, daß Beschuldigte Angeklagte, und daß Verdächtige und Angeklagte Schuldige sind.

Das fängt eigentlich schon bei der "Tatort"-vermittelten Gewöhnung daran an, daß sich Untersuchngshaft oder jede andere Art von Verhinderung der Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr so anfühlen muß wie Haft nach Verurteilung. Oury Jalloh läßt grüßen.

Im nicht allzu fernen Großbritannien sitzt Julian Assange wegen einer Lapalie (Vergehen gegen die Auflagen), wegen einer Sache, die immer schon fadenscheinig war längst mehrfachzurückgezogen wurde (Vergewaltigungsvorwurf aus Schweden) und letztlich zur Klärung, ob er nach den USA ausgelifert werden kann und soll, unter Bedingungen ein, die ihn sichtlich zrstören. Das haben Fachleute so formuliert.

Was im deutschen Fernsehen gebraucht wird, ist eine unmißverständliche Distanzierung von dieser Art Verstoß gegen die Menschenrechte, insbesondere jenes Recht auf körperliche Unversehrtheit. Stattdessen erleben wir: Schmierenkampagnen und Verulkung. Der Mensch zeigt eines seiner schlimmsten Gesichter dann, wenn er, in der Sicherheit, seinen Allerwertesten unter anderem dadurch gerettet zu haben, auf jenen, der schon darniederliegt, aber eigentlich viel mehr dazu beigetragen hat, dass wir unsere ethischen Werte weiterhin hochalten, noch einmal eintritt.

Wenn sich das nicht bald ändert, muß dem deutschen Ferneshen das Geld anständiger Bürger enzogen werden, und danach dem deutschen Staat. Reicht es nicht, wenn eine Deutsche Bahn Werbeveträge mit einem Verlag kündigt, nur weil der in Bahnhöfen für ein aufklärerisches Buch wirbt? Das zudem lange vergriffen war und das Zeug zum Bestseller hätte? Unterhaltung muß mehr sein als die Kunst, vom eigentlichen Thema abzulenken. Und das Thema ist: die mafiöse Struktur der herrschenden Politikerkaste. Oder warum handeln die fast alle wie Gekaufte oder Erpreßte?

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