Forum: Kultur
"Wo kommst du her?": Der ethnische Ordnungsfimmel
RTL/ Stefan Gregorowius

Wer sich über die Wo-kommst-du-her-Frage ärgert, bekommt zu hören: Das sei bloß Interesse. Aber wenn dann etwa Dieter Bohlen "Herne" als Antwort nicht reicht, zeugt das von einem problematischen Herkunftskonzept.

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gatopardo 23.02.2019, 18:04
140. Meinetwegen

Zitat von Stäffelesrutscher
Und Sie erkennen keinen Unterschied zu einer Fünfjährigen mit dem für deutsche Zungen wunderbar auszusprechenden Namen Melissa, die »Herne« gesagt hat? Da hätte Dieter Bohlen ja mal Lobeshymnen über die schöne Umgebung loswerden können.
hätte Bohlen das Kind so etwas in dieser Richtung fragen können, denn wie soll es in diesem Alter seine Herkunft erklären. Es ging mir lediglich darum, auf den immer wieder spannenden sich entwickelnden Gesprächsstoff über Land und Leute zwischen Erwachsenen hinzuweisen, die sich nicht kennen.

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jo126 23.02.2019, 18:04
141. Guter Beitrag!

Zitat von Uri_Berlin
Ja selbst der gute "Vater Abraham" hat damals im Schlumpfenlied schon in der ersten Zeile gefragt "Sag' mal von wo kommst du denn her?..." Unerhört - die armen Schlümpfe!
Nur fragte er im Plural (…wo kommt IHR denn her...). Nach der Antwort "Aus Schlumpfhausen, bitte sehr", kam dann die politisch völlig unkorrekte Frage: "sehn da alle aus wie ihr?" - was die Schlümpfe prompt mit "ja, die sehn so aus wie wir" beantworteten. Wir sind nicht alle gleich, haben kulturelle und auch sonstige Unterschiede. Merke ich auch in meiner angeheirateten Familie. Und das hat nun mal was mit Herkunft zu tun. Es gibt da eine tolle Serie im SPON, wo ein Syrer das aus seiner Sicht genial darstellt - aus Sicht eines Arabers, der in unser Land kommt. Sehr souverän, und sehr sympathisch. Aber: Eben auch mit der Feststellung, wir sind nicht alle gleich.

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Sleeper_in_Metropolis 23.02.2019, 18:05
142.

Zitat von spon-facebook-1228080679
Wie kann man aus etwas herKOMMEN... wenn man gar nicht da WAR? Liebe Biodeutsche, beantwortet mir diese Frage. Wie kann jemand, der in Deutschland gebürtig ist, aber kein "Biodeutscher" ist, aus irgendeinem anderen Land and Deutschland HERKOMMEN? War ist gar nicht in dem Land gewesen, also ist er nicht da hergekommen. Oder meint ihr jetzt, man lebe schon Generationen vorher als Geist irgendwo?
Solange man nicht fragt weiß man das aber eben nicht. In kann ja einem nicht-biodeutschen nicht ansehen, ob er erst letzte Woche in's Land gekommen ist oder schon seit drei Generationen hier lebt.

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Sleeper_in_Metropolis 23.02.2019, 18:11
143.

Zitat von Stäffelesrutscher
Sie sind 61. Melissa ist fünf. Macht das für Sie keinen Unterschied?
Auch wenn ich nicht direkt angesprochen wurde : Doch, das macht einen Unterschied. Nur spielt Frau Ataman in ihrem Artikel ja nicht auf das Alter des Mädchens an, das ist nur eine Anekdote am Rande. Frau Ataman dehnt die angebliche Unmöglichkeit dieser Fragestellung gleich pauschal auf alle Migranten aus. Und das ist das Problem an der Sache.

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flosse66 23.02.2019, 18:14
144.

Zitat von schwarzeliste
Ich verstehe diese ganze Aufregung überhaupt nicht. Mit Amerikanern kann man sich meist hervorragend über Ihre Herkunft unterhalten. Sie haben oft Vorfahren in Europa, was man meist schon am Nachnamen erkennen kann. Was soll daran völkisch-nationalistisch sein? Sie sind natürlich trotzdem vollwertige Amerikaner. Es gab mal eine amerikanische Fernsehserie, die nannte sich Roots und befasste sich mit den Wurzeln der afroamerikanischen Bevölkerung. Wenn es nach Frau Ataman geht, dann war das wohl eine völkisch-nationalistische Serie. Schon mal von Roots-Musik gehört? Wenn man in Deutschland Menschen mit französischen Nachnamen begegnet, dann sind die oft hugenottischer Herkunft. Z.B. De Maiziere, De Bruyn etc. Das ist meist sehr interessanter Gesprächsstoff und die Träger dieser Namen haben eigentlich nie ein Problem damit, wenn man sich nach der Herkunft des Namens erkundigt. Schließlich gibt es noch die Hessen, Schwaben, Bayern, Sachsen, die in anderen Teilen Deutschlands leben und denen man ihre Herkunft trotzdem noch anhört, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengen, hochdeutsch zu sprechen. Die sind auch oft Opfer dieser völkischen Nachfragen, ob sie nicht etwa Sachsen oder Schwaben sind. Wann wird das endlich mal zum Skandal. Also fortan erkläre ich jeden, der meint, bei mir etwas rauszuhören, zum Nazi.
Die Amerikaner geben viel Geld für Ahnenforschung aus. Meine Freundin Romana (gebürtig aus California, Militärdienst in Florida, danach überall und nirgendwo, aktuell Texas) erklärte neulich stolz, dass ihre Wurzeln doch nicht mexikanisch seien, denn der Urahn sei im 18. Jahrhundert aus Spanien nach Kalifornien gekommen. Sie gehört von irgendeiner Seite auch noch zum Clan der Monroes, weswegen sie vor ein paar Jahren zum Clantreffen nach Nordschottland gefahren ist. Irgendwie ist der Aufreger künstlich wie ein Geschmacksverstärker und typisch deutsch.

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remedias.cortes 23.02.2019, 18:15
145.

Zitat von TAFKAB
...wird es als übergriffig empfunden, wenn ich als Lehrer einen meiner Schüler frage, woher seine Vorfahren stammen?
Wir hatten sogar eine Weltkarte und die Kinder durften Fähnchen stecken. Es ist ein Unterschied, ob das Kind sich selbst einordnet oder eingeordnet wird. Ein adoptiertes Mädchen aus dem asiatischen Raum hat sein Fähnchen nach Deutschland , zu seiner Adoptivfamilie, gesteckt und das WURDE NICHT diskutiert.

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remedias.cortes 23.02.2019, 18:17
146. Die richtige Frage wäre gewesen?

Zitat von geradsteller
„ wo liegen deine Wurzeln?“ und dieser wäre auch völlig korrekt und absolut problemlos. Aber doch schön, dass das Mädchen schon eine Identität hat, wo sie aufwächst. Haben ja selbst manche Profifußballer nicht
Da hätte meine Töchter vermutlich geantwortet: "Wie das - wir sind doch keine Bäume?" Den übertragenen Sinn von "Wurzel" kennen viele Kinder im Grundschulalter noch nicht

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manskyEsel 23.02.2019, 18:17
147. Menschheitswiege Afrika

Auf Fragen nach meiner Herkunft antwortete ich eine Zeitlang, ich stammte aus Zentralafrika. Zog dann ein passbildgroßes Foto eines Gorillagesichtes aus der Brieftasche und erklärte den Abgebildeten zu meinem Urahn. Das mochten und verstanden Frager überhaupt nicht und einmal entging ich knapp einer Tracht Prügel.
Daß Bohlen nicht der Hellste ist und Sensibilität im Umgang mit Menschen ihm schwerfällt, hat er mit vielen Leuten, besonders aus der Musikbranche gemein. Man muss ihm allerdings zugestehen, daß er aus seinem Herzen keine Mörderseele macht.

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altais 23.02.2019, 18:18
148. Aus Mücken Elefanten gemacht

Wenn man, unterwegs auf bekannten Backpacker-Routen mit jemandem ins Gespräch kommt, ist die erste Frage, wo kommst du her. Hab jetzt noch nicht erlebt, dass jemand deswegen angefressen war. Auch unterwegs in Afrika ist die erst Frage, oder die zweite, woher man komme. So bald sich Menschen unterschiedlicher Herkunft treffen, ist das nur normal. Hier in Deutschland frage ich auch schon mal jemanden mit exotischem Nachnamen, woher er komme, einfach weil ich es interessant finde, Ausländer oder Inländer mit "exotischem" Hintergrund zu treffen und vielleicht etwas darüber zu erfahren.
Könnte Frau Ataman mal aufhören in jedes und alles ihre Vorurteils behaftete Interpretation hinein zu legen. Nur um den Umgang miteinander zu verkomplizieren. Lasst doch dem Dieter, den ich persönlich nicht als hellstem Stern am Fernsehhimmel sehe, sein Gequatsche, mit dem er seine Anwesenheit auf dem Bildschirm rechtfertigt. Das kann man doch einordnen, ohne die große Keule auszupacken. Oder muss man alles weiter und weiter verkrampfen?

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quark2@mailinator.com 23.02.2019, 18:19
149.

Also früher wurde das Interesse am Herkunftsland eigentlich immer positiv gesehen, genauso wie das Interesse an der Herkunftsregion. Das war genau so ein Aufhänger für den Small Talk wie etwa Kommentare zum Wetter. Natürlich muß man sofort von der Frage ablassen, wenn der Gefragte klarstellt, daß er diese nicht will. Aber die normale Abfolge "Darf ich fragen, woher Sie kommen ?" - "Aus Herne." - "Na, ich meine ursprünglich ..." sehe ich überhaupt nicht kritisch. Wie gesagt, auf der ganzen Welt habe ich genau das als ganz normalen freundlichen Anfangspunkt von Unterhaltungen erlebt, ohne jegliche negative Konotation. Keine Ahnung, aber es wird irgendwie immer irrer, scheint mir.

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