Forum: Kultur
"Wo kommst du her?": Der ethnische Ordnungsfimmel
RTL/ Stefan Gregorowius

Wer sich über die Wo-kommst-du-her-Frage ärgert, bekommt zu hören: Das sei bloß Interesse. Aber wenn dann etwa Dieter Bohlen "Herne" als Antwort nicht reicht, zeugt das von einem problematischen Herkunftskonzept.

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Steini 24.02.2019, 01:40
270.

Solche Fragen gehören nun da zu.
Immerhin könnte man ja einen Türken für einen Grichen halten und dann ohne Böse Absicht Schwein anbieten oder frohe Ostern wünschen, was einige gar nicht lustig finden.
Das doofe ist ja nicht immer sieht man die Herkunft und die Religion, eigentlich sieht man sie gar nicht und es wäre auch unwichtig, wenn Einzelne da nicht so großen Wert drauf legen würden.
Da kann es schon mal sein das solche naiven Fragen kommen, wo Andere eher auf Vorurteile setzen.
Wobei Ich nun immer öfter gefragt wurde ob ich Deutscher wäre, weil Ich die Minderheit einer Straße verkörpere.
Es wäre einmal interessant zu erfahren, für was sich die Menschen in der Straße bezeichnen. und gar nicht mal was sie auf dem Papier sind oder wo sie geboren wurden.
Nein nsehen kann man die Abstammung den Wenigsten, aber die meisten leben sie ja deutlich genug aus und zur Not, mass man halt auf fragen dürfen.
Wobei mach einer der fragt dabei seine Naivität und Vorurteile offenlegt.

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Miere 24.02.2019, 02:39
271. War Bohlen nicht der Bösewicht im Team bei der Show?

Aber Sie haben natürlich recht, sowas kommt oft vor, das sitzt tief drin in der Kultur und wird sich nur sehr langsam rauswachsen. Ich empfehle die Dauerausstellung im Bergbaumuseum Bochum über die osteuropäischen Einwanderer, als der Kohlebergbau dort losging. Die wurden auch lange als fremd empfunden - andere Sprache, andere Religion (katholisch in protestantischer Gegend). Übrig ist davon Komissar Schimanski. Aber es kann eben offenbar ein Jahrhundert dauern, bis sich alles so einrenkt.

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thoreaus_soulmate 24.02.2019, 02:57
272. Herr hilf lenken, die Ochsen stehn im Teich!

Ich hatte mich, nachdem die Mauer fiel auch erst einmal (und das zurecht) über Wessis geärgert, die sich hier im Osten wie Hund und Sau benommen hatten. Das hatte sich aber relativ zügig erledigt. Nachdem ich beruflich in ganz Deutschland und der Welt unterwegs war, stellte ich mir nochmals die Frage, wie ich Menschen einzuordnen habe. Ich bin auf den Schluss gekommen, ich teile sie ein in Arschloch oder kein Arschloch. Ich fahre bis heute gut damit. Die Redaktion mag es mir verzeihen, es mit Luther zu halten und da wo angebracht auch einmal derbere Sprache zu verwenden!

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gekkox 24.02.2019, 06:43
273. Endgültig verwirrt man diese Leute

wenn man als "Biodeutscher" auf die Frage nach dem "wo bist Du her" eine Stadt im Ausland nennt, weil man da nun mal aufgewachsen ist und seine Wurzeln hat. DAS wird dann auch nicht akzeptiert.

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xse 24.02.2019, 07:35
274. ....

Wurzeldeutsch gefällt mir. Kartoffeldeutsch. Knoblauchdeutsch. Austerndeutsch. Burgerdeutsch. Mauerdeutsch.

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Margaretefan 24.02.2019, 07:50
275. Mich wundert's, dass...

...hier so viele Kommentatoren einfachste Zusammenhänge ignorieren. Seit Jahren wird von der Politik, konkret gar der mittegierenden Politik, also der CSU, die Migration als Mutter aller Probleme hochgekocht. Die ablehnende Haltung Migranten gegenüber sind von PEGIDA und AfD das Hauptthema. Die AfD hat allein aus der ablehnenden Haltung heraus einen Zuspruch von mehr als 15% generieren können. Seit dem 11. September 2001 werden Menschen, die Muslime sein könnten, nur weil sie so aussehen, dass sie es sein könnten, mit mehr Argwohn betrachtet. Geschichtlich hat Deutschland bei Fragen nach der ethnischen Zugehörigkeit eh ein Problem. Es ist keine 100 Jahre her, da machten Gestalten von der Gestapo mit solchen Fragen Juden das Leben zur Hölle. Wenn Menschen wie Frau Ataman nun darauf hinweisen, dass es für sie und ganz sicher vielen anderen auch, sehr unangenehm ist, so ausgequetscht zu werden, dann kann jeder, der sich bei solch Fragespielchen nichts Böses denkt, da einfach mal drüber nachdenken. Wer sich nichts Böses dabei denkt und sein Gegenüber respektvoll gegenübertreten möchte, der hat auch kein Problem damit, auf dererlei Fragen in Zukunft zu verzichten, jetzt wo er weiß, dass es Menschen gibt, die das als unangenehm empfinden.

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ncassady 24.02.2019, 08:08
276. Interessant

Ich finde es sehr interessant, wie mit solchen Beiträgen wie von Frau Ataman ganz unterschiedliche Leute getriggert werden. Einerseits die Rassisten, die nirgendwo Rassismus erkennen können (ausser gegen Deutsche) - vorhersehbar. Aber viel mehr noch die Menschen, die sich selbst als "weltoffen" wahrnehmen und nur "aus Interesse" fragen und "natürlich" jede Person gleich nach der Herkunft fragen, unabhängig von ihrem Aussehen/Namen. Ich finde es traurig , wie wenig die (in meinen Augen schlüssige) Argumentation nachvollzogen werden kann und sofort abgeblockt wird "Ich bin doch kein Rassist", als ob das jemand behauptet hätte. Ich verstehe die Frustration, die mit dieser ständigen verbalen Ausgrenzung einhergeht und verkneife mir deshalb auch solche Fragen, es sei denn im Laufe eines Gesprächs und dann auch nur bei wirklichem Interesse an der Person. Jemand anderes hat mal sinngemäß geschrieben, wenn die Fragerei dann aufhört, wenn die betroffene Person endlich "Türkei" oder "Malawi" sagt, dann geht es eben nicht um Interesse an der Person sondern nur um die Abgrenzung der Fragenden. Es geht ja gar nicht um die Frage an sich, sondern die Implikation die damit einhergeht. Vor allem wenn "Herne" oder "Wuppertal" dann nicht akzeptiert wird.
Eine Anmerkung noch zu 249/250 (war das eine Selbstantwort?):
Ich bin "weiss" und lebe in Nairobi, kann die geschilderte Situation also ganz gut nachvollziehen. Es stimmt natürlich, dass ich öfter gefragt werde, wo ich herkomme, als z.b. meine kenianischen Freunde, und meine Antwort "Nairobi" erntet auch manchmal fragende Blicke. Aber noch nie, ich betone: nicht einmal hat danach noch jemand weiter gefragt "Aber woher denn ursprünglich?" Usw. Das ist eben der Unterschied und ich fange jetzt gar nicht an zu erklären was es mit Rassismus und "umgekehrten Rassismus" (Spoileralarm: den gibt es nicht) auf sich hat.

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Dianne67 24.02.2019, 08:29
277. Ich denke, es ist nur Neugier

Dieter Bohlen hat sich blöd angestellt, aber die Frage nach der Herkunft des Mädchens (das nicht nur asiatisch aussah sondern eine asiatische Tracht an hatte und einen asiatischen Tanz aufführte) war berechtigt. Es wäre besser gewesen, nach ihrer Kleidung und ihrem Tanz zu fragen und dann eventuell nach der Herkunft ihrer Familie. Fakt ist jedoch, dass jemand, der mit einem ausländischen Akzent spricht (wie ich), nicht aus Deutschland kommt und Menschen mit nicht-mitteleuropäischem Erscheinungsbild normalerweise Eltern oder Großeltern haben, die aus anderen Ländern eingewandert sind. Ich bin auch manchmal neugierig, was für eine Herkunft Menschen haben und ich bin als Ausländerin selber nie beleidigt, wenn man mich fragt, woher ich und meine Vorfahren kommen.

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nesmo 24.02.2019, 08:45
278. Es geht nicht um die bloße Frage

"wo kommst du her". Natürlich wird man als fremdländisch aussehender Ausländer überall gefragt, wo man herkommt. Und natürlich gilt dies auch in Deutschland. Wenn aber ein nicht ganz biodeutsch aussehender Mensch, der Deutscher ist und perfekt deutsch spricht, antwortet, er sei aus Köln, beginnt erst Frau Atamanns Problem. Dann impliziert eine weiter insistierende Frage nach der Herkunft ihres Erachtens, dass nicht nur nach der Herkunft seiner Vorfahren gefragt wird, sondern sein "tatsächliches" Deutschsein in Frage gestellt wird, weil man mit dem Aussehen nicht "ohne weiteres" Deutscher sein kann. Und damit fühlt sich Frau Atamann offenbar als Deutscher zweiter Klasse diskriminiert. Weil sieh dann als "nicht richtig deutsch" aussehend wahrgenommen wird. Die Antwort hierzu wurde aber schon genannt. Bis vor 50 Jahren sahen fast alle Deutschen "biodeutsch" aus. Es wird erst langsam "normal" als Deutscher nicht auch typical german auszusehen. Mehr kann/sollte man (meist) in die Nachfrage nicht hinein interpretieren.

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vormaerz 24.02.2019, 09:01
279. Wie so oft,

steht und fällt die Situation mit den Persönlichkeiten und Absichten der aufeinandertreffenden Personen. Es gibt Nationalisten, die die Antwort mit „Und wann gehst du zurück?“ kontern und es gibt Gefragte, die sich aufgrund einer Häufung solcher Kontakte in jedem Fall der Nachfrage rassistisch angegangen fühlen. Insofern ist ein bisschen Sensibilität schon angebracht. Andererseits bietet die Familiengeschichte oft Einblick in hisorische Entwicklungen, die sonst eher abstrakt wahrgenommen wurden, sozusagen „Geschichte von unten“. Wenn man dieses Gespräch nicht (vielleicht schon wieder) führen möchte, kann man sich auch eine Taktik ausdenken, das Thema zu wechseln oder die Situation zu verlassen. Es gibt nun mal Rassisten und eher zugewandte Interessierte und man sollte lernen, das zu unterscheiden.

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