Forum: Kultur
"Wo kommst du her?": Der ethnische Ordnungsfimmel
RTL/ Stefan Gregorowius

Wer sich über die Wo-kommst-du-her-Frage ärgert, bekommt zu hören: Das sei bloß Interesse. Aber wenn dann etwa Dieter Bohlen "Herne" als Antwort nicht reicht, zeugt das von einem problematischen Herkunftskonzept.

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Robert_Rostock 24.02.2019, 22:47
400.

Zitat von widower+2
Wieso lässt Ihre Motivation zum Austausch mit anderen Menschen nach, wenn man Ihnen nahelegt, bei etwas anders aussehenden Menschen nicht direkt nach deren "Herkunft" zu fragen? ...
Ganz einfach: weil Sie mir nichts nahelegen, sondern etwas unterstellen. Weil Sie felsenfest davon ausgehen, dass ich jeden anders aussehenden sofort einem inquisitorischen Verhör über seine Herkunft unterziehe. Weil Sie und andere felsenfest davon ausgehen, dassich solche -mit Ihren Worten- anders aussehende nicht als Deutsche ansehe. Weil ergo für Sie das Urteil über mich bereits vor dem Gespräch feststeht. Also genau was ich schrieb. Es geht nicht mehr um normale Gespräche, es wird nur noch auf ein falsches Wort, eine falsche Frage gewartet, mich endlich endgültig zu entlarven.

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tomlex27 24.02.2019, 22:52
401. Warum wundern Sie sich, Frau Ataman

Es zeugt doch von einem hammerharten Realitärtsverlust die Lobhudelei "sie sprechen aber gut Deutsch" als Ausgrenzungsmerkmal zu disqualifizieren. Das Problem ist nãmlich, dass der überwiegende Anteil ihrer Herkunftskultur, egal ob 10, 20 Jahre oder in der vierten Generation hier, einfach ganz mieses Deutsch sprechen und schreiben. Sie können es nicht wegleugnen, es ist so. Man könnte es auch als fehlenden Respekt vor dem Gastgeberland bezeichnen, oder noch schlimmer, die vollständige Bereitschaft sich gegen Integration zu wehren. Oder sind die mannigfaltigen Problembezirke nur Wolkengebilde? Natürlich regte es auch mich auf, als meine Oma, nur weil ein Kumpel südländisch aussah, mich direkt fragte, ob das ein Ausländer sei, aber dafür mach ich kein Fass auf. Ich komme jobtechnisch viel in der Welt rum, in der Türkei bin ich halt auch der Deutsche, der Schwreinefleischfresser, in Tunesien boten Sie für meine Frau vier Kamellen, soll ich mich wirklich über solche Merkmalszuweisungen aufregen? Frau Ataman, warum legen Sie an uns Deutsche besondere Maßstäbe an, für Fragestellungen die in jedem anderen Land normal sind? Leider stehe ich öfter mal an den vielen Drive Inns dieser Republik. Ich jedenfalls freue mich riesig, wenn, was superselten ist, nach einer in perfekten Deutsch entgegengenommen Bestellung jemand an der Ausgabe steht, mit dunklerer Haut, dunklen Haaren und dann noch akzentfrei Guten Tag sagen kann. Sowas nennt man gelungene Integration und hier Angekommensein. Leider äußerst selten. Leider hieß Integration in Deutschland bislang immer nur Wegschauen!! So konnte sich entwickeln was wir jetzt vorfinden.

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licht_und_schatten 24.02.2019, 23:05
402. @widower+2, neue_mitte und Co.

Zitat von widower+2
……………………………….
Den erzieherischen Kreuzzug, den Sie hier und höchstwahrscheinlich auch woanders versuchen zu führen ist zum Scheitern verurteilt und richtet mehr Schaden an als alles andere.
Solche Beziehungen müssen wachsen und sollten auch die Unwägbarkeiten einer überwiegend nicht psychologisch getunten Diskussionsführung überwinden können. Schließlich sind die meisten Neuankömmlinge keine unbeholfenen Kinder.
Wenn es sich bei den betroffenen Personen um Menschen handelt, die hier geboren und sozialisiert wurden, sollte das Thema noch viel einfacher sein. Ich bin mir sicher, dass die gut gemeinte Frage nach den Wurzeln, im Vergleich mit den restlichen Herausforderungen des Lebens ein Klacks ist.
Genau diese erzieherischen Aktivitäten führen zu erheblichen gesellschaftlichen Verwerfungen, die für die Akzeptanz und Integration von Migranten von Nachteil sind.

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annoo 24.02.2019, 23:23
403. #Robert_Rostock

Wenn Ihnen auf mein Post (Zitat annoo): "Und spätestens wenn ich weiß, dass Viele die Frage diskriminierend empfinden und ich sie trotzdem weiterstelle (...) muss man von Trotz oder Bösartigkeit ausgehen."
nur einfällt, dass man dann bitteschön gar nicht mehr mit "Migranten" sprechen sollte ist das ziemlich genau Kindergartenniveau. Und wieso habe ich überhaupt das Gefühl, dass Sie sowieso gar keinen Austausch suchen mit Menschen, die "nichtdeutsch" aussehen, also außer maximal ein "Guten Tag" in einem Geschäft? Ich nehme gerade Ihnen Ihr echtes Interesse überhaupt nicht ab.

Es mag eine falsche Zuschreibung meinerseits sein, aber ich habe das Gefühl Sie versuchen gerade zu rechtfertigen, warum Sie trotzt der Bitte damit aufzuhören mit der Frage nach der Herkunft abzugrenzen dem Wunsch dieswr Personen nicht nachkommen wollen. Sie hacken auf den Unterschieden herum an einer Stelle wo das Gegenüber eine Unterscheidung nicht als zielführend erachtet. Und wetten, genau SIE gehören zu den Menschen, die sich zeitgleich darüber beklagen Zugewanderte Menschen würden sich nicht richtig integrieren? Während Sie zeitgleich viel Wert darauf legen, diesen Menschen zu vermitteln wie anders sie doch seien. Ganz schön perfide...

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fördeanwohner 25.02.2019, 05:22
404. -

Zitat von widower+2
Wieso lässt Ihre Motivation zum Austausch mit anderen Menschen nach, wenn man Ihnen nahelegt, bei etwas anders aussehenden Menschen nicht direkt nach deren "Herkunft" zu fragen? Kapiere ich nicht. Wenn man Ihrer Logik folgt, dürften Sie sich eigentlich nur noch mit Menschen unterhalten wollen, die Sie nicht für "Biodeutsche" halten. Sonst könnten Sie ja sowohl den "Biodeutschen" als auch den von Ihnen als anders Empfundenen einfach die gleichen Fragen stellen. Oder nicht?
Aber darum geht es eben nicht, sondern ob man sein Gegenüber überhaupt danach fragen darf.
Es ist ein bisschen absurd, anderen zu unterstellen, das sie sofort, wenn sie jemanden sehen, fragen, woher er/sie stammt. Das tut man doch wohl generell nicht. Wenn jemand aber die Vermutung im Laufe des Gespräches hat, dass das Gegenüber und/oder seine Vorfahren vielleicht nicht aus Wanne-Eickel, NRW, Deutschland, Europa stammen, dann sollte das doch wohl bei jedem Deutschen (mit oder ohne Migrationshintergrund), Europäer, Afrikaner, Asiaten etc. möglich sein.
Wie ich bereits zweimal schrieb, die Kids an meiner Schule sind diejenigen, die herauskehren, dass sie Türken, Russen usw. sind, auch wenn sie eindeutig Deutsche sind, da hier geboren und den dt. Passen haben. Ich teile ihnen dann jedes Mal mit, dass sie für mich aber Deutsche seien.
Ganz ehrlich, diese Debatte wird rein ideologisch und nicht realitätsnah geführt. Wenn nämlich viele Menschen, mit anderen Wurzeln selbst auf ihre Herkunft bestehen, dann ist es für andere schwierig zu wissen, bei wem man was fragen darf oder vielleicht sogar muss und bei wem nicht.
Wenn man nämlich konsquent Frau Atamans Logik folgt, dann darf man es nicht, weil man damit immer ausgrenzt. Und DAS stimmt ganz einfach nicht.

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holyworshipper 25.02.2019, 07:32
405. Immer wieder dieser Schwachsinn!

Wenn ich jemanden (nicht jeden) nach seiner Herkunft frage, dann ausschließlich aus Intresse an der Person und ihrer Geschichte! Vielleicht war ich dort schon einmal und wir kennen gleiche Orte oder Personen oder ich möcht gern von dem Ort / Land mehr erfahren? Als wir 2005 mit unseren 4 Kinder mit einem Wohnmobil Kanada und U.S.A. Bereisten und dringend eine Campingplatz brauchten verhandelte ich mit einer Seniorchefin eines Campgrounds 1/2 Stunde lang bis sie uns einen Stellplatz vor dem Platz gab. Wir waren glücklich, könnten wir doch nun endlich unsere Wäsche waschen. Dann fragte die Betreiberin: „Where are you from?“ und auf meine Antwort „from Germany“ erwiderte sie begeistert: „Nee, das ist jetzt aber nich wahr!“ Hätte sie mal früher gefragt, wäre manches vielleicht schneller geklärt gewesen! Wir hatten viel Spaß da drüben durch diese Fragen, es war nicht die einzige Anekdote zu diesem Thema. Lasst uns weiter ohne Rassismus zu vermuten fragen, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen.

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holyworshipper 25.02.2019, 07:46
406. Auch ich werde gefragt und finde es toll!

Auf unserer Kanadareise trafen wir auch eine Familie „First Nations“ (kanadische Ureinwohner, Indianer). Die besuchten wir zu Hause. Hätte der Vater nicht irgendwann einmal gefragt woher wir sind, hätte es nie die Einladung gegeben und er hätte uns nie voll Stolz und Aufregung von seiner Geschichte, der Geschichte der kanadischen Indianer und seiner Kultur erzählen können! Als wir auf einem Campground nächtigten trafen wir uns mit Indianern aus der Gegend zu einem Barbecue und die wollten von uns auch wissen woher wir kommen und ließen sich von Deutschland erzählen und baten uns, deutsche Kirchen- und Lobpreislieder zu spielen (ich hatte meine Gitarre dabei). Last uns weiter unbeirrt fragen woher wir kommen, es ist in 99,99999 % der Fälle kein rassistischer Hintergedanke wie es uns manche Zeitgenossen (die wahrscheinlich keinen ethnischen Hintergrund haben) weißmachen wollen. Es ist schön sich für den Anderen und seine Geschichte und Erlebnisse zu interessieren.

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neue_mitte 25.02.2019, 07:57
407.

Zitat von holyworshipper
Wenn ich jemanden (nicht jeden) nach seiner Herkunft frage, dann ausschließlich aus Intresse an der Person und ihrer Geschichte! Vielleicht war ich dort schon einmal und wir kennen gleiche Orte oder Personen oder ich möcht gern von dem Ort / Land mehr erfahren? Als wir 2005 mit unseren 4 Kinder mit einem Wohnmobil Kanada und U.S.A. Bereisten und dringend eine Campingplatz brauchten verhandelte ich mit einer Seniorchefin eines Campgrounds 1/2 Stunde lang bis sie uns einen Stellplatz vor dem Platz gab. Wir waren glücklich, könnten wir doch nun endlich unsere Wäsche waschen. Dann fragte die Betreiberin: „Where are you from?“ und auf meine Antwort „from Germany“ erwiderte sie begeistert: „Nee, das ist jetzt aber nich wahr!“ Hätte sie mal früher gefragt, wäre manches vielleicht schneller geklärt gewesen! Wir hatten viel Spaß da drüben durch diese Fragen, es war nicht die einzige Anekdote zu diesem Thema. Lasst uns weiter ohne Rassismus zu vermuten fragen, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen.
Sie verstehen aber schon den Unterschied zwischen einem offensichtlich erkennbaren Touristen und dem Bürger eines Landes, der dort seit Geburt vor 40 Jahren lebt, arbeitet, aktiv ist... ? Und die Antwort auf "Woher kommst du?" eben z.B. Bonn ist, weil es die reine nackte Wahrheit ist. Als Tourist unterhalte ich mich auch sehr gerne z.B. mit Hotelgästen über unsere Herkunft usw. Das ist der Tat oft sehr erfrischend und bildend. Außerdem ist eine europäische Herkunft fast auf der ganzen Welt positiv behaftet.

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neue_mitte 25.02.2019, 08:14
408.

Zitat von Robert_Rostock
[...] Dass aber die Motivation dazu nachlässt, wenn man davon ausgehen muss, dass ich sowieso nur als potenzieller Ausländerhasser angesehen werde und nur darauf gewartet wird, mich endlich entlarven zu können, indem eine nicht nach allen siebenhundertachtundneunzig Regeln der political correctness feinstjustierte Frage entsprechend ausgelegt wird?
In unserem großen Ingenieurbüro gibt es ein gesundes Miteinander von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Nationen. Manche Kollegen haben offensichtlich "fremde" Wurzeln, andere gar nicht. Die Höflichkeit und der Anstand gebieten es aber, diejenigen mit "fremden" Wurzeln nicht direkt verbal auszusondern und danach zu fragen. Es ist nicht mein Recht, mich als 1.001 Fragender in die Schlange der ständig Fragenden einzureihen. Wenn die Person über ihre "fremden" Wurzeln reden möchte, wird sie es tun. Wenn nicht, dann nicht. Es sind ja eben keine Touristen oder Expats, wo sowas vollstens angebracht ist. Also wir haben natürlich auch Praktikanten / Trainees, mit denen man sich auf Englisch unterhält, weil sie tatsächlich aus dem Ausland kommen. Auch da macht eine Herkunfstkonversation prächtig Sinn. Das ist nicht Teil der 798 PC-Regeln. Das ist gesunder Menschenverstand.

Dank über 10jähriger Firmenzugehörigkeit kennt man die Biographien der Kolleginnen und Kollegen inzwischen ganz gut. So mancher hat Wurzeln in sonstwo, wäre man nie drauf gekommen. War aber z.B. bei einem Kollegen der Großvater aus Österreich, dessen Vater nun wieder aus dem Balkan stammt. Eine k.u.k. Österreich-Ungarn-Geschichte. Sehr interessant, als er es mir bei einem Bierchen mal erzählt hat. Die allermeisten "fremd" aussehenden und (namentlich) klingenden Kolleginnen und Kollegen sind aber heilfroh, dass in unserer Firma eben kein Klima des "Ey, wo kommst du wirklich her?" herrscht. Man fragt Neue, woher man ortsmäßig kommt, um die Fahrgemeinschaften koordinieren zu können, etwas worauf wir in der Belegschaft viel wert legen, weil die Parkplätze an der Firma recht begrenzt sind. Aber das wird auch genau so kommuniziert. Die Lebens- und Familiengeschichte kommt schon noch früh genug.

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neue_mitte 25.02.2019, 08:24
409.

Zitat von holyworshipper
[...] Last uns weiter unbeirrt fragen woher wir kommen, es ist in 99,99999 % der Fälle kein rassistischer Hintergedanke wie es uns manche Zeitgenossen (die wahrscheinlich keinen ethnischen Hintergrund haben) weißmachen wollen. Es ist schön sich für den Anderen und seine Geschichte und Erlebnisse zu interessieren.
Ich habe auch etwas zu erzählen. Vater Ungar, Mutter DDR-Bürgerin. Urlaub am Balaton. Urlaubsliebschaft. Nächstes Jahr wieder Urlaub. Echte Liebe. Heirat. Kind. Umzug in die DDR. Jetzt Arbeit im Rheinland. Aber mich mitteleuropäisch aussehenden Menschen fragt ja keiner. Wenn ich irgendwann mal selten gefragt werde, woher ich komme und Köln sage, wird das akzeptiert. Mich fragt keiner, woher wirklich und bohrt so lange nach, bis ich meine Lebens- und Familiengeschichte erzähle. Und das stets und ständig. Denn ich sehe Deutsch aus. Also wie sich die ganzen "Woher kommst Du?" Fragenden einen Deutschen vorstellen.

Aber bei denen, die eben nicht so aussehen, lässt man Köln oder Bonn eben nicht gelten. Das kann ja nicht sein. Da muss doch was anderes, fremdes sein. SIEHT man doch! Und da kann der andere der perfekte Deutsche mit Mitgliedschaften im Karneval, Fußball, Gemeinderat, Elternbeirat... sein, hat ein Haus mit schönem Gartenzaun und Gartenzwerg. Er bemüht sich also um perfekte Integration und ist sogar schon fertig mit der Assimilation. Aber sieht nun mal fremd aus und wird dann ständig darauf angesprochen. Und ihm wird damit gezeigt, egal was für ein perfekter Deutscher er ist, wir sehen immer zuerst den Fremden. Pech für ihn?

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