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ZDF-Dokudrama "Dutschke": Ein Held aus Streit

"Dutschke" und kein Ende: Fast ein Jahr mühte sich das ZDF ab, einen Sendeplatz für das Porträt des umstrittenen Studentenführers zu finden. Nun wird es gezeigt - und löst eine neue Debatte aus. Tatsächlich gehört "Dutschke" zum Sperrigsten, was es in der Prime-Time zu sehen gibt - und zum Besten.

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Ridcully 27.04.2010, 17:05
1. Mal ehrlich ...

... mir als "Spätgeborenem" bleibt der Hype um Dutschke nach dem Ansehen etlicher Filmdokumente ähnlich unverständlich wie der um Adolf ... nun ja, tempora mutantur et nos mutamur in illis

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moeski 27.04.2010, 17:19
2. Starke Wahl

Ein Jahr Streit und das kommt dabei raus. Ein Sendeplatz in direkter Konkurrenz zum CL Halbfinal-Rückspiel des FC Bayern München. Verspricht grandiose Quoten für "Dutschke".

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semper fi 27.04.2010, 18:00
3. -

Zitat von sysop
"Dutschke" und kein Ende: Fast ein Jahr mühte sich das ZDF ab, einen Sendeplatz für das Porträt des umstrittenen Studentenführers zu finden. Nun wird es gezeigt - und löst eine neue Debatte aus. Tatsächlich gehört "Dutschke" zum Sperrigsten, was es in der Prime-Time zu sehen gibt - und zum Besten.
"... die man liebt zu lieben oder liebt zu hassen." Ja, das trifft wohl heute immer noch zu. Vor allen Dingen hat ganz offensichtlich der Springer-Verlag immer noch ein sehr gestörtes Verhältnis zu Dutschke und zu dem, was vor mehr als 30 Jahren geschehen ist. Anders kann ich mir diese Schlagzeile "Historische Fakten im "Dutschke"-Drama gefälscht" nicht erklären.
Zu dieser Schlagzeile passt auch, dass die Ermordung von Ohnesorg in der Welt dahingehend verniedlicht wird, dass Kurass ja SED-Mitglied gewesen sei. Dass dieser Mörder aber von seinen Vorgesetzten und Kollegen bis zum geht nicht mehr gedeckt wurde, dass steht in dem Artikel nicht. Das nenne ich schon "blanker Hass". Und das alles, weil Dutschke damals die "Ikone" Springer angegriffen hat. Diese Angriffe fand ich berechtigt; die auf die Person und die auf den Verlag.
Ansonsten mochte ich Dutschke damals nicht, ich mag ihn in der Retrospektive auch nicht. Das Attentat auf ihn tut mir leid, das hatte er nicht verdient.
Und den Film werde ich mir garantiert nicht anschauen. Dutschke ist bestenfalls ein "Figürchen" der Zeitgeschichte, nicht wichtig.

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olicrom 27.04.2010, 18:11
4. Welcher Hype...

Zitat von Ridcully
... mir als "Spätgeborenem" bleibt der Hype um Dutschke nach dem Ansehen etlicher Filmdokumente ähnlich unverständlich wie der um Adolf ... nun ja, tempora mutantur et nos mutamur in illis
... ist denn dann genehmer?

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Transmitter 27.04.2010, 18:44
5. Gespenster der Vergangenheit

Zitat von Ridcully
... mir als "Spätgeborenem" bleibt der Hype um Dutschke nach dem Ansehen etlicher Filmdokumente ähnlich unverständlich wie der um Adolf ... nun ja, tempora mutantur et nos mutamur in illis
Seltsam unwirklich, fern aller Realtität, wirken diese s/w-Filme und Fotos von Dutschke und Genossen heute in der Tat. Und tatsächlich gibt es optische wie akustische Parallelen zu vielen Filmclips über die Nazizeit. Dieselben, sich überschnappenden, lauten Schreiereien bei den Propagandareden, dieselben atemlos verzerrten Gesichter der Redner, der sprichwörtliche "Schaum vor dem Mund", dieselben fanatisch blitzenden Augen. . . .

Schon seltsam, oder nicht?

Die politische Situations- und Geschichtsanalyse wird im Vergleich dazu fast schon unwichtig. In beiden Fällen propagieren fanatisch schreiende Redner und Führer politische Heilsideen, die sie im Zweifel gegen ihre Gegner mit Gewalt durchsetzen wollen. In beiden Fällen wird "das Volk" beschworen, das Volk also, das letztlich ja gerettet werden soll.

Es waren wohl schon komische und aufregende Zeiten bei den Nazis und den 68er-Revolutionären damals. Kein Wunder, dass "die Alten" noch heute davon schwärmen.

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aqualung 27.04.2010, 19:08
6. ----------------------------

Zitat von semper fi
"... die man liebt zu lieben oder liebt zu hassen." Ja, das trifft wohl heute immer noch zu. Vor allen Dingen hat ganz offensichtlich der Springer-Verlag immer noch ein sehr gestörtes Verhältnis zu Dutschke und zu dem, was vor mehr als 30 Jahren geschehen ist. Anders kann ich mir diese Schlagzeile nicht erklären. Zu dieser Schlagzeile passt auch, dass die Ermordung von Ohnesorg in der Welt dahingehend verniedlicht wird, dass Kurass ja SED-Mitglied gewesen sei. Dass dieser Mörder aber von seinen Vorgesetzten und Kollegen bis zum geht nicht mehr gedeckt wurde, dass steht in dem Artikel nicht. Das nenne ich schon "blanker Hass". Und das alles, weil Dutschke damals die "Ikone" Springer angegriffen hat. Diese Angriffe fand ich berechtigt; die auf die Person und die auf den Verlag. Ansonsten mochte ich Dutschke damals nicht, ich mag ihn in der Retrospektive auch nicht. Das Attentat auf ihn tut mir leid, das hatte er nicht verdient. Und den Film werde ich mir garantiert nicht anschauen. Dutschke ist bestenfalls ein "Figürchen" der Zeitgeschichte, nicht wichtig.
Hab' grad mal nachgeschaut: in der dnb gibt es 11 Einträge (doppelte oder Ausgaben in anderen Sprachen einfach gezählt), die Dutschke als Autor nennen. Das ist nicht gerade ein üppiger Nachlass. Also Zustimmung zum "Figürchen".

Dem bürgerlichen Lager ist es damals gelungen, die Ressentiments gegen die Studentenschaft medienwirksam gegen eine Person zu bündeln. Negativfolge war das Attentat, Positivfolge die anschliessende Verklärung als Heilsfigur der Linken. (negativ und positiv können je nach persönlicher Interpretation ausgetauscht werden). Der heutige posthume Status der Person Dutschkes ist somit eher vom Gegenlager verursacht. Geschichte ist halt häufig ironisch.

Subjektiv bleibt anzumerken: Dutschke war in unseren Kreisen kein Thema, selbst die APO war nur marginal interessant. Hendrix, Bukowski und Cannabis waren uns näher und wichtiger. Hedonismus ? Aber na klar.

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Transmitter 27.04.2010, 20:05
7. Hi, hi, yes, sowadat!

Zitat von aqualung
Subjektiv bleibt anzumerken: Dutschke war in unseren Kreisen kein Thema, selbst die APO war nur marginal interessant. Hendrix, Bukowski und Cannabis waren uns näher und wichtiger. Hedonismus ? Aber na klar.
Stimmt. Schäm. Aber Spass hat es gemacht. Insbesondere die Sache mit der "sexuellen Befreiung". . :D

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moritzdog 27.04.2010, 20:16
8. Jedenfalls

Zitat von Transmitter
Seltsam unwirklich, fern aller Realtität, wirken diese s/w-Filme und Fotos von Dutschke und Genossen heute in der Tat. Und tatsächlich gibt es optische wie akustische Parallelen zu vielen Filmclips über die Nazizeit. Dieselben, sich überschnappenden, lauten Schreiereien bei den Propagandareden, dieselben atemlos verzerrten Gesichter der Redner, der sprichwörtliche "Schaum vor dem Mund", dieselben fanatisch blitzenden Augen. . . . Schon seltsam, oder nicht? Die politische Situations- und Geschichtsanalyse wird im Vergleich dazu fast schon unwichtig. In beiden Fällen propagieren fanatisch schreiende Redner und Führer politische Heilsideen, die sie im Zweifel gegen ihre Gegner mit Gewalt durchsetzen wollen. In beiden Fällen wird "das Volk" beschworen, das Volk also, das letztlich ja gerettet werden soll. Es waren wohl schon komische und aufregende Zeiten bei den Nazis und den 68er-Revolutionären damals. Kein Wunder, dass "die Alten" noch heute davon schwärmen.
ging es damals nicht nur ums Geld.Die Gesellschaft war wesentlich stärker politisiert, als heute. Ja es stimmt, die Börsenkurse kamen nicht stündlich im TV, aber Debatten im Bundestag über die Ostpolitik, sind mit den heutigen Leerveranstaltungen nicht zu vergleichen. und was geschichtlich Fakt ist: die USA führten in Vietnam einen Schweinekrieg, gegen den sich die Studenten zu Recht empörten....ach was, es war einfach eine interessante Zeit zumal man auch noch jung war.

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sacherworte 27.04.2010, 21:49
9. Greatest Hits of Rudi Dutschke

Ein undemokratischer Radikaler, der das parlamentarische System für unbrauchbar hielt:

http://einminutentexte.wordpress.com...rudi-dutschke/

MfG
Phil

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