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ZDF-Dokudrama "Dutschke": Ein Held aus Streit

"Dutschke" und kein Ende: Fast ein Jahr mühte sich das ZDF ab, einen Sendeplatz für das Porträt des umstrittenen Studentenführers zu finden. Nun wird es gezeigt - und löst eine neue Debatte aus. Tatsächlich gehört "Dutschke" zum Sperrigsten, was es in der Prime-Time zu sehen gibt - und zum Besten.

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sam clemens 27.04.2010, 21:56
10. Klar, die ...

... Debatten muten seltsam an. Und Dahrendorf hat wahrscheinlich Recht, wenn er Dutschkes Beitrag zur gesellschaftskritischen Theorie gering schätzt. Aber Dutschke war doch jedenfalls ein engagierter Mann, jemand der persönlich für seine Ideale einstand und eben auch bereit war, sich zu korrigieren. Auch wenn heute kaum noch jemand was von Dutschke wissen will - ich hätte ihn gern gekannt. @semper fi: Warum mochten Sie ihn nicht?

@Transmitter: Eine Nähe zur NS-Zeit kann man nur entdecken, wenn man an der Oberfläche bleibt. Jede Analyse der Archivalien hat die Entstehungsbedingungen einzubeziehen - Sie setzen Propagandafilme mit mehr oder weniger frei entstandenen Dokumenten gleich.

Zum Artikel: Ich hätte lieber eine Sammlung von Filmdokumenten - etwa das Gespräch Gaus/Dutschke - gesehen als die (sicher guten) Spielszenen.

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Transmitter 28.04.2010, 02:28
11. Ähnlichkeiten

Zitat von sam clemens
... @Transmitter: Eine Nähe zur NS-Zeit kann man nur entdecken, wenn man an der Oberfläche bleibt. Jede Analyse der Archivalien hat die Entstehungsbedingungen einzubeziehen - Sie setzen Propagandafilme mit mehr oder weniger frei entstandenen Dokumenten gleich.
Sicher. Habe ich ja auch so geschrieben. Diese virtuell sich so merkwürdig ähnelnden Szenen sind es, die einen irritieren. Würden solche "Fanatiker" heute noch beachtet bzw. ernst genommen?

Ich will es nicht glauben!

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Berater 28.04.2010, 09:08
12. Dutschke und sein Baby

Ich denke, dass die Debatte ausbleiben wird, dann Substanziell ist der Dutschkes-Nachlass zu unbedeutend. Und das spiegelt (verdienstvollerweise) auch der Film. Dutschke zwischen schräger Agitator- und besorgter Babyvaterrolle. Köstlich übrigens die Zeichnung von Gretchen. Vorschlag daher Titeländerung: "Des deutschen Spießers Wunderhorn".

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tipota 28.04.2010, 09:22
13. Wie bitte....??

Zitat von Transmitter
Es waren wohl schon komische und aufregende Zeiten bei den Nazis und den 68er-Revolutionären damals. Kein Wunder, dass "die Alten" noch heute davon schwärmen.
Also: Ohne in den Verdacht kommen zu wollen, ein Dutscke-Fan gewesen zu sein - die "Gnade einer späteren Geburt" hat mich den 68er Zirkus schon mit und aus einer gewissen Distanz sehen lassen - so Vergleiche wie der da oben sind dann wirklich völlig außerhalb jeder Verhältnismäßigkeit.

Das gesellschaftliche Verwerfungen und Veränderungen in jedem Land mit merkwürdigen Verrenkungen einhergehen, in denen mancher mit blärrigem Schnätterängtäng Parolen schreit, die ihm nachher selber nicht mehr schmecken - das kann man in vielen solcher Prozesse in jedwedem Land beobachten.
Dann wieder Onkel Adolf mit seinen von ihm zu verantwortenden geschätzten 50 Millionen Toten gegen das Polit-Gekaspere der 68er aufzurechnen, denen man - wenn man schon der Frau Meinhof-Röhl'schen Logik der direkten Verantwortlichkeit "Der 68er" für die RAF folgen wollte (falls der deutsche Konservatismus dann allerdings auch die Verantwortung für AH übernimmt, soll's mir dann Recht sein) - schlimmstenfalls 50 Toten zurechnen dürfte, ist nun wirklich komplett dummes Zeug.

Aber, stimmt: Stichlinge und weiße Haie sind irgendwie beides Fische.

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teletubbi 28.04.2010, 11:16
14.

Zitat von Transmitter
Diese virtuell sich so merkwürdig ähnelnden Szenen sind es, die einen irritieren. Würden solche "Fanatiker" heute noch beachtet bzw. ernst genommen? Ich will es nicht glauben!
Dann lauschen Sie doch mal der linksradikalen Sarah Wagenknecht, der höchstwarscheinlich zukünftigen stellvertretenden Parteivorsitzenden der Ex-SED.
Diese "Fanatikerin" wird von sehr vielen Menschen (ge)beachtet und ernst genommen.

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Achim Detjen 28.04.2010, 11:31
15. Natürlich....

Zitat von tipota
..... Aber, stimmt: Stichlinge und weiße Haie sind irgendwie beides Fische.
Und wie haben Sie das herausbekommen? AAA -- Sie haben verglichen. Deshalb ist nur die Abwehr jeglicher Vergleiche dummer Zeug, nix anderes! Und hier hat niemand aufgerechnet, sondern eben nur vergleichen und dabei Parallelen erkannt, die es nunmal gegeben hat. Denn Dutschke war alles andere als ein internationalistisch-altruistischer Philantrop!
Nur ist eben jede Kritik an ihm Tabu, weil sonst sein wahres Wesen endeckt würde und damit der Lebensinhalt einer ganzen Generation den Bach runter gehen würde. Übrigens wieder so eine Parallele zu anderen Ereignissen der (nicht nur) deutschen Geschichte.

Aber schon klar ---- haltet das Bild des Heros sauber.

(und jder "Angreifer" ist dann auch gleich ein rechter Konvertit!)

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semper fi 28.04.2010, 11:53
16. -

Zitat von teletubbi
Dann lauschen Sie doch mal der linksradikalen Sarah Wagenknecht, der höchstwarscheinlich zukünftigen stellvertretenden Parteivorsitzenden der Ex-SED. Diese "Fanatikerin" wird von sehr vielen Menschen (ge)beachtet und ernst genommen.
Wieso "Ex-"?

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teletubbi 28.04.2010, 13:23
17. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Zitat von semper fi
Wieso "Ex-"?
Stimmt.
Korrekt wäre mit der umbenannten SED.

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sam clemens 28.04.2010, 16:10
18. Wagenknecht?

Ich frage mich, aber vor allem teletubbi und Achim"Das unsichtbare Visier"Detjen, was diese Wendung der Diskussion soll. Dutschke und Wagenknecht? Was soll der Unsinn? Dutschke als Präinkarnation des Linken-Vorstands, als Mann der SED? - Beschäftigen Sie sich einfach mal mit den Quellen!

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tipota 28.04.2010, 16:41
19. Naja...

Zitat von Achim Detjen
Und wie haben Sie das herausbekommen? AAA -- Sie haben verglichen. Deshalb ist nur die Abwehr jeglicher Vergleiche dummer Zeug, nix anderes! Und hier hat niemand aufgerechnet, sondern eben nur vergleichen und dabei Parallelen erkannt, die es nunmal gegeben hat. Denn Dutschke war alles andere als ein.....
Sie überinterpretieren ja gewaltig. Jesses. Und Sie projezieren noch viel gewaltiger. Weder halte oder hielt ich Dutschke je für einen "internationalistischen Philantropen" noch zähle ich mich zum Fanzirkel speziell der Berliner 68er und der daraus hervorsprießenden Dogmatiker, die ich in ihrer vollen Lächerlichkeit wenige Jahre später bewundern durfte.

Und ja: Ich habe verglichen um klar zu machen, dass manche Vergleiche schlichtweg dusselig sind.

Die Truppe frei flottierender Bürgersöhne und -töchter, die in den Wirren eines großen, damals längst überfälligen Kulturbruchs in dieser Gesellschaft, selber sich glauben machten, sie wären die Ursache dieses Kulturbruchs, haben sich einfach nur maßlos selbst überschätzt.

Sie lagen damit aber nicht weniger falsch als die konservativen Heulbojen, die sich glauben und den Rest der Republik glauben machten, diese studentische Demo-Tanzgruppe hätte die heilige deutsche Kultur in die Tonne getreten.

Beide Gruppen vereint - und das ist ein Witz - in der Überschätzung, in einem Land, das nur dringend was tun musste um endlich die braunen Rest-Verkrustung loszuwerden. Und beide Gruppen sind dabei kräftig übers Ziel hinausgetölpelt. Was für eine Komödie!

Und Dutschke war, als gleichermaßen hoch intelligentes und extrem wirres Wesen in dieser - gesellschaftlich - tektonischen Plattenbewegung von zugegeben hoher Faszination. Er selbst, eine handvoll seiner Kumpels und die BILD-Zeitung haben sich aber den frappanten Irrglauben geteilt, sie wären es gewesen, die diese Platten die Richtung gegeben hätten. Und waren doch nur Passagiere darauf.

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