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ZDF-Fernsehrat: Im Reich der Festgelegten

Eine offene, scharfe Diskussion über die Staatsnähe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wäre gerade jetzt bitter nötig - aber wie soll man sie führen, wenn es neben schwarzen und roten nun auch schon grüne Freundeskreise in den Fernsehräten gibt?

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avollmer 18.06.2011, 00:55
40. Staatsfernsehen

Das Problem ist weder die Nähe zum Staat noch die Person der Verantwortlichen, sondern ein grundsätzliches Missverständnis der Programmschaffenden. Diese machen statt Bildungsfernsehen ein Belehrungsfernsehen. Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Das Problem eines generell unschärfer gewordenen Bildungsbegriffs.

Im staatsfernen Privatfernsehen unterliegt man dem gegenteiligen Irrtum. Dort setzt man auf das Prinzip des Eye-Candy und der reizgesteuerten Attraktivität. Übersieht aber, dass zu viele mediale Süßigkeiten zum geistigen Erbrechen führen und Reizschwellen progressiver Anpassung unterliegen. Damit schaffen sie sich einen Verbraucher, der einen derart weichen Keks bekommt, dass er nicht mehr in der Lage ist die wirtschaftliche Basis zu erarbeiten, die den Konsum der beworbenen Güter und Dienstleistungen erlaubt. Der stete Tropfen hölt irgendwann jeden Schädel aus. An dem Tag an dem die Lehman-Broker angefangen haben ihren eigenen Werbespots zu glauben, an dem Tag hat die Finanzkrise ihren Ausgang genommen. An dem Tag an dem die Privatfernseh-Zuschauer angefangen haben die Rollen in den Soaps und ScriptedReality-Shows als Lebensvorlage und "role model" zu verwenden, an dem hat das Ende der Zivilisation seinen Ausgang genommen.

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madras 18.06.2011, 11:22
41. Das Wachsfigurenkabinett von ARD und ZDF - Geschichte wiederholt sich

Sehr gute Kolumne von Hr. Diez!
Auch die Beschreibung eines Menschentypus, der sich unter diesen Verhältnissen besonders stark herausbildet und der Starrheit des ÖR-Systems entspricht:
"Es geht um das System, das Menschen hervorbringt, die wie Wachsfiguren in dieser Funktionärsrepublik wirken und kein Außen mehr kennen."
Gut umrissen!

ARD/ZDF sind wie bereits gesagt wurde auf dem besten Weg von einem Bildungsfernsehen zu einem Belehrungsfernsehen mit bedrohlicher Nähe und Abhängigkeit zu den politischen Machtinstanzen. Und immer größerer Distanz zu den Realitäten der Bevölkerung. Als Phänomen nicht neu das Ganze....wiederholt sich da Geschichte?

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kioto 18.06.2011, 13:32
42. Ab 2013 wirds noch besser !

Zitat von homeuser
Der Unterschied ist dass das Privatfernsehen nicht pauschal 20€ im Monat dafür verlangt - selbst wenn man es gar nicht guckt oder gucken möchte! Soll man die Öffentlich-rechtlichen doch zum PAY-TV machen - wer das tolle Staatsfernsehen sehen will, muss dafür zahlen. Aber Pauschal jeden Besitzer eines Fernsehers oder Radios blechen zu lassen ist einfach nur schäbig und dreist.
Hallo,
Dann zahlt man, ob man einen Fernseher besitzt oder nicht.
Dann gibts natürlich nicht eine Fernsehsteuer (äh, möglicherweise ist der Begriff Abmahngefährdet?)sondern die Haushaltsabgabe.
mfg Kioto

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kioto 18.06.2011, 13:32
43. Ab 2013 wirds noch besser !

Zitat von homeuser
Der Unterschied ist dass das Privatfernsehen nicht pauschal 20€ im Monat dafür verlangt - selbst wenn man es gar nicht guckt oder gucken möchte! Soll man die Öffentlich-rechtlichen doch zum PAY-TV machen - wer das tolle Staatsfernsehen sehen will, muss dafür zahlen. Aber Pauschal jeden Besitzer eines Fernsehers oder Radios blechen zu lassen ist einfach nur schäbig und dreist.
Hallo,
Dann zahlt man, ob man einen Fernseher besitzt oder nicht.
Dann gibts natürlich nicht eine Fernsehsteuer (äh, möglicherweise ist der Begriff Abmahngefährdet?)sondern die Haushaltsabgabe.
mfg Kioto

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sfb 18.06.2011, 14:29
44. Staatsfernsehen

Zitat von avollmer
Das Problem ist weder die Nähe zum Staat noch die Person der Verantwortlichen, sondern ein grundsätzliches Missverständnis der Programmschaffenden. Diese machen statt Bildungsfernsehen ein Belehrungsfernsehen.
Klar, wir leben ja auch in einem Gouvernantenstaat. Deshalb ist die Staatsnähe schon ein Problem.

Zitat von avollmer
Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Das Problem eines generell unschärfer gewordenen Bildungsbegriffs.
Statt Bildung gibt es Gesinnungspropaganda.

Zitat von avollmer
Damit schaffen sie sich einen Verbraucher, der einen derart weichen Keks bekommt, dass er nicht mehr in der Lage ist die wirtschaftliche Basis zu erarbeiten, die den Konsum der beworbenen Güter und Dienstleistungen erlaubt.
Nicht unbedingt, denn dies tun ja diejenigen für ihn, die nicht so viel fernsehen.

Zitat von avollmer
An dem Tag an dem die Privatfernseh-Zuschauer angefangen haben die Rollen in den Soaps und ScriptedReality-Shows als Lebensvorlage und "role model" zu verwenden, an dem hat das Ende der Zivilisation seinen Ausgang genommen.
Ich fürchte, dieser Anfang liegt schon über 2000 Jahre zurück ;-)

Staatsfernsehen ja, aber
- ohne Werbung
- ohne "Unterhaltung"
- nur mit Qualitätsbeiträgen
- steuerfinanziert, dann spart man sich die GEZ-Kosten
- ein paar Stunden pro Tag reichen, die wichtigen Beiträge werden wiederholt

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recardo 19.06.2011, 21:39
45. .

Ich glaube es geht einfach um das grundsetzliche Problem: Darf man ein Medium und eine Dienstleistung zwangsweise verordnen? Darf man das in einem Land, dass sich als freiheitlich verstehen will?

Ich glaube dies darf man nicht. Man darf auch keinen staatlichen Büchermarkt organisieren, staatliche Autoren beschäftigen, man darf auch nicht sonsteine unnötige Dienstleistung dem Bürger aufdrängen, die der dann zwangsweise annehmen muss: wie zum Beispiel eine private Baumassnahme nicht unnötig angeordnet werden darf, um ein staatliches Bauunternehmen am Leben zu erhalten, dass man vielleicht nur mit Steuermitteln und Abgaben finanziert. All das wäre nicht frei, aber genauso funktioniert unser Staats-TV.

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kioto 19.06.2011, 22:47
46. Dies ist doch tägliche Normalität

Zitat von recardo
Ich glaube es geht einfach um das grundsetzliche Problem: Darf man ein Medium und eine Dienstleistung zwangsweise verordnen? Darf man das in einem Land, dass sich als freiheitlich verstehen will? Ich glaube dies darf man nicht. Man darf auch keinen staatlichen Büchermarkt organisieren, staatliche Autoren beschäftigen, man darf auch nicht sonsteine unnötige Dienstleistung dem Bürger aufdrängen, die der dann zwangsweise annehmen muss: wie zum Beispiel eine private Baumassnahme nicht unnötig angeordnet werden darf, um ein staatliches Bauunternehmen am Leben zu erhalten, dass man vielleicht nur mit Steuermitteln und Abgaben finanziert. All das wäre nicht frei, aber genauso funktioniert unser Staats-TV.
Hallo,
Die tausende Lobbyisten machen doch den ganzen Tag nichts anderes. Buchpreisbindung, Kanalinspektion, jährliches Kaminkehren auch bei Gasheizungen, Verfallsdaten für Verbandskästen, Rigerose Kopierschutzmassnamhen bis hin zu unbrauchbarmachen der Geräte bei HDMI/HDCP usw. usw. sind auf Anregung und Druck bestimmter Interessengruppen entstanden und liegen nur zum Teil im Gemeininteresse.

Ich schlage deshalb zur Rettung der notleidenden Zeitungsverlage die Gründung der ADZ (allgemeine deutsche Zeitung als Zusammenfassung aller interessierten Zeitungsverlage in Deutschland) inkl. Regionalausgaben vor, die gegen eine Haushaltsabgabe von 20€ an alle deutschen Haushalte geliefert wird.

Wenn man die Gehälter der Chefredakteure auf Fernsehintendantenniveau hebt, findet der Vorschlag sicherlich breite Zustimmung (oder gibt es etwa verfassungsrechtliche Bedenken ???. Nicht doch, beim Allgemeinen Rundfunk Deutschlands störts doch auch keinen.)
mfg Kioto

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Putenbuch 20.06.2011, 10:00
47. Genau

Zitat von avollmer
Sie stehen gerade im Sumpf und der grüne alte Meister stellt sie vor die Herausforderung sich der dunklen Seite der Macht zu stellen. Dem leichten Weg. Der Verführung der Macht. Der Sucht danach den eigenen Willen anderen Menschen aufzwingen zu können. Der Grenzenlosigkeit von Macht, in der Macht Macht gebiert. Und im schlimmsten Fall den Rausch der Macht, die Sucht, die Endorphin-Dröhnung. Es sieht leider so aus, als würden viele führende Grüne den Verlockungen erliegen.
Spätestens seit der Regierung Schröder/Fischer wissen wir, dass die Grünen nicht besser sind, als alle anderen Parteien auch. Leider. Auch nur ein Haufen rückratloser Egomanen, die sich einzig für ihren eigenen Vorteil, anstatt für die Aufgabe, für die man sie gewählt hat, interessieren.

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