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ZDF-Film über Franz Ferdinand: Weltgeschichte als Kaiserschmarrn
ZDF

Küss die Hand, Herr Intrigant: Der ZDF-Film "Das Attentat - Sarajevo 1914" soll von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand erzählen - und verirrt sich in Verschwörungstheorien.

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almansur 28.04.2014, 12:28
10. Stimmt so nicht

Sie schreiben, daß der Fahrer falsch abgebogen sei. Was meinen Sie mit falschem Abbiegen?

Der Fahrer hätte auf Anweisung des Erzherzogs Franz Ferdinand persönlich eine andere Route nehmen sollen, weil der Erzherzog Verletzte des ersten Attentates, kurz vorher, im Krankenhaus besuchen wollte. Der Fahrer fuhr aber unbeirrt die vorgeplante Route weiter und traf so auf den Attentäter Gawrilo Princip, der natürlich an der alten Route wartete und so auch für ihn unverhofft doch noch seine Gelegenheit bekam.

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OHCRIKEY 28.04.2014, 12:30
11. ...

Zitat von Olaf
Ich weiß also nicht, was dieser Blödsinn soll. Die echte Geschichte ist spannend genug und bietet jede Menge Stoff für einen spannenden Film, ohne dass man historische Fakten verdrehen muss. Und ja, es gibt nun mal politische Spinner, die für ihre wirren Ideen bereit sind zu Morden. Ganz ohne große Verschwörung im Hintergrund. Gerade in Europa.
Das sehe ich ähnlich. Beispielsweise hätte die Mission Hoyos genügend Stoff für ein Politdrama im Hintergrund der Julikrise geboten, um nur ein Beispiel zu nennen.
Aber wahrscheinlich wäre für so manchen Geschmack Wilhelm II dabei zu gut weggekommen.

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Olaf 28.04.2014, 12:52
12.

Zitat von hors-ansgar
Na ja, Serbien dürfte auch nicht ganz unschuldig gewesen sein. Bei den beiden Kriegsteilnehmern hätte man es aber auch belassen sollen. Ö.-Ungarn und Serbien hätten das unter sich regeln sollen. Aber dann kamen die ganzen unübersichtlichen Bündnisverpflichtungen (die die Beteiligten wahrscheinlich selbst nicht 100%ig verstanden haben) und das Drama nahm seinen Lauf!
Ich will auch niemanden freisprechen, ähnlich wie heute die Krise in der Ukraine ja auch vielschichtige Ursachen und Beteiligte hat, gab es damals auch ein Geflecht von Interessen und Bündnissen.

Nur scheint man sich heute der Gefahren für Europa bewusster zu sein, als damals.

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Mahatschmanladen 28.04.2014, 13:02
13.

Zitat von cs01
Auslöser war sehr wohl das Attentat, die Ursache des Krieges war die Tatsache, dass damals alle Beteiligten Mächte einen Krieg wollten. Und zwar aus Profit- und Machtgier.
Die Aussage trifft mit Sicherheit für GB, Frankreich und Russland zu. Wenn man Wilhelm II unterstellen will, dass ER einen Krieg aus Profit-oder Machtgier wollte, muss man seine Aussagen und sein Tun schon gewaltig missinterpretieren. Auf der deutschen Seite gab es Einkreisungsängste und diese Ängste stellen sich immer mehr als absolut berechtigt heraus. Die Schlüsselstellen sind einmal der Besuch von Poincare und franz. Delegation in St. Petersburg zum einen und die britische Garantie für den Schutz der französischen Küste zum anderen.

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Freewolfgang 28.04.2014, 13:21
14. Wahrnehmungsprobleme

Zitat von sysop
Küss die Hand, Herr Intrigant: Der ZDF-Film "Das Attentat - Sarajevo 1914" soll von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand erzählen - und verirrt sich in Verschwörungstheorien.
Das Schlimme an verfilmten Verschwörungstheorien ist meist der Intellekt der Zuseher. Wieviele Menschen glauben heute das, was gesendet wird, nehmen es für bare Münze? Viel zu viele, denn es ist leichter, sich vom Fernsehen berieseln zu lassen, als sich selber in Geschichtsbüchern zu informieren. Und der allgemeine Bildungs(not?)stand unserer Nation fördert das noch...

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at.engel 28.04.2014, 13:28
15. Ein Kostümfilm...

ist ein Kostümfilm, ist ein Kostümfilm. Es gibt natürlich auch gute Kostümfilme, aber auch die sollte man nur als solche betrachten; und auch, wenn sie auf ARTE kommen.
Spannender sind da schon die Kommentare hier. Da geht es sofort wieder um die "Schuldfrage", als wenn wir noch irgendwo 1919 stecken geblieben wären.
Tatsache ist erstens, dass sich Deutschland ab 1890 ganz alleine in die Position manövriert hat, in der es sich 14 befand. Und Tatsache ist auch, dass da zwei Reiche (Habsburger und Ottomanisches) kurz vor dem Zusammenbruch standen, deren Folgen sich übrigens heute noch bemerkbar machen. Und Tatsache ist auch, dass Deutschland - 1914 wirtschaftlich die größte Macht in Europa - zu diesem Zeitpunkt ein Staatsoberhaupt hatte, das mit seiner Funktion komplett überfordert war. Und der Rest sind Anekdoten.

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hors-ansgar 28.04.2014, 13:48
16. @at.engel

Zitat von at.engel
ist ein Kostümfilm, ist ein Kostümfilm. Es gibt natürlich auch gute Kostümfilme, aber auch die sollte man nur als solche betrachten; und auch, wenn sie auf ARTE kommen. Spannender sind da schon die Kommentare hier. Da geht es sofort wieder um die "Schuldfrage", als wenn wir noch irgendwo 1919 stecken geblieben wären. Tatsache ist erstens, dass sich Deutschland ab 1890 ganz alleine in die Position manövriert hat, in der es sich 14 befand. Und Tatsache ist auch, dass da zwei Reiche (Habsburger und Ottomanisches) kurz vor dem Zusammenbruch standen, deren Folgen sich übrigens heute noch bemerkbar machen. Und Tatsache ist auch, dass Deutschland - 1914 wirtschaftlich die größte Macht in Europa - zu diesem Zeitpunkt ein Staatsoberhaupt hatte, das mit seiner Funktion komplett überfordert war. Und der Rest sind Anekdoten.
Ich stimme Ihnen zu. Man sollte sich die Schmonzette anschauen wie die drei Musketiere, Sissi oder Ludwig II. (mit Helmut Berger!). Ich stimme Ihnen ebenfalls bei Ihrer Charakterisierung von Wilhelm II. zu. Österreich-Ungarn war auch ein schieriger Kandidat aber die Situation war eher "hoffnungslos - aber nicht ernst" (Karl Kraus). Die deutsche Diplomatie war verheerend (von Caprivi!). Aber auch der russische Zar war nicht gerade eine Leuchte und die demokratischen Politiker in GB und F waren ziemlich degenerierte Adelige, die eine gehörige Prtion Mitschuld an dem Schlamasel hatten.

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clauswillypeter 28.04.2014, 13:48
17.

Christopher Clark hat mit unglaublicher Fleißarbeit das Buch zur Schuldfrage des 1. Weltkriegs geschrieben. Sollte jeder lesen, der sich zu dem Thema äußert.

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Olaf 28.04.2014, 13:49
18.

Zitat von at.engel
Und Tatsache ist auch, dass Deutschland - 1914 wirtschaftlich die größte Macht in Europa - zu diesem Zeitpunkt ein Staatsoberhaupt hatte, das mit seiner Funktion komplett überfordert war. Und der Rest sind Anekdoten.
Da gibt es schon ein paar Fakten mehr. Schaut man sich den genauen Ablauf an, wird das alles etwas komplizierter. Es war jedenfalls nicht Deutschland, welches Belgrad beschießen ließ und die deutschen waren auch nicht die ersten, die mobil machten.

Chronologie

28. Juni: Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Franz Ferdinand
5./6. Juli: „Mission Hoyos“ und der deutsche „Blankoscheck“
20. bis 23. Juli: Besuch der französischen Regierung in St. Petersburg
23. Juli: Österreichisches Ultimatum an Serbien
25. Juli: Russische Einleitung der Teilmobilmachung
25. Juli: Vorbehalte Serbiens gegen Teile des Ultimatums
25. Juli: Serbische Generalmobilmachung
25. Juli: Österreichische Teilmobilmachung
28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien
29. Juli: Beschießung Belgrads
29. Juli: Fünfter britischer Vermittlungsvorschlag (von insgesamt sieben): „Halt in Belgrad“
30. Juli: Russische Generalmobilmachung
31. Juli: Österreichische Generalmobilmachung
31. Juli: Deutsches Ultimatum an Russland, seine Mobilmachung einzustellen
31. Juli: Deutsches Ultimatum an Frankreich, sich neutral zu erklären
1. August: Generalmobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands an Russland
2. August: Deutsches Ultimatum an Belgien, Deutschland Durchmarschrechte zu gewähren
3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich
3. August: Einmarsch deutscher Truppen in Belgien
4. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland
6. August: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland
8. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Österreich-Ungarn

http://de.wikipedia.org/wiki/Julikrise

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zitzewitz 28.04.2014, 14:32
19.

Zitat von Mahatschmanladen
Auf der deutschen Seite gab es Einkreisungsängste und diese Ängste stellen sich immer mehr als absolut berechtigt heraus.
Und heute ist es Russland, dass sich von NATO und EU mit ihren ständigen Osterweiterungen zu Recht eingekreist und bedrängt fühlt. Wenn das man gut geht...

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