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ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin": Mittelalter trifft Mittelerde
ZDF

Männer sind Schufte oder Trottel, Frauen sind Huren, Hexen oder Heilige und im Herzen natürlich total emanzipiert. Der ZDF-Historienschinken "Die Pilgerin" bietet moderne Sinnsuche im stilvoll kaputten Kuttenlook - als hätte Hape Kerkeling den "Hobbit" mit der "Wanderhure" verrührt.

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spassbremser 02.01.2014, 16:51
30. ...

Die Wanderbeule 2.0

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J-Créme 02.01.2014, 16:52
31. Kräuternonnen

Zitat von kumi-ori
Ich werde es Umberto Eco nie verzeihen, dass er vor knapp einem halben Jahrhundert mit seinem genialen "Name der Rose" solch einen unsäglichen Rattenschwanz von Nachahmern angelockt hat, die tonnenweise Papier und Zelluloid mit triefendem Mittelalterkitsch verschmutzen. All Ihr Wanderhuren, Wanderärzte, Pilgersleut' und Landsknechte, Dompröbste, Kräuterweiblein, fette Mönche und notgeile Nonnen: bleibet in Eurer Gruft, Ihr könnet es nicht!
Notgeile Kräuternonnen, fette Pilgerhuren und ihre gruftigen Wunderärzte. Schön, wie Sie die Horrorgestalten aufmarschieren lassen. Der Zweiteiler verspricht wieder einen Höhepunkt des lustigen Gebührenfernsehens

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schwarzes_lamm 02.01.2014, 16:52
32.

Zitat von Edelstoffl
.[....] Neulich sitz ich im Zug und hör einem Grüppchen von Frauen zu, wie sie sich über die systematische Unterdrückung der Frau im Mittelalter ereifern - anhand der "Wanderhure" und " Der Päpstin". Selbiges hier immer wieder in den Foren: der angebliche "Gynozid im Mittelalter" durch Hexenverbrennungen von "Millionen" Frauen, die gesellschaftliche Unterdrückung durch eine globale Konspiration der Männer etc. etc. Keine Idee von Ständegesellschaft, Feudalwesen, Aufklärung usw. Und dann wird der Käse auch noch verfilmt... Als Kulturwissenschaftler möchte man sich mit Grausen abwenden...[.....]
Der Mythos vom Mittelalter als eines der düstersten Epochen Europas gilt unter seriösen Historikern als längst widerlegt.
Leider dauert es immer einige Jahre, wen nicht sogar Jahrzehnte, bis die Erkenntnisse von Historikern auch bei Journalisten und Medienleuten ankommen

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belleslettres 02.01.2014, 16:55
33. Authentizität

Mir ist schon klar, daß Kritik an der Authentizität in solchen Artikeln eine obligatorische Manier ist. Weil dieser hier einfältigerweise aus nichts anderem besteht, ist es vielleicht ganz nett zu erfahren, daß alle Kritikpunkte unauthentisch sind.

1. Wo auch immer dieses Tremmlingen in Schwaben liegt, Alemannisch gehört seit der hochdeutschen Lautverschiebung im Frühmittelalter zum Kernland des Hochdeutschen. Man nennt es nach der Höhe über dem Meeresspiegel hoch, im Gegensatz zum Niederdeutschen, was man eigentlich in jedem Buch über das Mittelalter nachlesen kann.

2. Die Geschichte spielt zum Ende der Herrschaft von Karl IV. über das HRR, die zweite Phase der Standardisierung der hochdeutschen Dialekte (das sind Bairisch, Alemannisch und die hochdeutschen fränkischen Dialekte und bes. das Obersächsische) ist so gut wie abgeschlossen, Standardhochdeutsch ist lingua franca der Kanzleien im HRR.

3. Frühneuhochdeutsch sieht niedergeschrieben sehr heterogen aus. Dennoch können auch in Geschichten aus jener Zeit Leute herumlaufen und sich mit jedermann verständigen. Zufälligerweise ist Herumlaufen und Reden das, was sie in diesen Geschichten am liebsten machen.

4. Hat nicht das sogar Nibelungenlied den gleichen Mangel an Authentizität? Siegfried aus Xanthen, Brunhilt und Etzel, sie sprechen alle bairisch und tragen hübsche Kleider aus dem Modejahr 1200, obwohl die Geschichte andernorts und zu einer ganz anderen Zeit spielt. Siegfried ist so eindimensional wie James Bond.

Zu einem Leserkommentar: Selbstverständlich enthält auch der Name der Rose sehr viele Freiheiten, was Eco selbst in seiner Nachschrift gut dokumentiert hat.

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fuenfringe 02.01.2014, 16:57
34. Cool

Zitat von sysop
Männer sind Schufte oder Trottel, Frauen sind Huren, Hexen oder Heilige und im Herzen natürlich total emanzipiert.
das ist ja wie bei mir auf Arbeit. Alles total real. Ich finds gut und zahle umso lieber meine Beiträge.

Was für ein Müll.

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stefansaa 02.01.2014, 17:02
35. Netter Ansatz aber alles falsch!

Zitat von danido
Der kommerzielle Erfolg ist der einzige objektive Bewertungsmaßstab, alle anderen Bewertungsmaßstäbe für die Qualität sind Unsinn, einschließlich dem Gerede von angeblicher "Kunst". Leider interessiert sich das Ausland nicht für den (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) und das sagt sehr viel über die Qualität deutscher Produktionen aus. Woran liegts? Ein deutscher Film besteht immer aus folgenden Punkten die der Produzent abhakt und kontrolliert wie Piloten die Checkliste. 1. Pseudo-pädagogischer Aspekt, am besten irgendwas mit Hitler. Wenn Hitler nicht geht dann irgendeine bedeutende Person aus der Vergangenheit oder ein geschichtliches Ereignis oder wenigstens eine pädagogisch wertvolle Epoche der deutschen Geschichte. Merke: Ist wichtig um Filmfördergelder zu kassieren! Übrigens: Die Drehbücher für Kohl und Schmidt existieren schon werden aber erst nach deren Ableben verfilmt. 2. Sexszene!!! Ein deutscher Film ohne Sexszene geht garnicht. Das wir seit über 10 Jahren im Internetzeitalter leben und Sexszenen endlos langweilig sind und die Story atmosphärisch auseinanderreißen interessiert die deutschen Produzenten nicht, die haben gelernt "sex sells" (vor 30 Jahren) also wird das so gemacht. 3. Absolutes schwarz/weiß gut/böse-denken. Der Gott der deutschen Theaterkunst heißt Bertold Brecht und Brecht war ein Meister des schwarz/weiß Denkens. Wer heutzutage als angehender Regisseur oder Schauspieler an einer deutschen Filmhochschule ein Problem mit Brecht hat wird auch ein Problem haben in Deutschland Filme zu machen. Da nutzt auch kein Hinweis auf z.B. die amerikanische Filmkunst die schon seit Jahrzehnten das klassische schwarz/weiß Denkmuster abgelegt hat und Figuren dementsprechend formt und damit sehr erfolgreich ist, interessiert die deutsche Filmindustrie nicht! Deutschland ist Brecht-Land und Brecht ist der Größte! Man nehme also Punkt 1, 2 und 3 und werfe alles in einen Topf, gut umrühren und fertig ist die ganz hohe Kunst aus dem Land der Dichter und Denker. Einschaltquote, Auslandserfolg, Oscar?? (HaHa) Interessiert nicht, ist ja schließlich Kunst, und ja, ätsche-bätsche, darf ja niemand definieren was Kunst ist. Also, gefälligst weiter GEZ-Steuer zahlen und Klappe halten ;)
Es liegt einzig und allein an der Deutschen Filmförderung. Diese basiert größtenteils auf bedingt rückzahlbaren Zuschüssen. Das heisst, bei Erfolg eines Films müssen die Fördergelder zurückgezahlt werden, weil sich der Film selbst rentiert. Ist er nicht erfolgreich gilt die Förderung als verlorener Zuschuss und muss nicht zurückgezahlt werden. ;-)

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larissa27a 02.01.2014, 17:02
36. Die Kostüme bei den Tudors

Zitat von moev
Wobei Tudors zwar eine gute Dramaserie sein mag, die historische Genauigkeit lässt vorsichtig gesagt zu wünschen übrig
Ich kann nur die Kostüme beurteilen und die sind bei den Tudors (Renaissance, England) gelinde gesagt "fantasievoll" und vor allem im Detail alles andere als historisch korrekt. Dass mag alles dazu dienen, dass der Zuschauer von heute sich mit den Figuren identifizieren können soll und Heinrich VIII wie eine Art "Rockstar" wirken sollte, dennoch bleiben solche Bilder in den Köpfen der Zuschauer als "Wahrheit" hängen. Meiner Meinung nach sollten Historiendramen neben dem Entertainmentfaktor auch einen gewissen Bildungsauftrag haben, aber anscheinend denkt die Unterhaltungsbranche, dies würde dem kommerziellen Erfolg im Weg stehen.

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a.m.g. 02.01.2014, 17:06
37.

Zitat von Edelstoffl
... aber ein Großteil der Zuseher hält diesen Quark für teilweise authentisch, zumindest die Menschen- und Rollenbilder vor allem bzgl. der Geschlechter für real. ... Als Kulturwissenschaftler möchte man sich mit Grausen abwenden...
Allein schon im Buch sind ganz massive geschichtliche Fehler vorhanden: so lassen die Autoren die Pilgergruppe sich anno 1368 im Ulmer Münster versammeln, dessen Grundsteinlegung war aber erst 1377 und bei ihrer Rückkehr lassen die Autoren die „die Pilgerin“ schon aus der Ferne den Turm des Ulmer Münsters erblicken, dieser wurde aber leider erst 1890 fertig gestellt (1543 hatte der Turm eine Höhe von rund 100 m, aber s lange wird die Dame wohl nicht unterwegs gewesen sein).

Leider gibt es solche groben Fehler in historischen Romanen immer wieder: beispielsweise ließen die manche Autoren die Mönche eines europäischen Klosters schon im 13. Jahrhundert Kartoffeln schälen und ein mittelalterlicher Ritter kam auch schon lange vor der Entdeckung Amerikas in den Genuss eines Truthahnbratens.

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spon-user93 02.01.2014, 17:19
38.

Schon wieder was mit Mittelalterthematik.
Es scheint ja so als sei das Thema beim Zuschauer beliebt.

Schade nur das das ZDF die zweite Staffel der aus meiner Sicht ganz passablen Serie "die Borgias" ins Nachtprogramm verbannte aufgrund mangelnder Quote.

Mal schauen ob "die Pilgerin" erfolgreich ist.

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lizard_of_oz 02.01.2014, 17:23
39. "einmal es halbwegs realistisch zeigen."

Zitat von jboerner
Die vom Autoren als nächstes gestellten Fragen kann man leicht beantworten: "Ja, was denn sonst?" -> einmal es halbwegs realistisch zeigen. Die meisten wären überrascht, und die Andersartigkeit wäre mal spannend.
Soso und ausgehend von welcher Quelle?

Den Alltag im Mittelalter gründlich zu beschreiben hat damals einfach niemand für wert befunden.

Beispielsweise gehören die Bilder von Bruegel zu den wenigen Quellen des damaligen Alltagslebens, da war das Mittelalter aber schon vorbei.

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