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Zeitungssterben: Das Jahr 2019 wird bitter
imago/ Future Image

Journalismus in der Krise: Geschäftsmodelle von Traditionshäusern wie DuMont brechen weg, jungen digitalen Angeboten fällt es schwer, neue zu entwickeln. Was geschieht, wenn sich die gedruckte Zeitung verabschiedet?

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Pfaffenwinkel 26.02.2019, 19:27
1. Heute kann jeder die Zeitungen online lesen

Warum also noch als E-Papier kaufen? Und genau das ist das Problem. Die Zeitungen konnten ja nicht schnell genug online gehen und haben damit zu ihrem Untergang selber beigetragen.

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Newspeak 26.02.2019, 19:30
2. ...

"Das Jahr 2019 wird für den Journalismus noch viele solcher schlechten Nachrichten bereit halten. Die Anzeigenmärkte brechen weg. Die Tageszeitungen verlieren Abonnenten. Und nur wenigen Häusern gelingt es, digitale Angebote zu machen, für die die Leser bereit sind, zu bezahlen."

Wie lange gibt es das Internet mittlerweile? Die Anzeigen brechen doch nicht erst seit gestern weg. Fragt sich irgendjemand von denen, die nun jammern, irgendwann einmal, was der LESER will? Und wenn ja, wird dem denn entsprochen? Anscheinend nicht. Wenn ich in eine gut sortierte Bahnhofsbuchhandlung gehe, sehe ich jedenfalls mehr als ausreichend Zeitschriften zu allen moeglichen und unmoeglichen Themen. Wobei ich nicht erkennen kann, dass dies grundsaetzlich ein Wert sein soll, wenn es darunter zig Zeitschriften gibt, die im Grunde voneinander abschreiben. Wo ist denn der Mehrwert, den man als Leser hat, wenn man eine Zeitschrift abonniert? Ich sehe keinen. Ich denke, die Pressemedien sind immer noch sehr verwoehnt, man weigert sich immer noch, sich anzupassen, man will die Meinungshoheit behalten, auch wenn die Leser schon laengst kein Interesse mehr daran haben. Und das faengt schon damit an, dass man sich vor allem um seine alten Leser kuemmert. Die jetzigen Abonennten. Die sterben aber weg mit der Zeit. Macht auch nur eine Tageszeitung ein Angebot fuer junge Menschen? Also ausser der einzelnen Seite, die man irgendwo hineinmogelt, in die Wochenendausgabe. Demut...das ist es...was Vielen noch fehlt. Dem Leser auf Augenhoehe begegnend und nicht belehrend, zensierend, einordnend, meinungsmachend.

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anitawulfel 26.02.2019, 19:39
3. Wochenzeitschriften

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164386/umfrage/verkaufte-auflagen-von-spiegel-stern-und-focus/

Wenn ich mir so den Chart anschaue, dann scheint es der Stern nicht mehr lange zu machen. Spiegel und Focus auch schwach, aber es sieht noch nicht ganz so bedrohlich aus.

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crewmitglied27 26.02.2019, 19:43
4. Dieser Artikel beschreibt die Fakten recht gut.

Leider fehlt eine vernünftige Reflexion. Es gibt zu diesem Thema einen Spruch aus dem Vertriebsbereich. "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler". Wenn der Journalismus in Deutschland den LeserInnen Texte anbietet, die die Menschen nicht lesen wollen, dann muss mal das Geschäftsmodell überdacht werden.Mir fällt da spontan Einiges ein. Neutrale Berichterstattung und Abwägung von Sachverhalten. Kritischer Umgang mit den Regierungsparteien. Bewertung von Ereignissen nur in Kommentaren. Überprüfung des Regierungshandelns. Investigativer Journalismus statt Framing. Hach,...das waren noch Zeiten. Da gab´s auch noch Menschen, die dafür Geld ausgegeben haben. Am Besten kann man den Niedergang des Mainstreamjournalismus am Rückgang der Käufer der Bild-Zeitung seit 2015 erkennen. Eine Redaktion, die komplett vergessen hat, welchem Fisch der Köder schmecken muss, hat es völlig versemmelt. Vielleicht denkt man ja auch im Haus des Herrn Relotios mal darüber nach.

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fachlaie 26.02.2019, 19:48
5.

"Und diese Lücke werden nicht mehr nur Journalisten zu spüren bekommen. Sondern Stadträte, über deren Arbeit niemand mehr berichtet. Bürger, die über ihre Gemeinde nichts mehr erfahren. Es wird Räume geben ohne Öffentlichkeit. Räume, die sich der Kontrolle entziehen, die Öffentlichkeit bedeutet."

Diesem Beispiel kann ich nicht so recht folgen. In fast jeder Gemeinde gibt es (hier heißen sie) Mitteilungsblätter, die monatlich über jede Gemeinderats Sitzungen informieren, in denen fast alles mitgeteilt wird, was für die Kommune von Belang ist. Bezahlt wird dies durch die jeweilige Kommune.
Wahr hingegen ist, dass der klassische, gedruckte Journalismus ein massives Problem hat, weil sich immer mehr Bürger mittels Internet aus verschiedenen Quellen informieren. Und ich vermute, dass die Einnahmen aus der Werbung mittels Clickbaiting und Paywalls schon jetzt die noch druckenden Verlage querfinanziert.
So wird der Journalismus der Zukunft wohl aussehen, die Nutzung der Internet Medien wird teilweise bezahlpflichtig, vor allem die interessanten Artikel.
Nur, dass anstatt für einen einzigen Artikel die gesamten, häufig weniger interessierenden Inhalte mitbezahlen zu müssen scheint bisher kein Erfolgsmodell zu sein. Für mich hieße die Lösung, gut recherchierte Artikel einzeln mit bspw. 50 Cent zu begleichen. Ich denke, dafür wären die meisten User bereit, vor allem, wenn der Verfasser als neutraler, faktenbasierter Journalist (Vorbild: Hanns Joachim Friedrichs) anerkannt ist.

Weiterhin Emotionen anstelle von recherchierten Fakten schreiben wird den Niedergang der Presse beschleunigen.

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dertorsten 26.02.2019, 19:49
6. Ihr habt es halt versemmelt

Der große Gewinn des Internets war für mich, unterschiedliche Zeitungen lesen zu können und die Berichterstattung vergleichen zu können. Ich kann mir den gleichen Sachverhalt in der FAZ, der SZ, der Zeit bei Spon und sonstwo ansehen. Das ging lange Zeit auf für regionalen Content.
Dass ihr ein Problem mit dem lieben Geld habt, wenn alles kostenlos ist klar. Also habt ihr angefangen
- vieles hinter Paywalls zu verstecken
- vieles nur noch über Spielchen mit dem Google Referrer erreichbar zu habe
- eure Leser mit Usertracking zu bespitzeln und zu durchleuchten
- das liebevoll gestaltete Layout eurer Sites mit fiesen Werbeformaten unerträglich zu machen.

Dann seid ihr die Kostenseite angegangen. Ihr habt
- Redaktionen zusammengelegt, im Ergebnis blieb die Pluralität auf der Strecke. Ob ich die Rheinische Post oder das Solinger Tageblatt lese ist fast genau so egal, wie der Unterschied zwischen WAZ und Westfälischer Rundschau (falls es die noch gibt).
Ihr habt nicht verstanden, dass einfach rausgehauene Agenturmeldungen keinen Wert an sich bedeuten, die gibt es überall zu lesen. Ihr habt dieses idiotische Leistungsschutzrecht durchlobbyiert und euch dann gewundert, dass euch Google den Mittelfinger zeigt.

Die RP will 23,90 für einen Monat digitale Zeitung vor mir. Für den Zugriff auf die Website 5,00€ im Monat. Die Faz will 2,95 in der Woche - usw.... Damit macht ihr den grössten Gewinn, den das Netz für mich bedeutet hat - nämlich die Pluralität - kaputt. Die Leute werden nicht bei einem Medium bleiben, die wollen mehrere Zeitungen, Zeitschriften und Blogs lesen. Die werden aber nicht für jede Site einzeln bezahlen, never.

Die Verleger hätten von ein paar Jahren eine Flatrate anbieten müssen - für vielleicht 10-15 € im Monat werbefrei. Dann wärt ihr vielleicht wieder auf die Auflagenzahlen aus dem letzten Jahrtausend gekommen. Aber so wird das nichts. Ihr hättet euch nur über einen Verteilmechanismus einigen müssen (hey, habt ihr ja eigentlich schon - IVW)). Aber nee, jeder weint leise vor sich hin. Nun, Apple hat ja dann erkannt _wie_ tief die Branche im Dreck steckt und euch "ein Angebot gemacht das ihr nicht ablehnen könnt". Die 50% hättet ihr auch selber haben können - vor ein paar Jahren. https://www.theverge.com/2019/2/12/18222281/apple-news-subscription-service-50-percent-cut-publishers-media-deal

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juppi-o 26.02.2019, 19:50
7. Der Journalismus wird nicht sterben,

die gedruckten Ausgaben schon. Der SPIEGEL macht es doch vor. Bei Spon müssen immer mehr Artikel käuflich erworben werden. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen. Das muss nur noch ins Bewusstsein dringen. Ob man das gut findet oder nicht, wenn ich morgens beim Frühstück die Zeitung aufschlage, habe ich das Interessanteste schon irgendwo online gelesen, gesehen oder gehört. Positiver Nebeneffekt: es müssen weniger Wälder gefällt werden und der CO2-Ausstoss wird reduziert, von der Chemie in der Farbe ganz zu schweigen.

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three-horses 26.02.2019, 19:51
8. Die Wahl.

Zitat von Pfaffenwinkel
Warum also noch als E-Papier kaufen? Und genau das ist das Problem. Die Zeitungen konnten ja nicht schnell genug online gehen und haben damit zu ihrem Untergang selber beigetragen.
Man kann nur hoffen die Zeitungen, die Vielfalt stirbt nicht aus. Um die "Papier" Ausgabe weine ich schon lange nicht mehr. Muss echt nicht sein. Die Journalisten sollen aber weiter leben, auch wenn es so viele
sind. Ein Kultur Gut darf nicht aussterben. Die Unterstützung soll aber
so wie die ÖR zu stande kommen. Am Anfang nur das Grund Gehalt zu sichern. Nach ein, zwei Jahren kann man nach einem Kassensturz, es dann besser machen. So eine Abgabe ist hundert mal besser oder mehr, als die echt faule Politiker durchzufüttern.

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Schartin Mulz 26.02.2019, 19:55
9. Ich gehöre ja

immer noch zu den treuen Zeitungsabonnenten. Lese jeden Morgen beim Frühstück meine Tageszeitung. Dass cih da mit dem Smartphone oder Tablet sitze, kann ich mir nicht vorstellen.
Ok, bin natürlich nicht repräsentativ.
Ich lese auch die Online-Angebote meiner Tageszeitung. Soweit sie kostenfrei sind. Dass ich jetzt zu meinem Abopreis auch noch für die online-Seiten zahle, sehe ich nicht ein. Wäre vielleicht ein Punkt, über den man nachdenken könnte: Wer ein Abo hat, nutzt auch das Online-Angebot umsonst.
Ansonsten fällt durch die Online-Seiten immer mehr die Standardisierung der Berichterstattung auf. Will man mal eine zweite Meinung einholen, findet man auf den meisten Seiten exakt dieselben Artikel. Schade.
Hier im Ruhrpott ahben wir übrigens immer noch 2 Tageszeitungen, die WAZ und die NRZ. Beide aus dem gleichen Hause und mittlerweile mit fast identischen Beiträgen. Da könnte man sicher wirklich mal was einsparen.
Die Idee, ländliche Gebiete nicht mehr mit Druckerzeugnissen zu versorgen, halte ich dagegen für diskriminierend. Zumal da oft auch schwaches Internet ist. Wollen wir neue Hinterwäldler züchten?

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