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Zeitungssterben: Das Jahr 2019 wird bitter
imago/ Future Image

Journalismus in der Krise: Geschäftsmodelle von Traditionshäusern wie DuMont brechen weg, jungen digitalen Angeboten fällt es schwer, neue zu entwickeln. Was geschieht, wenn sich die gedruckte Zeitung verabschiedet?

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exHotelmanager 27.02.2019, 00:25
110. Verzweifelt

staunt der Zeitungsleser über die Ratlosigkeit der sonst so eloquenten Herausgeber. Einfallslos versuchen Tageszeitungen, das vergleichsweise flächige Print-Layout als PDF oder in ähnlichen Formaten dem Leser aufs Tablet und Smartphone zu bringen. Dass das nichts wird, erkennt man bei dem Versuch, ein solches Werk flüssig zu lesen.
Neues Denken braucht das Land - der Zeitungsdrucker hat sein Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten.
Der Versuch, nun Abonnements zu erzwingen, um einen einzigen Beitrag lesen zu dürfen, muss ebenfalls scheitern. Man hätte vor 30 Jahren das aus dem BTX Erlernte ausbauen können. Jetzt hilft nur noch die Aufgabe, nicht mehr die Ausgabe. Gute Nacht, Presse.

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DJ Doena 27.02.2019, 00:48
111.

Die Washington Post will 6$ pro 4 Wochen mit Werbung, 9$ ohne Werbung.

Die New York Times verlangt sogar nur $4 für 4 Wochen.

Die Zeit will 20€ für 4 Wochen. Genau wie der Spiegel.

Wenn die deutschen Verlage sich mal zusammen tun würden und sagen würden, "für 20€ im Monat kann man Spiegel, Zeit und Welt im EPaper lesen", dann ließe sich ja darüber nachdenken.

Viele Artikel sind eh identisch, weil schriftliche Variationen der dpa-Nachricht.

Und bei den selbst-recherchierten Sachen liest man schon interessehalber nie alles, sondern nur die Themen, die einen interessieren.

Aber das würe ja Flexibilitär seitens der Verlage verlangen.

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Dunkeltier 27.02.2019, 00:48
112.

Ist das verwunderlich? Augenreizende Werbung die selbst mancher Abonnent zu Gesicht bekommt (und schon manch einen Rechner mit Schadsoftware infiziert hat), Paywalls, Clickbait, Skandale oder tendenziöse Berichterstattung... Warum sollte ich noch für etwas bezahlen, wenn ich es überall anders umsonst und zum Teil nicht so einseitig bejubelt lesen kann? Mit ein Grund wieso ich keine Zeitung (Rheinische Post, Welt) und Wochenmagazine (Spiegel, Focus) mehr kaufe. Noch dazu die Kommentar-Spalten, wo gerne alles was gegen die Redaktions-interne Meinung geht, weggefiltert wird. Heute wird nicht mehr von Staats-wegen zensiert, sondern von den Medien. Filterblase 2.0.

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Statler-Waldorf 27.02.2019, 01:15
113.

SPON hatte mit LaterPay einen sehr guten Weg eingeschlagen. Mikropayment für einzelne Artikel ist die Lösung! Das wurde zu meinem äußersten Missfallen aufgegeben zugunsten eines viel zu teuren Abonnements. Zu teuer deshalb, weil der Mehrwert gegenüber den mannigfachen kostenlosen Angeboten viel zu gering ist.

Liebe Nachrichtenmedien, bitte hört alle zusammen auf, Inhalte zu verschenken, und widersteht der Versuchung, mit überteuerten Abos Kunden an euch zu binden und von der Konkurrenz fernzuhalten. Das funktioniert nicht mehr! Niemand will sich mehr auf EINE Quelle reduzieren, so wie man früher EINE Tageszeitung abonniert hat. Ich möchte die Vielfalt der weltweiten Angebote ausnutzen und pro Tag 3 Artikel von dieser, 5 Artikel von jener Online-Zeitung lesen. Selbstverständlich zahle ich auch gerne dafür, aber euer Spiegel+ könnt ihr euch sonstwo hinstecken, das mache ich nicht mit.

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vallassi 27.02.2019, 01:23
114. Meinungsvielfalt

benötigt vielfältige Medien. Die journalistische Vielfalt ist nur noch eine Erinnerung, die einen Säufzer hervorruft, wie bei allen Dingen, die man einst geliebt hat und nun schmerzlich vermisst. Es ist kalt, grau und leer.

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Vallecas 27.02.2019, 01:29
115. Online-Presse

Die Frage, die sich stellt ist doch die Folgende: Wer ist bereit für eine gedruckte Ausgabe einer Zeitung etwas zu bezahlen, wenn er 5-10 verschiedene Zeitungen via Internet "umsonst" lesen kann? Wenn diese Ausgaben alle ein ABO wären, sähe es eventuell anders aus. Allerdings nur eventuell, da man ja per PC/Smartphone immer Zugriff hat, v.a. auf verschiedene Zeitungen auch ausländische. Gehen Sie mal "auf dem Land" in ein Geschäft und versuchen sie die aktuelle Ausgabe einer Zeitung aus Italien, Frankreich, etc zu erhalten. Das gilt übrigens auch oft für die überregionalen Zeitungen. Schon klar, daß es sich nicht rechnet, diese Ausgaben immer "parat" zu haben, aber eine Konkurrenz für das Internet besteht dann eben auch nicht mehr.

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kommgeh 27.02.2019, 01:35
116. ich hab sie gewarnt

ich hab die alle schon vor über 10 Jahren gewarnt und angemahnt sich nicht sicher zu fühlen. Ich war in Berlin eingeladen über die Entwicklung von e-Paper vor allen Verlagsleitern der großen deutschen Zeitschriften zu sprechen. Achselzucken überall. Ratlosigkeit - grad auch bei Dumont weil denen damals schon die Anzeigenkunden - hin zu Onlineportalen - weggelaufen sind. Das war der erst und sehr deutliche Warnschuss. Aber ein Verlagshaus das nicht beherzt im Markt agiert, neue Wege konsequent geht und altes Denken über Bord wirft endet eben genau da wo Dumont jetzt steht. Meinerseits also keine Trauer über das Resultat eines selbstgefälligen und trägen Managements

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luna_dan 27.02.2019, 02:22
117. Selbst verschuldet

Ich habe 35 Jahre als Lokalredakteur für eine mittelgroße Regionalzeitung gearbeitet. Bis heute habe ich zwei Tageszeitungen (regional und TAZ) und den Spiegel abonniert, darüber hinaus eine klassische TV-Programmzeitschrift und das Arte-Magazin. Ich nutze täglich intensiv das Nachrichtenangebot der öffentlich-rechtlichen TV-Sender und bin auch regelmäßig online unterwegs. An der Entwicklung der vergangenen 20 Jahre haben die Zeitungsverlage in großem Maße selbst schuld. In der Anfangseuphorie des Internets haben die bescheuertsten unter ihnen das eigene, für Print produzierte Material schon am Vortag eins zu eins online gestellt und sich tags darauf sogar noch in der gedruckten Zeitung dafür gefeiert. Damit wurde dem Abo-Zahler vermittelt, dass er eigentlich ein Idiot ist, wenn er dafür noch bezahlt. Mit dem Rückgang der Abos und dem Einbruch der Werbeeinnahmen ging eine kontinuierliche Erhöhung der Abo-Preise für die Printausgaben einher. Für wirtschaftliche Formen der Online-Verwertung gibt es bis heute bei den meisten Verlagen keine angemessene Lösung. Um den Kostendruck aufzufangen, hat man das redaktionelle Angebot Zug um Zug ausgedünnt - auf Kosten der Qualität. Agentur-Einheitsbrei, keine wirklich tief gehenden, eigenen redaktionellen Beiträge mehr, weil den Kolleginnen und Kollegen schlicht die Zeit dafür fehlt, und ein miserables Korrektorat haben den Prozess dramatisch beschleunigt. Meine Prognose: In wenigen Jahren wird es die traditionellen Printangebote kaum mehr geben. Viele Verlage werden dann komplett kaputtgehen, weil sie es auf allen Ebenen sträflich versäumt haben, ihren Kunden plausibel zu vermitteln, dass guter Journalismus - auch im Internet - seinen Preis hat. Inzwischen sind Generationen von Mediennutzern herangewachsen, die gar nichts anderes kennen, als dass im Internet alle Informationen kostenlos zu haben sind. Wie diese zustande kommen, wie verlässlich sie sind und was mit den eigenen Daten geschieht, danach fragen sie nicht.

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Sugarwalker 27.02.2019, 05:49
118. Keine Überraschung

Da Informationen jedem, jeder Zeit kostenlos zur Verfügung stehen, warum noch etwas kaufen.
Wenn kaum noch gedruckte Zeitungen verkauft werden, ist das eben der Beitrag der Presse zum Klimawandel.
Vielleicht bessert sich dadurch auch die Grundstimmung der Deutschen, wenn weniger alles schlecht schreiben (siehe Diesel-Debatte oder Konjunktur).

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markus_wienken 27.02.2019, 05:52
119.

Zitat von fredderfarmer
wäre eine unabhängige(!) Tageszeitung, die nicht mehr als 0,50 Cent kostet. Alles andere ist nicht konkurrenzfähig.
Ich denke nicht, dass es eine Frage des Preises ist.
Die Zeiten ändern sich, ich lese die Schlagzeilen und den einen oder anderen Artikel auf dem Tablet zum Kaffee bevor ich ins Büro gehe. Wollte ich eine Zeitung "richtig" lesen, müsste ich (wie mein Vater früher) früher aufstehen, mache ich aber nicht.
In der Mittagspause lese ich im Büro dann weiter. Lokales und Sport interessiert mich rein gar nicht.
Andere schauen sich die Nachrichten im Frühstücksfernsehen an statt Zeitung zu lesen.
Abends nach der Arbeit möchte ich auch keine Zeitung mehr lesen.
Ist der normale Lauf der Zeit, Medienkonsum ändert sich halt und die Tageszeitung wird verschwinden.

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