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Zeitungssterben: Das Jahr 2019 wird bitter
imago/ Future Image

Journalismus in der Krise: Geschäftsmodelle von Traditionshäusern wie DuMont brechen weg, jungen digitalen Angeboten fällt es schwer, neue zu entwickeln. Was geschieht, wenn sich die gedruckte Zeitung verabschiedet?

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The Independent 27.02.2019, 06:04
120. @Markus Brauck

"Sondern Stadträte, über deren Arbeit niemand mehr berichtet. Bürger, die über ihre Gemeinde nichts mehr erfahren. Eine WhatsApp-Gruppe macht noch keinen Journalismus."

Dieser Teil ist insofern Unsinn, als dass sich zumindest das Geschäftsmodell der Anzeigenblätter rechnet: Auch wenn sie im direkten Vergleich weniger redaktionellen Aufwand als die Lokalteile der klassischen (städtischen oder regionalen) Zeitungen betreiben, so informieren diese (kostenlos an die Haushalte verteilten) Blätter zumindest über lokale Themen, von der Umgehungsstrasse, über den aktuellen Preisträger der örtlichen Klempner-Innung, bis hin zum Pro und Kontra des Anbringens von Vogelkästen im Winter.

Solche Artikel haben zwar selten eine preisverdächtige Schreibe, sie decken aber als wöchentlich wiederkehrende (und vom Briefkasten nur mit Mühe fernzuhaltende) Pamphlete zumindest einen guten Teil der lokalen Geschehnisse ab. Und da stimmt (bei manchen - mit 12 Jahren Unterbrechung - seit 1926 bzw. 1931) immerhin das Geschäftsmodell, denn die Zahl der Werbeannoncen unddie Zahl der Kleinanzeigenkunden sind bei den noch existierenden Blättern offensichtlich auf einem Niveau, das das Überleben garantiert.

Viele Zeitungen gingen übrigens aus den Anzeigenblättern des 19. und 18. Jahrhunderts hervor. Vielleicht haben letztere, angesichts der sich ändernden Seh-/Lesegewohnheiten der jüngeren Generation wohl doch das bessere Geschäftsmodell. Auch wenn alle, die ich kenne, die Dinger sofort zum Altpapier geben oder damit die Fenster putzen, scheinen diese als (Klein-)Anzeigenplattformen nach wie vor noch zu funktionieren.

Und im Internet gibt es nicht nur die Online-Versionen dieser Anzeigenwaschblätter, sondern auch reine Online-Portale, die von der Nachbarschaftshilfe-/Community mit News und Terminen aus dem Stadviertel bis hin zur reinen Lokalnachrichtenseite reichen, entweder anzeigenfinanziert, oder als quersubventioniertes Projekt eines Vereins oder einer Agentur.

Vielleicht müssen sich die klassischen Verlagshäuser mal einfach auf den Hosenboden setzen und neue, tragfähige Geschäftsfelder entwickeln, oder ihr bestehendes Konzept so überarbeiten, dass es tragfähig ist (oder wieder wird), anstatt das Drohbild eines vermeintlichen WhatsApp-Journalismus zu entwerfen.

In der Zukunft gibt es vielleicht nur noch News über das Internet. Denn vielleicht werden auch die klassischen Free-TV-Fernsehsender irgendwann dazu übergehen, einen Mix aus Werbung, Entertainment und News nur noch über das Internet anzubieten, weil dann die Infrastruktur der terrestrischen und kabelgebundenen Sender mit den (wenigen) verbliebenen Zuschauern nicht mehr finanziert werden kann.
Und vielleicht wird die Politik irgendwann auch die ÖR-Zwangsgebühren abschaffen, sodass die öffentlich-rechtlichen Anstalten nur noch kleine Internetauftritte fahren könnten und sich auf Fernsehen/Streams konzentrieren, was den Verlagen dann auch wieder mehr Luft zum atmen lassen würde).

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BSC 27.02.2019, 06:09
121. Zeitungen

Leider wird das Sterben weiter gehen. Warum muss auch ein unter Mindestlohn arbeitender Mofa Fahrer morgens um fünf Uhr Papier vorbei bringen, welches am Tag danach weggeworfen wird? Auch Magazine wie Spiegel, Stern und co. wird es bald nicht mehr geben. Online kann überleben, wenn das Niveau gehoben wird und die deutschen Journalisten die arrogante Art ablegen, Meinung und Politik zu machen anstatt zu berichten. Ich mag den spiegel und SPON, aber leider muss ich so häufig den Kopf schütteln, so viel Unfug muss ich lesen. Die journalistische Ausbildung muß besser werden, aber das ist ein anders Thema. Kurz:Lehrt Journalisten Inhalt, nicht wissen über wer ist wer, also eher Verwaltungswissenschaften, Staatsrecht, Sozialsysteme, etc, da hat fast kein Journalist Ahnung, leider. Von BWL und Jura ganz zu schweigen.

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markus_wienken 27.02.2019, 06:39
122.

Zitat von julian_b
eines ehemals stolz in Berufs. Wenn man nur bei anderen abschreibt, braucht man sich auch nicht zu wundern. Staatsmedien benötigt niemand!
Hmm...
Wenn ich mir das Zeitungsspektrum so ansehe, von Links (Taz, der Freitag) bis Rechts (Cicero, Junge Freiheit) so ansehe ist da nichts mit abschreiben und Staatsmedien schon gar nicht.

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markus_wienken 27.02.2019, 06:41
123.

Zitat von boniem
Also ganz ehrlich, von Journalisten erwarte ich ein bisschen mehr Selbstreflektion und konkretere Lösungsansätze über die es sich lohnt hier zu debattieren.
Von Journalisten erwarte ich Berichterstattung, gerne auch mal einen Kommentar/Kolumne.
Lösungsansätze erwarte ich von Politikern und den Fachleuten.

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ripton 27.02.2019, 06:44
124.

Richtig so. Weg mit dem gedruckten Papierkram. Diese Anzeigenblätter werden nicht gelesen und landen gleich im Müll. Zudem werden für die Papierherstellung Unmengen an Wasser verbraucht. Von den Transportkosten ganz zu schweigen. Auch für die Altpapierherstellung werden Unmengen an Wasser verbraucht und der Transport zur Wiederaufbereitung ist nicht unerheblich. Und die Druckfarben sind Sondermüll. Hier fallen tonnenweise Sondermüll an. Auch nicht zu vergessen sind die eingesetzten Lösemittel. Dies betrifft nicht nur die Zeitungen, sondern die Druckindustrie und der angeschlossene Maschinenbau gleich mit. Da ist die Feinstaubdisskussion noch das kleinere Übel. Noch so ein Sommer wie 2018 und die Wasserknappheit ist wieder in aller Munde. Respekt vor den jungen Leute die auf die Straße gehen und demonstrieren. Friday for Future. Es sind ja nicht nur fünf sondern Hunderttausende. Informationen kann man digital verarbeiten und unter die Leute bringen. Da braucht man nun mal keine Druckindustrie mehr. Die Generation 60+ sollte nun mal mehr mit der Zeit gehen. Denn hier fällt nun mal das Gros des ganzen Papierkrams an.

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ripton 27.02.2019, 06:47
125.

Richtig so. Weg mit dem gedruckten Papierkram. Diese Anzeigenblätter werden nicht gelesen und landen gleich im Müll. Zudem werden für die Papierherstellung Unmengen an Wasser verbraucht. Von den Transportkosten ganz zu schweigen. Auch für die Altpapierherstellung werden Unmengen an Wasser verbraucht und der Transport zur Wiederaufbereitung ist nicht unerheblich. Und die Druckfarben sind Sondermüll. Hier fallen tonnenweise Sondermüll an. Auch nicht zu vergessen sind die eingesetzten Lösemittel. Dies betrifft nicht nur die Zeitungen, sondern die Druckindustrie und der angeschlossene Maschinenbau gleich mit. Da ist die Feinstaubdisskussion noch das kleinere Übel. Noch so ein Sommer wie 2018 und die Wasserknappheit ist wieder in aller Munde. Respekt vor den jungen Leute die auf die Straße gehen und demonstrieren. Friday for Future. Es sind ja nicht nur fünf sondern Hunderttausende. Informationen kann man digital verarbeiten und unter die Leute bringen. Da braucht man nun mal keine Druckindustrie mehr. Die Generation 60+ sollte nun mal mehr mit der Zeit gehen. Denn hier fällt nun mal das Gros des ganzen Papierkrams an.

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rstevens 27.02.2019, 07:00
126. Richtig teuer

Wundert mich nicht. Die Printabos werden immer teurer. Onlineangebote sind ohne abblocker kaum zu lesen, der Anteil der Inhalte zwischen der aufdringlichen Werbung nimmt immer weiter ab. Beim KSTA ist vieles nur mit Registrierung zu lesen, Logins merkt sich das Portal aber nur selten, die Ladezeiten sind durch den ganzen Müll furchtbar. Nur wenige Zeitungen haben gute Onlineausgaben, viele sind einfach schlecht und lästig zu bedienen. Selbst bezahlartikel sind auf den onlineauftritten massiv mit aufdringlicher Werbung vollgestopft. Die Menge der „warum xyz“ Artikel, die einfach nur schlecht sind, nimmt stetig zu. Und so weiter.

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trex#1 27.02.2019, 07:16
127.

Alles ist im Fluss, dem ständigen Wandel unterworfen. Die Zeit der Printmedien ist vorbei. Das ist so und nicht zu ändern. Wir erleben den Niedergang, so wie Kohlekraftwerke und Diesel keine Zukunft haben.
Die Zukunft ist digital. Als ich vor 30 Jahren mit S-Bahn oder Straßenbahn fuhr, lasen viele Leute Zeitung. Heute sind es nur ganz wenige Exoten, die in der Bahn eine richtige gedruckte Zeitung lesen. Kaum jemand vermisst sie noch. Nachrichten gibt es kostenlos, Meinung hab ich selbst, investigativer und unabhängiger Journalismus ist vorbei. Die Mehrheit der Fahrgäste wischt auf dem Smartphone rum, dem Medienzentrum für die Jackentasche.

Freuen wir uns auf eine spannende Zukunft ohne Printmedien. Die Umwelt wird es danken.

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Marib 27.02.2019, 07:22
128. und das zu recht.

Ihr habt es verpasst die Generation abzuholen die es mag die Fakten zu überprüfen und nicht jedes gedruckte Wort für bare Münze zu halten. Die Zeiten der ungeprüften, sensationellen Artikel ist vorbei.
Es ist schon hart dreist in so einem Artikel von einem korrupten Konzept der Musikindustrie zu schwärmen und davon zu träumen eine weitere Haushaltsabgabe für Zeitungen zu errichten, wenn das korrupte Konzept der ehemaligen GEZ jetzt schon nicht funktioniert. Darüber berichten tut ja auch niemand, wäre aber auch scheinheilig, denn große Verlagshäuser betreiben ja schon seit Jahren massive Lobby Arbeit um Unsinn wie das Leistungsschutzrecht oder jetzt eben Artikel 11 + 13 in der EU durchzudrücken.

Qualität wird gekauft, ich freu mich darauf, wenn die Bild + Co endlich untergeht.

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sabrina74 27.02.2019, 08:03
129. Bei aller Kritik ...

... an "den" Medien (die es aufgrund der momentan noch herrschenden Vielfalt gibt), die Ursache liegt wie immer im Konsum: Wenn ich heute eine Meldung mit der Überschrift "20 Kilo abnehmen in 3 Tagen" poste, habe ich tausende Klicks. Bei einer sachlichen Headline nur einen Bruchteil davon. Und die Industrie investiert ihr Werbebudget fast ausschließlich nach "Klicks". Da werde ich wohl als Medienunternehmen künftig vermehrt solcher Schrottmeldungen mit reisserischem Inhalt veröffentlichen - bringt Geld, spart Arbeit. Und irgendwann wird der Leser eben nur noch das bekommen, was ihn vermeintlich "interessiert". Es ist wie bei der Ernährung: Alles schreit nach vernünftiger Tierhaltung und kauft dann doch das Billig-Hack aus der Theke. Die Presse als wichtiges Kontrollorgan (wie war das beispielsweise mit Panama-Paper) mit ihrer wichtigen Arbeit im Hintergrund der Gesellschaft wird auch durch mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Industrie (diese hat mit ihrem Werbebudget schon immer die Presse zu 80 Prozent finanziert) zerstört. Bald wird es also nur noch Brot und Spiele für die Bevölkerung geben - Trash anstatt seriösen Journalismus. Das passt zwar in die Zeit, ist aber doch unendlich traurig ...

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