Forum: Kultur
Zeitungssterben: Das Jahr 2019 wird bitter
imago/ Future Image

Journalismus in der Krise: Geschäftsmodelle von Traditionshäusern wie DuMont brechen weg, jungen digitalen Angeboten fällt es schwer, neue zu entwickeln. Was geschieht, wenn sich die gedruckte Zeitung verabschiedet?

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pck2 27.02.2019, 13:56
160. @157 Betreuung

Sehe ich genauso, insbesondere was die nicht zentrale Steuerung und den von Ihnen am Ende beschriebenen Teufelskreis betrifft. Mein Eindruck ist weiter, daß von denjenigen, die sich tagtäglich über "Betreuung" durch Journalisten, Politiker, etc. aufregen, sei es zu recht oder unrecht, ein hoher Anteil rein gar nichts gegen betreutes Twittern oder Bloggen hat, Stichwort "Filterblase". Die eigene Seite ist von der Kritik praktisch immer ausgenommen.

Was also den Vertrauensverlust in die Medien betrifft, da würde ich auch den Leser/Konsumenten mehr in die Pflicht nehmen, denn wenn man sich selbst keine Verantwortung für den eigenen Informations- und Bildungsstand zuschreibt, dann verwirkt man auch das Recht, sich über "Betreuung" zu echauffieren.

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claudiaberlin 27.02.2019, 15:32
161. Selber schuld!

Das Geschäftsmodell im Netz funktioniert also nicht - ja klar, wenn man es hartnäckig und beratungsresistent immer nur entlang an den eigenen Interessen gestaltet!
Seit Mitte/Ende der 90ger fordern Leser Bezahlmöglichkeiten pro Artikel und/oder eine Flatrate quer über viele relevante Medien. Aber was machen sie? Teure Digitalabos, die davon ausgehen, dass man mit nur ein bis zwei Medien zufrieden oder stinkreich ist! SO WIRD DAS NICHTS!!!

Auch Blendle war nicht etwa eine gute Lösung für Einzeln-Zahler, sieht man ja auch daran, dass sich etliche wieder rausgezogen haben. Ist ja auch unsinnig, dort zu zahlen, wenn der Artikel 1 Tag später kostenlos im Web steht - wer das ein paarmal erlebt hat, macht Schluss mit Blendle. Es braucht Zahlmöglichkeiten auf jedem einzelnen Artikel - ohne Bindung, ohne Bespitzelung, ohne Werbung auf dem Artikel. Warum soll das bittschön nicht gehen?

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hurted 27.02.2019, 15:51
162. Betreutes Denken und andere Ursachen

Viele der angesprochenen Themen sind mitschuldig: a) die wegfallenden Leser potenzieren sich mit den wegfallenden Werbeeinnahmen, weniger Leser, weniger Einnahmen per Abo, weniger Einnahmen per Werbung b) Faktenchecks fallen schwerer, weil der Leser Unmittelbarkeit verlangt und man sonst mit dem Internet nicht mithalten kann c) online Abos sind zu teuer für Wenigleser oder Vielleser von mehreren Zeitschriften d) Clickbait in Spiegel-Online: viele Artikel sind reine Provokation um Klicks und Kommentare zu generieren, das sind effektiv nur noch Blogbeiträge von Privatpersonen, die ihre Meinung veröffentlichen und eben e) "Haltungsjournalismus": es kommt mir vor, die einzigen die noch für den Lohn bereit sind zu arbeiten, das sind die Social-Justice-Warriors, die v.a. ihre Meinung in die Welt hinausposaunen wollen. Aber wenn ich mir von jemandem, der ein Journalismusstudium mit Überlänge absolviert hat in herablassender Art die Welt erklären lassen soll, wenn die Ahnungslosigkeit der schreibenden Person aus jedem Absatz tropft und mit umso erhobenerem Zeigefinger ausgeglichen wird, wenn ich in den manchmal (!) erlaubten Kommentarspalten erst die Informationen bekomme, die eigentlich in den Artikel gehören und Teil der Recherche sein müssten - dann bin ich schließlich für so ein Produkt nicht bereit Geld auszugeben. Die NZZ lese ich noch gerne weil der Zeigefinger fast nicht spürbar ist oder wenn, dann zwei gegensätzliche Meinungen simultan, nebeneinander veröffentlicht werden, ebenso habe ich Fachzeitschriften abonniert, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, also das wovon sie eine Ahnung haben.

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