Forum: Kultur
Zentraler Konflikt unserer Zeit: Das Alte kämpft gegen eine Zukunft, die längst begon
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Unsere Gesellschaften verändern sich so fundamental, da wirkt die Frage nach Merkel oder Schulz leicht lächerlich. Sie passt aber zur Außenwahrnehmung von Deutschland: Verschließen wir uns vor dem Neuen in der Welt?

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nomadas 03.09.2017, 14:19
20. Fortschrittsglaube

Das "Unsichtbare Komitee" hat es auf den Punkt gebracht, das ewige Fortschreiten zum vermeintlich Besseren. Es ist das Herzstück des Kapitalismus, der "Höllenkreislauf": Neues erfinden, produzieren, vermarkten, Profit erzielen, wegwerfen -da capo-. Dazu braucht es die Klügsten der klugen Köpfe, die, die in den Elitezuchtanstalten früh aussortiert werden, so, dass man die "crème de la crème" auch bekommt. Diese gekaufte Minorität bekommt alles, was sie will an Forschung & Entwicklung. Jede Summe Geld wird zur Verfügung gestellt. So entstehen die Kreisläufe von der Idee bis zum Müll in scheinbar ewigen Zyklen. Dieses "Herz" des Paradigmas schlägt jetzt aber nicht mehr ruhig. Der switch vom fossilen Zeitalter zum digitalen Zeitalter holpert, gewaltig. Die Massen, die Kunden, die Verbraucher, eine zwangsläufig notwendige Variable im irren business planning, gehorcht nicht mehr so "planmässig", wie stets 100% erwartet. Die klassische und die operante Konditionierung stocken. Die "Pawlow`schen Hunde" bellen und die "Skinner-Täubchen" fliegen aufgescheucht umher. Tja, so hat man sich das "Modell Welt 4.0" nun aber nicht vorgestellt, im harvard management summary. Alles andere hat schon Max Weber gewusst: Jede formale Organisation tut alles, um sich sebst zu erhalten. Und die grundsätzliche Resistenz gegen Veränderung erklärt uns die Evolutions-Psychologie schon lange. Im Kern sind wir quasi heute an einer "Sollbruchstelle" angelangt, aua, tut weh! Und eine satte, alte, träge, dekadente Ego-Spassgesellschaft im Vollbeschäftigungsmodus überzeugt keiner vom Roboter, vom Ende des PKW und von der sprechenden Waschmaschine. Denkt man das alles bis ans Ende, dann muss es bald wenige "smart peoples" und viel "Menschenmüll" geben. Das kann niemals friedlich über die Bühne gehen. Das Thema "Klimawandel" sei hier mal bewusst aussen vor. Merkel oder Schulz? Lächerlich!

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luny 03.09.2017, 14:21
21. Die Kandidaten

Hallo Herr Diez,

Sie schreiben:

"die Macht der Beharrung gegen die Notwendigkeit der Veränderungen, der Angriff des Alten auf ein Morgen, das längst begonnen hat, eine Zukunft, die unser Leben und unsere Welt längst bestimmt, ob wir es wollen oder wahrhaben wollen oder nicht."

Deshalb ist es seitens der CDU/CSU/SPD ein grandioser Fehler,
ausgerechnet diejenigen als Bundeskanzlerkandidaten auszu-
suchen, die rückwärts gewandt sind und ein "weiter so" propagieren,
wenn auch mit leicht unterschiedlichen Akzenten.

Nichts bleibt so, wie es ist. Früher nannte man das "Fortschritt"
und war positiv besetzt.

Jetzt wird jede Veränderung als latente Bedrohung empfunden,
weil es der selbsternannten politischen "Elite" nicht gelingt,
zu AGIEREN, sie kann nur REAGIEREN.

Sie klebt an ihren Sesseln und NICHTS bewegt sich vorwärts.

Wenn nun die Frage kommt: WER soll es denn machen?

Das ist mir persönlich EGAL, jedenfalls nicht diejenigen, die bislang
keine Erfolgsbilanz vorweisen können.

LUNY

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DMenakker 03.09.2017, 14:28
22.

Zitat von advocatus diaboĺi
das Alte, Bestehende ist per se schlecht, das Neue, sich Verändernde ist per se gut, wir haben es anzunehmen und es zu akzeptieren. Ein intellektuelles Armutszeugnis Herr Diez. Wirklich intellektuelle Denker brauchen nicht die Phänomene der Welt zunächst in gegensätzliche Schächtelchen zu packen, sondern sind in der Lage jedes Phänomen zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu beschreiben. Was Sie tun ist eines Intellektuellen unwürdig. Aber auch weniger intellektuell eingestellte Foristen durchschauen diese Masche: das eigene vorgefertigte Weltbild mit viel leeren und beliebigen Floskeln unter die die Leser zu bringen. Das wird nicht gelingen.
Was Sie beklagend beschreiben wäre schon erbärmlich genug und eines "Kritikers" mehr als unwürdig.

Diez geht leider noch einen Schritt weiter. Er starte die lange geschlagenen ( und von ihm verlorenen Schlachten ) neu und erklärt die Unterlegenen von gestern zur "Neuerung" von heute, welche sich ja unbedingt durchzusetzen hätte.

Natürlich kann er es gar nicht anders sehen, da das wirklich neue ihn und seine verkopfte, nicht alltagtaugliche Theorielastigkeit relativ böse hinwegfegen wird.

Laberbacken mit Hornbrille gegen allumfassende Digitalisierung. Es wird ein Gemetzel geben. Und die schwächsten der Intellektuellen, zu denen Diez zweifelslos gehört, werden die ersten " Opfer" sein. Die stehen dann relativ derdeppert da, warten immer noch auf die Front, die ja von hinten kommt, nicht realisierend, dass diese schon mit aller Gewalt über sie hinübergerauscht ist. Frage ist nur: Wer trösted die dann`?

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rusting 03.09.2017, 14:32
23. bliebe die Frage...

...wo Herr Diez außerhalb Deutschlands den so ersehnten Fortschrittsglaube verwirklicht und weniger regressives Verhalten sieht. in Polen? in China? in den USA? oder doch in Venezuela. ach was sage ich, alles Quatsch, er meint Nordkorea und die Türkei

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Gerixxx 03.09.2017, 14:34
24.

Was soll denn nun konkret das Neue und Alte sein ?

Nehmen wir nur zwei Erscheinungen, die in Ihrem Text angedeutet werden: die Flüchtlinge allerorten und die weißen rassistischen Angstwutbürger in Charlottesville.

Unsere Macht- und Vermögenseliten (und ja - auch Geisteseliten - zumindest die, die die Medien beherrschen) haben an beiden einen entscheidenden Anteil: sie haben die Flüchtlinge durch ihre geopolitischen Kriege, ihre Waffenlieferungen und Regime Changes entscheidend mit herbeigebombt und gedrohnt. Und weggeschaut bei den Millionen Toten, Versehrten devastierten Landschaften und failed states…

Den Rest gibt z.B. in Afrika eine u.a. von der EU erzwungene wahnwitzige Wirtschaftspolitik: Freihandel, wo Schutz für junge Industrien angesagt wäre, landgrabbing, Steuervermeidung unserer Großkonzerne, statt Steuerzahlungen vor Ort, Abwerbung gut qualifizierter Kräfte von dort zu uns, zur Not per Einwanderungsquoten, statt sie vor Ort zu lassen, damit sich die Lage bessert. Umwelt- und Sozialdumping usw. allerorten...

Und Charlottesville ist ein ganz alter Hut: wo Menschenmassen nach unten durchfallen und die Angst alles verschlingt, da ist Hass, Rassismus, Gewalt und Terror nicht mehr weit. Aber die absteigenden Mittelschichten werden eben als Collateral Damage allein gelassen - wenn man den vergöttlichten Markt und guten Egoismus des Einzelnen zum einzigen Ordnungsprinzip und zur Handlungsmaxime macht...

Aus den zwanziger Jahren inkl. 1929-33 hat man nichts, aber auch gar nichts gelernt - das tote Pferd einer Wirtschaftsideologie wird weiter geritten bis alles in Scherben liegt. Die Masse der Mitbürger ist schlicht und einfach überfordert mit der Daseinsvorsorge und dem planlos erfundenen auf sie hereinstürmendem Neuen (wer braucht Flüge zum Mars, Gentechnologie, künstliche Intelligenz und endloses Leben, totale Digitalisierung des Alltags inkl. Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten, wenn unsere Gesellschaft nicht im Geringsten darauf vorbereitet ist ???)

So gesehen gibt es überhaupt nichts Neues - sondern es sind ganz alte Hüte für die die Menschheit und Gesellschaft noch immer keinen angemessenen Umgang oder Lösung gefunden hat......

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PaulZ 03.09.2017, 14:40
25. Captains-Panik auf der Titanic

Im Grunde läuft es darauf hinaus: Solange sich die menschliche Natur nicht ändert, wird das Neue immer nur ein Neuaufguss des Alten sein. Und alle haben panische Angst, dass sie in den Machtverhältnissen und Hierarchien der neuen Welt nach unten rutschen. Und wenn man sich ansieht, wie die Leute ganz unten behandelt werden (Dritte Welt, Migranten, Prostituierte, Obdachlose, Arme) gibt es gute Gründe, panische Angst zu haben. Als Kapitän der Titanic lebt mal länger, als Galeerensklave stirbt man länger, selbst wenn die Galeere sämtliche Eisberge umschifft.

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luny 03.09.2017, 14:40
26. Interessante Frage

Zitat von Höhe
Die Änderungen werden gewaltig sein, und wie immer wird die Gesamtrichtung überlagert von einem Hin und Her, einem Vor und Zurück. Wer also nur auf das Heute starrt, registriert die Gesamtrichtung nicht. Ihr Wunsch nach Vorne zu blicken ist daher ambivalent: Wie weit wollen Sie denn nach Vorne blicken? Ihre Pläne wirken eher kurzfristig.
Hallo Höhe,

wie weit schaut jemand nach vorne? Das ist tatsächlich eine
interessante Frage.

Die Gesamtrichtung zu erkennen, ist gar nicht so einfach.

Persönlich vertraut man auf die Erfahrungen, die man gemacht hat
und hofft, für die Zukunft die richtige Entscheidung zu treffen.

Wissen kann man das freilich nicht, denn die Rahmenbedingungen
können sich jederzeit ändern.

Wenn man den Wunsch hegt, alles solle so bleiben, wie es ist,
steht man still und kommt nicht vorwärts.

LUNY

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localpatriot 03.09.2017, 14:41
27. Im Zentrum eines Orkans

In Deutschland herrscht politische Windstille. CDU und SPD sind im Scheinwahlkampf und die Politik welche in Europa wie eine Fliehkraft die Nationen gegenseitig entfremdet wird in D weder empfunden noch verstanden, noch nachhaltig bekämpft.

Diejenigen Kräfte welche die Gründung der Montanunion und später der EU erlaubten und förderten sind aufgezehrt.

Und niemand in Berlin ist in der Lage eine neue Schwerkraft zu generieren welche zu einer stärkeren Gemeinsamkeit innerhalb der EU führen könnte.

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gelegentlicher_spon_leser 03.09.2017, 14:43
28.

Halt wie immer bei dem Herren, einiges erkannt, dann aber ab in die alten Schismen. unsere Empfangskultur hatte 0,nix mit Erkennen einer neuen Welt zu tun, sondern ist eine schnurgrade Folge unserer sehr speziellen Verfangenheit.

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held_der_arbeit! 03.09.2017, 14:46
29. Ich bin sehr gespannt

Auf ihre Kolumne. Als noch einigermaßen jungen Menschen frustriert mich die deutsche Tendenz, sich vor den Umbrüchen dieser Welt gewissermaßen zu verstecken. Und in Angela Merkel haben wir dafür auch die perfekte Kanzlerin. Und aus Angst, vom Wahnsinn der Trumps dieser Welt ergriffen zu werden, werden wir Sie bald wieder wählen. Das Problem ist, dass die restliche Welt auf unseren flehentlichen Wunsch unsere schöne alte Wirklichkeit irgendwie festzuhalten, keine Rücksicht nimmt. Wir können die Probleme mit Merkel ein 4tes Mal vertagen, vielleicht auch noch ein 5tes Mal, aber das böse Erwachen wird mit jedem Mal schlimmer. Wir müssen uns dem Wandel stellen

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