Forum: Kultur
Zukunftsanalyse: Was nach der Leistungsgesellschaft kommt
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Bedingungsloses Grundeinkommen und wahre Gleichstellung: Deutschland könnte auf der Schwelle zu einem neuen Zusammenleben stehen. Warum, erklärt ein entwicklungspsychologisches Konzept.

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cave68 10.02.2019, 12:05
320. warum werden

wir nicht alle Wissenschaftler,die irgendwelche Studien produzieren...dann können wir uns alle schön die Arbeit so legen wie wir wollen und uns alle selbst verwirklichen.
Apropos Selbstverwirklichung:Wer sagt,dass uns (mehr) Selbstverwirklichung eigentlich automatisch glücklicher machen wird.Es dürfte wohl eher so sein,dass unsere Ansprüche so hoch steigen werden,dass wir nur noch unzufriedener werden.
Ich muss mir nur die Menschen von vor 40 Jahren anschauen,die in Urlaub geflogen sind und schaue mir die heutigen Urlauber an.
Selbst wenn alles professioneller,perfekter und die Reisen immer weiter gegangen sind sieht man heutzutage mehr Muffköppe als früher,die selbst in der schönsten Zeit des Jahres noch das Haar in der Suppe suchen.
Desweiteren frage ich mich,wie es eigentlich vor lauter Selbstverwirklichung mit ehrenamtlichen Tätigkeiten aussieht...ich muss mir momentan nur anschauen,wie hier fastnachtliche Aktivitäten vor die Hunde gehen weil niemand mehr einen Handschlag nebenbei tätigen will.
Die Frage sei auch gestattet was passiert,wenn wir wirklich ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen würden und die meiste Arbeit von Maschinen und Robotern erledigt wird.
Warum sollten wir dann einen höheren Lebensstandard (oder besser beibehalten) als beispielsweise Polen,Rumänien oder gar den Philippinen.Was hebt uns von den anderen Ländern dann noch ab,wenn es nicht der Faktor Fleiss ist....

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spmc-12355639674612 10.02.2019, 12:07
321. Soso ...

Zitat von taheles
Reich? Das sind wir nicht. Wir bekommen "die schwarze Null" hin, endlich. Mit viel sparen. Und in Zukunft werden die Staatseinnahmen SINKEN und nicht steigen. Aber nun, nach ein paar Jahren ohne Neuverschuldung, da brechen bei manchen die Dämme, und es kommen irre Gedankenspiele auf: (1) Grundrente. Für zukünftig immer mehr Rentner, aufgebracht durch immer weniger Erwerbstätige, deren Arbeitgeber globaler Konkurrenz trotzen müssen. Wie soll das gehen? (2) Oder Grundeinkommen - warum nicht gleich auch das? Irgendeine skandinavische Studie hat kürzlich ergeben, dass das Grundeinkommen das Wohlbefinden der so versorgten steigert. Das hätte ich mir fast gedacht. Na und? Können wir deswegen ein Grund-Irgendwas finanzieren - und sollten wir? Nein. Wir können es nicht und wir sollten es auch nicht. Wir können nicht mehr verteilen, als wir haben, sonst sind wir irgendwann da, wo Griechenland ist. Und zu verteilen haben wir in Zukunft WENIGER - nicht mehr. Das ist für mich das Ende dieser Debatte. Die demotivierende Wirkung einer sozialen Hängematte käme noch hinzu, aber das ist theoretisch. Wir können und werden das nicht finanzieren, Punkt, Ende.
Na, gerade auf der egoistischen Stufe steckengeblieben?

Natürlich KÖNNEN wir das finanzieren. Ob Sie das wollen, ist eine ganz andere Frage. Beim Können besteht aber überhaupt kein Zweifel. So wahnsinnig teuer, wie einige tun, ist es ja auch gar nicht. Womöglich bringt die Zukunft eine weitere Absenkung der durchschnittlichen Arbeitszeit, um das bisschen Arbeit, das nach Digitalisierung und Automatisierung übrig bleibt, gerechter zu verteilen. Wir werden also nicht umhin kommen, uns für die Zukunft neue Maßnahmen auszudenken.

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newdealsozialstaat 10.02.2019, 12:07
322.

Zitat von im_ernst_56
Ihre Ausführungen beinhalten leider das typische Inseldenken bzw. die Annahme, dass unsere Verhaltensweisen ein Vorbild für die Welt seine müssten ("Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" - womit damit natürlich nicht das deutsche Wesen der Kaiserzeit gemeint ist). Wenn bei uns eine "wünschenswerte Reduktion der Wirtschaftsleistung" erfolgt, werden andere Länder/Volkswirtschaften dankbar einspringen. Anders ausgedrückt: Das Denkmodel, dem Sie stark anhängen, würde nur funktionieren, wenn a) das deutsche Wirtschaftniveau weltweit erreicht würde und b) das Geld auf den Bäumen wächst, denn woher die Steuereinnahmen, aus denen das Grundeinkommen finanziert werden soll, kommen sollen, wenn nur noch die Hälfte der Erwerbsbevölkerung arbeitet und die Wirtschaftsleistung insgesamt zurückgeht, müssten sie mal erklären. Sie können bei Ihren Berechnungen doch nicht von konstanten Steuereinnahmen ausgehen !! Im übrigen hängen die Steuereinnahmen, das werden in den nächsten Jahren schmerzhaft merken, sehr stark von der Konjunktur ab und einer globalisierten Weltwirtschaft ab.
Ihre Kritik ist nicht richtig. Ich habe anhand einer groben Modellrechnung aufgezeigt, daß das Grundeinkommen in Deutschland finanzierbar ist, und das sogar bei einem reduzierten BIP. Ferner habe ich verschiedene Arten der Besteuerung genannt, die NICHT abhängig sind von Erwerbstätigkeit.
Steuereinnahmen unterliegen konjunkturellen Schwankungen, diese können aber durch verschiedene Maßnahmen abgefedert werden. Das Grundeinkommen selbst würde, im Keynesianischen Jargon, als automatischer Stabilisierer wirken.
Die globalisierte Weltwirtschaft ist nicht aufgrund von Naturgesetzen entstanden, sondern politisch gewollt und hergestellt, und die race-to-the-bottom-Konkurrenz hinsichtlich Arbeitsbedingungen und Umweltgesetzgebungen, die wir heute erleben, ließe sich ohne Probleme etwa durch Zölle regulieren. Free Trade ist seit jeher ein Irrweg, das wußten auch die Amerikaner und die Engländer, die erst dann free trade von anderen forderten, als ihre eigene Wirtschaft im Schutze von Schollschranken konkurrenzfähig geworden war. Free Trade war dann entsprechend eine Methode der Engländer andere Länder unterentwickelt und als abhängige Rohstofflieferanten und Aufnahmemärkte für Industrieerzeugnisse zu halten.
Ihr Denkmodell ist in neoklassischen Kategorien und Vorstellungen verhaftet, die sich auch erst seit den Achtzigern durchgesetzt haben, und deren intellektueller Bankrott nicht erst die Finanzkrise zur Schau gestellt hat.

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ruhepuls 10.02.2019, 12:08
323. Die Jugend ist ja auch versorgt...

Zitat von Testtubebaby
Im Angesicht eines an massiver Überbevölkerung leidenden vergifteten und ausgeplünderten Planeten wirkt die Frage nach der Entwicklung höherer Bewußtseinsstufen wie Wunschdenken einer kleinen soziologisch geprägten akademischen Elite. Eher zu erwarten sind in diesem Jahrhundert massive Kämpfe um die verbliebenen Ressourcen. In den zu erwartenden unruhigen Zeiten sind die knapp an der Dekadenz agierenden verweichlichten westlichen Kulturen ganz klar im Nachteil. Die große Frage wird sein, ob Chinas Politik der unterdrückten Individualität und reibungslosen Funktionierens der Masse dauerhaft funktioniert. Wenn es dort zu keiner gesellschaftlichen Revolution kommt, ist jetzt schon klar, daß dieses Modell alle anderen dominieren wird auf Kosten des Individuums. In Bezug auf die beschriebene Forschung habe ich nach einem langen Leben eher den Eindruck, daß viele in der Jugend bei E8 anfangen, um sich im Laufe des Lebens zu E3-5 zurückzuentwickeln. Klingt alles sehr pessimistisch, ich weiß, für mich aber ein realistischer Blick auf die Welt. Jedem seine eigene Meinung.
Die "Jugend" hat den Vorteil, dass sie noch nicht bezahlen muss, was sie verspricht. Da ist es leicht altruistisch zu sein. Interessant wird es, wenn dann die Ideal mit Kosten (Einschränkungen, Arbeit) verbunden sind. Wenn z.B. die Freitags-Demonstierer ihre Smartphones (seltene Erden, Ressourcenverbrauch) nicht alle zwei Jahre austauschen, den nächsten Urlaub im Schwarzwald statt in Mallorca oder den USA verbringen und zuhause mit Pullover statt 22° herumsitzen - dann würde ich sie ernst nehmen.

Wir gingen als "Junge" auch auf die Straße, demonstrierten (damals gegen Aufrüstung) - und anschließend gingen wir einen Trinken. Taschengeld gab es von Papa.

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wahrsager26 10.02.2019, 12:08
324. An Beat Adler. Nr286

Dank für Antwort und erlauben Sie mir bitte eine Anmerkung: Sie scheinen im Gegensatz zu Ihren Posts aus der Vergangenheit ,regelrecht aus dem Ruder zu laufen.Sind Sie erpicht darauf, sich fremd bestimmen zu lassen? Ich mache schon heute nicht alles so, oder handhabe nicht alles so wie die Allgemeinheit .Ich gehe davon aus, das für uns Menschen weiterhin Platz sein wird ....und ohne Hirn oder gesunden Menschenverstand geht es schon heute nicht und in der Zukunft erst recht nicht.

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mars55 10.02.2019, 12:12
326. Tja das frage ich mich auch die ganze Zeit....

Zitat von ruhepuls
Ein Grundfehler der Kommunisten, wie der Kapitalisten ist die Fixierung aufs Materielle. Auch wenn alle materiellen Bedürfnisse gedeckt würden - durch Maschinen - dann besteht trotzdem das Bedürfnis nach Abgrenzung und Status. Gut, da könnte man dann wieder "Helden des Volkes" einführen und ein ausgeklügeltes System von Orden. Außerdem würde es recht schwierig werden, eine Gesellschaft von hedonistischen Individualisten noch irgendwie zu organisieren. Die Anfänge sehen wir ja schon heute, wo es kaum noch möglich ist, Mehrheiten zusammen zu bringen, weil unsere Gesellschaft längst in Partikularinteressen zerfallen ist, also in Gruppen und Grüppchen, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen. Und zwar unten wie oben...
Tja das frage ich mich auch die ganze Zeit....

"Auch wenn alle materiellen Bedürfnisse gedeckt würden - durch Maschinen - dann besteht trotzdem das Bedürfnis nach Abgrenzung und Status."

Was treibt uns an? Ist das Bedürfnis nach Abgrenzung und Status, abgesehen jetzt vom unmittelbaren Überlebenskampf,
überwindbar oder nicht? Das ist dann die Frage, was macht den Menschen aus. Wenn der Konsum, Definition ?, durch Roboter gesichert wäre, würden wir Menschen uns dann nicht mehr durch unseren sozialem Status definieren wollen, oder definieren wir diesen dann nur noch durch inmatrielle Dinge?

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curiosus_ 10.02.2019, 12:13
327. Tja, davon scheinen...

Zitat von kuac
Jede Zeitung ( auch jede politische Partei) hat ihre eigene Peer-Groups. Es sind die Abonnenten bzw. Mitglieder.
..hier im Forum aber nicht allzu viele unterwegs zu sein. Wenn man den Tenor (Mainstream) der Kommentare so betrachtet.

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olli0816 10.02.2019, 12:16
328. Das widerspricht sich irgendwie

Zitat von so-long
Dieser Utopie liegt ein Menschenbild zugrunde, wie es nur in einem (wissenschftlich-universitären-intelektuellen) Wolkenkuckucksheim entstehen kann. Der Utopist schlussfolgert von sich aus auf den Rest der Welt. Der würde dann völligst seinem Konsumdrang fröhnen. Plopp! Umgekehrt würde ein Schuh daraus: Verknappung materieller Ressourcen, um den Massenkonsum einzudämmen
Das Modell zeigt doch sehr anschaulich, dass es sehr unterschiedlich agierende Menschen gibt und jeder nicht nur die eine Schublade E5 oder welche auch immer besitzt. Das steht doch im Artikel genau drin. Das Modell möchte doch nichts anderes erklären, wie sich die Gesellschaft zusammensetzt und wie die Entwicklungen über die Jahre sich gestalten. Und ja, die Leute sind heute im Schnitt anders als vor z.B. 40 Jahren. Und in 40 Jahren werden sie widerum anders sein.

Es wird wohl immer Grundkomponenten geben, die für den Einzelnen wichtig sind. Sex, Macht, Status, Familie, Konsum sind wesentliche Bestandteile. Aber auch diese Bestandteile ändern sich mit den Möglichkeiten. Heute haben wenige Familien 7 Kinder in Europa, in Afrika schaut das ganz anders aus. Vor kurzem habe ich gelesen, das Südkorea nur noch auf 0,95 Kinder/Frau kommt. Alle beschriebenen Gesellschaften haben also unterschiedliche Werte. Gerade in Japan und Korea scheint es immer weniger junge Leute zu geben, die momentan (kann sich natürlich wieder ändern) keine Lust auf verbindliche Partnerschaften und Familie haben. Die Gründe sind vielfältig.

Konsum z.B. ist nur wichtig, wenn es ein stetiger Mangel ist. Je selbstverständlicher es ist, desto unwichtiger wird es. Sie können nur ein Schnitzel essen, so einfach ist das. Einziger Ausbruch ist der Status. Jeder Reiche weiß, dass eine Luxusyacht vom finanziellen Standpunkt Unsinn ist. Da geht es dann nur darum, seine Schwanzverlängerung zu zeigen. Und finanziell wird es dem ziemlich egal sein.

Warum sollten eigentlich die Ressourcen verknappt werden? Der Mensch wird über kurz oder knapp sowieso nicht nur auf irdische Ressourcen zurückgreifen. Dafür gibt es bereits Planungen. Und das Weltall ist für den Menschen unendlich, Ressourcen gibt es auch in Zukunft mehr als genug. Wenn noch eine Technologie entwickelt wird, dass man aus unterschiedlichen Elementen andere machen kann, wird Gold zwar komplett wertlos, aber man kann fast alles endlos recyclen. Heute noch eine Utopie, in 100 Jahren vielleicht Alltag. Denken Sie langfristiger, der heutige Stand ist in 10 Jahren nicht mehr interessant.

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ruhepuls 10.02.2019, 12:16
329. Schon richtig....

Zitat von newdealsozialstaat
Ist es nicht vielmehr auch so, daß den Menschen tagtäglich, von Kindesbeinen an, suggeriert wird, daß Konsum individuelles Glück ausmacht? Diese in unserer Gesellschaft allgegenwärtige Botschaft, die jede Werbung für ein individuelles Produkt ja auch in sich trägt, verhindert es meiner Ansicht nach, daß Menschen sich über die wahren Quellen individuellen Glücks überhaupt klar werden. Aufgrund seiner Evolution sind für den Menschen gute zwischenmenschliche Beziehungen aber auch Naturerleben wichtig. Edward O. Wilson bezeichnete das angeborene Streben des Menschen nach einer Beziehung zur belebten Natur als Biophilie. Werden wir nicht durch eine beständige Indoktrination von Seiten und zugunsten der Privatwirtschaft von den wahren und noch dazu kostenlosen Quellen des Glücks abgelenkt? Ein großer Teil unseres Konsums erhöht nicht mehr unsere Lebensqualität, sondern ist dieser sogar abträglich. Eine Gesellschaft, die sich zu einer materiell bescheideneren, weniger zerstörerischen Lebensweise mit weniger Arbeit entscheidet ist besser dran.
Klar werden wir auf Konsum als "Lebenssinn" getrimmt. Urlaub, Hobbies, gutes Leben - das sind die Dinge, die vielen wichtig sind - und (fast) alle kosten Geld bzw. müssen produziert oder als Dienstleistung angeboten werden.

NUR, versuchen Sie mal, das jemand wegzunehmen. Dann haben Sie einen Bürgerkrieg am Hals. Eben, weil die meisten für "Wohlstand" leben. Die Bürger der DDR kamen auch nicht mehrheitlich zu uns, weil ihnen das politisches System hier so viel besser gefiel, sondern weil sie dachte, hier ginge es ihnen materiell besser (wobei ich da auch Reisefreizügigkeit dazu zähle).

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