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Zum Tode Lars Gustafssons: Nichts bricht die Erinnerung
Corbis

Zumindest in der Sprache war bei ihm ein "Weiter" immer möglich: Der große schwedische Schriftsteller Lars Gustafsson ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Wir haben einen Künstler der Verwandlung verloren. Ein Nachruf.

ralfthevoice 04.04.2016, 13:54
1. Zum Tode von Lars Gustafson

Vielen Dank an Spiegel-Online für diesen sehr schönen und wertschätzenden Nachruf zum Tode von Lars Gustafson. Eine Kleinigkeit fehlte mir allerdings, seine besondere Beobachtungsgabe gepaart mit sehr feinem Humor. Beides finden Sie in seinem Buch "Die Tennisspieler", das seit vielen Jahren meine persönliche Liste von Lieblingsbüchern anführt.

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juergenfinger 04.04.2016, 14:45
2. Entdeckung

Als Sportler habe ich (dank FAZ) die Tennisspieler angefangen und bin geradezu süchtig geworden. Wollsachen getragen, kein Familientreffen mehr ausgelassen, die dritte Rochade probiert und - immer wieder - die philosophischen Kurzessays delktiert; wer kann noch so schön und tief über Heraklit schreiben.
Nun werde ich alles noch einmal lesen, auch das seltsame Ding aus dem Norden.

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erolboran 04.04.2016, 23:55
3. Liebenswerter Kauz

Ich kann mich an Lars Gustafsson aus meiner Zeit an UT Austin erinnern, wo er am Deutschen Institut arbeitete: ein liebenswerter Kauz mit einem ganz besonderen Humor. 15 Jahre später sehe ich ihn immer noch deutlich vor mir. Der Mann war ein Unikum. Rip

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leser58 15.04.2016, 13:37
4. Entsetzlich falscher Nachruf

Ich finde es beschämend, dass der für mich wichtigste Schriftsteller Lars Gustafsson einen solch falschen Nachruf im Spiegel bekommt.
Hat Bjorn Hayer überhaupt etwas von diesem großen schwedischen Autoren gelesen. Den Roman "Wollsachen" auf jeden Fall nicht. Denn hier geht es um einen Mathelehrer der das Genie eines seiner Schüler erkennt und diesen fördern will. Doch der schüffelt Nitro und stirbt an den Folgen, während sich der Lehrer in die Freundin des Schülers verliebt.

Und Wollsachen ist auch kein Prosatext, sondern ein Roman. Dafür ist "Die Sonntage des amerikanischen Mädchens" kein Roman sondern ein langes Gedicht, eine Verserzählung.
Es ist schade, dass der Spiegel keinen besseren Autoren für diesen Nachruf beauftragte. Hans Magnus Enzensberger war mit Lars Gustafsson befreundet, der wäre in meinen Augen der richtige gewesen oder aber Verena Reichel, die viele Bücher von ihm ins Deutsche übersetzt hat.

Lars Gustafsson war vermutlich einer der letzten Universalgelehrten dem die Quantenphysik ebenso vertraut war wie die Literatur und der auch vortrefflich darüber schreiben konnte. "Gegen Null" nannte er seine mathematische Fantasie die ebenso lesenswert ist wie sein Handbuch für das Leben "Alles was man braucht".
Ich hatte das Glück Lars Gustafsson zweimal zu begegnen, zum letzten Mal bei einer Lesung im Oktober 2013 in der Landesbibliothek in Vorarlberg. Dabei nahm er sich die Zeit sehr ausfühlich mit mir zu reden.
Der Meinung von Jean-Paul Sartre "Die Anderen, das ist der Feind" setzte er entgegen: "Die Anderen, das ist die Wahrheit.

Sein Motto "Wir fangen noch einmal von Vorne an, wir geben nicht auf" hat auch mir immer wieder Mut gemacht. Seine "Erzählungen von glücklichen Menschen" nehme ich in jeden Urlaub mit, auch wenn ich diese sicher schon an die fünfzigmal gelesen habe.

Mit Lars Gustafsson verliere ich einen bedeutenden Schriftsteller, einen wirlich wichtigen Menschen, eigentlich einen guten Freund, auch wenn diese Freundschaft sicher einseitig war.

Ich freue mich noch auf sein letztes Buch "Doktor Wassers Rezept" das soeben erschienen ist und hoffe, dass nachträglich noch einige seiner frühen Bücher ins Deutsche übersetzt werden.

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