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Zum Tode von Hannelore Elsner: Die letzte Diva
DPA

Sie wollte nicht gefallen, sie wollte überwältigen: Die besten Werke von Hannelore Elsner waren ein "Fuck You!" in die Mittelstandsvisage des deutschen Films. Nachruf auf eine Schauspielerin, die ins volle Risiko ging.

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schwerpunkt 24.04.2019, 09:23
30.

Die Nachricht vom Tod Hannelore Elsners berührt mich überraschend deutlich und in doppelter Hinsicht.
Abgesehen davon, dass ich sie als tolle und extrem frauliche Schauspielerin empfand, ist, dass mir schon immer auffiel ist, dass Hannelore Elsner meiner Frau in den entsprechenden Jahren (als sie jeweils so alt wie meine Frau war) zum verwechselnd ähnlich sieht / sah.
Nun eine Todesnachricht mit dem Bild dieser Frau zu sehen krampft mir den Magen zusammen …
:-(

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UlrikeLange aus Darmstadt 24.04.2019, 10:06
31. Der Vorsprung der Melancholie

Ihr Gesicht und ihre Augen sind es. Und mit "Die Unberührbare" eine Frauenrolle, wie es sie nur selten gibt. Ich glaube nicht, dass sie eine gute Schauspielerin war, eher so TV, aber ich glaube wohl, dass sie eine coole Person war. So wirkte sie wenigstens, wenn man sie beim Italiener in der Hansaallee sah. Also vor Urzeiten. Mit anderen deutschen TV Damen hatte sie nicht viel zu tun. Sie hatte den Vorsprung der Melancholie in ihren Augen. Die Trauer um das immer schon Verlorene, das man vielleicht noch besitzt.

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Pierre30 24.04.2019, 10:56
32. So unterschiedlich sie waren,

Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Hannelore Elsner waren die einzigen Diven, die der deutsche Film je hervorgebracht hat. Ich kannte sie alle Drei, die beiden Berlinerinnen und das Mädchen aus Bayern. Eines hatten sie gemein: die Beine fest auf dem Boden.

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vera gehlkiel 24.04.2019, 15:05
33.

Für mich persönlich ist die Elsner immer so latent wie die "vernünftigere" Schwester von Romy Schneider ruebergekommen. Auch Hannelore Hoger fällt mir natürlich sofort ein. Und in öffentlicher Wahrnehmung eng geführte Frauenschicksale, wenn ich über den Begriff "Diva" nachsinnen soll. Ich denke, Hoger und Elsner haben sich dem "allgemeinen Besitz" und besonders der toxischen Maenneranbetung konsequent entzogen, während dem Schneider volles Rohr durch den Yellow-Press Wolf gezogen wurde. Wenn Elsner jetzt deswegen dann, ausser posthum, keine "Diva" war oder wurde: um so besser für sie. Im Film aber, dem Kunstwerk, zählt die Präsenz, der unvermeidliche Flow, der eine so called "Diva" zur subtilen Bestimmerin der Ausgewogenheit des Werkes macht, zur "Anchorwoman" schlechthin. Denken wir ruhig an Meryl Streep, was das betrifft, dreifache Oscargewinnerin.

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OhMyGosh 24.04.2019, 17:03
34.

Dem famosen Nachruf ist nichts hinzuzufügen. Eine wahrlich begnadete Schauspielerin, die zu unser aller Glück kein "social media"-Gedöns nötig hatte. Der Rest ist Schweigen.

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vera gehlkiel 24.04.2019, 17:36
35.

Zitat von OhMyGosh
Dem famosen Nachruf ist nichts hinzuzufügen. Eine wahrlich begnadete Schauspielerin, die zu unser aller Glück kein "social media"-Gedöns nötig hatte. Der Rest ist Schweigen.
Wozu denn bitte aber schweigen? Ich möchte viel lieber, dass über Elsner, ob durch Glück verhinderte Diva, Schauspielerin deutscher Sprache, daher nicht in Big Business Oskar -Reichweite gekommen, Frauenvorbild und Männerschwarm, politische Aktivistin etc.pp. noch möglichst lange möglichst viel geredet wird. Wo und wie auch immer... Denn "so viele von denen" haben wir halt leider auch nicht. Und am Ende erschafft der Tod erst jene spezielle Art einer Vollendung, die gesellschaftlich fruchtbare Ikonographierung möglich/nötig macht. Sollten wir den nach vorn hin offenen Raum, den Frau Elsner selbst unwiderruflich verlassen hat, jetzt der Yellow Press und dem eitlen Jahresrueckblick von und mit Markus Lanz überlassen? Bloss nicht!

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OhMyGosh 24.04.2019, 20:13
36.

Zitat von vera gehlkiel
Wozu denn bitte aber schweigen? Ich möchte viel lieber, dass über Elsner, ob durch Glück verhinderte Diva, Schauspielerin deutscher Sprache, daher nicht in Big Business Oskar -Reichweite gekommen, Frauenvorbild und Männerschwarm, politische Aktivistin etc.pp. noch möglichst lange möglichst viel geredet wird. Wo und wie auch immer... Denn "so viele von denen" haben wir halt leider auch nicht. Und am Ende erschafft der Tod erst jene spezielle Art einer Vollendung, die gesellschaftlich fruchtbare Ikonographierung möglich/nötig macht. Sollten wir den nach vorn hin offenen Raum, den Frau Elsner selbst unwiderruflich verlassen hat, jetzt der Yellow Press und dem eitlen Jahresrueckblick von und mit Markus Lanz überlassen? Bloss nicht!
Nun, dann haben wir uns missverstanden. Das Zitat stammt aus Shakespeares "Hamlet" und enthält Hamlets letzte Worte vor seinem tragischen Tod. Berühmte Theaterworte, die m.E. zu einer großen Schauspielerin passen. Zumal es keine Gewissheiten gibt, da sich im Leben alles verändert und verschiebt.

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