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Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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thedirtydozen 01.08.2007, 16:04
12980.

Zitat von Tenor
Gibt es sehr wohl. Ganz einfach Afrikaner. Von mir aus auch Angolaner und so weiter. Oder auch wie in Amerika die Bezeichnung Afro-Amerikaner.
Ich bin bisher nie in die Verlegenheit gekommen, mir eine passende Vokabel zu suchen. Vielleicht liegt es daran, daß mir die Hautfarbe eines Menschen einfach so schnurz ist, daß sie für mich keiner besonderen Erwähnung bedarf. Interessant wäre ja dennoch, ob manche Schwarze, ich nenne sie jetzt einmal so, sich an diesem Wort reiben. Denn längst nicht alle Schwarzen sind ja Afrikaner.

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tok1 01.08.2007, 16:06
12981.

Zitat von hjm
Aber was soll's, das führt zu nichts, wir drehen uns im Kreise des Einandermissverstehens und Worteindertastaturverdrehens. Ich verstehe zwar nicht, warum eigentlich, aber falls ich durch missverständlichen Ausdruck dazu beigetragen habe, bitte ich das zu entschuldigen. Vielleicht muss ich erst richtiges Deutsch lernen, um mich verständlich zu machen. Es scheint aber auch eine besondere Tendenz .....
Im Gegensatz zu Ihren anderen Diskussionspartnern bin ich wohl leichter genervt, wenn ich mich mit umfänglichen und zugleich undurchdachten Einlassungen konfrontiert sehe. Sie erklären bespielsweise apodiktisch, die deutsche Sprache kenne keine besondere Kennzeichnung von Adverbien, obwohl wir für diesen Zweck einen ganzen Sack voller Suffixe benutzen, oder Sie behaupten ins Blaue hinein, bei Eigennamen sei Trennung vorgeschrieben. Vergewissern Sie sich doch bitte erst der Richtigkeit Ihrer Äußerungen, bevor Sie sie posten.

Die Vorzüge der deutschen Zusammenschreibung wurden Ihnen, finde ich, von mehreren Seiten sehr geduldig aufgezeigt. Ich selbst habe versucht, darauf aufmerksam zu machen, daß die Art der Schreibung von Fall zu Fall sogar inhaltliche Nuancen ausdrücken kann.

Sie beklagen, in Foren werde viel „zwischen den Zeilen gelesen“. So ist es, und zwar nicht nur dort. Es wird selbst dann gelesen, wenn es der Autor beim Hinschreiben gar nicht bemerkt hat.

Unsere Schriftsprache ist viel zu komplex, als daß ihr Ausdrucksreichtum von den simplen, pauschalen Trennungsregeln, die Sie sich wünschen, unbeschadet bleiben könnte. Sehen Sie es mal wie ein Maler, der aus drei Grundfarben unendlich viele Zwischentöne mischen kann, um sich auszudrücken. Ihm die Trennung von Rot, Gelb und Blau vorzuschreiben, wäre eine blöde Idee. (Mir ist irgendwie, als hätte ich das schon mal für Sie gepostet, aber vielleicht ist es mir auch nur durch den Kopf gegangen.)

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thedirtydozen 01.08.2007, 16:07
12982.

Zitat von Tenor
Sieht etwas merkwürdig aus, kann doch kein Grund sein. Und von neu regeln kann doch keine Rede sein. Die dreifach Buchstaben wurden doch erst von der Reform 1901 abgeschafft.
Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Es gab lediglich eine Empfehlung, bei Schifffahrt und Betttuch den dritten Konsonanten einzusparen. Eine Vorschrift war es nie, nur hat der Duden just diesen Eindruck erweckt. Gleiches gilt für Rad fahren, das auch nie falsch war, wie jedermann leicht einsieht, der einmal seinen eigenen Kopf benutzt, statt bloß mit dem Duden zu schwenken.

Zitat von Tenor
An das getrennte "st" werde ich mich auch gewöhnen. Und wofür wird eigentlich das "ck" gebraucht?
Das hat wohl allein ästhetische Gründe. Offenbar war man damals der Meinung, ck sehe gefälliger aus als kk, und diese Überlegung ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Wichtig ist allerdings, zu verstehen, daß bei der Silbentrennung die Normalform zum Vorschein kommt, und die ist tatsächlich kk und nicht ck.

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tok1 01.08.2007, 16:15
12983. Yo Nigger!

Zitat von Tenor
Da mein vorherige Antwort nicht angenommen wurde, versuche ich es noch einmal. Schwarzer wurde von Schwarzen nie als diskriminierend gehalten, sonder nur das Neger oder Negro. Beides bedeutet das gleiche wie "Nigger", das Schimpfwort für Sklaven! Schwarze möchten als Schwarze bezeichnet werde oder von mir aus Blacks.
Sie sind nicht auf dem laufenden. "Yo Nigger" ist schon seit Jahren die gängige Begrüßung unter schwarzen Jugendlichen. (Würde ich "unter jungen Negern" sagen, wäre das nicht nur politisch nicht korrekt, sondern auch deshalb, weil sich weiße Jugendliche neuerdings ebenfalls mit "Yo Nigger" begrüßen.

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Reklov 01.08.2007, 16:48
12984.

Zitat von thedirtydozen
Endlich mal wieder eine Zwiebelfischfrage. Ich hätte wohl, um auf Nummer sicher zu gehen, »beide Elternteile« geschrieben, aber Ihre Frage war ja, ob »beide Eltern« strikt als falsch zu sehen wäre. Das kann ich leider auch nicht beantworten. Jemand anders vielleicht?
Eltern ist lt. Kluge schon immer (mhd., ahd.) ein Plural der Komparativs von alt - er ist's auch heute noch: In Sätzen mit Eltern als Subjekt steht das Prädikatsverb immer in einer Pluralform: Die Eltern gehen, nicht *geht*.

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jensh 01.08.2007, 16:52
12985.

Zitat von Tenor
Nein auch, dass es wieder den dreifach Vokal und Konsonanten gibt. Ich habe mein Leben lang Schifffahrt und Seeelefant geschrieben.
Drei Konsonanten waren noch nie verboten, man konnte einen jedoch weglassen; vor Vokal, wenn es keine Mißverständnisse gibt, weil es häßlich aussieht.

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Reklov 01.08.2007, 16:53
12986.

Zitat von thedirtydozen
Übrigens gibt es eine Reformregel, die mir durchaus gefällt, nämlich die, daß das nun vom getrennt werden kann, wie in oder
Mir gefällt sie in ihrer Generalgültigkeit gar nicht, denn sie führt zu Unsinnstrennungen wie Gas - tronom etc. Diese sind auch Stolperfallen beim Lesen, denn bei Gas am Zeilenende erwartet man eigentlich Gasleitung, -lieferant, -kugel, -ballon etc.

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thedirtydozen 01.08.2007, 17:08
12987.

Zitat von Reklov
Mir gefällt sie in ihrer Generalgültigkeit gar nicht, denn sie führt zu Unsinnstrennungen wie Gas - tronom etc. Diese sind auch Stolperfallen beim Lesen, denn bei Gas am Zeilenende erwartet man eigentlich Gasleitung, -lieferant, -kugel, -ballon etc.
Man muß etwas aufpassen: Kon|strukt z. B. müßte weiterhin wie bisher getrennt werden.

Übrigens kann man Abi machen, selbst Germanistik studieren, ohne sich je mit unserer Silbentrennung befassen zu müssen. Das machen die Computer doch inzwischen recht ordentlich; sie müssen nur richtig instruiert werden. Manchmal bleibt allerdings manuelle Nachbesserung erforderlich, wie etwa bei Schwar|zen|eg|ger (oder sogar Schwarz|en|eg|ger?). Wie ich heute gelesen habe, hat irgendjemand irgendwo ein Schwarze-negger entdeckt, und das ist natürlich inakzeptabel.

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thedirtydozen 01.08.2007, 17:11
12988.

Zitat von Reklov
Eltern ist lt. Kluge schon immer (mhd., ahd.) ein Plural der Komparativs von alt - er ist's auch heute noch: In Sätzen mit Eltern als Subjekt steht das Prädikatsverb immer in einer Pluralform: Die Eltern gehen, nicht *geht*.
Ja, schon klar, aber die Frage lautete doch, ob es gutes Deutsch ist, »beide Eltern« zu schreiben. Die Antwort würde mich auch interessieren.

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jensh 01.08.2007, 18:12
12989.

Zitat von Handy Udy-Oyne
Das System ist in keiner der beiden Sprachen wasserdicht, Sie konnen z.B. ein englisches Kompositum mit Plural-Determinans bilden und dadurch gehörig ins Schleudern geraten (the trucks and tanks magazine).
Nein, das ist nicht korrekt. Richtig wäre the trucks-and-tanks magazine. Ist hier aber trotzdem eindeutig, da entweder zwei oder gar kein the stehen müßte, wenn es sich um trucks und um ein tanks magazin handeln würde.

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