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Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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Tenor 01.08.2007, 19:35
13000.

Zitat von thedirtydozen
Die mögen afrikanischer Abstammung sein, aber ein Schwarzer, der in Deutschland aufwächst, ist doch nicht automatisch ein Afrikaner. Ein Jamaikaner ist für mich auch ein Jamaikaner und kein Eritrerianer oder wie das jetzt korrekt zu heißen hätte. Ich halte lediglich das Wort »Afrikaner« nicht in jedem Fall für passend, wenn ein Mensch mit dunkler Hautfarbe gemeint ist. Mehr wollte ich doch gar nicht zum Ausdruck bringen. Sie irren. Ich wohne inmitten des buntesten aller Viertel hier in Hamburg, das man mit Fug und Recht einen kulturellen Schmelztiegel nennen könnte. Ich wohne sehr gerne dort und genieße das lebendige und kreative Treiben in den Straßen sehr. Multinationaler als in meinem Viertel geht es anderswo in dieser Stadt nirgends zu. »Nigger« stand hier zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion; ich bitte Sie. Mir ist sehr bewußt, daß »Neger« heutzutage ein Unwort ist, deshalb benutze ich es auch nicht. Ich habe bloß darauf hingewiesen, daß das nicht immer so war. Übrigens sind es nicht Wörter, die verletzen, es ist höchstens die Haltung, die sich hinter ihnen verbirgt. Die jungen Türken hier nennen sich untereinander selbst scherzhaft »Kanaken«. Ich würde mich als Außenstehender allerdings hüten, so zu sprechen.

Entschuldigung die Beziehung zu Nigger war auf einen anderen
Teilnehmer gemünzt, dessen Beitrag Sie sicher auch gelesen haben.

Sie haben Recht mit in Deutschland geborenen Schwarzen, aber die Frage war doch nach Abstammung.

Dafür dass ich Sie unüberlegt für jemanden gehalten habe, dem eine rassisch gemischte Gesellschaft fremd ist, ist mehr als eine Entschuldigung meinerseits wert.

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tok1 01.08.2007, 20:20
13001.

Zitat von hjm
Wir reden schon wieder aneinander vorbei. Natürlich meine Schuld, weil ich darauf vertraut habe, der Leser möge aus dem Zusammenhang erschließen, was gemeint ist. Es ging darum, den eines Adverbs innerhalb eines Satzes zu kennzeichnen (nicht das Adverb ein solches).
Tja, hätten Sie das man bloß geschrieben.

Zitat von hjm
Um das schöne Beispiel wieder aufzugreifen: "Ich fuhr meine Frau tot." -- Habe ich sie mit dem Auto umgebracht, oder habe ich sie zum Friedhof kutschiert, oder bin ich ein Zombie? Es gibt kein Suffix, mit dem Sie das kennzeichnen können.
Doch. Ich könnte sagen: "Ich hab meine Frau meuchlings gefahren." Aber das nimmt ja wieder keiner ernst hier.

Zitat von hjm
… Jaaaa, Mensch, das sage ich doch die ganze Zeit. Wobei, eine kleine Änderung würde ich doch noch vornehmen: Es wäre ein blöde Idee, ihm die Trennung von Magenta, Gelb und Türkis (etwas besser als Grundfarben für Maler geeignet) …
Vorsicht. Sie reden mit einem Maler.

Zitat von hjm
Aber wenn ich dann sage, um bei dem schönen Gleichnis zu blieben: "Schaut mal hier, da gibt es einen Maler auf einer Insel, der malt sein Bild ganz anders als alle, die ihr kennt.", dann wird das gleich so interpretiert, als wolle ich am liebsten die hiesige Malerei komplett abschaffen und alle Maler müssten, wenn es nach mir ginge, ab jetzt genau so malen wie die auf der Insel. Was soll man denn dazu dann noch sagen? Da kann man auch gleich fragen: "Schlagen Sie ihre Frau eigentlich immer noch?"
Ich sage: na schön, Respekt, immerhin kraftvoll zurückgerudert.

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tok1 01.08.2007, 20:37
13002.

Zitat von thedirtydozen
… Übrigens sind es nicht Wörter, die verletzen, es ist höchstens die Haltung, die sich hinter ihnen verbirgt.
Gottseidank sagt es jemand.

Schwarze Haut ist ebensowenig krankhaft oder ein Zeichen der Behinderung wie weiße Haut. Man muß schon abfällig über Schwarze denken, um die Bezeichnung "schwarz" als diskriminierend einzustufen. Ich erinnere an den hübschen Wächter-Cartoon, in welchem ein Weißer zu einem Schwarzen sagt: "Du schwarz!" Worauf dieser lakonisch antwortet: "Ich weiß."

Wie vermutlich alle hier wissen, bedeutet selbst "Neger" ursprünglich nichts anderes als "Schwarzer". Es waren Rassisten, die dieses Wort zum Unwort gemacht haben. Wenn junge Schwarzamerikaner einander heute "Nigger" nennen, ist das eine bewußte, selbstbewußte, provokante Stolzreaktion auf die Schönschwätzerei heuchlerischer Gutmenschen.

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hjm 01.08.2007, 21:15
13003.

Zitat von tok1
Ich sage: na schön, Respekt, immerhin kraftvoll zurückgerudert.
Sehen Sie, jetzt sind wir beide glücklich. Sie glauben, sie hätten mich überzeugt, eine Meinung zu ändern, die ich nie hatte und auch hier nie geäußert habe, von der Sie aber überzeugt waren, sie zwischen den Zeilen erkannt zu haben, und ich bin glücklich, weil ich glaube, dass Sie in Wirklichkeit zurückgerudert sind, indem Sie eingesehen haben, mir etwas unterstellt zu haben. Lassen wir es doch einfach so.

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Juliane Fuchs 01.08.2007, 21:32
13004.

Zitat von tok1
... weil sich weiße Jugendliche neuerdings ebenfalls mit "Yo Nigger" begrüßen.
;) Irgend etwas scheint also mit der vielbeschworenen Diskriminierung nicht mehr ganz so hinzuhauen.

Zum - eigentlich noch komplizierteren - Thema siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Nigga

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Tenor 01.08.2007, 21:45
13005.

Zitat von thedirtydozen
Übrigens sind es nicht Wörter, die verletzen, es ist höchstens die Haltung, die sich hinter ihnen verbirgt. Die jungen Türken hier nennen sich untereinander selbst scherzhaft »Kanaken«. Ich würde mich als Außenstehender allerdings hüten, so zu sprechen.

Hab leider in der Schnelle Ihren Beitrag vor meiner Antwort nicht zu Ende gelesen.

Sie haben recht, auch der Amerikaner kennt ein Sprichwort zu dem Thema: "Sticks and Stones can hurt my bones, but words can never hurt me"!

Aber sagen Sie das einmal der noch heute lebenden Generation, der noch anderes in Erinnerung ist. Ich habe in Memphis noch in den 60er Jahren Busse mit der Aufschrift gesehen: "Niggers only in the back" und an Toilettentüren "For Whites only" und "For Niggers only"!

Das hat natürlich eine andere Qualität als das Wort "Kanaken". Und glauben Sie mir, wenn junge Schwarze in der Gegenwart Ihrer Eltern oder Großeltern sich Nigger nennen, wird der Papa oder Opa sie umbringen. Junge Schwarze begrüßen sich eher mit Bruder. Ich weiss nicht, wer die Geschichte, dass sie sich selbst Nigger nennen, aufgebracht hat und kenne die Herkunft nicht, außer dass es in isolierten oder gestellten Begebenheiten geschehen sein könnte.

Aber genug davon, keiner gibt mir eine Antwort auf das von der großen Mehrheit der Deutschen benutzte "kindisch" sowie das fast immer falsch benutzte "sein".

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Juliane Fuchs 01.08.2007, 21:47
13006.

Zitat von hjm
"Ich fuhr meine Frau tot." -- Habe ich sie mit dem Auto umgebracht, oder habe ich sie zum Friedhof kutschiert, oder bin ich ein Zombie?
Der Zombie wäre in diesem Beispiel womöglich derjenige, der meinte, Ihr Beispielsatz ließe - vernünftigerweise - andere Lesarten als die erste von Ihnen angeführte zu. Dächte das jemand, würde ich mir um den Sorgen machen.

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tok1 01.08.2007, 21:54
13007.

Zitat von Juliane Fuchs
;) … Zum - eigentlich noch komplizierteren - Thema siehe auch:
Habs gelesen. Lieber Himmel. Bin froh, daß mich meine Söhne unzweideutig Mothafuckah nennen.

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Juliane Fuchs 01.08.2007, 22:10
13008.

Zitat von tok1
Bin froh*, daß mich meine Söhne unzweideutig Mothafuckah nennen.
So * schlimm ist es schon? Ich setze mal prophylaktisch ein ;) - möchte Ihnen nicht zu nahe treten.
Oder kontern Sie, was de facto Kapitulation wäre? (Etwa mit You sonsufabitch?)

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Tenor 01.08.2007, 22:11
13009.

Zitat von Juliane Fuchs
;) Irgend etwas scheint also mit der vielbeschworenen Diskriminierung nicht mehr ganz so hinzuhauen. Zum - eigentlich noch komplizierteren - Thema siehe auch:

Aber nicht nur Wikipedia lesen, sondern auch die darunter aufgeführten Publikationen, die meistens nicht mit der Wikipedia übereinstimmen.

Ein Vorschlag, jeder der an Wikipedia bedingungslos glaubt, stelle sich einmal vor den Toren der in Süddeutschland noch vorhandenen Kasernen oder dazugehörenden Wohngebieten auf und warte der Dinge.

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