Forum: Kultur
Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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beeblebronx 09.08.2007, 21:06
13130.

Zitat von Gunhild Simon
Falls es den niedlichen Salamander mit dem verschüttelten Namen recht ist:
Ich habe wiederum mein Pseudonym in Ihrem Beitrag entdeckt, und ich frage mich erneut: Worauf wollen Sie hinauf, Frau Dichterin? Hatte ich Ihnen nicht vorerst vorgeschlagen, es wäre besser, wenn wir nicht mehr weiter aufeinander eingingen? Ich wollte Ihnen damit die Friedenspfeife reichen, aber darauf wollen Sie sich ja offenbar nicht einlassen. Also, where was the beef in there?

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tanu 09.08.2007, 21:42
13131.

Zitat von beeblebronx
... Alle Überlegungen, unsere Sprache
richtig Zitat von
und auch ihre Schrift
falsch Zitat von
etwas zu vereinfachen, halte ich für unwiderbringlich verbrannt. Ich sehe mir sehr bewußt an, wie der Nachwuchs heute schreibt, und da geht wirklich bald alles durcheinander...
Na prima. So wird dann doch schließlich eine wirklich grundsätzliche Reform nötig.

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dieanderekarina 10.08.2007, 23:32
13132.

[QUOTE=Taraxacum;1372930]... Warum "Mädchen" kein feminines Wort ist, habe ich mich schon immer gefragt. Schließlich ist es doch immer ein merkwürdiges Gefühl, im Zusammenhang mit einer weiblichen Person Wörter wie "sein" oder "es" zu benutzen.


mädchen ist, wie das jüngelchen, verniedlichend (von die magd)

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dieanderekarina 10.08.2007, 23:39
13133.

Zitat von Reklov
Zurück zum Thema Sprachpflege. Ich 'stolpere' immer wieder über die Vermischung von 'mindestens' mit 'zumindest' zum (bisher noch) nicht lexikalisierten 'zumindestens'. Das ist ein weiterer Beleg für die Sprachschlamperei, die in den Medien (z. B. heute im ARD-Morgenmagazin) betrieben wird. Sieht das jemand anderes auch so?
ja, das ist echt blöde und peinlich, wenn soetwas auch noch "vorbildern" gelingt. es gibt derlei beispiele leider genügend: nirgends + nirgendwo wird oft zu nirgendswo (schüttel!)

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Reklov 10.08.2007, 08:28
13134.

[QUOTE=dieanderekarina;1376632] Zitat von Taraxacum
... Warum "Mädchen" kein feminines Wort ist, habe ich mich schon immer gefragt. Schließlich ist es doch immer ein merkwürdiges Gefühl, im Zusammenhang mit einer weiblichen Person Wörter wie "sein" oder "es" zu benutzen. mädchen ist, wie das jüngelchen, verniedlichend (von die magd)
Es liegt daran, dass alle, aber auch alle Verkleinerungen mit den Suffixen -chen und -lein (alemannisch/schwäbisch -le, schweizerisch -li) Neutra sind.

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Taraxacum 10.08.2007, 12:26
13135.

[QUOTE=Reklov;1376892] Zitat von dieanderekarina
Es liegt daran, dass alle, aber auch alle Verkleinerungen mit den Suffixen -chen und -lein (alemannisch/schwäbisch -le, schweizerisch -li) Neutra sind.
Vielen Dank, diese Antwort schafft für mich ein wenig Klarheit! :)

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franz auer 11.08.2007, 12:06
13136.

Zitat von beeblebronx
Bei liegt übrigens bereits eine Grammatikreform vor: Das Wörtchen »recht« wird nämlich mit »wie« erfragt und nicht mit »was«. Ich sage doch nicht: »Er hatte was? Er hatte Recht.« Das ist falsches Deutsch und wäre höchstens als Wortspiel zu akzeptieren, das aber nur solange lustig ist, als daß von dem Schreiber angenommen werden könne, er sei sich bewußt, was er da vorführe.

Das würde ich doch sehr bezweifeln. Auch wenn das "recht" in "recht haben" klein geschrieben wird, ist es ein (verblasstes) Substantiv und kein Adjektiv. Ich sage natürlich "Was habe ich ?" und eben gerade nicht "Wie habe ich?" Was soll denn dieser Satz bedeuten? "Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.

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Carl 11.08.2007, 12:35
13137. Ein Schock Mandeln auf ein Dutzend reduzieren

Zitat von Carl
Unsere Nachbarn, die Franzosen, haben sich für einige Zahlwörter auch etwas Pfiffiges einfallen lassen: achtzig = (vier-zwanzig)
Eine gleichartige, wenn auch wohl nicht mehr gebräuchliche Konstruktion für 80 findet sich übrigens auch im Englischen:

Lincolns berühmte Gettysburg Address beginnt mit den Worten "Fourscore and seven years ago..." und bezeichnet damit die Zahl 87, gebildet aus vier mal zwanzig plus sieben.

"score" bezeichnet u. a. die Menge 20, so wie etwa im Deutschen früher Begriffe wie Dutzend, Gros (= 12 Dutzend), Mandel (15) und Schock (60) gebräuchlich waren, von denen sich wohl nur noch das Dutzend erhalten hat. Ob heutige Jugendliche wohl jemals etwas von Mandel (als "Zahlwort"), Schock oder Gros gehört haben?

MfG Carl

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LurchiD 11.08.2007, 13:21
13138.

Falls es den niedlichen Salamander mit dem verschüttelten Namen recht ist:
Zitat von Ulrich D
Siehst Du »dass« mit Doppel-Essen Kannst den Text du gleich vergessen. (zitiert nach beeblebronx)
Das haben Sie ein wenig mißverstanden, denn mein kleiner Zweizeiler bezieht sich auf den Text, den man getrost vergessen kann, nicht auf die intellektuelle Einordnung des Autors.

Und warum kann man den Text vergessen? Die Antwort haben Sie ja selbst gegeben:
Zitat von Gunhild Simon
Ja, man pflegt hier seine Individualität, seine Anschauungen, getreu der Einsicht "Jeder darf schreiben, wie er es für sinnvoll hält". Offiziell jedoch ordnet man sich zähneknirschend unter.
Da die Schreibung, unter die sich untergeordnet wird, ein von oben oktroyiertes und nur Zähne knirschend zwangsakzeptiertes System ist, macht es niemandem Spaß, nach diesen Regeln schreiben zu müssen.

Und wer sich eine ungeliebte Schreibung abquälen muß, der schafft es auch nicht, etwas von sich und seinen Überzeugungen in diesen Text zu legen, er identifiziert sich und seine Sprache eben nicht mit der Form, die er seinem Text zu geben gezwungen ist oder sich gezwungen fühlt.

Deshalb wirken diese Zähne knischenden Texte so authentisch, wie Sie wohl wirkten, als zwänge man Sie, mit einer schlechtsitzenden Kittelschürze voller Flecken und Flicken in die Hamburgische Staatsoper zu gehen und dort die Grande Dame zu geben.

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LurchiD 11.08.2007, 13:42
13139.

Zitat von franz auer
Das würde ich doch sehr bezweifeln. Auch wenn das "recht" in "recht haben" klein geschrieben wird, ist es ein (verblasstes) Substantiv und kein Adjektiv. Ich sage natürlich "Was habe ich ?" und eben gerade nicht "Wie habe ich?" Was soll denn dieser Satz bedeuten? "Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.
Sie verwechseln mathematische Regeln mit Sprach- oder Schreibregeln.

Während die Regeln der Mathematik von Axiomen abgeleitet sind, die als wahr vorausgesetzt werden, und deshalb widerspruchsfrei und beweisbar sind, ist eine Sprache ein System, bei der das (nicht widerspruchsfreie) System als gegeben vorausgesetzt werden muß und sich Regeln daraus nur bedingt ableiten (und schon gar nicht beweisen) lassen.

Daß in recht haben (er hat sehr recht, zeigt, daß es nicht als Substantiv empfunden wird) das Hilfsverb haben statt des üblichen sein verwendet wird, ist in der Tat eine Merkwürdigkeit (im Englischen heißt es ja be right und vielleicht wich man auf haben aus, weil er ist recht bereits eine andere Bedeutung hatte), darf aber nicht dazu führen, plötzlich Regeln zu postulieren, nach denen das recht ein ordentliches Akkusativobjekt wäre.

Auch die Naturwissenschaften dürfen keine Regeln ableiten, nach denen sich gefälligst die Natur zu richten habe.

Bekanntlicherweise kann ja die Hummel nach den Naturgesetzen gar nicht fliegen, gut, daß sie das nicht weiß.

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