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Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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Gunhild Simon 11.08.2007, 14:02
13140. der textliche Lackmustest

Zitat von LurchiD
Das haben Sie ein wenig mißverstanden, denn mein kleiner Zweizeiler bezieht sich auf den , den man getrost vergessen kann, nicht auf die intellektuelle Einordnung des Autors. Und warum kann man den Text vergessen? Die Antwort haben Sie ja selbst gegeben:Da die Schreibung, unter die sich untergeordnet wird, ein von oben oktroyiertes und nur zwangsakzeptiertes System ist, macht es niemandem Spaß, nach diesen Regeln schreiben zu müssen.
Diese Erklärung, mit Verlaub, entbehrt der nötigen Stringenz. Denn eine Hausorthografie sich zu leisten ist Privileg der Unabhängigen. Die anderen schreiben vielleicht zähneknirschend - und dies ist ihnen ja erlaubt - Stängel, aufwändig und dass. Aber was tut's? Dies kann einem Text, der vernünftige Gedanken verkörpert, nichts anhaben. Unzureichende Argumentation dagegen schon.

Ich sehe das Zünglein an der Waage, den sogenannten Lackmustest - dass oder daß - als négligeable an.
Auch hier ist Gedankenlosigkeit das größere Übel. Sie äußert sich nicht gar zu selten in Beliebigkeit: ob s, ss, ß oder Getrenntschreibung ohne den Funken eines Verständnisses für den Inhalt.

Dennoch darf man bei all der Klage über die Verkürzung und Entseelung der deutschen Sprache nicht aus dem Blick verlieren, dass sie erst dadurch wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist oder - um im Bild der ZEIT zu bleiben: dass sie schneewittchengleich zwar vergiftet von scheinbar vertrauenswürdiger Hand nur in einen todesähnlchen Schlaf gefallen ist, aus dem sie wie durch ein Wunder frisch und blühend auferstehen wird.

Die Anglizismen sind ja schon wieder auf dem Rückzug. Setzt nicht eine Art Rückbesinnung ein?

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LurchiD 11.08.2007, 17:04
13141.

Zitat von franz auer
Das würde ich doch sehr bezweifeln. Auch wenn das "recht" in "recht haben" klein geschrieben wird, ist es ein (verblasstes) Substantiv und kein Adjektiv. Ich sage natürlich "Was habe ich ?" und eben gerade nicht "Wie habe ich?" Was soll denn dieser Satz bedeuten? "Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.
Ich hatte beeblebronx' Zitat, auf das Sie sich im Ihren Beitrag beziehen, leider nicht sorgfältig genug gelesen, sonst hätte mir auffallen müssen, daß Sie, der bislang die gegenteilige Meinung vertreten hatte, nun richtig argumentieren und "recht" in "recht haben" als verblaßtes (und damit kleingeschriebenes) Substantiv bezeichnen - es gab nämlich mal das an alle Gläubigen ausgegebene Dogma, daß das "Recht" großgeschrieben werden müßte, da es sich nicht um ein Adverb handle.

Meine Ausführungen über künstliche und natürliche Systeme bleiben dessenungeachtet natürlich weiterhin gültig.

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LurchiD 11.08.2007, 17:14
13142.

Zitat von Gunhild Simon
Diese Erklärung, mit Verlaub, entbehrt der nötigen Stringenz. Denn eine Hausorthografie sich zu leisten ist Privileg der Unabhängigen. Die anderen schreiben vielleicht zähneknirschend - und dies ist ihnen ja erlaubt - Stängel, aufwändig und dass. Aber was tut's? Dies kann einem Text, der vernünftige Gedanken verkörpert, nichts anhaben. Unzureichende Argumentation dagegen schon.
Ein zähneknirschend verfaßter Text mag ja vielleicht einen naturwissenschaftlichen Tatbestand richtig wiedergeben, aber glauben Sie, daß auf diese Art und Weise etwas Literarisches, etwas, in das das Herz und die Seele des Schreibers (Schreibenden in Fortschrittlerdeutsch) einfließen muß, zustandekommen kann?

Ich nicht. Und das ist es, was mein Zweizeiler in all seiner prägnanten Kürze ausdrücken will.

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Gunhild Simon 11.08.2007, 17:39
13143.

Zitat von LurchiD
Ein verfaßter Text mag ja vielleicht einen naturwissenschaftlichen Tatbestand richtig wiedergeben, aber glauben Sie, daß auf diese Art und Weise etwas Literarisches, etwas, in das das Herz und die Seele des Schreibers ( in Fortschrittlerdeutsch) einfließen muß, zustandekommen kann? Ich nicht. Und das ist es, was mein Zweizeiler in all seiner prägnanten Kürze ausdrücken will.
Das Missverständnis liegt in der Logik.

Er müsste, um diesem Gedanken gerecht zu werden - nun als Vierzeiler - lauten:

Zwingt man dich zu Doppel-Essen,
willst du schon dein Ziel vergessen.
Denn nur selbstbestimmter Mund
tut die reine Wahrheit kund.

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jensh 11.08.2007, 18:44
13144.

Zitat von franz auer
Das würde ich doch sehr bezweifeln. Auch wenn das "recht" in "recht haben" klein geschrieben wird, ist es ein (verblasstes) Substantiv und kein Adjektiv. Ich sage natürlich "Was habe ich ?" und eben gerade nicht "Wie habe ich?" Was soll denn dieser Satz bedeuten? "Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.
Dann ist "Du hast so recht!" falsch. Oder was halten sie von Du hast so Auto!"?

Aber: Wie habe ich recht? So.
Wie habe ich verloren? So.

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jensh 11.08.2007, 18:55
13145.

Zitat von LurchiD
Bekanntlicherweise
;-)
Zitat von LurchiD
kann ja die Hummel nach den Naturgesetzen gar nicht fliegen, gut, daß sie das nicht weiß.
Das ist meines Wissens vor einem Jahr widerlegt worden, stand in Science oder Nature, wenn ich mich recht erinnere.
Du Hummel kann und darf fliegen!

PS Weitere Konstruktionen a la zumindestens sind "meines Wissens nach" und nichtsdestotrotz.

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wühlmaus_reloaded 11.08.2007, 19:36
13146.

Zitat von Reklov
Zurück zum Thema Sprachpflege. Ich 'stolpere' immer wieder über die Vermischung von 'mindestens' mit 'zumindest' zum (bisher noch) nicht lexikalisierten 'zumindestens'. Das ist ein weiterer Beleg für die Sprachschlamperei, die in den Medien (z. B. heute im ARD-Morgenmagazin) betrieben wird. Sieht das jemand anderes auch so?
Und das schlimmste ist, das kostet den Redakteuren noch nicht einmal den Job. (Eine weitere Sprachschlamperei, die man jetzt jeden Tag in der Zeitung lesen kann.)

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Theo Grunden 11.08.2007, 21:21
13147. Recht schwierig

Zitat von franz auer
"Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.
Wenn überhaupt, galt das höchstens bis zum 10. März 1998 (Giovanni Trapattoni: "Ich habe fertig").

Um welche Wortart handelt es sich denn eigentlich bei dem "Recht" in dem Satz "Du hast Recht daran getan"?

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jensh 11.08.2007, 21:38
13148.

SPON:
Der so ins Gespräch gebrachte, wies pflichtschuldig alle Vorschläge als "Unsinn" zurück.

Sind diese Fehler der R* geschuldet oder gab's das vorher auch so häufig?

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LurchiD 12.08.2007, 12:25
13149.

Zitat von jensh
SPON: Der so ins Gespräch gebrachte, wies pflichtschuldig alle Vorschläge als "Unsinn" zurück. Sind diese Fehler der R* geschuldet oder gab's das vorher auch so häufig?
Die so ins Gespräch gebrachte, weist pflichtschuldig alle Vorwürfe als "Unsinn" zurück.

Sie trüge wunderbare Regeln in sich, und wenn das Volk in seiner Verwirrnis diese nicht anzuwenden in der Lage sei, sei es selbst Schuld - wäre es halt besser beim alten geblieben.

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