Forum: Kultur
Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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dieanderekarina 12.08.2007, 12:26
13150.

Zitat von franz auer
Das würde ich doch sehr bezweifeln. Auch wenn das "recht" in "recht haben" klein geschrieben wird, ist es ein (verblasstes) Substantiv und kein Adjektiv. Ich sage natürlich "Was habe ich ?" und eben gerade nicht "Wie habe ich?" Was soll denn dieser Satz bedeuten? "Haben" verlangt immer ein Akkusativobjekt.

ich denke eher, daß es die substantivierung des adjektives (nämlich: aufrecht/richtig) ist.
gemeint ist hier ja der sinn: ich habe ES richtig.
analog: ich schreibe ES richtig (oder halt nicht!)

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dieanderekarina 12.08.2007, 12:38
13151.

Zitat von Reklov
Zurück zum Thema Sprachpflege. Ich 'stolpere' immer wieder über die Vermischung von 'mindestens' mit 'zumindest' zum (bisher noch) nicht lexikalisierten 'zumindestens'. Das ist ein weiterer Beleg für die Sprachschlamperei, die in den Medien (z. B. heute im ARD-Morgenmagazin) betrieben wird. Sieht das jemand anderes auch so?

öfterS ebenD besondersD -schlimm umgangssprachlich
aber vom stuhl gefallen bin ich vor ca. 2 wochen, als die kommentatorin im mdr "EINZIGST" vom stapel ließ!!

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Gunhild Simon 12.08.2007, 13:18
13152.

Zitat von jensh
Sind diese Fehler der R* geschuldet oder gab's das vorher auch so häufig?
Ich halte die erhöhte Sensibilität für Fehler reformgeschuldet.
"meines Erachtens nach", "ich fande", "eben halt" begegnen mir schon seit langem .

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jensh 12.08.2007, 13:57
13153.

Zitat von Gunhild Simon
Ich halte die erhöhte Sensibilität für Fehler reformgeschuldet. "meines Erachtens nach", "ich fande", "eben halt" begegnen mir schon seit langem .
Ich meinte in erster Linie das völlig unbegründete Komma (weiteres Bsp.: Denn anders als heute, konnten die Väter der Nachkriegskinder noch Nazi-Täter gewesen sein), das ich mehr und mehr finde, in zweiter die Kleinschreibung.
Ihre Beispiele sind älter, das stimmt.

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Reklov 12.08.2007, 17:27
13154.

Zitat von Theo Grunden
Wenn überhaupt, galt das höchstens bis zum 10. März 1998 (Giovanni Trapattoni: "Ich habe fertig"). Um welche Wortart handelt es sich denn eigentlich bei dem "Recht" in dem Satz "Du hast Recht daran getan"?
Normalerweise um ein Adverb (kleinzuschreiben), das, wie von anderen schon erklärt, mit der Frage wie erfragt wird.

Nun kommt aber hinzu, dass bei 'recht/Recht' auch mit der Frage was gefragt werden kann: Dann ist der Sinn: Du hast das Recht(e) getan: a) ... das Richtige ... .b) ... das Recht angewendet, durchgesetzt. Zugegeben, der letzte Sinn kommt selten vor.

Bei anderen "verblassten" Subst., also Wörtern, die als Subst. (fast) nicht mehr gebraucht werden, sollte man daher die "Wie"-Frage stellen und bei Ja als Antwort kleinschreiben.

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Reklov 12.08.2007, 17:37
13155.

Zitat von jensh
... nichtsdestotrotz.
ist aber längst lexikalisiert (Knaur 1980, S. 583, Wahrig 2005, S. 751). Vllt. meinen Sie die aus meiner humanistischen Schulzeit stammende Übertreibung 'nichtsdesto(weniger)trotzquam'.

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jensh 12.08.2007, 20:19
13156.

Zitat von Reklov
ist aber längst lexikalisiert (Knaur 1980, S. 583, Wahrig 2005, S. 751). Vllt. meinen Sie die aus meiner humanistischen Schulzeit stammende Übertreibung 'nichtsdesto(weniger)trotzquam'.
Nein, ich meine nichtsdestotrotz. desto verlangt einen Komparativ, also: nichtsdestoweniger oder trotzdem.

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Tenor 12.08.2007, 22:59
13157.

Zitat von Merlinroy
Sie irren sich bei Ihrer Definition von »richtig« und »falsch«. Das ist in Ihren Beispielen eine Grauzone, die durch regionale und historische Unterschiede entstanden hat … äh, nein … ist: nämlich zwischen »normalem« .....
Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr in diesem Forum zu Wort zu melden, da es zwar eine Weile gedauert hat, bis mir klar geworden ist, dass es in diesem Forum nicht um unsere Sprache geht, sondern einzig um Rechthaberei. Wenn immer irgendwer einen Fehler begeht, dann wird darauf mit einer unvorstellbaren Energie herumgehackt. Wenn aber die Herumhacker ohne Zweifel Unrecht hatten, dann wird es mit gespielter Ironie abgetan, die manchmal schon ans Verscheißern grenzt. Bloß nicht zugeben, dass man selbst falsch lag. Wenn ich fälschlicher auf Anfrage das ß als Ligatur bezeichnet habe, aber vergessen habe zu erwähnen, dass das ß schon seit dem 1900 Jahrhundert als selbsständiger Buchstabe anerkannt wird, wird mir zu allem Überfluß noch die Behauptung, dass die Umlaute auch eine Ligatur seien aufs Auge gedrückt. Sonst nur selten aggresiv, bleibt mir hier nichts anderes übrig als zu bemerken, völliger Quatsch. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Auch Ihr Beitrag beginnt lapidar mit der Feststellung, dass ich mich irre! Und dazu das Verarschen mit "hat - äh -nein ist"! Es darf doch nicht wahr sein, dass Sie vom "normalen"
HOCHdeutsch im Süden und dem "preußischen" Deutsch nördlich der Mainlinie sprechen und es dann geschickt mit "breites Schmunzel" zu verschleiern versuchen.

Natürlich habe ich mir nicht die Mühe gemacht, mich in Ihre bayerische Sprachlehre zu vertiefen, obwohl ich seit 30 Jahren mitten in Bayern lebe, denn das Thema ist die deutsche Sprache und nicht irgendwelcher Dialekt.

Nun aber zum sein und haben. Mein Deutsches Universal Wörterbuch, auch von Duden, schreibt zwingend vor, dass liegen, stehen, sitzen mit haben zu bilden ist. Sie dürfen ja gerne diese Verben mit sein bilden, aber doch bitte nicht als korrektes Deutsch bezeichnen. Sie können von mir aus ja auch gerne ich bin geschlafen sagen, dann müssen Sie dem Berliner aber auch nicht vorwerfen, wenn er sagt, dass mir der Jenetiv nervt.

Seitenlanges Streiten ob recht oder Recht richtig ist, aber gravierende Fehler sind regional gerechtfertigt. Und dabei hatte ich doch nur die höfliche Frage gestellt, was richtig oder falsch ist. Mit Grauzonen ist selbst die gröbste Vergewaltigung der deutschen Sprache nicht zu entschuldigen.

Wenn mein Beitrag zum erstenmal provokativ klingt, dann nur weil mir die deutsche Sprache wirklich am Herz liegt und nicht nur dusseliges Gequatsche.

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tanu 13.08.2007, 09:43
13158.

Zitat von Tenor
...Natürlich habe ich mir nicht die Mühe gemacht, mich in Ihre bayerische Sprachlehre zu vertiefen, obwohl ich seit 30 Jahren mitten in Bayern lebe, denn das Thema ist die deutsche Sprache und nicht irgendwelcher Dialekt...
Ein wenig verstehe ich Ihren Ärger, wenn die Bayern die aus dem mitteldeutschen Hochdeutsch entstandene deutsche Standardsprache nicht als solche anerkennen wollen. Im entschlafenen Rechtschreibforum konnte ich sicher sein, dass der Standardsprache immer wieder das Bayrische entgegengesetzt wurde. Es scheint eine Art bayrischen Miderwertigkeitskomplex zu geben, weil Bayerns Größe und Gloria aus der Koalition mit Napoleon stammt und der Freistaat 1948 zwangsweise der Bundesrepublik angegliedert wurde ;-).

Was mich dann aber wirklich wundert, ist, dass ein Alemanne mit einem ganz anderen hochdeutschen Dialekt dem Bayrischen eine solche Wichtigkeit zuspricht.

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Gunhild Simon 13.08.2007, 10:15
13159.

Zitat von Theo Grunden
Wenn überhaupt, galt das höchstens bis zum 10. März 1998 (Giovanni Trapattoni: "Ich habe fertig"). Um welche Wortart handelt es sich denn eigentlich bei dem "Recht" in dem Satz "Du hast Recht daran getan"?
Bei den provativen Fragen, die nicht auf eine ernsthafte Analyse deuten, sondern in die Irre führen, sollte man zunächst einmal berücksichtigen, welche Funktion "haben" jeweils hat.

"ich habe fertig" ist eine verzeihliche Formulierung eines Ausländers. Im Französischen heißt es "J'ai fini", im Italienischen "Ho finito". Was soll's?

Die Wendung "recht an etwas tun" enthält nicht das Verb "haben". In Ihrem Beispiel ist es das Hilfsverb für das Perfekt. Die nächste Frage zielt auf "recht". Wie hast du daran getan - gut, schlecht, falsch, recht? Also Adverb.

Ich habe es gewagt, mich der Komplexheit des Themas zu stellen:

http://www.magazin.institut1.de/693_...der_Recht.html

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