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Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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LurchiD 13.08.2007, 21:33
13170.

Zitat von Gunhild Simon
Das Missverständnis liegt in der Logik. Er müsste, um diesem Gedanken gerecht zu werden - nun als Vierzeiler - lauten: Zwingt man dich zu Doppel-Essen, willst du schon dein Ziel vergessen. Denn nur selbstbestimmter Mund tut die reine Wahrheit kund.
Es gibt noch eine andere Spezies als den Zähneknirscher, der hinter dem dass lauert, und das ist

Der Rechtschreibprüfprogrammanwender

Er starrt vor Angst, er starrt voll Bangen
auf all die roten Ringelschlangen,
die von den Rechtschreibprüfprogrammen
aus seiner Textsoftware herstammen.

Die Hände werden ihm schon klamm
aus Furcht vorm Rechtschreibprüfprogramm:
ein langes Wort ist unterringelt -
was soll er tun? Bis es ihm klingelt:

Man muß sich nur zu helfen wissen,
drum wird es flugs entzweigerissen.
Der Leser wird zwar furchtbar fluchen
beim lästigen Zusammensuchen:

"Es ist ja wirklich doch zu dumm,
zerfetzt ist das Kompositum!"
Doch zählt der nichts, was zählt, ist bloß:
Der Schreiber ist die Ringlein los.

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Karl Martell 13.08.2007, 21:34
13171.

Zitat von Theo Grunden
Um welche Wortart handelt es sich denn eigentlich bei dem "Recht" in dem Satz "Du hast Recht daran getan"?
Wie wär's denn mit "Satzmittenwort"?

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Theo Grunden 15.08.2007, 00:22
13172.

Zitat von Gunhild Simon
"ich habe fertig" ist eine verzeihliche Formulierung eines Ausländers. ... Was soll's?
So sehe ich das auch, es war auch nicht mehr als (der Versuch) ein(es) Spaß(es) am Rande.

Zitat von Gunhild Simon
Die Wendung "recht an etwas tun" enthält nicht das Verb "haben". In Ihrem Beispiel ist es das Hilfsverb für das Perfekt. Die nächste Frage zielt auf "recht". Wie hast du daran getan - gut, schlecht, falsch, recht? Also Adverb.
Nun zum Ernst: Wieso soll dann trotzdem in diesem Fall "Du hast Recht daran getan" richtig sein? Gibt es eine andere Erklärung als die des faulen Kompromisss?

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Theo Grunden 15.08.2007, 00:34
13173.

Zitat von Karl Martell
Wie wär's denn mit "Satzmittenwort"?
Ach ja, ich hätte es beinahe vergessen, Satzmittenwörter schreibt man ja immer groß!

Aber nun nehmen wir doch einmal an, wir seien Deutschlehrer einer allgemeinbildenden Schule. Ein Schüler fragte uns nach der Wortart von "Recht" in dem Satz "Du hast Recht daran getan". Was könnten/dürften/sollten wir ihm guten Gewissens antworten? Verantwortungsvolle Pädagogen wissen, daß Schüler einen Anspruch auf eine Antwort haben. Und richtig sollte sie möglichst áuch sein. Ich kann es meinem Sohn nicht erklären - aber einer muß es doch können, sonst stünde es doch wohl nicht so im Duden! (Oder hab' ich da einen Denkfehler begangen?)

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franz auer 15.08.2007, 10:04
13174.

Zitat von LurchiD
Sie verwechseln mathematische Regeln mit Sprach- oder Schreibregeln. Während die Regeln der Mathematik von Axiomen abgeleitet sind, die als wahr vorausgesetzt werden, und deshalb widerspruchsfrei und beweisbar sind, ist eine Sprache....
Ich gehe nur von meinem Sprachgefühl aus. Ich frage "was habe ich? - recht" und nicht "wie habe ich? - recht".

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franz auer 15.08.2007, 10:08
13175.

Zitat von jensh
Dann ist "Du hast so recht!" falsch. Oder was halten sie von Du hast so Auto!"? Aber: Wie habe ich recht? So. Wie habe ich verloren? So.
Sie geben die Antwort schon selbst, indem Sie nicht "Wie recht habe ich?", sondern "Wie habe ich recht?" fragen. Das Adverb "so" bezieht sich hier auf das gesamte Prädikat "habe recht", nicht auf das von Ihnen als Adjektiv aufgefasste "recht".

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franz auer 15.08.2007, 10:23
13176.

Zitat von Gunhild Simon
Alter rechtfertigt zwar eine differenzierte Betrachtung, ist aber kein Argument für heutige Sprachrichtigkeit. Denn sonst wäre sowohl das Grimm'sche" dasz" als auch die konsquente Kleinschreibung das Mittel der Wahl. Ob mit "haben" oder "sein" zu konjugieren ist, lässt sich eindeutig an der Frage nach der Fortbewegung, der Zustandsänderung, ablesen.
Immer vorausgesetzt, die Regel lautet, dass nur Verben der Fortbewegung bzw. Zustandsänderung das Perfekt mit "sein" bilden. Vielleicht sagt die Regel ja auch, dass dies sowohl für Verben, die eine Zustandsänderung, als auch für solche, die einen Zustand ausdrücken (wie sitzen, liegen, etc.), gilt.

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Tenor 15.08.2007, 16:16
13177.

Zitat von jensh
Hallo Tenor, Ich glaube, Sie beziehen sich mit diesem Beitrag auf mich. Es tut mir leid, wenn ich sie verärgert habe, aber ich möchte doch antworten dürfen, wenn mir Fehler in der Argumentation auffallen. Zugegeben, ich hätte nicht tagelang ....
Da ist doch meine Antwort wieder mal durch den Rost gefallen, also versuche ich es noch einmal.
Den Hebeldisput hab ich längst vergessen. Habe mehr allgemein geschreiben.

Muss nun doch noch mal widersprechen. Egal ob ich richtig liege oder nicht. Wie Sie wissen, habe ich mal lange Zeit vor einem Setzkasten verbracht als gelernter Schriftsetzer, für den ja die Ligatur erfunden wurde. Einmal um, wie beim ch und ck schnelleres Setzen zu ermöglichen und zweitens um speziell in der Fraktur unnötigen Zwischenraum zu vermeiden.
Wie beim fi, ff. Das AE und OE kann höchstens im lateinischen Schriftsatz als Ligatur angesehen werden. Allerdings bildet hier der rechte Balken auch den linken Balken des E. Aber VE?

Das ß wurde schon seit dem 19. Jahrhundert als eigener Buchstabe deklariert und auch das ä, ü und ö ist keine Ligatur, da es einen Buchstaben mit eigenem Laut bezeichnet. Dazu die offizielle Beschreibung der Ligatur. Eine Ligatur ist eine Buchstabenverbindung auf einer Drucktype oder das Zusammenziehen von Buchstaben in der Schrift. Also wie kann ein Umlaut als Zusammenziehen bezeichnet werden. Sie werden wahrscheinlich darauf bestehen, dass Sie als Ligatur ansehen können was Sie wollen, aber Sie werden keine einzige Fachliteratur finden, die Ihre Ansicht teilt.

Sorry.

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Reklov 17.08.2007, 15:52
13178. Etwas zum Grundsätzlichen

Die neueren Beiträge zeigen, dass man ohne Konsens über das, was gegenwärtiges Deutsch und dessen Grammatik ist, endlos seine eigene Meinung zur maßgeblichen machen kann. Warum ist es so schwer, die Dudengrammatik 2006 mindestens als Thesaurus des gegenwärtigen Deutschs zu akzeptieren? Darunter verstehe ich, dass man seine "Gefühle richtigen Deutschs" zurückstellt und - man ist ja nicht allwissend - den Befund der DuGra akzeptiert; er basiert ja auf vielen Arbeiten von Germanisten. Es gehört dann auch dazu, dass die von der DuGra nicht verifierzte eigene Meinung nicht weiter vertreten wird (Beispiel: unterschiedliche Verwendung von sein bzw. haben als Perfekt-Hilfsverb in Nord- bzw. Süddeutschland).

In diesem Sinne möchte ich daher an alle die Bitte richten, sich auf den Inhalt der DuGra als Diskussions- und Konsensgrundlage zu verständigen. Für mich bedeutet das, dass ich meine eigene von der DuGra abweichennde Meinung dann nicht mehr vertrete, wenn sie anhand der DuGra widerlegt ist/wurde. Wenn das andere auch so machen, werde ich mich freuen und die Diskussionen werden weniger in und um sich kreisen.

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jensh 17.08.2007, 20:26
13179.

Zitat von Tenor
Muss nun doch noch mal widersprechen. Egal ob ich richtig liege oder nicht. Wie Sie wissen, habe ich mal lange Zeit vor einem Setzkasten verbracht als gelernter Schriftsetzer, für den ja die Ligatur erfunden wurde. Einmal um, wie beim ch und ck schnelleres Setzen zu ermöglichen und zweitens um speziell in der Fraktur unnötigen Zwischenraum zu vermeiden. Wie beim fi, ff. Das AE und OE kann höchstens im lateinischen Schriftsatz als Ligatur angesehen werden. Allerdings bildet hier der rechte Balken auch den linken Balken des E. Aber VE? Das ß wurde schon seit dem 19. Jahrhundert als eigener Buchstabe deklariert und auch das ä, ü und ö ist keine Ligatur, da es einen Buchstaben mit eigenem Laut bezeichnet. Dazu die offizielle Beschreibung der Ligatur. Eine Ligatur ist eine Buchstabenverbindung auf einer Drucktype oder das Zusammenziehen von Buchstaben in der Schrift. Also wie kann ein Umlaut als Zusammenziehen bezeichnet werden. Sie werden wahrscheinlich darauf bestehen, dass Sie als Ligatur ansehen können was Sie wollen, aber Sie werden keine einzige Fachliteratur finden, die Ihre Ansicht teilt. Sorry.
Kein Problem.

Zugegeben, ich beziehe mein Wissen zu dieser Frage zum großen Teil von wikipedia (die sich teilweise selbst widerspricht), da die Fachliteratur zu deutschen Ligaturen im Wilden Westen doch arg limitiert ist.

Im Sinne von "kleinste sinngebende Einheit" sind die Umlaute und ß natürlich Buchstaben. Es gibt einen Unterschied z.B. zwischen Kur und Kür und reisen und reißen (obwohl den lautlichen Unterschied im letzteren Beispiel viele Deutsche, mich eingeschlossen, weder hören noch sprechen). Deswegen heißen die Umlautsymbole auch Umlautbuchstaben, sind folglich welche. Es sind aber keine im eigentlichen Sinne (wie z.B. im Estnischen und Finnischen), da sie keinen eigenen Platz im Wörterbuch/Alphabet haben, sondern bei ihren Umschreibungen (Herkünften) eingeordnet werden.
Die Umlautbuchstaben sind aus Ligaturen entstanden, und zwar aus dem Vokal und einem darübergestellten kleinen Fraktur-e, das dann zu Strichen oder Punkten verkürzt wurde. Für eine Ligatur ist es nicht wesentlich, ob nebeneinander, übereinander oder sogar aufeinander (&) "verbunden" wird.
Und, ja, Ligaturen können nach einiger Zeit als eigenständige Buchstaben aufgefaßt werden, ein gutes Beispiel ist das w (double-u), das es ja im lateinischen Alphabet auch nicht gegeben hat, nun aber sogar einen eigenen Platz im Wörterbuch hat.

Soweit, wie sich mir die Sache darstellt, wie gesagt lediglich nach wiki-Lektüre.

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