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Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

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Joachim Baum 21.08.2007, 11:51
13250.

Zitat von LurchiD
Aber was ist das denn für eine Anmaßung, ? Wer bestimmt das? Werden dafür Boulevardzeitungen, Groschenromane, Neuerscheinungen oder die bestehende Literatur ausgewertet? Verwende ich oder andere diese Ausdrücke, sie doch wieder!
Darum sollte man auch tunlichst die Dialekte pflegen, damit man zu gegebener Zeit, daraus die Deutsche Sprache wieder rekonstruieren kann :-)

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LurchiD 21.08.2007, 12:28
13251. Dialektpflege

Zitat von Joachim Baum
Darum sollte man auch tunlichst die Dialekte pflegen, damit man zu gegebener Zeit, daraus die Deutsche Sprache wieder rekonstruieren kann :-)
Da hätte ich was für Sie, nämlich 1. Buch Mose 25, 21-45 auf Bairisch:

http://www.dildata.de/Dichtkunst/DaJakobUndDaEsau.htm

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thedirtydozen 21.08.2007, 14:24
13252.

Zitat von LurchiD
Aber was ist das denn für eine Anmaßung, ?
Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Die Kennzeichnung »älter« oder »veraltet« ist ja nicht als »verboten« zu lesen, auch wenn viele Wörterbuchnutzer das leider genau so verstehen und als Falschinformation weitergeben. Wenn es im Fundus unserer Sprache ältere und hübsche Wendungen gibt, die unseren Wortschatz bereichern, warum sollten wir uns ihrer nicht bedienen dürfen? Das haben doch alle fortgeschrittenen Schreiber zu allen Zeiten so gehalten.

Mein Duden führt etwa hub/hübe als »veraltet« auf. Ich stimme dem so nicht zu, denn die Wendung er hub an zu antworten erscheint mir noch nicht gänzlich verstaubt. Dies nur als ein Beispiel von vielen . . .

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jensh 21.08.2007, 19:14
13253.

Zitat von thedirtydozen
Gestern nacht stieß ich zufällig auf eine passende Fundstelle zu in Michael Endes aus dem Jahre 1960 (geschrieben also lange vor den europäischen Beatnik- und Hippie-Wirren):
Und mir ist noch die bis heute übliche Wendung "nach Hause" eingefallen. Sogar mit hübschem Dativ-e.

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Carl 21.08.2007, 20:48
13254. Da ächzt die Kugelbake - und der Fachmann wundert sich

.
Ein Bekannter zeigte mir heute das Lehrbuch „Denken und Rechnen“ aus einem bekannten deutschen Verlag, das er für den Schulunterricht seiner jetzt das vierte Grundschuljahr beginnenden Tochter frisch erworben hat.

Auf S. 25 findet sich eine Rechenaufgabe, in der die Einwohnerzahlen verschiedener deutscher Städte eine Rolle spielen. Hier ein Auszug:

Greifswald -------59196
Aschaffenburg ---68607
Cuxhafen---------52876
Esslingen---------91980
Unna--------------68132


Na denn….

MfG Carl

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LurchiD 21.08.2007, 21:31
13255.

Zitat von Carl
Cuxhafen---------52876
Atlantis im Wattenmeer?

Während Cuxhaven (samt seiner Kugelbake) offenbar in Problemen ertrinkt, den neuen Verkehrsführungen, den Fahrrinnenanpassungen, der Absage des „Sommerabend am Meer“ im Juli aufgrund starker Regenfälle:

http://www.cuxhaven.de/cuxhaven.php

lebt sein alter ego Cuxhafen (samt einer seltsamen Kugelbarke) ein offensichtlich glücklicheres Leben:

http://www.cuxhafen.org/kugelbarke.htm

Wechseln sich da die Städte nach den Gezeiten ab oder trinkt man dort seltsame Schnäpse?

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Carl 21.08.2007, 22:18
13256. Pisa ahoi!

Zitat von LurchiD
...sein (samt einer seltsamen Kugelbake) ein offensichtlich glücklicheres Leben:
Herzlichen Dank für diesen köstlichen Link! Aufs Geratewohl steuerte ich die Seite über Sahlenburg an, und siehe, sogleich stieß ich ein weiteres Mal auf Vortreffliches:

"Die Vielgestaltigkeit der Umgebung lässt niemals Lange Weile aufkommen."

Bezüglich des Langen Weile Aufkommens steht Sahlenburg vermutlich in munterem Wettstreit mit dem hohen Aufkommen an sprachlichen Leckerbissen, die es auf dieser vielversprechenden Webseite noch zu erkunden gilt.

Aber für heute werde ich mich mit dem bisher Aufgespürten bescheiden und mich erst morgen auf die Suche nach Kuxhafen machen, das - kann man's ausschließen? - vielleicht irgendwo zwischen Wernerwald und Campingplatz seiner Ortung harrt.

MfG Carl

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tok1 22.08.2007, 09:35
13257.

Zitat von LurchiD
Atlantis im Wattenmeer? Während (samt seiner Kugelbake) offenbar in Problemen ertrinkt, den neuen Verkehrsführungen, den Fahrrinnenanpassungen, der Absage des „Sommerabend am Meer“ im Juli aufgrund starker Regenfälle …
Halten wir der Cuxhafener Kugelbarke mal zugute, daß sie (so das Impressum der Website) liebevoll in Wuppertal (!) betreut wird.

Tadeln muß ich hingegen Sie, weil Sie den Sommerabend am Meer nicht deklinieren. Das darf man nämlich nicht nur, man soll es sogar. Selbst des ehrwürdigen, alten Sommernachtstraumes "es" ist hinten richtig, wenn er im Genitiv steht. Nachdem aber heute schon völlig losgelöst vom Mensch, vom Herz und vom Bär geredet wird, wundert es einen nicht, daß man allenthalben von die Reporter informiert und von die Beraterbank beraten wird. Deprimierend.

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thedirtydozen 22.08.2007, 10:16
13258.

Zitat von jensh
Und mir ist noch die bis heute übliche Wendung "nach Hause" eingefallen. Sogar mit hübschem Dativ-e.
Das Dativ-e mag auf dem Rückzug sein, aber es ist ja zum Gück noch lange nicht tot, für einen Nachruf wäre es zu früh: auf diesem Wege, bei Tische, zu Hause (oder zuhause), dem Manne kann geholfen werden, in diesem Sinne, im Grunde (selten: imgrunde), die Gegenheit beim Schopfe packen, vor dem Tore, vor der Türe etc. etc. Man muß das Dativ-e nur etwas pflegen, was in vielen Fällen ja durchaus noch möglich ist, ohne daß die Sätze dadurch gleich archaisch wirken.

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thedirtydozen 22.08.2007, 10:33
13259.

Zitat von tok1
Selbst des ehrwürdigen, alten Sommernachtstraumes "es" ist hinten richtig, wenn er im Genitiv steht.
Jawoll, Traumes ist umso vieles hübscher als Traums. Um die Journalisten allerdings einmal in Schutz zu nehmen, die sich tagtäglich mit dem Genitiv-s herumschlagen müssen, sei ihnen an dieser Stelle zugutegehalten, daß dessen Handhabung wirklich nicht immer einfach ist. Heißt es des Vatikan[s], des Islam[s], des/einen Herrn Seehofer[s], des Nil[s], des Mount[s] Everest[s], des Sudan[s], des Jemen[s] und so weiter und so fort -- wer weiß das schon? Ich bin mir da auch nicht immer sicher und wäre für eine klärende Auskunft dankbar.

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