Forum: Kultur
Zwiebelfisch - Ist unsere Sprache ein schwerer Pflegefall?

Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf, klärt Fragen und informiert. Wie beurteilen Sie heute den allgemeinen Umgang mit der Sprache: Stark pflegebedürftig, oder ist er bewusster und kreativer als früher? Woran orientiert sich Ihr Sprachgefühl? Welche Sprachsünden ärgern Sie am meisten?

Seite 2632 von 2822
IsArenas 24.01.2010, 17:45
26310.

Zitat von Reklov
(...) dass nämlich die engl. Satzglied-Reihenfolge zwingend ist (Subj. - Prädikat - Objekt), wenn das Akkussativobjekt von seiner Form her nicht erkennbar ist. (...).
Dumm nur, dass das Akkusativobjekt von seiner Form her auch nach Umstellung nicht erkennbar ist:

Zitat von
die rot-grüne Regierung gründete 2004 das Institut.
In einem solchem Fall kann die von Ihnen genannte Regel gar keine Relevanz haben - allerdings wird durch "gründen" doch klar, was gemeint ist. Jedenfalls keine ich keine Regierung, die von einem Institut gegründer worden wäre.

Man kann eben nicht die englische Regel einfach auf das Deutsche übertragen, weil es wegen der im Englischen fehlenden, im Deutschen aber vorkommenden Deklination im Deutschen eben Fälle mit SPO und auch OPS gibt, die jeweils zulässig sind. Im Englischen können keine Zweifel aufkommen, weil SPO immer gegeben sein muss. Theoretisch. Denn wehe, ein des Englischen Unkundiger oder auch nur ein wurstiger Englischsprachiger verfasst englische Texte! Das hat schon Tote zur Folge gehabt, und ich kann ein Lied davon singen.

Beitrag melden
Carl 24.01.2010, 18:05
26311.

Zitat von IsArenas
Nein, nein. nein. Der Kontext geht ja so verloren, also kann auch nicht mit ihm argumentiert werden. Der Kontext muss schon konkret und nicht nur intuitiv erahnbar sein (sonst ja beliebtes Argument der Kontext-Gegner). Wir können uns aber meinetwegen darauf einigen, dass es in diesem Fall alles nicht so wichtig ist, weil es sich eh um ein irrelevantes Thema handelt. In einer technischen Dokumentation oder z.B. einem juristischen Text könnte ich mir eine solch schwammige Formulierung jedenfalls nicht erlauben!
Einen juristischen Text würde man aber auch nicht erst einmal mit dem Instrumentarium journalistischer Rhetorik im Stil eines Zeitungsartikels verfassen, sozusagen "ins Unreine", um ihn dann in einem zweiten Schritt auf ausreichende juristische Präzision und Brauchbarkeit abzuklopfen.

Aber auch das Bemühen von Gesetz- und Verordnungsgeber, Normen jenseits aller sprachlichen Ästhetik von vornherein in tunlichst hölzernem Juristendeutsch so präzise wie möglich zu formulieren, ist in erschreckendem Maße immer häufiger von kläglichem Versagen gekennzeichnet. Der moderne Gesetzgeber ist inzwischen oft nicht mehr in der Lage, selbst die einfachsten und übersichtlichsten Sachverhalte sprachlich unmißverständlich und unzweideutig zu regeln - selbst da nicht, wo dies mit dem primitivsten sprachlichen Handwerkszeug mühelos zu bewerkstelligen wäre. Im Vergleich zu dem, was dem Rechtsanwender da manchmal ohne jede Not an hilfloser Unklarheit und innerer Widersprüchlichkeit von den beamteten Amateuren in den Ministerien zugemutet wird, ist die Identität unserer "UNO-Organisation" geradezu ein Musterexemplar von makelloser Eindeutigkeit.

Beitrag melden
Reklov 24.01.2010, 22:03
26312.

Zitat von IsArenas
Dumm nur, dass das Akkusativobjekt von seiner Form her auch nach Umstellung nicht erkennbar ist.
Nein, gar nicht dumm, denn an erster Stelle steht ja das Subjekt und an dritter das Objekt, auf dessen Akkus.-Form es dann nicht ankommt. Die von mir genannte Regel habe ich vor ca. 60 Jahren noch im Deutschunterricht des Gymnasiums gelernt, und in guter Literatur ist mir noch nicht aufgefallen, dass dagegen verstoßen wird; nur der heutige Schlamp-Sprech und -Schrieb kennt die Regel nicht mehr und hat sogar auf den Duden abgefärbt.

Beitrag melden
IsArenas 24.01.2010, 22:23
26313.

Zitat von Reklov
Nein, gar nicht dumm, denn an erster Stelle steht ja das Subjekt und an dritter das Objekt, auf dessen Akkus.-Form es dann nicht ankommt.
Doch dumm. Denn wenn Sie so schulisch vorgehen, riskieren Sie eben, misszuverstehen und im gegebenen Fall auch missverstanden zu werden. Sie klammern einfach aus, dass bei entsprechen erkennbaren Beugungsformen ohne Not gegen diese Regel "verstoßen" werden kann und wird.

Zitat von Reklov
(...)und in guter Literatur ist mir noch nicht aufgefallen, dass dagegen verstoßen wird; (...).
Ich gehe jede Wette ein, dass z.B. bei Goethe und Thomas Mann unzählige Beispiele zu finden sind. Da ich mich zurzeit mit beiden beschäftige, wird es bis zum ersten Zitat nicht lange dauern.

Beitrag melden
IsArenas 24.01.2010, 23:00
26314.

Zitat von Reklov
(...) Die von mir genannte Regel (...).
beschreibt den Normalfall in den sogenannten SVO-Sprachen, zu denen nicht nur Deutsch gehört. Aber es ist - ausgenommen in Fällen, in denen Missverständnisse entstehen können - überhaupt kein Fehler, zu OVS umzustellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Verb-Objekt

In unserem Satz:
Zitat von
Das Institut wurde 2004 von der rot-grünen-Regierung geründet
soll die Betonung wohl auf Institut fallen. da ist gar nichts zu beanstanden, selbst nach Schulgrammatik.

Zitat von Reklov
(...) (...)der heutige Schlamp-Sprech und -Schrieb kennt die Regel nicht mehr und hat sogar auf den Duden abgefärbt.
*Seufz. Ach ja,.. früher war alles besser. Stimmt nicht! Oder doch? Lesen Sie mal Goethes Faust. Da wimmelt es nur so von Inkongruenzen, Neologismen, seltsamen Wortbildungen, umgedrehter Syntax, verschiedenen Schreibungen desselben Wortes, sterbender Genitive usf. Das Schöne für Goethe: es gab noch kein Internet, in dem Hinz und Kunz seine "Meisterleistungen" bloßstellen konnten. So gesehen: Früher war vieles besser!

Zitat von
Da steh' ich nun, ich armer Tor und bin so klug zuvor!

Beitrag melden
hhhhhhhhhhhh 25.01.2010, 00:30
26315. Appositionen

Ich habe in einem GEZ-finanzierten Artikel auf tagesschau.de folgenden Satz gefunden:

Zitat von
Auch gab es Zweifel an der Eignung des bisherigen Erweiterungskommissars Olli Rehn als Wirtschafts- und Finanzkommissar.
Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/eukommission124.html

Müsste das als fett markierte Wort nicht im Nominativ stehen? Ich habe dem zuständigen Redakteur bereits mehrere Mails geschrieben, aber weigert sich beharrlich, den Fehler zu korrigieren.
Ist mein grammatikalisches Verständnis etwa so sehr gestört?

Beitrag melden
ZumPostwinkel 25.01.2010, 01:03
26316. Stehe ich nun als Tor vor dem Tor oder dahinter?

Zitat von IsArenas
beschreibt den in den sogenannten SVO-Sprachen, zu denen nicht nur Deutsch gehört. Aber es ist - ausgenommen in Fällen, in denen Missverständnisse entstehen können - überhaupt kein Fehler, zu OVS umzustellen: In unserem Satz: soll die Betonung wohl auf Institut fallen. da ist gar nichts zu beanstanden, selbst nach Schulgrammatik. *Seufz. Ach ja,.. früher war alles besser. Stimmt nicht! Oder doch? Lesen Sie mal Goethes . Da wimmelt es nur so von Inkongruenzen, Neologismen, seltsamen Wortbildungen, umgedrehter Syntax, verschiedenen Schreibungen desselben Wortes, sterbender Genitive usf. Das Schöne für Goethe: es gab noch kein Internet, in dem Hinz und Kunz seine "Meisterleistungen" bloßstellen konnten. So gesehen: Früher war vieles besser!
Hallo IsArenas,

ich bedanke mich für Ihren Beitrag zur Gründung der "rot-grünen Bundesregierung" durch ein Institut.

Heißt es richtig:
Mein Beitrag verhindert SPON?
oder
SPON verhindert mein Beitrag?

Danke für Ihre Antwort.

mfg
ZumPostwinkel

Beitrag melden
ZumPostwinkel 25.01.2010, 01:48
26317.

Zitat von IsArenas
Dumm nur, dass das Akkusativobjekt von seiner Form her auch nach Umstellung nicht erkennbar ist: In einem solchem .....
Ihnen dank für klarung auf Von gründung der reg/government of rotgrean durch institute. I have great vertrauem (correct?) in der german vote von seine regierung.

many thanks and viel grüs

Beitrag melden
ZumPostwinkel 25.01.2010, 02:10
26318. Klarheit in den formulierten Gesetzestexten?

Zitat von Carl
Einen juristischen Text würde man aber auch nicht erst einmal mit dem Instrumentarium journalistischer Rhetorik im Stil eines Zeitungsartikels verfassen, sozusagen "ins Unreine", um ihn dann in einem zweiten Schritt auf ausreichende juristische.....
Ich kann Ihnen hier nur beipflichten. In den früheren Gesetzesnovellen war der Wille des Gesetzgebers eindeutiger und unmißverständlicher formuliert. In neueren Reformwerken fehlt es oft an eindeutigen Formulierungen. Deshalb ist die Rechtsprechung immer mehr verunsichert und wartet in der Regel auf höchstrichterliche Urteile.

Vielleicht liegt es an den Lohnarbeitern der Wirtschaft, die fast überall in den Ministerien ihre Lobbyarbeit betreiben? Oder ist der sprachliche Verfall so weit, daß wir normalen Menschen uns nicht mehr ohne Sprachcomputer
verständigen können?

Beitrag melden
ZumPostwinkel 25.01.2010, 02:56
26319. Wer hat nun wen gegründet?

Zitat von IsArenas
beschreibt den in den sogenannten SVO-Sprachen, zu denen nicht nur Deutsch gehört. Aber es ist - ausgenommen in Fällen, in denen Missverständnisse entstehen können - überhaupt kein Fehler, zu OVS umzustellen: In unserem Satz: soll die Betonung wohl auf Institut fallen. da ist gar nichts zu beanstanden, selbst nach Schulgrammatik. *Seufz. Ach ja,.. früher war alles besser. Stimmt nicht! Oder doch? Lesen Sie mal Goethes . Da wimmelt es nur so von Inkongruenzen, Neologismen, seltsamen Wortbildungen, umgedrehter Syntax, verschiedenen Schreibungen desselben Wortes, sterbender Genitive usf. Das Schöne für Goethe: es gab noch kein Internet, in dem Hinz und Kunz seine "Meisterleistungen" bloßstellen konnten. So gesehen: Früher war vieles besser!
Sehr geehrte(r) Herr/Frau IsArenas,

sind Sie möglicherweise der Meinung, daß eine korrekte Sprache zur besseren Verständigung beitragen könnte?

Sind Sie ferner der Meinung, daß eine korrekte Sprache mit strengeren und verständlicheren Regeln in einer entstehenden multilingualen Gesellschaft eine bessere Verständigung ermöglicht, als in einer Gesellschaft, die Beliebigkeit der Sprachauswahl und der Formulierung zuläßt?

Im juristischen Bereich gibt es schon seit langem erhebliche Verständnisprobleme, wenn es sich um Deutsche mit Migrationshintergrund, Asylbewerber u.a. handelt.

Deshalb ist es unabdingbar, aber auch aus anderen Gründen, daß wir an einer verständlichen Sprache mit einer weniger komplizierten Grammatik arbeiten.

Also bekennen Sie sich: Nur ein Kreuzchen genügt!

O Die rot-grüne Bundesregierung gründete das Institut.
O Das Institut gründete die rot-grüne Bundesregierung.

Ich hoffe, daß ich hier keine groben Fehler herein... -oder heißt es- hineinXXX, ich bleibe bei hereingebracht

Beitrag melden
Seite 2632 von 2822
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!