Forum: Leben und Lernen
1000 Fragen: Wie sterben Sprachen?

Sprache kann verbinden, trennen - und der Tod einer Sprache kann sogar traumatisieren. Derzeit gibt es etwa 6000 verschiedene Sprachen, ein Drittel davon ist bedroht. Aber warum sterben Sprachen aus?

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albert schulz 30.08.2011, 00:24
220. Dialekte

Liopleurodon

"Es hängt sehr stark davon ab, ob die Betroffenen selber ihre Sprache bewahren wollen. Wenn die Menschen sie aufgeben, kann man da gar nichts machen.

Allerdings verschwinden die meisten Sprachen durch Kolonialismus, bzw. durch das Aufsaugen kleiner Kulturen durch größere. In solchen Gemeinden würden viele Menschen gerne ihre eigene Kultur bewahren, aber wenn die Jugend fast geschlossen in die Städte zieht sind sie für die Kultur ihrer Vorfahren verloren."

In Frankreich habe ich ein überaus seltsames Phänomen beobachten dürfen. Sebst in Gegenden, in denen ich das örtliche Kauderwelsch nicht mal ansatzweise hätte verstehen können, konnte jeder in reiner Schriftsprache ohne jeden dialektischen Tonfall artikulieren, in Deutschland absolut ausgeschlossen. Oder in der Schweiz.

Etwas ganz Ähnliches in Irland. Iren scheinen die einzigen Englischsprachigen zu sein, die tatsächlich ein ordentliches Englisch zu sprechen vermögen, und nicht dieses furchtbare Genuschel um London rum. Vielleicht sind auch deswegen die meisten bemerkenswerten englischen Dichter der letzten zweihundert Jahre Iren.

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Christian Weiss 30.08.2011, 00:42
221. Zweitsprache immer ein Vorteil

Zitat von DonLucio
Man muß wohl schon ziemlich tief im Elfenbeinturm versunken sein, um die Reduzierung von 6000 auf einige hundert Sprachen in unserer globalisierten Welt als "Katastrophe" zu bewerten. Ich bin als Hamburger geboren und mit Platt aufgewachsen, in den 50er Jahren. In der Schule wurde mir Hochdeutsch beigebracht, seitdem ist das "meine" Sprache. Verlust an Identität? Traumatische Beschädigungen meiner Seele? Blödsinn! Erst die (perfekte) Beherrschung des Hochdeutschen hat mir den Zugang zur Welt schlechthin ermöglicht, damit auch zu kuturellen Bereichen, derer ich in meiner begrenzten Plattdeutschwelt niemals teilhaftig hätte werden können. Wenn man neben einer Weltsprache freiwillg sich auch noch mit einer Nischensprache beschäftigen will, gewissermaßen als folkloristische Erfahrung oder einfach als Hobby, dann ist das ok. Grundschüler aber zum Erlernen einer Sprache wie des Altfrisischen zu zwingen, halte ich für ein schlimmes Zeichen einer grotesken Rückwärtsgewandtheit der Lehrstoffverantwortlichen. Nach meiner Meinung ist der Nutzen für die Kinder gleich null, sie würden bedeutend mehr Wert aus ihrer Schulzeit ziehen, würden sie die Zeit stattdessen für Chinesisch, Russisch oder Spanisch verwenden.
Na ja, im Kanton Graubünden (Schweiz) überschneiden sich rätoromanischer Sprachraum (noch etwa 40000 Sprecher) und deutscher Sprachraum, weshalb vieler Orts die beiden Sprachen gleichberechtigt in der Schule gelehrt werden. Nach meiner Erfahrung erlernen die rätoromanischen Muttersprachler, die gleichzeitig Deutsch sprechen, da es ausser in den italienisch sprechenden Teilen Graubündens überall als Verkehrssprache verstanden wird, jede weitere Fremdsprache deutlich einfacher als wir (ausserhalb der Schule) einsprachig aufgewachsenen Deutschschweizer.
Oder kurz gesagt: Sämtliche mir bekannten Rätoromanen sprechen auch besser französisch, italienisch und englisch als ich.

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daniel.pfeiffer 30.08.2011, 00:43
222. Englische Grammatik

Zitat von albert schulz
die Fälle werden ausschließlich mit Präpositionen gebildet
"I, me, mine", immer noch lebendig. Die Fälle haben sich halt zurückgebildet, die gibt es nur noch bei Pronomen.

Zitat von albert schulz
Siezen kann man nicht
Irrtum, duzen kann man nicht. Die Du-Form "thou hast" usw. ist fast identisch mit der deutschen, aber außer in der Bibel ausgestorben.

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Bärchen09 30.08.2011, 00:44
223. Ach du liebe Zeit

Zitat von tito
sollte auch mit nur noch einer Sprache sprechen. Wie sollte eine Verständigung zwischen Deutschen und Griechen möglich sein, wenn zu den komplizierten Sachthemen auch noch sprachliche Mißverständnisse .....
Lieber Tito, als erstes sollten Sie den Franzoschen einmal mit diesem Vorschlag kommen. Aber sichern Sie sich vorher einen Fluchtweg.
Vielleicht meinen Sie das Ganze auch als Witz. Anders verstehe ich das nicht.
Nein, wir sollten alles tun, um die Vielfalt der Sprachen zu erhalten. Es geht um Kultur, um die Geschichte und die Geschichten. Stirbt eine Sprache, dann stirbt das alles - unwiederbringlich.
Einige Sprachforscher versuchen sogar Teile der Bibel in solche minimal Sprachen zu übersetzten. Nur die eigene Sprache erreicht die Herzen der Menschen.
Wollen Sie deutsche Gedichte nur noch auf Englisch?
Es ist sicher unumgänglich, dass Menschen z.B. in Südamerika entweder Spanisch oder Portugisich lernen. Aber es ist genau so wichtig, dass sie ihre eigene Sprache nie vergessen. Sie vergessen sonst ihre Wurzeln. Ihre Träume und Geschichten, ihre Gefühle sind in ihrer Sprache der Vorfahren.
Es mag gut sein, wenn es in manchen geschäftlichen Abwicklungen eine Sprache gibt. Unsere Söhne kämen ohne Englisch nicht mehr aus - die ganzen weltweiten Verbindungen. Aber sie sprechen natürlich Deutsch, lesen diese Sprache. Und sie leben darin.
Ihr Vorschlag, lieber Tito, wird abgelehnt. Aber lernen sie nur fleißig Englisch.

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syracusa 30.08.2011, 15:39
224. @ Bärchen09

Zitat von Bärchen09
Ihr Vorschlag, lieber Tito, wird abgelehnt. Aber lernen sie nur fleißig Englisch.
Es fällt dramatisch auf, dass die Technokraten hier im Forum, die aus ökonomischen Gründen für eine möglichst einheitliche Sprache auftreten, Sprache alleine als Kommunikationsmedium betrachten. Sprache aber ist zuallererst ein Medium des Denkens.
Solange Menschen ungleich sind, unter ungleichen Bedingungen leben, und ungleiche Bedürfnisse und Wertmaßstäbe entwickeln, solange werden Menschen unterschiedlich denken und unterschiedliche Kulturen entwickeln, und werden für dieses unterschiedliche Denken und das Kommunizieren darüber unterschiedliche Sprachen verwenden.

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Arion's Voice 02.09.2011, 20:12
225. 1-2-3

Zitat von goodand
1. Was "Anstand" mit "Kultur" im klassischen Sinne und Sprache zu tun?? Weder deutsch-, noch englisch- oder arabischsprechende Menschen waren in der Vergangenheit als Pazifisten bekannt... 2. Mit Mathe, Informatik und Naturwissenschaften werden evolutionär relevante Erkenntnisse generiert. Dann gibt es noch Gesellschaftswissenschaften, welche das Zusammenleben (Gesellschaftsfähig) der Menschen ermöglichen und verbessern, wie etwa Soziologie, Philosophie/Ethik, aber auch Jura, BWL und VWL. Welchen Nutzen die Germanistik hat, müssen Sie mir erklären! 3. Wenn das plötzliche Aussterben einer Sprache einen signifikanten Wissensverlust zur Folge haben sollte, dann wäre es das Englische. Welches Wissen soll bitte mit dem Friesischem verlorengehen?? Jede ernstzunehmende wissenschaftliche Erkenntnis wird heute auf Englisch publiziert, also so what?? MfG, goodand
Ihren ersten Punkt habe ich nicht verstanden. Liegt vielleicht auch am unvollständigen Satz.

Zweitens geht es um Geisteswissenschaften, die für eine Gesellschaft wichtig sind. Um Gedanken und Ideen zu formulieren, brauchen Sie eine Sprache. Ist in Mathe nicht anders. Sonst können Sie sich nicht artikulieren.

Drittens: Sind Sie wirklich so unglaublich arrogant und intolerant, dass Sie - ohne genaue Kenntnis zu haben - behaupten, dass Sie NICHTS, aber auch gar nichts, von der Kultur der Friesen lernen können? Sie können von JEDER Kultur etwas lernen, garantiert. Und den Zugang dazu erhalten Sie nur über die Sprache. Zum Beispiel hatten weniger schriftlich fixierte Kulturen Techniken, sich über lange Zeiträume komplexe Sachverhalte zu merken, von denen unsere jetzige Gesellschaft mit Wikipedia-Nachschlagern, Googlern und App-Usern nur träumen können. Nur einer von unzähligen Punkten.

Sie wissen nicht, welches Wissen mit dem Friesischen verloren gehen KÖNNTE, aber es ist Ihnen egal (Ihre eigenen Worte). Wie wissenschaftlich ist das denn?!....

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keksen 29.09.2011, 00:31
226. Nö,

[QUOTE=ColynCF;8594381
Das ganz sicher ja. Vor allem die Nicht-Engländer. Englisch ist nun mal global und nicht nur europäisch die führende Sprache. Von daher wird sich auch auf europäischer Ebene am Ehesten die Macht des Faktischen durchsetzen.[/QUOTE]

da hab ich aber kein bock drauf ;) (gibts es übrigens noch sehr viele mehr)

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keksen 29.09.2011, 00:58
227. Warum,

Zitat von Liopleurodon
Warum sollte ausgerechnet die nach Sprechern größte Sprache der EU dafür aufgegeben werden?
sollte überhaupt irgendeine Sprache auf der Welt unter Zwang aufgegeben werden nur weil einige der Meinung sind wir sollten gefälligst alle Englisch reden? Völlig sinnlose Diskussion hier. Sprachen vergehen, ohne Frage. Aber das sollte auf natürlichem Weg geschehen und bitte nicht weil man von Heute auf Morgen gezwungen wird.

Wer sagt denn nicht, dass wir in Zukunft alle (oder in Europa, "whatever") ein Mischmasch aus mehreren Sprachen sprechen und zwar ohne das uns das oktruyiert wurde .

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prefec2 29.09.2011, 13:42
228. Böcke sind da nur z.T. nützlich

Zitat von keksen
da hab ich aber kein bock drauf ;) (gibts es übrigens noch sehr viele mehr)
In Europa wird sich als administrative Kommunikationssprache Englisch durchsetzen. Wenn man es genau nimmt. Hat es das bereits.

Auf Länder-Ebene werden sich aber die lokalen Sprachen behaupten da sie dort sehr gut funktionieren. Sprache ist ja nicht nur Kommunikationsmittel sondern auch Reflexion der Kunst und Kultur eines Landes oder einer Sprachgemeinschaft.
Englisch hat sich übrigens auch in anderen Ländern als reine Kommunikationssprache etabliert. Man sehe sich mal Indien an oder Südafrika.
Wer also auf 'internationaler Ebene' kommunizieren will, der wird wohl Englisch lernen. Wer gerne die Tiefe der Kulturen erleben will, wird sich früher oder später mit den Landessprachen beschäftigen.

Dennoch werden viele kleine Sprachen aussterben, allein deshalb weil die Sprecher aussterben und meist ihre Kultur assimiliert wird. Das ist der Lauf der Dinge.

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