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50 Jahre Ganztagsschule: Als Politiker das Ende der Familie fürchteten
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1969 wurden die ersten Ganztagsschulen in Deutschland beschlossen. Bildungsforscher Klaus Klemm erklärt, woran es damals hakte - und warum Eltern und Pädagogen auch heute nicht immer dasselbe wollen.

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Mertrager 03.07.2019, 18:42
1. Stimmt doch

Die Familienstrukturen sind nun häufiger nicht intakt, eine klassische Familie wird zur Ausnahme. Patchwork zum Standard. Und der Generationenvertrag funktioniert auch immer seltener. Auch in der Familie oft nicht mehr. Das alles hat viele Ursachen. Unabhängig davon, ob es gut oder schlecht sei: Die Ganztagsschule ist ein Beitrag zu dieser Entwicklung.

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HaraldSchicke 03.07.2019, 18:49
2. Und wer hat die Kinder gefragt?

Wenn man Kinder den ganzen Tag in der Schule einsperrt, raubt man ihnen ihre Kindheit. Als der Hamburger Senat die Ganzheitsschule einführen wollte, hat unsere gesamte Klasse dagegen demonstriert und dafür den Unterricht "geschwänzt".

Wenn wenigstens der Nachmittag frei ist, kann man den Schulknast noch einigermaßen ertragen. Dabei ist es eigentlich unerträglich, dass Kinder ohne Schuld in die Schule gezwungen werden. Der Unterricht ist meist eine Katastrophe, die Lehrer eine Zumutung, die Unterrichtsthemen aus dem vergangenen Jahrhundert.

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wiesenfritze 03.07.2019, 19:27
3. ich und lothar späth

oh man, mir wird ganz anders, wenn ich dieses interview lese. ich bin in fast allen (gesellschafts-)politischen themen progressiv/links eingestellt, außer wenn es um kinder geht. dass ich mal einer meinung mit lothar späth sein werde, hätte ich auch nicht für möglich gehalten;-) ich finde den trend zu immer früherer und immer längerer institutionalisierten betreuung einfach beschissen. kinder brauchen für eine gute und gesunde entwicklung freie zeit, jenseits von schule, kursen und anderer institutionalisierter bildung. diese vorstellung dass kinder wie leere vasen sind, in die man bildung reinkippt und dann wird alles gut, ist einfach falsch. zeit in der familie und mit freunden, nachmittage im garten, wald oder auf dem spieplatz, lego spielen oder einfach auch mal anständig langweilen sind so wichtig und unterschätzt. aber für sowas bleibt keine zeit, wenn kinder nach der ganztagsschule erst gegen 17uhr oder später zu hause sind. der großteil der kinder ist dann einfach mal platt....das heißt dass man sich in der familie im schlechtesten fall in der frühmorgendlichen hektik vor schule/kiga/arbeit und gegen abend fürs essen/ins bett bringen sieht - sorry, aber das ist doch einfach familienfeindlich, oder nicht? sehr empfehlenswert zu dieser thematik ist das buch "mutter, vater, staat- das märchen vom segen der ganztagsbetreuung. wie politik und wirtschaft die familie zerstören" von rainer stadler. ganztagsbetreuungskritik von linker seite, nicht wie gewohnt aus der schwarz/braun/blauen ecke;-).

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jonnystarks 03.07.2019, 19:38
4.

Für mein Befinden ist der gebundener Ganztag too much. Der offene oder teilgebundener Ganztag ist eine gute Sache, um die Arbeitswelt der Eltern mit Kindern zu vereinbaren. Dem Bildungsforscher wäre es natürlich lieber, wenn er die Kinder von der Krippe bis zum Abitur professionellen Pädagogen überlässt und nicht Amateuren wie Eltern, um ein optimal Designtest Kind zu formen. Letztendlich stelle mir persönlich die Frage, warum setze ich eigentlich Kinder in die Welt, wenn ich sie in der Woche nur von 17 bis 19 Uhr und an den Wochenenden (wenn sie nicht verplant sind) sehe.

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hosswilly 03.07.2019, 19:44
5. Pisa und Wirtschaft

"Gute Schulpolitik braucht mutige Kultusminister"...
Rein auf Bildung und Wirtschaftstauglichkeit fixiert.
DDR.
Dabei steht ein Gesellschaftsbild Pate das Herzensbildung und Bindungsfähigkeit ignoriert . Das Beispiel DDR sollte doch was lehren. Wir machen den Mist nach.
Kinder die keinen Freiraum für sich haben verplant ..weil auch keiner der Bezugspersonen mehr für sie Zeit hat.
Versachlicht passt das zur Scheidungsquote und der Vielzahl Alleinerziehender und der Zunahme von Depressionen und psychischen Erkrankungen.

Schlüsselkinder.

Hauptsache Pisa stimmt und die Wirtschaft hat funktionierende Kräfte. Marionetten .

"Gute Schulpolitik" wie wir sie kennen.
Danke Herr Professor.
Das überzeugt nur Pisaer.

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jemde 03.07.2019, 19:55
6. "Als Politiker das Ende der Familie fürchteten" - hat ja auch geklappt

Die familiären Strukturen sind weitgehend zerstört, der Mittelstand zuckt noch, der Sozialismus ist in breiter Front auf dem Vormarsch, der Marsch durch die Institution ist weitgehend abgeschlossen. Besser geht es uns dabei allerdings nicht. Ich wünschte jedem Kind die Freiheit, die ich als 1960 Geborener hatte. Mittags den Schulranzen in die Ecke gepfeffert und dann erst einmal raus zum Spielen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es wesentlich besser hatten als die Kinder und Jugendlichen heute. Ich habe zusammen mit meiner Frau drei Kinder großgezogen und dabei versucht, sie vor genau diesen Auswüchsen staatlicher Allmachtsphantasien zu schützen. Prof. Hüther sagte so schön: "Der Staat soll erst einmal für die beste Halbtagsschule weltweit sorgen, ehe er jetzt auch noch die Kinder den ganzen Tag einkaserniert."

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jautaealis 03.07.2019, 19:59
7. Das Ende der Familie ...

... wäre das Beste, was der Menschheit und allen Kindern dieser Welt widerfahren könnte! Stehen Eltern doch allein für Prügel, Vergewaltigungen, Morde, Vernachlässigung, Chancenverhinderung, Glücksbekämpfung und – als engste Verwandte – auch für Clankriminalität, Mafiatum, Vetterleswirtschaft sowie alles andere Übel dieser Erde!

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hexenbesen.65 03.07.2019, 20:16
8.

Wir hatten auch Ganztags-Schulen...auf dem Papier. Meine Kinder hätten HEUTE noch Nachmittagsbetreuungs-Anspuch von damals. Großartig versprochen , nix passiert.
Da kam es vor, dass das Kind um 11 Uhr schon Schule aus hatte, einer der Eltern aber um 12.30 Uhr zur Arbeit musste, und der andere Elternteil um 14.30 Uhr nach hause kam. Gerade DESWEGEN haben wir (für die 2 Stunden "Übergangszeit") die Kinder im Hort angemeldet. Und nicht bis 17 Uhr.. Und wir bekamen die Betreuungskosten nicht in den Hintern geblasen bekommen wie manche heute. Wir mussten richtig blechen ! Ohne Betreuung durch die Schule sind die meisten Eltern gar nicht in der Lage, arbeiten zu gehen . Aber es wird ja von den "Super-Eltern" von anno tuback ja gerne erzählt, dass man "Raben-Eltern" sei, wenn man ein Kind zur Betreuung gibt- warum man denn Kinder haben wollte, wenn dann doch Fremdbetreuung...---Hallo, geht´s noch ? Angenommen, ich wäre zuhause geblieben...hätten wir die hälfte an Einkommen gehabt, die Kinder wären vorm TV geparkt gewesen... ein Elternteil wäre gelangweilt gewesen...und hätte den Frust an den Kindern ausgelassen. So haben wir QUALITÄTS-ZEIT mit den Kindern gehabt. Von 14.30 uhr an bis abends ins Bett bringen. Geschadet hat es den Kindern auf keinen Fall- und uns auch nicht.

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andiwe 03.07.2019, 20:47
9. Schon merkwürdig

Es ist eine merkwürdige Übereinstimmung (auch im dierekten Sinn des Wortes merk-würdig), dass alle totalitären Regime, ob sie nun von links oder rechts kommen, eines gemeinsam haben: Sie wollen die Kinder ihren Eltern entziehen und in Organisationen zwingen, in denen sie in ihrem Sinne beeinflusst werden können. Ob es sich nun Hitlerjugend oder junge Pioniere nannte, das Prinzip war gleich. Ich wurde in einer Generation erzogen, wo man nach der Schule zum Mittagessen nach Hause ging, und dann nach 1-3 Stunden Hausaufgaben seine Freizeit selbst gestalten durfte. Ob man dann in Vereinen oder mit Freunden etwas unternahm, lag an einem selbst. Und ich glaube nicht, dass mir das geschadet hat. Diejenigen, bei denen beide Eltern arbeiteten waren bei Oma oder Bekannten über Mittag, oder ältere Geschwister kümmerten sich darum. Und Hausaufgaben löste man alleine - dazu sind sie nämlich da. Zwingende Ganztagsschule kenne ich als Wunsch in Deutschland nur von ganz links außen, und ich habe noch niemanden aus der politischen Mitte erlebt, der sie wollte.

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