Forum: Leben und Lernen
ABC-AG: Platz da, die Privatschule-Kette kommt

Erst Berlin, dann die ganze Republik: Mit ihren Privatschulen zielt die Phorms AG auf Kinder ehrgeiziger Mittelschicht-Eltern - bald bundesweit. Die Gründer haben viel investiert, denn am Ende wollen sie mit Bildung gutes Geld verdienen. Ein Schulbesuch bei polyglotten Pionieren.

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timto 13.06.2008, 10:33
1. Interessant, jeder Schulplatz spart dem Staat 40%

Wie in dem Artikel auch erläutert, erhalten Privatschulen einen "Zuschuß" von 60% dessen, was ein Schulplatz an einer öffentlichen Schule kostet.

D.h. jeder Schüler, der eine Privatschule besucht, reduziert die staatlichen Bildungskosten um 40%.
Kann mir jemand vor diesem Hintergrund den Schlußsatz erklären:

"Die größten Förderer dieser Privatschulform aber sind jene, die sie sich nicht leisten können. Es sind ihre Steuern, die von unten nach oben verteilt werden."
Mir scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein.

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Gehirnstein 13.06.2008, 10:59
2. Politikerkinder sollten nur in Staatliche Schulen gehen dürfen

der letzte Satz sagt alles.
"Die größten Förderer dieser Privatschulform aber sind jene, die sie sich nicht leisten können. Es sind ihre Steuern, die von unten nach oben verteilt werden."

Auch ich würde ich mein Kind auf solche Schule schicken wenn ich es mir leisten könnte. Die normalen Schulen in Berlin sind leider das letzte. Und solange Politikereltern und deren Lobbyistenfreunde die Möglichkeit haben ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken wird sich daran auch nichts ändern.

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prophiler 13.06.2008, 11:15
3. Darf ich mit investieren?

Das gestörte Vertrauen in staatliche Grund- und Oberschulen kann ich nur zu gut nachvollziehen, denn diese einkommensstarke Mittelschicht hat in der Vergangenheit selbst miterlebt, wie ihr eigenes Potential in 35 Personenklassen nicht voll ausgeschöpft wurde.
Danke, dass der Autor nicht das Pseudoargument der Überforderung von den Kindern und Jugendlichen an dieser QuasiGanztagsschule aufgreift.
Auch das generelle Lehrkonzept wird dem Grunde nach bejaht. Und über die kritischen Gedanken zur Steuerfinanzierten Elitenförderung lässt sich vortrefflich streiten.
Diese Ängste könnte ich als potentieller Arbeitsloser vielleicht teilen, jedoch würde ich selbst bei geringem Einkommen versuchen mein Kind in dieser Einrichtung unterzubringen.
Welche objektiven und vor allem "fairen" Auswahlmethoden von den Entscheidungsberechtigten gewählt werden, wird die Zukunft zeigen. Wenn aber nicht aktiv um Sprösslinge bildungsfernerer Schichten geworben wird, könnte dieser Schultyp tatsächlich ein weiterer "Elfenbeinturm" mit wenigen praxisnahen Fallbeispielen wirtschaftlichen Misserfolgs werden, deren Eltern wenigsten jetzt versuchen ihnen die wichtigen Startchancen einzuräumen.

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Jandokar 13.06.2008, 11:15
4. Ausbildung statt Bildung

Was soll an der Schule nun herauskommen? Allesbesserwisser, arrogante Schnösel oder doch die besseren Menschen, pardon Schulabgänger? Oder ist es doch nur ein Kapitalunternehmen, das die Löcher wegen zurückgehender staatlicher Bildungskompentenz ausfüllt und damit zuerst Geld verdienen will? Noch wissen wir es nicht, aber sicher ist, es ist ein weiterer Schritt zu Gesellschaftsverhältnissen wie in den USA und ein Beitrag zur fortschreitenden Entsolidarisierung unserer Gesellschaft.

Man sieht schon vom Ansatz, daß diese Schule andere Ziele verfolgt, als Schulen mit alternativen pädagogischen Ansätzen: Es geht wohl mehr um Ausbildung als Bildung. Denn diesen Unterschied kennen die Aufbereiter marktgerechten Humankapitals nur unzureichend. Bleibt zu hoffen, daß bei den jungen Menschen nach dem Verlassen dieser Ausbildungsstätte noch ein paar Ecken und Kanten übrig geblieben sind.

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digitalturbulence 13.06.2008, 11:27
5. Gute Idee

1. Werden damit die Bildungskosten staatlicher Einrichtungen erheblich reduziert.
2. Bekommen wir leichter eine neue Elite
3. Werden auch ärmere Eltern sich diese Schulen leisten können, denn je mehr Schulen es gibt, desto mehr werden die Schulen gezwungen seien Kosten zu reduzieren.

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apoll0n 13.06.2008, 11:35
6. Klassisch Spiegel

Wird es jemals eine sachliche Bewertung irgendeines Gesellschafts-Themas geben im SPIEGEL, oder muß ein Redakteur bei Geldstrafe jedem Thema einen sozialhysterischen Dreh geben? Dieser Artikel beschreibt auf zwei Seiten eine Schulform, die sich wahrscheinlich alle Eltern für ihre Kinder wünschen, auf die mit Sicherheit auch der Autor seine Kinder sofort schicken würde. Aber weil dies der Spiegel ist, darf eine abschließende Defamierung als "Umverteilung von Steuergeldern von unten nach oben" einfach nicht fehlen. Was für eine Heuchelei - alle, ausnahmslos alle mir bekannten Akademiker im allgemeinen und Journalisten im besonderen schicken ihre Kinder auf die beste Schule, und oft ist das in der Tat eine Privatschule. Aber der Grund dafür ist nicht die Verschwörung Reich gegen Arm, die allerorts herbeizufantasieren des Spiegels edelste Aufgabe ist, sondern die menschliche Sorge ums Kind und daß es ihm gut gehen möge, daß es geliebt und gebildet werde. Diese Sorge vereint das Architektenpaar aus Berlin Mitte mit der Tagelöhnerfamilie aus Pakistan. Und diese Sorge wird immer realer und wirksamer sein als das gutmenschelnde Betroffenheitsgeschwurbel, das schon so lange das wirkliche Markenzeichen des Spiegels ist.

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pitschu 13.06.2008, 12:07
7. Abc-ag

Ein typischer Spiegel-Artikel:
Als ob es anrüchig wäre, mit Bildung Geld zu verdienen. Was spricht dagegen, mit einem guten Alternativangebot zur staatlichen Schule etwas zu verdienen?
Viel wichtiger ist hier sowieso, dass den Schülern (und nicht nur den Eltern!) eine Alternative geboten wird. Nur durch mehr Wettbewerb können sich bessere Bildungsinstitutionen herausbilden. So etwas schafft man nicht, indem eine einmalige Reform den ganz großen Wurf macht! Im Hinblick darauf hört sich auch das Schulkonzept schlüssig an, da es eher auf kleine Schritte setzt, anstatt einer völlig vom Bildungskonzept der staatlichen absondert.
Das Fazit ist dann völlig daneben! Wo werden hier Steuergelder von unten nach oben verteilt? Für den Steuerzahler sind 60% der Personalkosten deutlich günstiger als 100% aller Kosten! Zumal man davon ausgehen kann, dass an einer Privatschule deutlich effizienter gewirtschaftet wird, als es bei öffentlichen Schulen der Fall ist.

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tito 13.06.2008, 12:40
8. Neid, Ideologie und Verstand

Der Autor ist ja mal wieder so gelb vor Neid oder so ideologisch verbohrt, dass es ihm um den Verstand gebracht hat.

"Die größten Förderer dieser Privatschulform aber sind jene, die sie sich nicht leisten können. Es sind ihre Steuern, die von unten nach oben verteilt werden."

Diejenigen, die es sich nicht leisten können, zahlen auch keine Steuern. Wer zahlt denn 90% der Einkommenssteuern?

Zum anderen: Gingen diese Schüler auf ein staatliches Gymnasium, müßte die Ausbildung dieser Kinder zu 100% vom Staat übernommen werden - hier nur zu 60%. Die staatlichen Aufwendung für diese Kinder dürften wohl eher geringer sein an diesen Schulen, als an einer staatlichen Schule. Die Ausbildung - und wohl auch die Bildung - aber besser.

Apropos Bildung: Wo soll die an den staatlichen Schulen denn herkommen? Unterrichtsausfall, frustrierte Lehrer, 20 Jahre alte Lehrbücher, die mit der heutigen Realität nichts mehr gemein haben, Lehrer, die aus diesen Lehrbüchern auch noch lehren, .....

Apropos Amerika: Mein Sohn war ein Jahr drüben in der Pampa an einer Public High School und schwärmt regelrecht von engagierten Lehrern, viel mehr Möglichkeiten, positive Stimmung bei fast allen Schülern und Lehrern, durch Tutoren fast optimale Zuordnung von Schülern und Kursniveau, größeren Spaß der Schüler und in den AP-Kursen deutlich höherem Niveau als hier an einem hervorragend beleumundeten, altsprachlichen Gymnasium. Ich denke, dass wir unsere Überheblichkeit mal ablegen sollten.

Schauen wir doch mal weiter. Was wollen denn unsere Politiker verbessern?

Minister Scholz, SPD: Garantie für Hauptschulabschluß. Die Folge wird sein, dass das Abschlußzeugnis gar nichts mehr wert sein wird - Waschzettel.

Die Grünen: Abschaffung der Hauptschule. Die Folge wird sein, dass auch der Realschulabschluß nichts mehr wert sein wird - Hauptschule.

Vielleicht ist die Phroms-Schule eine Möglichkeit, auch in Berlin zu einem allgemein anerkannten Abitur zu kommen und nicht nur zu einem linksideologischen Waschzettel. Natürlich ist dies Polemik. Aber es ist etwas wahres dran.

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kashmir_de 13.06.2008, 13:02
9. Abc-ag

Zitat Spiegel
„Die größten Förderer dieser Privatschulform aber sind jene, die sie sich nicht leisten können. Es sind ihre Steuern, die von unten nach oben verteilt werden.“

Ganz toller Satz.
Doch muss ich mich wirklich fragen, ob die Mittelschicht keine Steuern zahlt.
Ach ja, dem ist ja nicht so! Komisch ist nur, dass in einigen Artikel (auch im Spiegel) gerade der Mittelschicht über die immense Steuerlast stöhnt.

In dem Artikel schwingt immer ein kleiner, fader Beigeschmack mit.
Der Geschmack, dass das nicht mehr sozial ist.
Das kann man wirklich so sehen, aber wer trägt denn jetzt wirklich die Schuld daran?
Ist es nicht so, dass unser Schulsystem kaputt ist und an der Bildung immer weiter gespart wird?
Dies sehe ich hier auch in Hamburg.
Immer größer Klassen, weniger Lehrer bzw. es werden Aushilfslehrer beschäftigt.
Immer wieder fallen Stunden aus, wegen fehlender Lehrer aus.

Hier sei der Bildungsbericht 2008 an Herz gelegt.

Seien wir ehrlich!
Welches Elternteil wünscht sich für seine Kinder nicht die bestmögliche Ausbildung und wenn der Staat versagt, muss halt die Privatschule her.

Ach und dann noch eins!
Ja, eine Firma muss Geld verdienen, gut Wirtschaften können und auch Gewinne erzielen.
Dies müssen nun halt auch Privatschulen, um längerfristig bestehen zu können.
Was ist also so verwerflich daran?
Diesen Unterton im Spiegel kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Sicher, Bildung sollte keine Ware sein, aber gerade der Staat hat dieses zu jener gemacht.
Also wer verhält sich eigentlich hier unsozial?
Die Eltern, die das Beste für Ihr Kind wünschen?
Eine Firma, die diese Wünsche erfüllen kann und damit auch Profit machen möchte?
Oder ein Staat, der nicht in der Lage ist ein Schulsystem zu präsentieren, das den Eltern und Kindern gerecht wird. Das Schulsystem kaputt spart, so dass nur noch Kinder in staatlichen Einrichtungen gehen, deren Eltern sich nichts Besseres leisten können?

Jedes mal das gleiche!
Pisa kommt, beurteilt, Deutschland fällt ganz tief und Politiker wollen dann was ändern.
Nur was wird geändert?
Es wird weiter gespart!

Verabschieden wir uns von der sozialen Marktwirtschaft, denn die haben wir bei 1 Eurojobbern schon lange nicht mehr.
Und wo Mindestlöhne immer noch tabu sind und hier stark auf China verwiesen wird,
werden wir auch keinen sozial gerechten Staat erleben, da er sich diese schlicht nicht leisten kann.

Gruß
kashmir_de

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